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bald sie aber durch Anstossen der Cabanis'schen Platte bewegt wird, so wird sie etwas in die Höhe gezogen, die Platte etwas tiefer in die Nase ge– schoben, und die Sonde alsdann in eines der Löcher der Platte eingedrückt. Man bemerkt leicht, ob das Knöpfchen, der Sonde in der Platte aufge– nommen ist; denn wie man die Platte etwas be– wegt, so bemerkt man eine gleichzeitige Bewe– gung der Sonde. Nun wird das schiebbare Blatt durch den am Griffe befindlichen Knopf etwa eine halbe Linie hervorgedrückt, wodurch das Knöpfchen der Sonde umgebogen, und die Sonde selbst eingesperrt wird: Man zieht nun die Platte langsam aus der Nase aus, während man mit der andern Hand der Sonde einen gewissen Nachdruck giebt, um auf diese Weise die Sonde mit ihrem geöhrten Ende und dem darin befindlichen Faden durch den Thränenschlauch aus der Nase in einem langsamen Zuge herauszubringen. Die Operation auf diese Weise verrichtet, ist sehr schmerzhaft; Kinder halten gewöhnlich nicht still genug, um nach dieser Methode operirt werden zu können. Was aber dem Verfahren vorzüglich entgegen– steht, ist, dass es bei engen Nasenöffnungen, oder beim nahen Ä der untern Nasenmuschel an der unterm Mündung des Nasenkanals, wo man nur eine kleine Fläche der Cabanis’schen Platte der Sonde zum Einfallen darbieten kann, und die Sonde die Löcher der Platte immer verfehlt, nicht mit Erfolg angewendet werden kann ).

4) Zang (im a. W. 2. B. S. 128) führt die angegebene Methöde ebenfalls an, bestimmt jedoch die Fälle, in welchen der Gebrauch der Darmsaiten oder Bleisonde der Fadenschlinge vorzuziehen ist. Dessault schob über die Sonde ein silbernes Röhrchen, und durch das Röhrchen einen Faden, welcher ausgeschnaubt werden muss, ein. Girault bediente sich des Röhrchens und einer geöhrten Spiralfeder zum Einlegen des Fadens (Dessault's chirurg. Nachlass 2. B. S. 124), Richerand (Nosographie chirurgicale T. 2. p. 46) beschreibt ebenfalls dieses Ver

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Wathen ), Foubert, Pellier und Bell empfahlen das Einlegen eines Röhrchens in den Thränengang. Dieses Verfahren wurde in neuern Zeiten durch Dupuytren *) und Ansiaur *) wieder in Gebrauch gezogen. Dupuytren bedient sich folgender Werkzeuge: 1. einer silbernen oder goldenen Röhre, welche 2o bis 25 Millimeter in der Länge hat, von conischer Gestalt, oben weiter als unten, am oberen Ende mit einem aufgeworfenen Rande versehen, in ihrem Verlaufe etwas weniges gebogen, und unten schief abgeschnitten ist; 2. aus einem eisernen Griffel, auf welchen die Röhre aufgesteckt werden kann. Der Thränensack wird mit einem Bistouri auf einen Zug geöffnet, nnd auf dem Rücken des Messers das auf den Griffel aufgesteckte Röhrchen in den Nasengang eingeleitet, und von da bis in die Nase fortgeschoben. Der Griffel wird entfernt, das Röhrchen bleibt liegen. Der Schmerz, welchen der Patient er– leidet, ist sehr gering; ist der Giffel in der Nase angekommen, so fliessen einige Tropfen Blut aus derselben aus. Die gute Lage der Röhre lässt sich dadurch erkennen, dass Luft mit Blut gemischt aus der Wunde hervorgetrieben wird, wenn der Patient Mund und Nase schliesst, und dabei stark ausathmet. Die Wunde des Thränensackes wird durch einen Streifen englischen Pflasters geschlossen. Dupuytren will hierdurch eine permanente Ausdehnung jede Verengerung des Nasenganges, und demnach jeden Rückfall der Krankheit verhüten. Nach einer von Dupuytren aufgestellten Berechnung wurden von zwanzig auf diese Weise behandelten Individuen sechszehn vollkommen geheilt. Bei zwei oder vier andern fällt die Röhre in die Nase oder steigt nach oben, so dass sie entfernt werden muss. Allein, da dieser Zufall immer lange Zeit nach Vornahme der Operation sich einstellt, so ist der Erfolg gewöhnlich günstig. Endlich zwei Individuen von zwanzigerleiden Zufälle der heftigsten Entzündung, welche, wenn sie dem antiphlogistischen Verfahren nicht weicht, die Entfernung der Röhre verlangt. Das Resultat ist nicht so günstig als jenes, welches man durch das oben beschriebene Verfahren erhält, wo alle Individuen, wenn nach Vorschrift gehandelt wird, in der Regel geheilt werden. Die Herstellung des Nasenganges ist der Bil– dung eines künstlichen Weges vorzuziehen; es giebt jedoch Fälle, in welchen letzteres Verfahren allein ausführbar ist. Wenn der Nasengang in seiner ganzen Länge durch unmittelbare Verbindung seiner Wandungen undurchgängig, wenn der knö– cherne Theil desselben in der Form alienirt, wenn endlich das Thränenbein cariös ist"), dann ist es ') Schmidt (im a, W. S. 305) bemerkt mit Recht, dass angezeigt, durch Anborung des Nagelbeins einen künstlichen Weg für die Thränen zu bilden ). Zu diesem Zwecke wird der Thränensack, wie oben angegeben wurde, eröffnet. Ohne die hinterc Wand vorläufig einzuschneiden, wird die Spitze des Pott'schen Troikarts zunächst der länglichten Leiste auf den untern Theil des Thränenbeins gesetzt. Man macht mit zunehmender Gewalt eine rotatorische Bewegung, indem man die Spitze nach abwärts richtet, bis man durchgekommen ist. Die Gewalt muss sehr gemässigt seyn, damit man nicht zu tief mit dem Troikart eindringe, und Theile der Nasenknochen unnöthigerweise verletze. Die rotatorische Bewegung dient dazu, dass man die dünnen Knochen durchbore, nicht aber durchdrücke, in welchem Falle sie leicht splittern, und dadurch grössere traumatische Reaction veranlasst wird. Aus eben dieser Ursache ist es auch nicht rathsam, den Troikart sammt der Röhre einzuboren, weil die Röhre, so genau sie auch anliegen mag, doch immer das Thränenbein etwas zersplittert; darum ist es dienlich, auf eine gute Spitze des Troikarts zu halten ?). Schmidt legt in die gebildete Oeffnung ein Bourdonet ein, und

Verfahren. Walther bedient sich, wie Girault, des Röhrchens und der Spiralfeder, um die Fadenschlinge einzuziehen. Er stellt als Grundsatz fest, dass die erweiternden Geräthe nur auf den Nasengang, nicht auf den Thränensack wirken sollen; die Fadenschlinge dient als Leiter für eine aus mehreren, zuweilen sechs Fäden bestehende Schlinge, die immer an das aus der Nase hervorhängende Fadenende befestiget, und von unten nach oben in den Nasengang eingezogen wird. (De fi

stulae sacci lacrymalis operatione. D. i. m. auct. Zwierlein. Landishuti, 1818 De fistula et Polyp. sacc. lacr, auct. Ness. Bonnae, 1822.).

4) Wathen (new and casy meth. of Curing the fist. lacr. London, 1772. und Meth of appl. a tube for the Cure of fist. lacr. Londen, 1781) öffnet durch einen Schnitt den Thränensack, führt eine stumpfe Sonde in den Nosengang und alsdann ein silbernes Röhrchen in densel

ben ein. Das Röhrchen wird mittelst eines Fadens in seiner Richtung erhalten; mittelst der Injectionen sieht man, ob das Röhrchen seine gehörige Richtung hat. Nach der ersten Woche wird die Wunde des Thränensackes geheilt. Arnemann giebt an, mit Erfolg diese Operation verübt zu haben.

2) De la Medicine operatoire par Sabatier. Nouvelle Edition par Sanson et Begin. T. II, pag. 252.

3) Clinique chirurgicale. Liege, 1816. pag- 96.

sich die Caries selten auf den Thränenknochen beschränke, sondern insgemein andere nahe liegende Knochen zugleich angegriffen sind, besonders wenn sie von Dyscrasien abhängt. Dieser von Richter und Scarpa als die Operation indicirend angegebene Umstand kann nur mit grosser Beschränkung als solcher angesehen werden.

4) Dieses Verfahren hat immer den Nachtheil, dass die künstliche Oeffnung sich leicht schliesst, und gewöhnlich so hoch liegt, dass die Thränen nicht leicht durchgehen Die vorzüglichsten Wundärzte haben aber für gewo Fälle den Werth desselben anerkannt. Beer (ima: W2. B. S 182) verwirft mit Unrecht dieses Verfahre", eben so Diener (de operationis fist. lacr. ratione. Lan

dishuti, 1821. pag. 15. 2) Schmidt, im a. W. S. 344, Monro bringt die Kö"

mit dcm Stilet ein.

fährt damit so lange fort, bis die Oeffnung recht callös ist, wozu drei bis vier Monate erfordert werden. Zang ) räth fünf bis sechs Wochen hindurch ein Bourdonet einzuführen; während dieser Zeit sollen die Ränder der Oeffnung zuweilen mit einem zugespitzten Stückchen Höllenstein bedupft werden. Nach dieser Zeit lege man durch vier Wochen eine Seitenbougie ein, welche durch ei– nen an ihrem äussern Ende umgeschlungenen Faden auf der Stirne mittelst eines Klebpflasters befestiget wird, damit sie nicht zur Unzeit die Oeffnung verlässt. Diese Bougie schneide man zunächst am Rande der äussern Oeffnung ab, so dass sie mit diesem gleich hoch steht. Nach diesen vier Wochen führt man nun eine Bougie von elastischem Harze, welche mit dem Durchmesser der Oeffnung im Verhältnisse stehet, ein, und lässt sie noch sechs bis acht Wochen, kurz so lange tragen, bis man sicher ist, dass die Ränder der Oeffnung vollkommen schwielig sind. Die Befestigung dieser Bougie ist gleich der der Sai– tenbougie. Das Ende der Cur fällt in den vierten oder fünften Monat, wo die Schliessung der Thränensacköffnung veranlasst werden muss *).

4) Im a. W. 2. B. S. 456. -

2) Die Durchborung des Thränenbeins ist das älteste Verfahren. Die Alten hatten keine anatomische Kenntnisse von der erkrankten Parthie. Sie setzten das Wesen der Krankheit in einen Zustand der Ulceration und des Callus des Thränensackes, der Caries des Thränenknochens und in krankhafte Entartung der Thränenkarunkel. Das Handwirken nach Celsus (de medicina Libr. VII. Cap. VII. de Aegilope) und Galenus (d. compos. med. LibV. C. II.) besteht in Erweiterung der Fistelöffnung, in Anwendung des glühenden Eisens, der Aetzmittel, und in Durchborung des Thränenbeins. Nach der Laune des Wundarztes oder der Furcht des Patienten wurden bald Cauteria actualia, bald potentialia in Anwendung gezogen. Durch den Druck und die Hitze des Glüheisens wurde das Thränenbein immer zerstört, nnd ein

Gang in die Nase gebildet. Woolhouse (Diss.de fist.

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