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frei in der wässerichten Feuchtigkeit herumschwimmende Blutkügelchen sind. Darin stimmen die Schrifsteller überein, dass dieser Zustand gewöhn– lich gefahrlos ist, oft aller Mittel ungeachtet die ganze Lebenszeit hindurch besteht, dass zuweilen durch Schonung des Auges, durch Reisen, durch Ableitungen etc. Besserung erzweckt wird.

Von der Diplopie.

Richter), Beer”) und die meisten diesen fol– genden Schriftsteller machen auf das Bestehen einer doppelten Art dieser Krankheit aufmerksam; denn der Kranke sieht entweder einen Gegenstand dop– pelt, wenn er beide Augen geöffnet hat, und sieht ihn nur einfach, sobald er das eine Auge schliesst, oder er erblickt das Object schon mit einem Auge doppelt. Selten sieht der Kranke beide Bilder des Gegenstandes gleich deutlich, gemeiniglich das eine vollkommener als das andere; das wahre Bild ist das deutlichere, wesshalb auch die an diesem Uebel leidenden Individuen gewöhnlich den wahren Ge– genstand ergreifen. Die Krankheit ist vorüber– gehend, anhaltend, periodisch. Es werden Fälle erwähnt, in welchen nur in einer gewissen Ent– fernung des Gegenstandes, oder in einer bestimn– ten Stellung der Augen das Doppeltsehen Statt fand. Die eine Art der Doppeltsichtigkeit, nämlich jene, welche aufhört, sobald der Patient nur von einem seiner Augen Gebrauch macht, entsteht da– durch, dass in Hinsicht der Grösse, Entfernung, Stellung, Richtung und Deutlichkeit das Bild in einem Auge anders als im andern sich gestaltet. Die Ungleichheit im Baue des Auges, daher die Verschiedenheit in der Brechung der Lichtstrahlen,

4) I. a. W. 3. B. S. 435. 2) I. a. W. S. 3o.

das Schielen (denn im Ansange jedes Schielens sieht der Schielende doppelt, das schielende Auge wird in der Folge des lästigen Doppeltsehens wegen, gänzlich vernachlässig), dieses sind die veranlassenden Ursachen dieses Zustandes. Die andere Art dieses Doppeltsehens wird durch solche Ursachen gesetzt, welche eine doppelte Gestaltung des Bil– des auf der Retina bewirken; diese bestehen in bedeutenden Narben oder Flecken auf der Mitte der Hornhaut, oder der vordern Linsenkapsel oder der Linse selbst, oder von Druck auf den Bulbus oder von einer doppelten Pupille. In allen diesen Fällen ist die Diplopie bedingt durch kein der Retina eigenthümliches Leiden. Zuweilen aber er– scheint dieselbe als rein nervöses Leiden in Folge der fehlerhaften Empfindung des Sehnervens. In diesem Falle findet Doppeltsehen Statt, der Patient mag mit einem oder mit beiden Augen die Gegenstände betrachten. Das Leiden ist dann idiopathisch oder consensuell. Jene Individuen, bei welchen ein verstimmter Zustand des Nervensystems obwaltet, wie Hysterische und Hypochondristen, werden leichter hievon befallen. Bei der Behandlung berücksichtige man die Ursache und die Stuffe der Stimmungsänderung der Retina. Die symptomatische Diplopie weicht nach glücklicher Bekämpfung des Uebels, das dem Doppeltsehen zum Grunde liegt.

Von der Hemiopie.

Diese Krankheit ist selten beobachtet worden. Der Kranke sieht den Gegenstand, den er anschaut, nicht ganz, sondern nur einen kleinern oder grössern Theil desselben, zuweilen uur die Mitte, nicht den Umfang, zuweilen den Umfang, nicht die Mitte, zuweilen blos die obere oder untere Hälfte. Auf eine so unvollkommene Art sieht er den Gegenstand entweder in der Nähe sowohl, als in der Entfernung, oder blos in der Nähe, nicht in der Entfernung ). Das Uebel wird bedingt dnrch ein Leiden der durchsichtigen oder bedeckenden Theile des Auges, ohne dass die Retina im Zustande der Erkrankung sich befände, z. B. durch Verdunklungen der Hornhaut, der Linsenkapsel und der Linse, durch fehlerhaften Zustand der Augenlieder, z. B. beim Ancyloblepharon partiale, bei Blepharoplegia, durch fehlerhafte Stellung der Pupille etc. In diesen Fäl– len findet das Halbsehen nur bei Entfernung des Gegenstandes, in gewisser Stellung des Auges und bei Anschauung grösserer Objecte Statt. Zuweilen wird die Hemiopie durch fehlerhafte Stimmung des Sehnervengebildes erregt, und ist dann entweder vorübergehend, was gewöhnlich der Fall ist, oder anhaltend, wo dann das Uebel den Namen Amaurosis dimidiata erhält. Die meisten beobachteten Fälle *) zeigen, dass eine all– gemeine Verstimmung des Nervensystems, Hyste– rismus oder Hypochondrie mit oder ohne auffallende Störungen der Reproductionsorgane, als gewöhnliche Ursache dieses Uebels anzusehen sey; als Folge dieser bildet sich dann partielle Lähmung, oder theilweiser Irritationszustand der Retina. Bei der Behandlung richte man sich nach den bei der Amaurose entwickelten Heilregeln *).

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x 2) Dissertatio de visu duplicato et dimidiato. Auct. Heinicke. Wittemberg, 1723. 3) Mit der Hemiopic hat der Gesichtsfehler Aehnlichkeit, vermöge dessen einzelne Farben nicht von einander unterschieden werden können. Wenn die Flüssigkeiten des Auges gefärbt sind, z. B. bei icterischen Individuen gelb, nach starker Contusion des Auges in Folge der sich bildenden Blutaustretungen roth, so werden alle Objecte auf eine oder die andere Weise tingirt wahrgenommen.

Yon der Hemeralopie ).

Dieser Gesichtsfehler ist von doppelter Art. Die Kranken sehen am Tage gut, bei Nacht aber, es mag hell oder dunkel seyn, gar nicht, oder aber, sie sehen ohne Unterschied der Zeit, blos an einem stark erleuchteten Orte, wenig oder gar nicht an einem weniger hellern Orte.

Die erste Art ist eine periodische Amaurose; der Kranke fängt an, in diesem Falle die Gegen– stände wahrzunehmen, sobald die Sonne aufgeht; gegen Mittag ist das Gesicht so deutlich, als es vor dem Beginnen der Krankheit war; je mehr die Sonne dem Untergange sich nähert, desto mehr vermindert sich das Sehvermögen, so dass im Zeitpuncte, in welchem die Sonne unter un– serm Horizonte sich befindet, völlige Blindheit entsteht, und der Kranke selbst bei künstlicher Beleuchtung nichts wahrzunehmen vermag?). Man hat Fälle beobachtet, in welchen die Krankheit immer einen Tag aussetzte und den folgenden wiederkehrte. So lange die Natur der Periodicität der Krankheiten noch nicht aufgehellt ist, bleibt auch diese Erscheinung eine unerklärbare Aufgabe. Wahrscheinlich, wird die Leitungsfähig– keit des Sehnervens periodisch aufgehoben.

Die zweite Art ist eine Amblyopie, welche durch verminderte Empfindlichkeit der Retina gesetzt wird, so dass eine mässige Beleuchtung nicht hinreicht, die Gegenstände sichtbar zu machen, sondern ein starker Eindruck auf die Retina nothwendig ist. In diesem Falle sieht der Kranke Nachts bei künstlicher Beleuchtung. Oft ist diese Art die erste Stuffe der Amaurose. Die Pupille befindet sich gewöhnlich im Zustande der Erweiterung, und der Kranke hat nicht selten Sinnestäuschungen. Dem Entstehen der Hemeralopie geht gewöhnlich Schwere und Betäubung des Kopfes, und ziehende Schmerzen in den Gliedern voraus, der Kopfschmerz kehrt gewöhnlich bei einbrechender Dämmerung mit der Erblindung zurück, nachdem er den Patienten den ganzen Tag hindurch frei gelassen hatte, was mich anzunehmen bestimmt, dass die Ursache weniger in der Retina, als in den übrigen Theilen des Sehnervengebildes zu suchen ist. Die Dauer der Hemeralopie verhält sich verschieden, gewöhnlich hält sie mehrere Mo– nate an; den Bemühungen der Kunst weicht sie früher. Sich selbst überlassen, verschwindet sie allmählig, und nur in wenigen Fällen hat man den Uebergang in Amaurose beobachtet. Aufal– lend ist, dass sie leicht von einem Jahre zum an– dern sich wieder einstellt, was ihr mit andern periodischen Krankheiten gemein ist. Man hat die Hemeralopie epidemisch herrschend beobachtet, endemisch ist sie in China, Brasilien, auf den Molukkischen Inseln, in einigen Gegenden von Frankreich. Schädlichkeiten, welche die Hautthätigkeit stören, veranlassen vorzüglich die– selbe, weshalb die Marinesoldaten häufig von ihr befallen werden. Als Folge der Unterdrückung der Hautthätigkeit erzeugen sich gastrische Zufälle, welche zur Hervorbringung des Uebels thätig einwirken. -Die Brechmittel und die Eckelkur in Verbindung mit flüchtigen Reizen, welche auf das Auge und die Augengegend gewöhnlich in Dunstgestalt an– gewendet werden, haben sich vorzüglich wirksam gezeigt. Zeigen sich Symptome von Vollblütigkeit und vermehrtem Zuströmen des Blutes gegen den Kopf, dann muss der Anwendung dieser Mittel eine Venäsection vorhergehen. Den Schluss der Cur macht man mit dem innerlichen Gebrauche to

1) Caecitas nocturna, caecitas crepuscularis, Nachtblindheit. Einige Schriftsteller gebrauchen diese Benennung für den

Zustand, welchen die Mehrzahl mit dem Namen Nyctalopie belegt,

2) Demours, a. W. 1, B. S, 423.

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