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254 - - -Die Wolken- und Nebelflecken heben sich leichter als die Leucome; diese werden leichter entfernt, als die Perlflecken. Die Verdunklungen, durch Narben gesetzt, sind unheilbar, indem nur der getrübte Umfang derselben durch zweckmäs– siges Einwirken sich aufhellt. Je durchsichtiger und frischer die Trübung ist, desto leichter weicht sie; ist noch entzündlicher Zustand gleichzeitig bestehend, so verschwindet sie oftmals in dem Grade, als die entzündlichen Phänomene erlöschen. Bei Menschen, welche eine gesunde Constitution haben, bei welchen der Stoffwechsel rasch geschieht, wird eine Verdunklung leichter, als bei alten, decrepiden Individuen entfernt. Es giebt Verhältnisse, welche das wirksame Eingreifen dem Arzte untersagen, wie dieses bei Cirsophthalmie der Fall ist, aus Furcht, eine Entzündung des Augapfels oder sonstige Verschlimmerung des Uebels hervorzurufen. Beim Bestehen solcher Umstände ist keine Heilung möglich. Die Behandlung ist gewöhnlich nur örtlich; es giebt jedoch Fälle, welche die Anwendung innerer Mittel indiciren, um bestehende Leiden der Constitution, welche Recidiven der zu Grunde liegenden Entzündungen setzen, zu heben, den Stoffwechsel anzutreiben, die Kräfte des Individuums zu unterstützen. Die zweckmässige Anwendung topischer Mittel zeigt sich immer am hülfreichsten. Schnelle Hülfe ist nie zu erwarten, und daher darf es weder dem Arzte noch dem Patienten an Geduld und Ausdauer fehlen. Bei Anwendung der topischen Mittel muss man in Hinsicht der Auswahl derselben auf das

- Nächstursächliche des Uebels, und auf den Reiz

vertrag des Auges Rücksicht nehmen. Wenn die Verdunklung oder der Flecken leucomatöser Natur ist, also im Zustande der Verhärtung sich befindet, auf abnormer Verbindung der Lamellen durch exsudirte plastische organisirte Lymphe, mit

oder ohne Ablagerung anorganischer Stoffe, beruht, dann muss, je weisser, glänzender und härter die Verdunklung oder der Flecken ist, von jener Klasse der Heilmittel, welche Beer") auflösende, erweichende nennt, Gebrauch gemacht, werden. Die gute Wirkung dieser Mittel sucht Beer durch ihre auflösende Kraft, vermöge wel– cher der ergossene Eiweiss- und Faserstoff nach und nach erweicht, zur Consistenz einer dichten Gallerte zurückgeführt, und somit zur Wiederaufnahme in die Säftemasse tauglich gemacht würde, zu erklären. Dass diese Erklärungsweise nicht befriedigend ist, geht daraus, dass man es mit einer organisirten, mit den anzuwendenden Heilmitteln nicht in unmittelbare Berührung tretenden Masse zu thun hat, hervor. Besser, scheint mir, lässt sich die vorzügliche Wirkung dieser Reihe der Mittel dadurch erklären, dass sie auflockernd und expandirend auf die Gebilde, auf welche sie gebracht werden, einwirken. Die Expansion setzt sich auf die organisirte, mit den Lamellen der Hornhaut durch Gefässe in Verbindung stehende Lymphe fort; diese Expansion bedingt nun relative Verkürzung der Gefässe, durch welche die abnorme Verbindung der Hornhautlamellen besteht, endlich Zerreissung derselben, und dadurch Abtrennung der organisch verbundenen Lymphe. Diese liegt jetzt als fremde Masse zwischen den Lamellen der Hornhaut, welche ihre freie, erwachende Thätigkeit beurkundend, die ihnen eigenthümliche durchsichtige Flüssigkeit absondern, durch welche die Auflösung der Lymphe geschieht, und zur Resorption tauglich gemacht wird. In diese Klasse gehören die fetten und ölichten, die mucilaginösen, und narkotischen Mittel, nämlich: Axungia viperina, Oleum ovorum, Medulla ossium recens, Ol. nuc.jugland., Liqua

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men hepatis mustellae fluviatilis, Decoct. malv., Extract. cicut., Fel. tauri etc. Verliert der Flecken durch Anwendung der genannten Mittel seine Härte, verändert er seine kreideweisse Farbe, indem er sich grau tingirt, so geht man zur Anwendung der Heilstoffe aus der zweiten Klasse über "). Wenn die vorhandenen Verdunklungen und Flecken durch Veränderung der zwischen den Lamellen sich absondernden Flüssigkeit, mit Zunahme oder Verminderung der Quantität derselben, durch Erweichung der Lamellen und des dieselben bindenden Zellstoffes entstanden sind, wenn sie demnach Nebel – oder Wolkenflecken oder derartige Verdunklungen bilden, dann muss auf eine andere, nach Beer die zweite Klasse der Arzneistoffe, gegriffen werden. Nicht nur diese graulichten, sondern selbst auch jene Verdunklungen und Befleckungen der Hornhaut, denen gestockter, getrockneter Eiter zu Grunde liegt, verlangen nach vielfältigen Erfahrungen die zu nennenden Mittel, widersetzen sich hartnäckig den obenaufgeführten Heilstoffen, und werden selbst durch letztere verschlimmert. Die zweite Klasse schliesst jene Stoffe in sich, die nach allgemeiner Erfahrung dem erkrankten Vegetationsleben eine andere Richtung, tief in die Mischung des Gebildes eindringend, aufzudrücken vermögen, welche die Ä erhöhen, die Absonderungen regeln, den Stoffwechsel befördern. Die Ä gehörigen Mittel sind: ranzige Oele, Kali carbonicum, Natrum carbonicum, Borax, Sal volatile C. C., Alumen, Zincum sulphuricum, Cadmium sulphuricum, Baryta muriatica, Natrum muriaticum, laud. liquid. Syd., Mercur. praecipit. ruber, Mercur. pt. alb, Mercur. oxydul. niger, Mercur. subl. corros, Lapis causticus chirurg., Lapis infern., Pulv. sacchar, Vitr. subtiliss. pulv., Limatur. stanni etc. Die Merkurialien zeigen sich am wirksamsten. Die Salbenform ist hier passend, weil die Mittel anhaltender einwirken, die Pulverform veranlasst heftigere Reactionen; die Wirkung der Mittel in flüssiger Form ist schneller vorübergehend, und weniger gebräuchlich. Man fängt immer bei diesen Mitteln mit geringer Dosis an, vermehrt allmählig dieselbe. Die Form der Mittel muss, da das Auge sich leicht daran gewöhnt, und nicht mehr gehörig reagirt, gewechselt werden; ebenso muss das schwächere Mittel der Anwendung eines stärkern im Verlaufe der Cur weichen.

*) Alle diese Mittel werden entweder mittelst eines feinen Pinsels in das leidende Auge eingestrichen, oder eingetröpfelt.

Wenn Blutgefässe zu dem Flecken laufen, so muss, um die Communication der Gefässe mit demselben gänzlich aufzuheben, ein Stückchen aus den Gefässen ausgeschnitten werden, da das einfache Durchschneiden wegen der Wiedervereinigung der Gefässenden ohne Nutzen ist. Das Ausschneiden der Narben und Flecken der Hornhaut, vielfältig vorgeschlagen, aber selten ausgeführt, kann keinen Nutzen gewähren, da man durch das Ausschneiden eine Aufhebung des Continuum, die nur durch Bildung einer neuen und grössern Narbe wieder ausgeglichen, wird, bildet. In Fällen der Verdunklung, welche durch parcielle Ossification hervorgebracht worden, kann mit Erfolg die Ausschälung der ossificirten Stelle vorgenommen werden.

Von dem Staar (Cataract a ) *).

Unter Cataracte versteht man die hinter der Pupille befindliche Verdunklung, welche ihren

“) Die Griechen gaben dieser Krankheitsform die Benennung vroXvoug oder varoxvu«. Man hielt lange Zeit Sitz in der Linse oder in den dieselbe umschliessenden Theilen hat, und das Sehvermögen beschränkt oder aufhebt"). Jene Trübungen, welche ihren Sitz ausserhalb des Linsensystemes haben, und unächte Staare benannt werden, gehören nicht hieher *). Entweder ist die Linse oder die Kapsel der primäre Sitz der Trübung, im ersten Falle bildet sich der Linsenstaar (Ca– taracta lenticularis), im zweiten der Kapselstaar, (Cataracta capsularis). Der Linsenstaar bleibt zuweilen rein, niemals aber der Kapselstaar, wel– cher früher oder später Verdunklung der Linse bedingt. Das Bestehen einer Verdunklung der Linse und ihrer Kapsel bedingt den Kapsellinsen– staar (Cataracta capsulolenticularis), von andern auch gemischter Staar genannt. Zuweilen soll das Trübwerden des Morgagnischen Liquor den Staar, welcher alsdann Morgagnischer Staar (Ca– taracta Morgagniana s. interstitialis) genannt wird, bedingen; dieses Uebel wird aber selten beob–

hindurch Glaucom und Cataract für eine und dieselbe Krankheitsform. Rufus (Oribasii Synopsis. Lib. VIII. Cap. XLVII. P. Aegimeta de medicina lib. III. cap. 22.) war vielleicht der erste, welcher das Glaucom und die Suffusion unterschied. Jenes nimmt er in der Krystalllinse selbst an; dieses hält er für geronnene Feuchtigkeit zwischen der Hornhaut und der Krystalllinse (Sprengels Geschichte der Chirurgie. 1 Thl. S. 51.) 1) In früheren Zeiten und selbst zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts entstanden viele Controversen über den Sitz des Staares, ob dieser die Krystalllinse zum Sitz habe, oder durch ein in der wässerichten Feuchtigkeit vor der Krystalllinse befindliches Häutchen gebildet werde. Nach langem Kampfe siegte die Wahrheit, und die richtige Ansicht über den Sitz der Cataracte in der Krystalllinse wurde vorzüglich durch Heister (de Cataracta, Glaucomate et Amaurosi Ä verbreitet. 2) Brunner (Diss. de Cataracta. Götting. 1787. S. 1.), Beer (i. a. W 2. B. S. 279.) nehmen einen ächten und einen unächten Staar an; den letztern nennen sie eine ausserhalb des Linsensystemes liegende Verdunklung.

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