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gender Theit ist, dessen Leiden sich häufig aus äussern Ursachen entspinnen, deren Entfernung das kunstmässige Einwirken der Werkzeuge oft verlangt, so war sie so lange ein der Chirurgie angehöriger Zweig, bis man den Mangel aller wis– senschaftlichen Eintheilung zwischen Chirurgie und Medicin erkannte, und die Unzertrennbarkeit der Heilkunde als Kunst und Wissenschaft ersah. Die Ophthalmiatrik setzt die Kenntniss der verschiedenen Arten der Beschränkungen und Störungen des Lebens, durch innere und äussere Ursachen bedingt, Pathologie, die mannigfaltigen Producte dieser Störungen, pathologische Anatomie, die Deutung der Erscheinungen des kranken Lebens, Semiotik, voraus. Auch fusst sie auf jene Zweige der Heilkunde, welche dem Arzte die Maassregeln und Werkzeuge seines Wirkens darbieten, allgemeine Therapie und Heilmittellehre, und bildet demnach einen Theil der speciellen Krankheitslehre.

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Die wissenschaftliche Zusammenstellung aller Kenntnisse, welche wir auf dem Wege der Er– fahrung und Beobachtung, oder der Speculation über das Auge, sowohl über dessen gesunden als kranken Zustand erlangt haben, gründet die Ophthalmologie, die im weitern Sinne die Lehre vom Auge ist. Die Ophthalmologie zerfällt in den theoretischen und praktischen Theil; der erstere, wel– cher die Ophthalmologie im engern Sinne bestellt,

ist die Wissenschaft von dem Leben des Auges

und dessen Erscheinungen sowohl im normalen als abnormen Zustande. Der praktische Theil bil– det eigentlich die Ophthalmiatrik im weitern Sinne, und giebt die Regeln an, durch welche der gesunde Zustand des Auges geschützt und erhalten wird, als Ophthalmodiätetik, und durch welche

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die Krankheiten desselben erkannt und zur Heilung geführt zu werden vermögen, Ophthalmiatrik im engern Sinne* ).

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Das Auge hat auch seine semiologische Kunstlehre; diese lehrt uns die Erscheinungen an ihm im gesunden und kranken Zustande aufzufinden, und giebt uns deren Deutung. Hier aber dürfen wir unsere Betrachtung nicht auf das Auge beschränken, sondern berücksichtigend, dass das– selbe, wiewohl eigenthümlicher vitaler Verhältnisse sich freuend, doch nur einen Theil des Organis– mus ausmacht, müssen wir an diese Alles anknü– pfen, was der Organismus hieher Bezug habendes uns darbietet. Nur so vermögen wir, auf ratio– nellem Wege, die krankhaften Zustände richtig zu beurtheilen, und deren Behandlung zu leiten.

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Der grösste Theil der Untersuchung des Auges, da dieses an der Oberfläche liegt, mehrentheils aus durchsichtigen Häuten und Flüssigkei– ten besteht, geschieht durch das Gesicht. Himl) **) nennt diese Ophthalmoscopia. Das gewöhnliche Tageslicht ist in den meisten Fällen zur Unter– suchung hinreichend; manchmal aber, um Veränderungen in der Tiefe wahrzunehmen, wird eine stärkere Beleuchtung nöthig. Man verschafft diese am besten durch den Reflex von einem Spiegel. Bisweilen, bei lichtscheuem Zustande des Auges müssen wir, um die Untersuchung vornehmen zu können, das einfallende Licht mildern, durch Be– schattung des Auges mittelst der Hand, oder durch eine solche Stellung, dass der Kranke dem cin–

“) Busse, Pathologiae oculi generalis pars prima. Bcrol. p. 3. “) Ophthalmologische Bibliothek. 3. B. 2. St. S. 29. „.

fallenden Lichte den Rücken zuwendet. Oft ist es nothwendig, um genau den Zustand einzelner Theile des Auges bestimmen zu können, sich der Lupe zu bedienen; die Entzündung der Krystallkapsel wird nur erst durch die mit der Lupe an– gestellte Untersuchung klar.

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Die Augenlieder setzen der Untersuchung des Auges oft Schwierigkeiten entgegen. Bei lichtscheuem Auge mässige man das Einwirken des Lichtes; bei unfolgsamen Kindern mache man die Neugierde rege, und leite ihren Blick auf einen ihnen interessanten Gegenstand; bei Paralyse des Augenliedes hebe man dieses in die Höhe. Auf solche Weise wird es gewöhnlich gelingen, den Augapfel zu entblössen; bisweilen aber ist man genöthigt, beide Augenlieder" durch einen gelin– den Zug von einander zu entfernen. Die Iris setzt der Untersuchung der tiefliegenden Gebilde des Auges ebenfalls Hindernisse, da sie gleich einem Vorhange zwischen der vordern und hintern Au– genkammer ausgespannt, bei hellem Lichte in den Zustand der Expansion tritt, und dadurch die in dem Boden des Auges liegenden Theile bedeckt. Beschattung des Auges vermag in etwas diesem Umstande abzuhelfen; um aber den Umfang der Linse, der Kapsel, die krankhaften Veränderungen der Retina, der Glashaut gehörig beurtheilen zu können, müssen wir durch das Eintropfen des Belladonna– oder Hyosciamusextractes, die Erweiterung der Pupille bewirken.

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Bei der Untersuchung darf man sich nicht begnügen, das Auge nur von vorne anzusehen, sondern, um sich von der oberflächlichern oder tiefern Lage eines Gegenstandes zu unterrichten,

muss man dasselbe auch von der Seite her unter– suchen. Auf diese Weise können wir richtig beurtheilen, ob eine Trübung auf, in oder hinter der Hornhaut, vor oder hinter der Iris ist. Wenn ein Object die Ränder der Iris berührt, so ist es oft zweifelhaft, ob es vor oder hinter der Pupille liegt. Wird nach künstlicher Erweiterung der Pupille das Object grösser, so deutet dieses da–

rauf hin, dass dasselbe hinter der Iris seine Lage habe. -

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Vor allem nehme man Rücksicht auf die Grösse, Bewegung und Richtung der Augen, auf die Prominenz oder das Tiefliegen derselben, auf den Zustand der angränzenden, die Augengrube bildenden Theile, auf die Spaltung der Augenlieder, auf die Veränderungen derselben in Hinsicht der Beweglichkeit, der Farbe und des Umfanges, auf den Zustand und die Stellung der Cilien, der Thränenpuncte, der Thränenkarunkel, der ver– schiedenen Theile der Bindehaut, welche die in– nere Fläche der Augenlieder, die Sclerotica, und als Bindehautblättchen die Hornhaut bedeckt, den Zusammenhang derselben mit den unterliegenden Theilen. Von der Hornhaut berücksichtige man deren Durchsichtigkeit, Wölbung, an der Sclero– tica die gleichmässige weisse Färbung derselben ohne blaulichte Wülste, oder Ueberladung mit Gefässsträngen. Bei der Iris achte man vorzüg– lich darauf, ob die Beweglichkeit und die Farbe derselben unverändert sind, ob sich die Iris stark nach vorwärts wölbt , ob ihre Gefässe sehr entwickelt sind, ob die Pupille vollkommen klar oder mit einem graulichten Netze verlegt ist. Die Trübungen der Pupille können von der Linse oder der Kapsel ausgehen, bisweilen aber haben sie ihren Ursprung im Glaskörper. Immer muss man auch bemüht seyn, den Zustand der wäss– richten Feuchtigkeit, und den Umfang der vordern und hintern Augenkammer zu bestimmen. Nicht selten ist die Thränendrüse der Sitz der Krankheit, und auch dahin muss unsere Aufmerk– samkeit sich richten. Mittelst des Tastsinnes su– chen wir uns über die Consistenz des Auges zu belehren, was oft von der grössten Wichtigkeit ist, auch die Gefühle und Empfindungen des Pa– tienten werden uns zu Zeichen, um die Diagnose eines abnormen Zustandes gehörig festzusetzen.

§ 11.

Die Heilmittel treten uns in zwei Reihen entgegen; entweder sind es solche, welche man innere Mittel nennt, unter welche nicht nur alle eigentlichen Arzneikörper, sondern auch physisches und moralisches Regimen gehören, oder aber es sind solche, welche äussere, chirurgische Mittel genannt werden, worunter man die Anwen– dung zweckmässiger mechanischer Hülfleistungen begreift. Das Auge hat seine Specifica; man begreife nur nicht unter specifischem Mittel ein gegen irgend einen krankhaften Zustand untrügliches Mittel, sondern man verstehe darunter die je– dem Organe verwandten eigenthümlichen Reize. Das Auge hat eine eigenthümliche Mischung und Organisation, mithin eigenthümliche vitale Ver– hältnisse; dadurch lässt sich die specifische Ac– tion gewisser Reize auf das Auge erklären. Kein Theil des Organismus hat gleich dem Auge die hohe Stufe individueller Bildung erreicht; der, der Empfindung vorstehende Theil desselben ist ein centrifugal sich ausbreitender Nerve; der bewegende Apparat besteht aus mehreren Muskeln, deren jeder seine eigenthümliche Nerven hat. Die Narcotica, die stickstoffkohlenstoffigen Substanzen, jene Thiere unter den Pflanzen, die bittern an diese

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