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liches Auge Anwendung finden. Allein in den meisten Fällen liegt die neuerzeugte Masse tief, das obere Augenlied fällt, da der Aufhebemuskel gewöhnlich durchschnitten ist, herunter, das künstliche Auge hat keinen festen Stützpunct in der Augengrube; es ist dann zweckmässiger, das Auge mit einem schwarzen Schirm zu decken.

Wenn der Krebs von der Retina ausgeht, so

bildet sich eine besondere Modification desselben, welche man Marksarcom (fungus medullaris) nennt“). Es beruht das Uebel auf Bildung eines neuen Or– ganes, das aus einer der Nervensubstanz ähnlichen Masse gebildet, immer mehr und mehr sich verbreitet und ausdehnt, bei seinem Vergrössern durch Druck die in Berührung tretenden Theile zerstört, und auf diese Weise ein Organ, allmählig, da diese einseitige Bildung der Nervensub– stanz der ganzen productiven Sphäre eingedrückt wird, eine ganze Reihe derselben in seine Natur umwandelt, die ursprüngliche Organisation der– selben gänzlich vernichtend. Das Uebel ist nur im ersten Beginnen örtlich, die Constitution participirt hier weit schneller als bei der andern Art des Krebses.

“) Durch die Benennung: Fungus haematodes, welche Her (Med. obs. and Inquiries V. III.) zuerst für dieses Uebel einführte, wurde viele Verwirrung hervorgebracht. Viele französische Arzte verstehen unter Fungus haematodes die Aneurismen per anastomosin; sie werfen auf eine auffallende Weise diese sehr verschiedenen Krankheitsformen zusammen. Maunoir (Memoire sur le Fongus medullaire et haematode. Paris et Geneve 1,2o ) hat das Verdienst, diese Zustände gehörig von einander geschieden zu haben. Er reservirt die Benennung Fungus medullaris einzig und allein für die Degeneration der Organe in eine gehirnartige Masse, also für jene Krankheit, welche Dupuytren und Lönnec als weichen Krebs, tissuencephaloide, Burns ( Dissertation on Inflammation) als spongoid inflammation, Abernethy

als Sarcome medullare, Wardrop (observations on fun Äste or soft Cancer) als weichen Krebs beschrieben Mal)6'Il.

Das Uebel entwickelt sich unter folgenden Erscheinungen: Unter Lichtscheue entsteht allmählig Erblindung, wobei die Pupille erweitert und starr ist. Der Arzt gewährt eine Veränderung der Farbe der Pupille, indem diese ihre Schwärze verlierend, eine gelbgraulichte, dem Bern

stein ähnliche Farbe annimmt; man erkennt, dass

die Trübung, welche die Veränderung der Farbe bewirkt, in der Gegend der Retina haftet. Indem die Veränderung der Farbe immer auffallender wird, kann man in der Tiefe des Auges eine Substanz bemerken, welche von hinten nach vorwärts schreitet. Man unterscheidet diesen Zustand von einer partiellen Verdunklung des Glaskörpers, durch die höckerichte, unebene Beschaffenheit der Geschwulst, und die über dieselbe verbreiteten Verzweigungen der Arteria centralis. Nach und nach drängt die zunehmende Masse bis an die Iris vor; die gelbgrüne oder braune Farbe der Pupille könnte den unerfahrnen Wundarzt verleiten, das Uebel für einen Staar zu halten und zu behandeln. Die schwammichte Masse begiebt sich in die vordere Augenkammer, die durch eine gelblichte Flüssigkeit getrübt erscheint, wobei der Augapfel seine normale Gestalt verlierend eine unregelmässige, höckerichte Form erhält. Die Sclerotica wird dunkelblau. Zwischen der Ge

schwulst und der Hornhaut sammelt sich eine

trübe Flüssigkeit an; die Hornhaut wird durch Ulceration eröffnet, und es treibt sich dann unter den heftigsten Schmerzen ein lappenförmiger Schwamm hervor; zuweilen dringt derselbe durch

die Sclerotica. Der ausser dem Auge erschienene

Schwamm nimmt nun eine röthlichte, mit gelben oder schwarzen Flecken versehene Farbe an, be

- so e - *, A hält aber immer eine weiche, sehr lockere, gehirnartige Consistenz, die ihm gleich anfangs eigen

war, und ergiesst bei der leisesten Berühruug eine Menge Blut, nebst einer dem Fleischwasser ähnlichen stinkenden Jauche. Wenn das Uebel ausgebildet ist; so fangen die Parotiden, die Unterkiefer – und Unterzungendrüsen zu schwellen an, es bildet sich, während die ursprüngliche Organisation gänzlich verschwindet, in denselben die nämliche hirnähnliche Masse, wie in dem Auge; sie ulceriren endlich, es zeigt sich ein wucherndes Geschwür, jedoch selten der schwammichte Auswuchs, den man am Auge beobachtet. Unter diesen Umständen geht der Patient rettungslos seinem Tode entgegen. Die Zergliederung zeigt, dass die neuerzeugte Masse bis zum Eintritt des Sehnervens in die Augengrube sich erstreckt; der Glaskörper, die Krystall-Linse, die wässerichte Feuchtigkeit sind gänzlich verschwunden. Die Retina ist in der neuen Bildung untergegangen, und keine Spur derselben zu entdecken. Die Chorioidea ist gänzlich oder grösstentheils zerstört. Die Geschwulst besteht aus einer hirnähnlichen

Masse; der Sehnerve ist verdickt und verhärtet,

von dunkelgrauer Farbe, der röhrenförmige Bau desselben ist verschwunden. Zuweilen ist der Nerve in mehrere Theile gespalten, wobei die entstandenen Räume mit hirnähnlicher Masse ausgefüllt sind. Das Gehirn scheint ebenfalls Antheil zu nehmen; zuweilen finden sich dunkelrothe Flecken auf der Dura mater; in andern Fällen finden sich rahmartige, fleckenartig zerstreute Nicderschläge zwischen der Arachnoidea und Pia mater ").

') Langenbeck (Neue Bibliothek für die Chirurgie und Ophthalmologie. 3 B. S. 685) macht auf Erfahrung sich stützend, die richtige Bemerkung, dass das Marksarcom des Auges nicht immer primär von der Retina, sondern zuweilen von - dem Gangliensysteme des Auges ausgehe, wobei die Iris früher bedeutend umgeändert wird, als die übrigen Theile des Auges, weil das Leben der Iris und ihre Function den Ciliarnerven anvertraut ist. Zuweilen geht der Fungus medullaris auch von andern Theilen aus, z. B. von den Knochen, derselbe kann als Fungus durae matris beginnen. In der Regel aber fängt das Marksarcom des Auges in der Retina an.

Diese besondere Art der krebshaften Entartung unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Krebse nicht nur durch den angegebenen Verlauf und die ausgezeichneten Charaktere, sondern noch dadurch, dass er vorzugsweise Kinder unter 12 Jahren befällt, wo hingegen der gewöhnliche Krebs meistens bei Erwachsenen beobachtet wird. Mit dem gewöhnlichen Krebse hat das Marksarcom gemein, dass oft ein Schlag auf das Auge die erweckende Ursache der Krankheit ist, und dieselbe meistens nur auf einem Auge sich zeigt. Die Prognose ist höchst traurig. Das einzige Mittel, von welchem wir noch Hülfe zu erwarten berechtigt sind, ist die möglichst frühe Exstirpation des Auges, sobald die Krankheit im Zeitpuncte ihres Entstehens erkannt ist. Die grösste Anzahl der Operationen, welche zur Entfernung dieses Uebel unternommen wurden, waren fruchtlos, indem die Krankheit schon auf den Sehnerven sich fortgesetzt hatte, aus dessen Stumpf nach der Exstirpation die Marksubstanz üppig lervorsprosste, und schnell den Untergang des Individuums herbeiführte. Immer war die Operation erfolglos, sobald die fungöse Masse die hintere Augenkammer angefüllt hatte ). Weder ein inneres, - nnch ein äusseres Arzneimittel leistete bis jetzt radikale Hülfe. Die palliative Behandlung richtet sich nach den gelegentlichen Symptomen; Maunoir lobt vorzüglich die Nacrotica, und bemerkt, dass ihm einige Mal vier Grane Belladonnaextract Abends genommen, mehr geleistet hätten, als das Opium. Das Zellgewebe der Augengrube und die Thrä– nendrüse, selbst die knöchernen Wände der Orbita können der ursprüngliche Sitz krebshafter Entartungen bilden *). Wegen der tiefen Lage,

4 ) S. Cooper, Dictionary of practical Surgery. p. 44o. 2) Dass zuweilen das Marksarcom von den Knochen der Augengrube ausgehe, wurde oben angegeben,

der undeutlichen Entwicklung der Erscheinungen lässt sich bis zur völligen Ausbildung dieser Entartungen und ihrer Verbreitung über das Auge weder der ursprüngliche Sitz, noch die Natur der Geschwulst mit Sicherheit ausmitteln. Wir erhal– ten einige Wahrscheinlichkeit über die krebshafte Natur der Geschwulst durch die Heftigkeit der Schmerzen, die schnelle Zunahme der Zufälle. Das Auge tritt aus der Orbita hervor, wird amaurotisch und entzündet. Die Heftigkeit der Zufälle gebietet, den Augapfel, nebst der denselben vordrängenden Geschwulst zu entfernen, um dic Dehnung, welche die Nerven erleiden, zu heben, und zur genauen Diagnose des Uebels zu gelangen. Vermuthet man das Angegriffenseyn der Knochen, so muss die Operation unterlassen werden. Lässt sich die Geschwulst auf allen Puncten entfernen, so kann Heilung der Operation folgen; setzt sie sich bis zur Spitze der Orbita fort, ist die totale Entfernung mit dem Messer unmöglich, dann möchte es wohl passender seyn, von jedem thä– tigern Verfahren abzustehen, als mittelst des Glüheisens die zurückgebliebenen, dem Messer unerreichbaren Theile der Geschwulst zu zerstören, da die eindringliche Anwendung des Glüheisens in der Tiefe der Orbita äusserst gefährlich und gewöhnlich tödlich ist. Bei scirrhösem Zustande der Thränendrüse, sind die Verhältnisse zuweilen von der Art, dass diese ohne Verlust des Auges entfernt zu werden vermag.

Yeränderungen der Mischung.

In diese Reihe fallen jene Störungen, welche weder eine Abnahme noch eine Zunahme der Masse zeigen, bei welchen keine quantitative Stö– rung der organischen Masse, sondern auffallende Veränderung in der Qualität des ergriffenen Thei

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