Abbildungen der Seite
PDF

nischer und reizender Mittel. Die Störung der Hautthätigkeit beim Entstehen des Uebels als wahrscheinliche Ursache desselben verlangt Rücksichtsnahme auf die Transpiration und Beförderung der– selben, wenn durch die ängegebene evacuirende und alterirende Methode die Haut nicht in voller Thätigkeit sich zeigt. Daher erklärt sich die gün– stige Wirkung der schweisstreibenden Mittel, des Guajak, der Sassaparill etc., der Vesicantien und endlich der Anwendung der Dämpfe von gekochten Ochsenlebern auf die Augengegend und den ganzen Kopf, eines Mittels, das nicht so sicher wirkt, wie man zu glauben beliebte, und das, wenn es günstig einwirkt, durch keine specifische Kraft, sondern nur mittelst des Wasserdampfes, und die dadurch verstärkte Transpiration des Kopfes den günstigen Erfolg herbeiführt. Nebst den angeführten Mitteln sind noch Dämpfe von Bernstein, Caffee, Storax und Masticatoria von Angelica – und Bertramswurzel mit Nutzen angewandt worden. Dass ein der Hemeralopie ähnlicher Zustand durch Myosis herbeigeführt werde, wird von den berühmtesten Schriftstellern behauptet, indem sich dann dem Beleuchtungsgrade angemessen, die Pupille nicht zu erweitern vermag.

Von der Nyctalopie *).

Kranke, welche an diesem Gesichtsfehler leiden, sehen bei Tage, es sey an einem hellen oder dun– keln Orte, gar nicht, bei Nacht hingegen es mag helle oder dunkel seyn, unfehlerhaft, oder aber sie sehen an einem hellen Orte undeutlich, es mag

Tag oder Nacht seyn, an einem dunkeln deutlicher. Die erste dieser beiden Arten der Nyctal opie

*) Synonyme. Amblyopia meridiana, Vespertina Dysopia luminis. Caecitas diurna.

f

beruht auf einer periodischen Amaurose; mit dem Aufgange der Sonne vermindert sich das Sehvermögen, es verliert sich und stellt sich nach dem Untergange der Sonne wieder ein, so, dass der Kranke die stärkste künstliche Beleuchtung, selbst ein starkes Feuer verträgt und die Gegenstände deutlich sieht. Demours *) zweifelt an dem Bestehen eines solchen Zustandes, der jedoch durch glaubwürdige Männer beobachtet wurde *). Die zweite Art ist eine Amblyopie mit in hohem Grade gesteigerter Sensibilität; Kranke dieser Art könmen beim Sonnenlichte nicht sehen *), sind jedoch vermögend, bei mässiger künstlicher Beleuchtung, oder beim Mondlichte dic Gegenstände wahrzunehmen *). In höherem Grade vertragen sie die künstliche Beleuchtung nicht, sehen aber an einem ganz dunkeln Orte deutlich. Bei beiden Arten der Nyctalopie werden beide Augen befallen; es ist damit Thränenträufeln, krampfhaftes Verschliessen der Augenlieder und Eingenommenheit des Kopfes gewöhnlich verknüpft. Die zweite Art scheint durch einen entzündungsartigen Zustand der Retina bedingt, und gewöhnlich Folge einer specifischen Ursache zu seyn. Scrophulöse Individuen sind diesem Uebel vorzugsweise unterworfen. Die erste Art der Nyctalopie zeigt durch ihre periodische Beschaffenheit an, wie Richter) bemerkt, dass sie von gastrischen Ursachen herrührt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auslösende, brechenerregende, abführende Mittel, und der nachherige Gebrauch der China und Valeriana gewöhnlich genügen, um dieselbe zu heben. Die zweite Art fordert ein besänftigendes, ableitendes, entzündungswidriges Verfahren. Blutentziehungen, örtlich und allgemein, sind angezeigt bei starken Congestionen gegen den Kopf und die Augen, besonders wenn das Uebel in Folge eines unterdrückten gewohnten Blutflusses entstanden ist, wobei man auf Herstellung desselben bedacht seyn muss. Der Spiessglanzwein mit thebaischer Tinctur wird zum innerlichen Gebrauch empfohlen. In der Nähe des Auges mache man Einreibungen von Belladonnaextract etc. Das Auge werde geschont und stuffenweise an einen stärkern Grad der Beleuchtung gewöhnt. Der Gebrauch grüner Brillen und eines Haarseils, das im Nacken gesetzt wird, empfiehlt vor allen übrigen Mitteln Delpech).

4) I. a. W. B 1. S. 432.
2) Ephem. nat. curios. D. III. ann. 5. 6. observ. 56.
3) Man könnte diesen Zustand Heliophobie nennen.

4) Die Stärke des Sonnenlichtes verhält sich zu jener des Kerzenlichtes, wie 1 1664 zu 1, und zu jener des Mondlichtes im Vollmonde, wie 374ooo zu 1. Daher lässt sich erklären, warum bei gesteigerter Sensibilität der Retina die künstliche Beleuchtung vertragen wird, während das Sonnenlicht blendend einwirkt.

5) I. a. W. 3. B. S. 556.

Die Tagblindheit ist zuweilen Symptom eines andern Uebels, und muss dann durch gehörige Behandlung des letztern geheilt werden. Die My– driasis fordert die für diesen Zustand geeignete Behandlung. Centralleucom und Centralstaar von geringerem Umfange bringen dadurch eine Tagblindheit hervor, dass bei starker Beleuchtung die Pupille sich verengert und der Eintritt der Lichtstrahlen in die Tiefe des Auges gehindert ist, wo hingegen durch die erweiterte Pupille bei mässiger Beleuchtung eine zur Gewahrung der Gegenstände hinlängliche Menge der Lichtstrahlen in das Auge fällt. Die Entfernung dieser Zustände hebt auch die Tagblindheit.

Von der Myopie *).

Bei einer Entfernung von 15 bis 2o Zoll vom Sehorgan kann ein normal beschaffenes Auge auch

4) Preciselementaire des maladies chirurgicales. T. III. p. 228. 2) Synonyme: Amblyopia dissitorum. Visus juvenum.

kleine Gegenstände deutlich sehen. Hat ein Individuum Schwierigkeit, kleine in dieser Entfernung gelagerte Gegenstände zu erkennen, unterscheidet es sie alsdann nur undeutlich, nur deren Masse, nicht aber deren Farben und feinere Umrisse, so nennt man dasselbe kurzsichtig. Es nähert, die kleinern Gegenstände dem kurzsichtigen Auge auf 3 bis 12 Zoll, um sie deutlich zu sehen. Demours*) bemerkt, dass die Myopie durch den Blick, die Haltung und das Benehmen des leidenden Individuums sich erkennen lasse. Der Kurzsichtige schreibt immer sehr klein, er liebt den kleinen Druck, und liest denselben bei schwacher Beleuchtung; die Gegenstände, welche er betrachten will, nähert er sehr dem Gesichte, und gewöhnlich nur einem Auge. Um entfernte Gegenstände zu sehen, blinzt er mit den Augenliedern und hält diese zur Hälfte geschlossen. Die Pupille ist meistens etwas erweitert. Der Kurzsichtige betrachtet die mit ihm sprechenden Individuen gewöhnlich nicht, sondern schlägt seinen Blick zu Boden etc. - Das Näehstursächliche der Kurzsichtigkeit liegt in der zu schnellen Brechung der Lichtstrahlen und deren Vereinigung, ehe sie den Grund des Auges berührt haben, so, dass sie divergiren, ehe sie die Retina erreicht haben. Je mehr das zu betrachtende Object entfernt ist, desto schneller werden die Lichtstrahlen convergiren, und desto undeutlicher wird das Sehen seyn; wo im Gegen– theile sehr nahe Objecte, da die sehr divergirenden Lichtstrahlen im myopischen Auge eine starke convergirende Kraft finden, so vereiniget zur Re– tina gelangen, dass sie einen deutlichen Eindruck hervorzurufen vermögen. Es sind vorzüglich drei Bedingungen, durch wel– che Kurzsichtigkeit hervorgebracht werden kann;

[ocr errors]

4. die Dichtigkeit der Körper, durch welche die Lichtstrahlen gehen; 2. die zu grosse Inclination beim Einfallen der Lichtstrahlen, indem der Winkel der Brechung sich verhält, wie der Einsalswinkel; 3. eine zu grosse Entfernung der Retina von dem die Lichtstrahlen brechenden Körper. Das Auge kann einen grössern Umfang haben, als dieser im normalen Zustande besteht, wodurch dann die Hornhaut convexer und die Länge des Auges beträchtlicher wird. Die Hornhaut kann an und für sich sehr gewölbt, und in Beziehung auf die übrigen Theile des Auges zu gross seyn, so dass der Augapfel von den Augenliedern kaum bedeckt zu werden vermag. Man nennt ein solches Auge Glotzauge. Die Lichtstrahlen müssen dann unter einem zu spitzigen Winkel einfallen, und eine zu starke Brechung erleiden. Ein vermehrter Turgor vitalis des Auges, zu thätige Nutrition der Hornhaut und zunehmende Dichtigkeit derselben, zu grosse Dichtigkeit der wässerichten Feuchtigkeit und der Krystalllinse, Anschwellung und Zunahme der Convexität der letztern, Vermehrung des Umfangs des Glaskörpers, wodurch die Retina von der Linse entfernt wird, Zunahme der Dichtigkeit desselben, alle diese Umstände zum Theile vereint oder einzeln für sich, vermögen die Myopie zu bedingen. Es scheint eine gewisse Organisation des Auges als erbliches Uebel die Krankheit zu setzen. Gewohnheit und frühzeitiger Gebrauch der Brillen können eine künstlich erzeugte Myopie hervorbringen. Die Erweiterung der Pupille, welche gewöhnlich bei Kurzsichtigen beobachtet wird, ist durch dieselbe Ursache, welche die Myopie bedingt, gesetzt. Eine vollkommene Heilung der Myopie kann, wenn sie nicht in hohem Grade Ä durch das Alter

herbeigeführt werden, wenn nicht unpassende Ein

griffe dieses hindern. In diesem Zeitpuncte ist eine Verminderung der Convexität der Hornhaut und der Linse, eine Abnahme und vermehrte Flüs–

« ZurückWeiter »