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letzt; dadurch, dass beim Einstechen die schar. fen Ränder nach vorn und rückwärts, nicht nach oben und unten gerichtet sind, crzweckt man, dass keine der grössern Ciliargefässe oder Ciliarnerven, welche immer in horizontaler Richtung von hinten nach vorn laufen, verletzt werden, und die Operation weder durch Blutung noch durch Nervenzufälle gestört wird. Unter dem horizontalen Durchmesser des Auges wird eingestochen, weil mit der Nadel hebelförmig gewirkt wird; die Spitze wird gegen den Mittelpunkt des Augapfels gerichtet, um nicht gleich auf die Linse zu stossen.

Ist man mit den breiten Theile der Nadel eingedrungen, so muss derselben eine andere Richtung gegeben werden; die Spitze der Nadel muss paralell mit der Traubenraut gegen den inneru Augenwinkel hin gestellt werden. Defshalb wird das Heft den Schläfen genähert, die eine Fläche nach vorn, die andere nach rückwärts gerichtet. Die Nadelspitze wird zwischen den Ciliarfortsätzen und der vordern Linsenkapsel in der hintern Augenkammer behutsam fortbewegt, bis die äusserste Spitze derselben etwas hinter den innern Pupillarrand der Iris versteckt, die hintere Fläche derselben auf der vordern Fläche der Cataracte anliegend ist.

Der Act der Reclination wird nun auf die..! Art bewirkt, dass man das Heft der Nadel in einer Diagonalrichtung nach vorn aushebt, damit der Staar dem Drucke der Nadelfläche folgend nach unten und aussen in den Glaskörper umgelegt ! werde. Immer muss der Operateur nach den Gesetzen des Hebels wirken; jeder Versuch, mit der ganzen Länge der Nadel zu drücken, ist ohne Erfolg für den Fortgang der Operation, und zieht böse Folgen, da dadurch Zerrung der Ciliarnerven hervorgebracht wird, nach sich. Die Kapsel wird während dem Acte der Reclination entweder mit der Linse niedergelegt, oder ergiebig zerris

sen, so dass nicht leicht ein Capselstaar durch Verdunklung der Kapsel folgen könnte. Geschieht die Operation bei einem Kapsellinsenstaare, so wird nach dem Reclinationsacte, wenn die Kapsel dadurch nicht umgelegt, sondern zerrissen wurde, dieselbe ergiebig zerschnitten, um die Pupille so viel als möglich frei zu machen *). Ist der Staar umgelegt, so lässt man die Nadelfläche einige Augenblicke auf demselben ruhen, hebt dann allmählig die Spitze in die Höhe. Bleibt der Staar liegen, so wird die Nadel in der Richtung, in welcher sie eingeführt wurde, ausgezogen. Steigt derselbe in die Höhe, so muss der Act der Umlegung wiederholt werden. Bemerkt man, dass dem Heben der Nadel die Linse immer folgt, so zeigt dieses, dass die Spitze der Nadel in denselben yerwickelt ist; um diese frei zu

*) Scarpa (im a. W. 2. B. S. 41) will, da die Kapsel

sich nicht umlegen lasse, und leicht einen Kapselnachstaar bilde, dass die vordere Wand derselben ergiebig zerrissen werde. Er stützt den Ellbogen auf das Knie, um der operirenden Hand mehr Festigkeit zu verschaffen, er stösst die Nadel so in dic Sclerotica ein, dass die convexe Fläche nach vorn, die concave nach hinten zu stehen kömmt, das Heft auf den Schläfen der zu operirenden Seite fast andrückend. Die Nadel wird nun in der hintern Augenkammer fortgeführt, indem das Heft von den Schläfen allmählig entfernt, und nach vorn geführt wird, so dass sie zwischen der vordern Kapselwand und der Iris steht. Es wird nun, die Spitze der Nadel nach hinten gerichtet, das Heft der Nadel in einer halbzirkelförmigen Bewegung nach vorn geführt, dadurch die Kapsel zerrissen, und die Linse in den Glaskörper versenkt. Ist die Pupille noch nicht rein, so wird durch einige Zirkelbewegungen mit der Nadelspitze die Kapsel ergiebiger zerrissen. Langenbeck ( neue chirurg. Bibl. 2. B. S. 439), führt die Nadel so in die Sclerotica, dass eine Fläche nach oben, die andere nach unten gerichtet ist. Die Concavität wird auf den obern Rand des Staares gelegt, der Stiel wird erhoben, die Spitze der Nadel gesenkt, und dadurch der Staar auf die äussere Seite des Bodens. der hinteren Augenkammer dislociri.

machen, werden rotirende Bewegungen mit der ganzen Nadel gemacht ').

Nicht immer wird die Scleroticonyxis in der Absicht, zu recliniren, ausgeübt, sondern nicht selten wird die Cataracte zerstückt, und der Resorption preisgegeben, oder es werden beide Verfahren gleichzeitig angewandt, nämlich einzelne Stücke niedergelegt, andere in die vordere Augenkammer gebracht. Die schnellere Resorption in der vordern Augenkammer beobachtend, haben Scarpa 2) und Pott 3) angerathen, einzelne Stücke, welche vom Umfange des Staares sich gelöst hatten, in die vordere Augenkammer zu schieben. Scarpa 4) empfiehlt die Zerstücklung und Vorschieben der Stücke in die vordere Augenkammer; für den käsigen, weichen, flüssigen, selbst für den häutigen Staar 5). Langenbeck ) empfiehlt für Cataracta membranacea, lactea und mollis ebenfalls die Zerschneidung mittelst Scleroticonyxis; er führt die Nadel einige Mal an verschiedenen Stellen durch die Staarmasse, und widerräth das Vorwärtsschieben der Staartheile in die vordere Augenkammer. Adams ?) hält es,

1) Diese Operationsweise von Beer ziehe ich den andern

Verfahren vor. 2) Im a. W. 2. B. S. 67. 3) Works Vol. 3. pag. 157... 4) Im a. W. 2. B. pag. 66. 5) Adams (im a. W. S. 86 ) zieht in diesem Falle vor, da er, der Elasticität des Glaskörpers wegen, das Aufsteigen der Linse nach der Depression fürchtet, und da die Resorption der Linse im Glaskörper langsamer, als in der vordern Augenkammer Statt findet, für zweckmässig, in allen Fällen, in welchen die Festigkeit des Staares es nicht unmöghich macht, statt der Reclination die Zerstücklung der Linse vorzunehmen, und die Stücke in die vordere Augenkammer zu schieben.

die Kapsel, wenn sie dünn ist, ergiebig zu zerschneiden, wenn sie dick ist, sie umzulegen; da in einem von ihm beobachteten Falle die in die vordere Augenkammer geworfene verdickte Kapsel mit der innern Fläche

der Hornbaut Adhäsionen eingieng. 6) Ncue chirurg. Bibl. 2. B. S. 438. Saunders öffnet bei

Blindgebornen die Kapsel mittelst einer scharfschneidenden Nadel, welche durch die Sclerotica oder die Cornea eingeführt wird, um die Linse der Einwirkung der

wässerichten Feuchtigkeit blos zu stellen. j) Im a. W. S. 87.

| Will man durch Scleroticonyxis zerstückeln, so wird die Nadel), wie oben beschrieben wurde, eingeführt, vor der vordern Kapselwand stehend, so gedreht, dass die eine Schneide derselben nach rückwärts gegen die Mitte des Staares gestellt ist; nun wird, indem das Heft der Nadel hervortritt, die Schneide mitten durch den Staar nach hinten gegen den Glaskörper geführt, und dadurch die Cataracte getheilt. Durch Wiederholung dieser hebelförmigen Bewegungen in verschie- . dener Richtung wird alsdann der Staar hinlänghich zerschnitten, die einzelnen Stücke aber in die vordere Augenkammer geschoben 2). Ist die Cataracte flüssig, so wird nach zerschnittener Kapsel eine milchichte Feuchtigkeit aus dieser hervorquellen, die sich mit der wässerichten Feuchtigkeit mischend die Pupille trübt, bald aber durch die Resorption verschwindet.

2) Eine 2schneidige gerade Nadel eignet sich immer am besten. 2) Sollte gegen den Willen des Arztes die ganze Linse in

die vordere Augenkammer treten, so müsste, wenn der Staar von bedeutendem Umfang und grosser Härte ist, sogleich die Ausziehung gemacht werden, um Entzündung zu verhüten, welche von bewährten Männern in solchem Falle beobachtet wurde. Ist der Staar klein und ohne beträchtliche Härte, so bewirkt er vielleicht niemals Entzündung. In zwei Fällen, wo ich keratonyxirte, drängte sich die ganze Linse in die vordere Augenkammer, und obgleich ich sie nicht extrahirte, so erfolgten keine Zufälle, sondern völlige Herstellung des Sehvermögens.

Diese Operation gewährt den Vortheil, dass nur eine kleine ganz unbedeutende Wunde der Sclerotica und Chorioidea gemacht wird, dafs die Hornhaut und Iris nicht verletzt werden, dass die verletzende Gewalt blos auf die Kapsel, die Linse und den Glaskörper, jedoch nicht zerstörend, einwirkt. Selten folgt daher Entzündung und die kleine Operationswunde schliesst sich nach einigen Stunden. Bei enger Pupille lässt sich die Scleroticonyxis ausführen, sie kann öfters wiederholt werden, und stellt das Sehvermögen in vorzüglichem Grade her. Die Vorwürfe, welche man dieser Operationsmethode macht, sind: 1. Es kann die Retina verletzt werden, dadurch Amaurose und ein schwer zn stillendes nervöses Erbrechen entstehen; 2. die Ciliarfortsätze, die Ciliarnerven und Ciliargefässe, die Verzweigungen der Arteria centralis können verwundet werden, dadurch Blutung in die hintere Augenkammer entstehen, welche die Operation hindert, und heftige Entzündung weckt; 3. Das Werkzeug wird, indem der grösste Theil desselben dem Blicke des Arztes entzogen ist, im Auge fortbewegt. Der Reclination macht man den Vorwurf, dass der Staar, so lange er noch nicht resorbirt ist, aufsteigen kann, dass dieses um so eher geschieht, als der Glaskörper Elasticität hat *). Bei der Zerstücklung durch die Scleroticonyxis sind diese Zufälle nicht zu fürchten, und da die auflösende Kraft der wässerichten Feuchtigkeit grösser, als jene des Glaskörper ist, so wird durch

*) Da der Bau des Glaskörpers zellig ist, so wird der

deprimirte Staar einige Zellen desselben drücken; diese streben vermöge ihrer Elasticität ihren frühern Raum einzunehmen, und können auf diese Weise den Staar iu die Höhe treiben. Bei der Cataracta elastica steigt immer, sobald die Nadel den Staar verlässt, dieser in die Höhe; es scheint dieses zuweilen durch Adhäsion häufiger aber durch eine vermehrte Elasticität des Glaskörpers bewirkt zu werden.

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