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bemalten Haut überzogen wurden, geformt; sie wurden in jenen Fällen angewandt, in welchen keine Augenlieder, und kein hinlänglicher Stumpf des Augapfels vorhanden waren. Die Ä phari wurden unter die Augenlieder geschoben, und hatten die Form der jetzt gebräuchlichen künstlichen Augen. Die künstlichen Augen, die man jetzt gebraucht, haben die Form convexer Tellerchen, welche den vordern Theil des Augapsels vorstellen. Man verfertiget sie entweder aus Glas, oder aus dünnen Goldblättchen, welche emaillirt werden. Mauchard und Bell ziehen die gläsernen vor, weil sie wohlfeiler sind, weniger reiben und beschweren. Richter und Beer geben den goldenen den Vorzug, da sie täuschender, schöner, weniger zerbrechlich sind, und sich, wenn sie nicht ganz passen, abschleifen oder abfeilen lassen. Das künstliche Auge verliert mit der Zeit Glanz und Politur; es muss dann mit einem andern vertauscht werden, indem dadurch das gute Ansehen des Auges verliert, die Augenlieder aber durch den Reiz der rauhen Stellen gerieben und entzündet werden. Auf der convexen äussern Fläche des künstlichen Auges wird die Hornhaut, die Pupille, die Iris, aufs ähnlichste mit dem noch gesunden Auge, jedoch so gemalt, dass der Durchmesser der Pupille nicht mehr beträgt, als er bei mässiger Beleuchtung zu betragen pflegt. Nicht nur in Hinsicht der Farbe, sondern auch der Grösse und Convexität muss das - künstliche Auge mit dem gesunden übereinstimmen. Der Horizontaldurchmesser des Auges bei einem Erwachsenen beträgt gewöhnlich 9 bis 1o Linien, der Verticaldurchmesser 7, 9 bis 11 Linien. In der Mitte ist das Tellerchen 1% Linien dick, im Umfange darf es kaum eine Linie betragen; das Gewicht eines glä– sernen Auges soll nicht über 28 Gran, eines goldenen nicht über 2 Quintchen betragen ). Für Leidende, die langgespaltene Augenlieder haben, wähle man ein künstliches Auge, welches eine länglichte eiförmige Gestalt hat. Bei Individuen, welche kurz gespaltene Augenlieder haben, zieht man jene mit einer mehr runden Gestalt vor. Wenn Kranke ein stark hervorstehendes Auge haben, so legt man ein tiefes Tellerchen, ist aber das gesunde Auge tiefliegend, ein flaches Tellerchen ein. Tiefe Tellerchen legt man auch ein, wenn von dem natürlichen Augapfel nur wenig, flache aber, wenn viel davon übrig ist *).

Gewöhnlich hat der Wundarzt Gelegenheit unter mehreren künstlichen Augen ein für den Kranken passendes auszusuchen; wenn nicht, so ist er genöthiget, ein solches verfertigen zu las– sen. Man muss das gesunde Auge malen las– sen, und die Dimensionen der vordern Hemisphäre des Bulbus genau nehmen, damit das Auge weder zu gross noch zu klein werde. Zu diesem Zwecke lässt man ein convexes Tellerchen von Blei ver– fertigen, welches die Dimensionen des Auges und dessen Convexität genau anzeigt. Der untere Rand, den die untern Augenlieder bedecken, hat eine kleinere Höhe, als der obere Rand, welcher ge– streckt werden muss, damit er unter der Thrä– nendrüse eingeschoben werden kann, ohne durch den Rand diese zu drücken. In der Regel muss das künstliche Auge so gross als das natürliche seyn, niemals grösser, eher kleiner. Die Horn– haut muss im künstlichen Auge die normale Stel– lung haben; der äussere Rand derselben muss vom Schläfewinkel mehr entfernt seyn, als der innere vom innern Augenwinkel, auch muss der Raum zwischen dem obern Rande der Hornhaut

1) Bernstein, systematische Darstellung des chirurg. Verbandes. S. 187. -

2) Richter, Handb, der Wundarzn. 3. B. S. 29.

und dem Rande des künstlichen Auges viel grösser seyn, als der untere. Das Gemälde und das bleierne Muster wird dann dem entfernt wohnenden Künstler zugeschickt ). Künstliche Augen dürfen, bevor der Schmerz, die Entzündung, Eiterung etc. vollkommen verschwunden sind, und die Vernarbung sich gebildet hat, nicht angewandt werden. Der Bulbus muss, wenn das künstliche Auge passen soll, wenigstens um einen Drittheil seinen Umfang verkleinert haben *). Ist der Rest des Augapfels zu klein oder zu gross, so tritt er nicht in die Höhlung des künstlichen Auges; dies liegt unter den Augenliedern ganz unbeweglich, wo hingegen bei mässiger Grösse des Augapfels das künstliche Auge allen Bewegungen des natürlichen folgt, so dass die Täuschung gar nicht bemerkt werden kann. Hat der Rest des natürlichen Aug– apfels von seiner Grösse so wenig verloren, dass für das künstliche Auge nicht Platz genug ist, so kann man den Augapfel öffnen, einen Theil der gläsernen Feuchtigkeit ausdrücken, um bequem Raum für das künstliche Auge zu gewinnen. Häuft sich die Glasfeuchtigkeit wieder an, so wird die Operation wiederholt *). Ist der Aug

4) Delarue (im a. W. S. 45o) will, dass der Patient zuerst ein kleineres trage, dieses allmählig mit grössern vertausche, und so lange wechsle, bis er ohne Hinderniss eines, welches der Grösse des gesunden Auges entspricht, ZUl tragen im Stande ist.

2) Boyer, im a W. 5. B. S. 624.

3) Richter, im a. W 3. B. S. 13o. Delarue (im a. W. S. 448 ) will, dass in allen Fällen, in welchen der Augapfel verbildet, und des Sehvermögens verlustig ist, die Hornhaut geöffnet, das Auge entleeret werde, damit ein künstliches Auge eingelegt werden kann In den meisten Fallen wird keine Operation, um das künstliche Auge einsetzen zu können, erfordert werden, indem durch den vorausgegangenen krankhaften Zustand der Umfang des

Augapfcls vermindert, oder ein Uebel gesetzt wurde, apfel grösstentheils oder gänzlich verloren gegangen, dann kann selten ein künstliches Auge mit Nutzen eingelegt werden; das in der Augen– grube gebildete Fleisch giebt dem künstlichen Auge nicht die gehörige Unterstützung, die Augenlie– der haben ihre Beweglichkeit eingebüsst, sie sind verschrumpft, und das künstliche Auge zu bedecken unvermögend ). Beer”) giebt an, dass bei Atro– phie des Auges das künstliche Auge nicht an– wendbar sey, weil durch den beständigen Reiz unter bedeutenden Schmerzen der an Ä schon verkleinerte Augapfel noch mehr schwinde. Das Einlegen und Ausnehmen des künstlichen Auges ist so leicht, dass der Kranke nach eini– gen Versuchen diese Operation selbst verrichten kann. Man fasst den Rand des obern Augenliedes mit dem Daumen und Zeigefinger der einen Hand, ziehet es vom Augapfel ab, um das künst– liche Auge mittelst der andern Hand unter das– selbe zu schieben. Dieses muss so weit hinauf edrückt werden, dass der untere Rand des künst– lichen Auges höher liegt, als der obere Rand des untern Augenliedes. Das untere Augenlied wird

welches an sich eine Operation, die Verkleinerung zur Folge hat, verlangte.

4) Es ist in solchen Fällen gewöhnlich besser, eine verdeckende Binde tragen zu lassen, besonders wenn die Augenlieder mangeln. Delarue (im a. W. S. 451 ) will, dass bei völligem Verluste des Augapfels ein künstliches der Grösse der vorhandenen Höhle entsprechendes Auge eingelegt werde. Das künstliche Auge erscheint in diesem Falle schielend, und ist unbeweglich.

2) Im a. W. 2. B. S. 272. Weller (im a. W. S. 306) theilt die Ansicht von Beer. Ich habe mehrere mit wahrer Atrophie des Bulbus leidende Individucn gesehen, welche das künstlichc Auge ohne Nachtheil getragen haben; die von Beer aufgestellte Regel muss daher Ausnahmen erlauben. Ist die dem Uebel zu Grunde liegende krankhafte Thätigkeit beschwichtiget, dann kann man es immer mit dem Einlegen des künstlichen Auges versuchen.

dann herabgezogen, man drückt das künstliche Auge etwas nieder, und lässt sodann das untere Augenlied los. Wenn man das künstliche Auge ausnehmen will, so zieht man das untere Augenlied herab, schiebt den Kopf einer Stecknadel unter den untern Rand des Tellerchens, welches ein wenig aufgehoben, und hervorgezogen wird, wo es dann auf der Stelle aus der Augenliedspalte herausfällt. In der ersten Zeit der Anwendung des künstlichen Auges ist es zweckmässig mit Mandelöl oder Cacaobutter die hintere Fläche des Tellerchens zu bestreichen; dasselbe nur durch - einige Stunden im Tage tragen zu lassen, bis der Patient sich allmählig daran gewöhnt. Ist der Augapfel– stumpf sehr klein, so muss die concave Fläche des Tellerchens mit Wachs belegt werden. Ist der Augapfelstumpf nebst den umliegenden Thei– len zu empfindlich, so setzt man die Anwendung des Tellerchens aus, wascht das Auge fleissig mit Alaunauflösung, Branntwein, kaltem Wasser. Nach einiger Zeit verträgt der Augapfel den Druck des Tellerchens ohne Schmerzen. Der Patient muss jeden Abend das künstliche Auge, welches als– dann in frisches Wasser gelegt wird, herausneh– men und die Augenhöhle ausspritzen, damit der angesammelte, zuweilen scharf werdende Schleim ausgespült werde. Wenn am Augenlied oder in der Nähe des Augapfelstumpfes Fleischauswüchse, welche das Einlegen des künstlichen Auges hindern würden, sich zeigen, so müssen sie entfernt werden ").

*) Bei Desjardins und Hazard Mirault in Paris werden die

emaillirten Augen am besten verfertiget. Letzterer hat

im Jahre 1818 über diesen Gegenstand ein Werk bekannt gemacht, welches den Titel führt: »Traité pratique de l'Oeil artificiel.«

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