Abbildungen der Seite
PDF

wird und sich verschieden verhält nach der Or– ganisation des Theiles, welcher die Absonderung desselben bewirkt.

Die Verhärtung ist ebenfalls Ausgang der Entzündung; sie beruht auf einer Cohäsionsver– mehrung der Gebilde selbst. Es wird diese her– vorgebracht durch exsudirte Lymphe in das Gewebe des entzündeten Theiles, es steigert sich diese Lymphe zur organischen Bildung, da sie die Rudimente zur Organisation in sich trägt, es entstehen Pseudomembrane, welche das Gewebe in feste Cohäsion versetzen; oft auch findet Absatz an– organischer Stoffe statt. Wird die Entzündung, wenn sie auf ihrer Höhe steht, und schon Exsudation von Lymphe Statt hatte, in ihrem Ver– laufe gestört, so endiget sie gewöhnlich mit Hinterlassung dieses anomalen Zustandes. Auf die– selbe Weise entstehen auch die Verwachsungen nach Entzündungen.

Durch die Heftigkeit der Entzündung kann

Gangrän hervorgebracht werden, indem die Lebenskraft durch die beschleunigten Aeusserungen des Lebens gleich einer schnell verlodernden Flamme sich verzehrt. Es stellen sich Struktur – und Formveränderungen im betreffenden Theile ein; das erlöschende Leben bedingt in diesem Zu

stande Stockung nnd Entmischung der Säfte. Ist

die Lebensthätigkeit vollkommen vernichtet, und mithin das individuelle Leben aufgehoben, das abgestorbene Gebilde den Einflüssen der äussern Natur preiss gegeben, so werden die wahrhaft chemischen Processe beginnen, es wird Fäulniss oder mumienartige Ä des Theiles den eingetretenen Sphacelus bezeichnen.

- Die Erscheinungen, welche ein entzündeter Theil darbiethet, drücken sich nach den Vitali

tätsverhältnissen desselben, welche durch die Or

ganisation bedingt sind, aus, und die verschie

denen Formen der Augenentzündung verdienen auch auf diese Weise beobachtet zu werden. Häutige und parenchymatöse Gebilde bilden das Auge und die ihm angehörenden Apparate. Die Grundform ist in beiden eine und dieselbe. Das Zellgewebe, mehr oder weniger in Hinsicht seiner wechselseitigen Bindung und der dadurch entstehenden Conformation modificirt, liegt beiden zu Grunde. Der Unterschied beider ist vorzüglich dadurch begründet, dass in den parenchymatösen Gebilden die sich durchflechtenden Gefässe, Nerven und Saugadern das Vorwaltendste sowohl an Grösse als Ausbildung sind, wo hingegen, relativ zur Menge des in die Construction tretenden Zellgewebes die Gefässe, Nerven und Saugadern in geringerer Quantität vorhanden zu seyn scheinen in den membranösen Organen. Ein anderer Un– terschied scheint darin zu liegen, dass dic parenchymatösen Gebilde nach allen Dimensionen sich ausbreiten, wo hingegen die membranösen nur die Dimension der Breite erfüllen. Dass der Ursprung der parenchymatösen Gebilde der Evolu– tion der Häute zuzuschreiben sey, eine Ansicht, welche mit glänzendem Scharfsinn aufgestellt und beschützt wurde, lässt sich nicht ganz vertheidigen, hat aber vieles für sich!). Ehe Bichat”) die Analogie der verschiedenen im Organismus verbreiteten Häute dargethan hatte, ehe er dieselben nach ihren natürlichen Beziehungen sich genähert und unter einander verÄ hatte, betrachtete man die Häute nur in– sofern sie beitrugen, die verschiedenen Organe zu umkleiden, und verband deren Beschreibung mit jener der von ihnen umhüllten Organe, vollkommen vergessend, dass diese Häute in harmo

1 ) Willbrand über das Hautsystem, Giessen 1814. 2 ) Traité des membranes. Paris 1816.

nischer Beziehung und Wechselwirkung gegen einander stehen, und dass ihre analoge Construction durch isolirtes Zergliedern dargethan werden kann. Die Verschiedenheit in ihrer Structur, in ihren vitalen Eigenheiten und Verrichtungen liess auf die Verschiedenheit ihrer innern Organisation schliessen, und man stellte unter den verschiedenen Häuten Begränzungen auf, die ihrer eigenthümlichen Organisation entsprechen. Die Erfahrung bewährte diese Verschiedenheiten besonders da– durch, dass sie zeigte, wie sehr der Krankheitsprocess, je nachdem er in diesem oder jenem Hautgebilde seinen Sitz hat, sich modificirt. Das Auge wiederholt alle Hautsysteme in sich, woraus sich zum Theil die vielfältigen Beziehungen des Auges erklären. Wir haben daher Entzündungen der mucösen, der fibrösen, der serösen Häute, und der parenchymatösen Gebilde. Folgende Ta– belle zeigt die Haupteintheilung der Augenentzündungen.

[ocr errors]

4 ) Entzündung der häutigen Gebilde.
a) der mucösen,
b) der fibrösen,
c) der serösen Häute.
2 ) Entzündung der parenchymatösen Gebilde.

Entzündung der mucösen Parthien des Auges.

Die Schleimhaut, welche die Augenlieder und den Augapfel umkleidet, beginnt als Fortsetzung der allgemeinen Bedeckungen an dem Rande der Augenlieder, lauft über die innere Fläche dersel– ben fort, und zieht sich über die vordere Fläche des Augapfels hin. Sie dringt durch die Thrä– nenkanälchen in den Thränensack, und verliert sich in der Schleimhaut der Nase. Diese einzel– nen Theile der schleimhäutigen Ausbreitung sind unter sich in ihrer Structur etwas verschieden, obgleich sie dem Charakter der Schleimhäute sämmtlich entsprechen. Ä die sorgfältig– sten anatomischen Untersuchungen noch keine Cryptae mucosae in dieser schleimhäutigen Parthie ausfand, so zeigt uns doch, wie Janin") schon bemerkt, der Erkrankungsprocess und die dadurch gesteigerte Secretion, Ä auch hier die schleim– secernirenden Organe nicht mangeln. Walther *) hält die Adnata für eine Haut von eigenthümlicher Bildung, welche an der Natur der Schleimhäute, der äussern Bedeckungshaut und der serösen Häute gleichen Antheil habe. Die Krankheit soll die einseitige Entwicklung eines Elementes mit gleich– zeitiger Unterdrückung der übrigen bewirken. Die

Frscheinungen, welche die Bindehaut der Sclero–

-tica im Zustande des Erkrankens darbietet, stim– men mit jenen der Bindehaut der Augenlieder so überein, dass gegen den schleimhäutigen Charak– ter derselben keine haltbaren Gründe aufgestellt werden können. Allein jene Fortsetzung der Con– junctiva, welche die Hornhaut überzieht, und Bindehautblättchen genannt wird, entspricht nicht dem Charakter der Schleimhäute. Es scheint die Mitte zwischen seröser und mucöser Natur zu hal– ten, indem es von beiden participirt, jener die Durchsichtigkeit, dieser das Nichtverwachsen mit benachbarten Flächen zu danken hat. Der Krank– heitsprocess spricht auch das Eigenthümliche die– ser Haut aus. So wie sich hier der Uebergang von der mucösen zur serösen Hautform vorbereitet, ebenso zeigt sich der allmählige Uebergang

1) Memoires et observations sur l'oeil. 1772. p. 58. 2 ) Abhandlungen aus dem Gebiete der praktischen Medicin. S. 419.

von der Bedeckungshaut zur mucösen Haut. Die die äussere Fläche der Augenlieder umkleidende Haut ist feiner und gerötheter, das Rete vasculosum ist entwickelter, als in der übrigen Bedeckungshaut. Sie steht in solchem Consenz zu den Schleimgebilden des Auges, dass sie sich wechselseitig in die in ihnen verlaufenden Krankheitsprocesse hineinziehen, wo sonst eine antagonistische Thätigkeit zwischen Schleim – und Bedeckungshaut beobachtet wird. Dieses mag entschuldigen, dass die Entzündung der das Augenlied bedeckenden Haut unter der Familie der schleimhäutigen Entzündungen einen Platz erhalten hat.

Die Entzündung äussert sich vorzüglich durch vermehrte und veränderte Secretion, durch Eiterung ohne Ulceration. Oft trägt sich diese Entzündung auf die ganze schleimhäutige Ausbreitung über. Wir haben daher in dieser Familie zu berücksichtigen : 1 ) Die Blepharophtalmitis, 2) die Conjunctivitis und 3) die Dacryocystitis.

Von der Blephar ophthalmitis.

Die Entzündung der äussern Bedeckungen des Augenliedes spricht sich gewöhnlich als Phlegmone aus; es modificirt sich jedoch bisweilen der Ent– zündungszustand so, dass er den erysipelatösen Charakter behauptet, oder sich auf einzelne Stel– len beschränkt.

Die phlegmonöse Blepharophthalmitis spricht sich durch folgende Erscheinungen aus: von dem Rande des einen, meistens des obern Augenliedes, selten beider zugleich, erhebt sich eine rothe schmerzhafte Geschwulst, welche über das ganze Augenlied hinziehend, an dem Augengrubenrande merklich sich begränzt. Die Berührung schmerzt; auch wird beim gesteigerten Standpuncte der Entzündung vom Kranken und dem zufühlenden Fin

« ZurückWeiter »