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wirken. Ist die Resorption träge; und der Staar nicht gehörig zerschnitten, so wird, sobald die Empfindlichkeit des Auges verschwunden ist, die Operation wiederholt. Das Auslassen der wäs– serichten Feuchtigkeit scheint die Resorption zu beschleunigen. Die Keratonyxis ist ein sehr schätzbares Ver– fahren. Sie ist sehr leicht zu verüben, sie kann an beiden Augen mit der rechten Hand gemacht werden, es wird nur die Hornhaut verletzt, es erfolgt selten Entzündung, der Operateur hat das Instrument in allen Zeiträumen der Operation vor Augen, die Operation kann mehrere Mal wieder– holt werden; die Keratonyxis kann bei Kindern, bei wenig gespaltenen Augenliedern, bei tief liegenden Augen verübt werden ). Einige Vorwürfe können gegründet der Keratonyxis gemacht werden, welche aber dem anerkannten Werth dieser Methode keinen Abbruch zu thun vermö– gen. Es kann Entzündung der descemetischen Haut sich bilden, es kann sich diese auf die se– röse Oberfläche der Iris fortsetzen, und zu jener Fntzündung Anlass geben, welche Schneider ?) als Iritis chronica beschreibt, es kann die Iris gedrückt, und dadurch Iritis erzeugt werden, es kann eine Narbe der Hornhaut zurückbleiben,

4) Langenbeck, Prüfung der Keratonyxis, einer neuen Methode den Staar durch die Hornhaut zu operiren etc. Göttingen, 18.11.

2) Trübung der Hornhaut, und der wässerichten Feuchtigkeit, Verengerung der Pupille, endlich selbst Trübung derselben unter heftigen Kopfschmerzen und Röthung des Auges, sind die Erscheinungen derselben, welche Langenöeck für Entzündung der Kapsel der wässerichten Feuchtigkeit hält. Sie macht einen sehr langsamen Verlauf. Ich beobachtete sie mehrere Male, niemals aber foigte Trübung der Pupille, da ich immer starke wiederholte Venaesectionen machen liess. In ihrem Beginmen wird sie durch ein kräftiges antiphlogistisches Heilverfahren erstickt.

welche, wenn sie der Pupille gegenübersteht, das Sehvermögen beschränkt; die unvollkommen zer– schnittene Kapsel, noch in organischen Verbin– dungen stehend, statt resorbirt zu werden, könnte sich verdunkeln, und einen Nachstaar bilden. Gegen die Reclination durch die Keratonyxis wirft Jäger ) ein, dass dadurch die Cataracte nicht hinlänglich in den Glaskörper versenkt werden könnte, desshalb leicht wieder aufsteige, da man hier nur auf den obern Theil, nicht aber auf die ganze Fläche des Staares, wie bei der Reclination, durch die Sclerotica zu wirken vermöge. Alle diese Vorwürfe sind mehr in einer fehlerhaftcn Verübung der Operation, als in der Natur der Methode selbst gegründet *). Die Keratonyxis ist indicirt, und hat daher vor andern Methoden den Vorzug: 1. bei Kin– dern oder Blindgebornen, wo das Auge zu beweglich ist, als dass eine andere Operationsmethode ausgeführt werden könnte *); 2. beim mil– chichten, käsichten, gallertartigen Staare; 3. bei tiefer Lage des Auges, und wenig klaffenden Augenliedspalten; 4. bei einem harten Staare von geringem Umfange. Im letzteren Falle wird die Dislocation, beim weichen Staar die Zerstücklung gemacht ). Ist man über die Natur des Staares zweifelhaft, so macht man das zur Niederdrückung vorgeschriebene Manoeuvre; weicht der Staar nicht, oder steigt er wieder, so wird das die Zerstücklung bewirkende Verfahren eingeschlagen *). Bei der Scleroticonyxis hat der Operateur die Absicht, durch die Sclerotica in die hintere Augenkammer eindringend, den Staar zu dislociren, und in den Glaskörper zu versenken, dadurch denselben aus der Sehachse zu entfernen, oder ihn zu zerschneiden, und die Stücke desselben in die vordere Augenkammer zu schieben, damit daselbst die Resorption geschehe. Zuweilen verbindet der Arzt beide Verfahren, indem er die grössern Stücke des Staares versenkt, die kleinern in die vordere Augenkammer zieht. Eine locale Vorbereitung des Auges zur Operation ist nicht durchaus nothwendig; ich habe immer gefunden, dass die Dislocation und Zerstücklung eher gelingt, wenn die Pupille erweitert ist, da man den Staar und das zu führende Werkzeug in grösserem Umfange zu überblicken vermag, und alsdann keine Gefahr läuft, die Iris zu verletzen, dass das Vorschaffen der Staarstücke viel leichter erzielt wird. Ich lasse daher immer durch Eintröpfeln der Belladonnaauflösung die Pupille künstlich erweitern. Zur Verübung der Operation bedient man

4) Dissertatio de Keratonyxidis usu. Viennae, 1842. S. 43.

2) Die günstigen Resultate, welche mir eigene Praxis lieferte, bestärken mich in dieser Ansicht. Die Scleroticonyxis hat sich mir jedoch gleich vortheilhaft bewiesen.

3) Einige haben geglaubt, dass es zweckmässiger wäre, wegen der Neigung zur Entzündung und Atresie der Pupille, die Operation bis ins reifere Alter zu verschieben; allein das kindliche Auge reagirt nicht heftiger auf operative Eingriffe, als das Auge Erwachsener, und der Gewinn, den man dem Kinde durch die Herstellung des Sehvermögens für physische und moralische Vervollkommnung verschafft, ist so gross, dass dieser die nicht gegründete Furcht vor Entzündung leicht überwindet. Nach langem Harren ist die Retina in ihre Thätigkeit so gesunken, das nur allmählig das Sehvermögen, in manchen Fällen gar nicht hergestellt wird.

4) Diss. de amovenda Cataracta per Keratonyxidem auch Betz. Jenae, 1816.

2) Bei arthritischen Individuen operire ich immer durch die Keratonyxis. Die Hornhaut als seröses Organ ist bei diesen Subjecten nicht in krankhafter Stimmung, " aber die Sclerotica, was die arthritische Entzündung deutlich beweisst. Bei Gicht und Rheumatismus le" vorzüglich die fibrösen Gebilde. Bei einem Staar Ä - grossem Umfang und von harter Consistenz keratonyx!” ich niemals.

sich immer einer geraden oder einer krummen Nadel ). Will man die Linse dislociren, so kann dieses geschehen, indem die Linse umgelegt, und seitswärts so in den Glaskörper versenkt wird, dass die vordere Fläche derselben nach oben, die hintere nach unten, der obere Rand der hintere und der untere der vordere wird, wobei die vordere Wand der Kapsel zerrissen, oder wenn sie aus ihren Verbindungen sich gelösst, mit der Linse in den Glaskörper versenkt wird *). Nach Langenbeck soll die Linse aus dem Umfang der Pupille entfernt werden, indem die Linse so gelegt wird, dass ihr oberer Rand nach aussen und vorn, ihre vordere Fläche abwärts, ihre hintere nach oben, und ihr unterer Rand nach hinten gerichtet wird. Der Staar soll hier vom Humor vltreus entfernt, nicht in diesen eingedrückt werden, weil nach Langenbeck”) die Hyaloidea dieses nicht gestatte. Nur die Zonula Zinnii, welche sich an den Rand der Kapsel anlegt, werde zerrissen *).

4) Scarpa (im a, W. 2. B. S. 56) wirft der geraden “e Nadel vor, dass man die Kapsel nicht ergiebig genug zu zerreissen, und die Linse nicht gehörig tief in den Glaskörper zu senken vermöge. Er zieht eine gekrümmte, troikartförmige, sehr feine Nadel allen andern, sowohl zum Recliniren als Zerscheiden, vor. Beer giebt der geraden Nadel den Vorzug. Langenbeck (Neue chirurg. Bib. 3. B. S. 439) bedient sich zur Zerschneidung der geraden, zur Dislocation der gekrümmten Nadel. Adams verübt die Zerschneidung mit der geraden Nadel. Himly, Dubois, Dupuytren recliniren mit der krummen Nadel. Die krumme Nadel kann niemals so scharf, wie die gerade gemacht werden. 2) Scarpa (im a. W. 2. B. S. 39) besteht besonders darauf, dass die Linse in den Glaskörper versenkt werde. Dieses Verfahren ist die Reclination.

3) Neue chirurg. Bibl. 2. B. S. 19o. 4) Diese Behauptung stimmt mit der Erfahrung nicht überein. Würde die Zonula Zinnii zerrissen, so wäre die

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In frühern Zeiten drückte man den Staar gerade von oben unter die Pupille herab (Depression). Allein es steigt bei diesem Verfahren, wie Scarpa ) bemerkt, die Linse gewöhnlich wieder auf, da zwischen dem Ciliarkörper und der Linse kein hinlänglicher Raum zu unverrückbarer Lage derselben vorhanden ist. Beer *) führt an, dass wegen Verletzung des Ciliarkörpers und der Markhaut, die beim Herabdrücken eines grossen Staares leicht entstehe, Erbrechen, anmaurotische Blind– heit und schmerzliche Entzündung häufig beob– achtet wurde. Um die Scleroticonyxis in der Absicht, die Linse zu dislociren, zu verrichten, nehmen Operateur, Gehülfe und Blinder die Stellung ein, wie sie oben angegeben wurde. Der Operateur fasst mit dem Zeige-, Mittelfinger und Daumen der operirenden Hand, mit der rechten, wenn es das linke Auge, mit der linken, wenn es das rechte Auge ist, die gerade Nadel wie eine Schreibfeder, stützt den kleinen Finger auf die Wange des Patienten, damit, wenn die Nadel durch die Sclerotica gedrungen ist, sie nicht mit ihrem Halse zu schnell und zu tief ihrem breiten Theile folge. Die Nadel muss am äussern Augenwinkel 1% Linie vom Rande der Hornhaut entfernt, und eine Linie unter dem horizontalen Durchmesser des Augapfels eingestochen werden, und zwar so, dass eine Fläche nach oben, die andere nach unten, die Spitze aber gegen den Mittelpunkt des Augapfels gerichtet ist. Durch ersteres erreicht man, dass man weder die Retina, noch das Corpus ciliare ver

versenkt werden, was gewöhnlich der Fall nicht ist. Dass aber die Linse wirklich in den Glaskörper versenkt werden kann, haben viele Untersuchungen bewiesen. 4) Im a. W. Vol. 2. pag. 39. 2) Im a. W. 2. B. S.352. Dessen ungeachtet schlägt Beer die Depression der Alten für kleine Staare vor, weil der Glaskörper hier weniger, als bei der Reclination leide.

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