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les, Abweichung in der Mischung desselben vorwaltet. Die hieher gehörenden Krankheitsformen sind: die Verdunklungen und Flecken der Hornhaut (Obscurationes et maculae corneae), die Trü– bungen der Linse und der Linsenkapsel (Cataractae), die Entmischungen des Glaskörpers, als Glaucoma, oder als Synchisis.

- .. Von den Verdunklungen und Flecken

der Hornhaut.

Unter Verdunklung der Hornhaut versteht man eine Trübung, welche über die ganze Horn–

haut oder über ihren grössten Umfang sich er

streckt; unter Flecken aber nur partielle Verdunklungen dieser Haut. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen ist demnach kein we– sentlicher, sondern nur durch die räumlichen Verhältnisse begründet). Beer hat zuerst die graduellen und ürsächlichen Unterschiede dieser Zustände deutlich auseinander gesetzt. Nach ihm wird mit der Benennung Nephelium, Nebula, Nubecula, Macula semipellucida jene Verdunklung oder jener Flecken, der durch eine graue, wolkichte, dem Rauche oder Nebel ähnliche Farbe sich zu erkennen giebt, der nicht genau begränzt ist, sondern gegen den Umfang unbemerkt sich verliert, bezeichnet. Wenn der Flecken mehr wolkenartig, undurchsichtiger, von mehr saturirter Weisse erscheint, und über die Fläche der Hornhaut auf seiner Mitte etwas hervorragt, so wird er Achlys, Aegias, Aegis, Aegida, Macula nubosa genannt. Beer glaubt, dass diese beiden Arten der Verdunklung durch gallertartige Ä des zwischen den Lamellen

der Hornhaut enthaltenen lymphatischen Dunstes

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verursacht sind, dass im zweiten Falle eine ungewöhnliche Ansammlung desselben bestehe. Man findet Flecken und Verdunklungen, welche weiss, manchmal kreideweiss, zuweilen perlmutterartig glänzend, über die Hornhaut mehr oder weniger sanft aufgewölbt, an ihrem Rande etwas verwaschen sind, und beim Berühren mit der Sonde hart sich zeigen. Den weissen Flecken nennt man Leucoma, Macula leucomatosa, die Verdunklung Obscuratio leucomatosa, den kreideweissen Flecken Albugo, Paralampsis, Leucoma cretaceum, den perlmutterartig glänzenden Flecken Leucoma margaritacea, Margarita. Nach Beer entstehen diese Zustände durch Organisirung exsudirter Lymphe zu einer Pseudomembran, oder durch den entmischten lymphatischen Dunst, wenn derselbe zu einer festen, unorganischen Masse sich umbildet. Von dem Leucom muss nach Beer die Narbe unterschieden werden, welche glänzend weiss, von verschiedener Form, bald ring– oder bogenförmig; bald gezackt, mit Synechia anterior oft verbunden, ist. Die Ränder sind zuweilen wie abgeschnitten; häufig aber findet man, dass dieselben einen leucomatösen oder nubeculösen Umfang haben. Beer erklärt das Entstehen der Narbe durch die unmittelbare Verbindung der Hornhautlamellen, welche, wenn durch Geschwüre etc. das Bindungsgewebe derselben zerstört wurde, sich bilde. Manchmal kommen Flecken vor, welche nichts anderes, als vertrocknete Hornhautabscesse sind, und sich durch ihre gelblichte Farbe, die durch graulichtweisse Zwischenräume gleichsam in Inseln getheilt ist, durch die Aufwölbung der Hornhaut leicht erkennen lassen. Nicht selten ist eine partielle vordere Synechie damit verbunden ). *) Weller (im a. W. S. 127 ) folgt bei Bearbeitung dieses

Gegenstandes Beer, ebenso Hoffbauer (Diss. de Cornea, ejusque morbis. Berolini, 182o).

Die Flecken der Hornhaut lassen sich in Hinsicht ihres Nächstursächlichen auf zwei verschiedene Gattungen zurückführen; man beobachtet nämlich 1) solche, bei welchen Erweichung einer oder sämmtlicher Lamellen stellenweise oder im ganzen Umfange der Hornhaut zu Grunde liegt, 2) andere, bei welchen die ergriffenen Gebilde verhärtet und verdichtet sind. Da die zwischen den Lamellen der Hornhaut befindliche Flüssigkeit das Produkt der Lebensstimmung der absondernden Gebilde ist, so wird diese, quantitativ und qualitativ abweichend, bei der Genesis dieser Krankheitsformen mitwirken. Dem Nebelund Wolkenfleck liegt Erweichung der Lamellen, die das Produkt der Entzündung oder einer andern Störung ist, zu Grunde; gleichzeitig beobachtet man Trübung des abgesonderten, sonst durchsichtigen, zwischen den Hornhautlamellen stockenden Wassers, zuweilen vermehrte, zuweilen aber auch verminderte Quantität desselben "). Die leucomatösen Flecken und die Narben finden ihr Entstehen durch exsudirte plastische, in sich die Rudimente der Organisation enthaltende LymÄ die sich organisirt, die Lamellen der Hornaut in feste Verbindung setzt, die getrennten Theile vereinigt, die Absonderung des Wassers der Hornhaut an dieser Stelle unmöglich macht. Dieser Mangel der Flüssigkeit und die Umwand– lung der verschmolzenen Lamellen in einen festen emailartigen Zustand raubt die Durchsichtigkeit. Zuweilen werden anorganische Stoffe gleichzeitig

s) Die zwischen den Hornhautlamellen befindliche wässerige Feuchtigkeit giebt dem Auge den Glanz und die Durchsichtigkeit. Wenn, wie bei Verstorbenen, die Flüssigkeit in der Hornbaut fehlt, so verliert dieselbe an Glanz und Durchsichtigkeit. Ich glaube, dass in vielen Fällen die mangelnde Absonderung dieser Flüssigkeit die Trübung

bewirkt. .

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abgelagert; Zinn !) fand in der Substanz der Hornhaut harte, sandartige Körner; Walter*) und Anderson *) beobachteten Verknöcherungen in der– selben. *

Die Entzündung der Hornhaut, besonders jene spezifiker Art, syphilitischen oder scrophulösen Ursprungs, bedingt, auf eine oder die andere Weise, nämlich Äch Erweichung *) oder durch Verhärtung, die Flecken; der Ulceration, den Verletzungen folgen sie gewöhnlich. Dass aber auch ohne Entzündung Veränderungen in der Structur und Mischung der Hornhaut, welche Flecken setzen, erfolgen können, wird durch das Gerontoxon bewiesen. Das Gerontoxon (arcus senilis, macula arcuata) hat im Umfang der Hornhaut seinen Sitz, und erscheint ohne vorausgegangene Entzündung. Diese Trübung scheint durch die Erstarrung des Organischen in der überwiegenden Menge anorganischer Stoffe, durch das allmählige Dahingeben des individuellen Lebens bei Greisen hervorgebracht zu seyn; aus eben dieser Ursache finden sich bei Greisen zuweilen völlige Verknöcherungen der Hornhaut ). Zuweilen scheint die Macula arcuata, da sie angeboren "), und bei ganz jungen Leuten beob

1) Descript. anat. oculi hum. Goetting. 178o. p. 18. 2) Anatomisches Museum. 1. B. S. 139. 3) Wardrop (Essays on the morbid anat. of the human Eye. 4. B. p. 75 ) theilt einen von Anderson beobachteten Fall mit. Anderson verrichtete die Ausschälung eines verknöcherten Stückchens mit Erfolg. 4) Lallemand (Journal universel des sciences medicales, sur le ramalissement de tissus organiques, consideré comme effet de l'inflammation. T. 27. Ch. 79. pag. 9) hat gründlich dargethan, dass die Entzündung oft Erweichung bedinge. 5) Angely commentatio med.de oculo etc. Erlangae 18o3. 6) Mohrenheim's Beobachtungen. Kieser ( Himlr und Schmidt, ophth. Bibl. 3. B. 3 St. S. 79.) beobachteten eine angeborne, leucomatöse, über einen grossen Theil der Hornhaut sich erstreckende Verdunklung.

achtet wurde), durch eine besondere Verbindungsart der Sclerotika mit der Cornea gesetzt zu seyn. Zuweilen besteht gleichzeitig mit den Flecken ein entzündlicher Zustand der Hornhaut. Die Flecken werden auf jedem Theile der Hornhaut beobachtet, gewöhnlich aber nähern sie sich dem Mittelpunkte derselben. Die äusseren Lamellen bilden gewöhnlich den Sitz derselben, immer aber ist es schwer, denselben genau zu bestimmen. YYardrop *) hat die innerste Lamelle getrübt gefunden, während die übrigen durchsichtig waren. Die Anzahl der Flecken verhält sich verschieden; gewöhnlich ist nur einer, manchmal sind deren mehrere vorhanden; zuweilen ist - die Hornhaut mit einer Menge kleiner Flecken bedeckt. Das Gesicht wird durch Flecken und Verdunklungen beschränkt oder aufgehoben nach - dem Grade der Trübung und der Lage dersel– ben. Beim Nebel – und Wolkenfleck sieht der Kranke die Gegenstände in einen Rauch gehüllt; die leucomatösen Verdunklungen hindern den Durchgang der Lichtstrahlen. Solche Flecken, welche nicht in dem Bereiche der Pupille liegen, können das Sehevermögen nicht stören. Man hat zuweilen beobachtet *), dass bei dem Centralleucome die Pupille dem durchsichtigen Theile der Hornhaut sich näherte, wodurch das Sehevermögen sich wieder herstellte. Bei Beurtheilung der Heilbarkeit des Fleckens oder der Verdunklung müssen wir auf die Beschaffenheit, das Alter und den Umfang derselben Rücksicht nehmen, dabei das Alter, die Constitution des Individuums, und etwaige Complicationen in Erwägung ziehen.

4) Srbel Diss. inaug. de quibusdam materia et forma oculi aberrationibus astatu normali. Halae 1799. 2) I. a. W. 4. B. S. 84. 3) Wardrop i. a. W. 4. B. S. 86.

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