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chondrie, Epilepsie, Convulsionen, Lähmungen u. dgl. die Amaurose in ihrem Gefolge, so wer– den äusserlich und innerlich die diesen Zustän– den entsprechenden Mittel angewandt, die um so mehr angezeigt sind, da die Amaurose den Typus des Allgemeinleidens in sich trägt. Ist die Amau– rose mit einem intermittirenden Fieberparoxismus verknüpft, so werden nach vorhergegangenen Ausleerungen anhaltend stärkende Mittel, vorzüglich die China mit Erfolg gegeben. Bei der Amaurose, welche Symptom des Wasserkopfes ist, giebt man ableitende und diuretischc Mittel, vorzüglich empfehlen sich die Digitalis und das Calomel. Ausser den angegebenen Mitteln sind noch einige durch die Erfahrung bewährt; vorzüglich sind Brechmittel und Nauseosa, die Arnica, die Valeriana, und die auflösenden Gummiarten, die Mercurialien, die Millepedes durch viele gelungene Fälle erprobt. Ob der animalische Magnetismus *) etwas vermöge, möchte, der Beobach– tung Harke's ungeachtet, sehr zu bezweifeln seyn.

Von der Amblyopie.

Die Individuen, welche an diesem Uebel leiden, haben ein schwaches Gesicht, so, dass sie die Gegenstände in ihren grössern Umrissen erkennen, ohne jedoch die feineren Verschiedenheiten der– selben angeben zu können. Die Gesichtsschwäche besteht in jeder Entfernung der Gegenstände und bei jeder Tageszeit *). Man unterscheidet die idiopathische von der symptomatischen Amblyopie. Die erstere ist durch die Störung des Sehnervens bedingt, während letztere als Symptom anderwärtiger Leiden sich ausspricht.

4) Hufeland's neues Journal der pract Heilkunde. 18. B.

1. St.

2) Sauvages (i. a. W. 4. B. S. 743) nennt dieses Uebel Amblyopia absoluta.

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Die idiopathische Amblyopie spricht sich durch Erhöhung oder durch Verminderung der Receptivität des Gebildes gegen den Lichtreiz aus, so dass im ersten Falle die eindringenden Lichtstrah– len das zu empfindlich gestimmte Gebilde treffend, den gehörigen Eindruck nicht hervorzubringen vermögen, wesshalb auch nur undeutliche Perception der Gegenstände folgen kann. Bei verminderter Receptivität, bei bestehendem Torpor des Gebildes wirkt der Lichtreiz auf ein seiner indi– viduellen Stimmung entrücktes Nervengebilde, und auch hier wird keine Deutlichkeit der Wahrneh– mung dem Eindrucke folgen. In beiden Fällen wird der modificirten Nervenstimmung Abände1ung im Gefässleben des Theiles folgen. Im er– stern Falle wird durch die gesteigerte Empfind– lichkeit vermehrter Andrang des Blutes zur Retina, ein an Entzündung streifender, bisweilen in Entzündung sich umbildender Zustand bewirkt. Im letztern Falle entsteht hieraus Trägheit der Circulation, Stockung und Veränderung der Nutrition, so dass gewöhnlich bei längerem Bestehen derselben der väricöse Zustand der Retina beobachtet wird.

Die Amplyopisten mit gesteigerter Sensibilität

der Retina leiden an grosser Empfindlichkeit ge– gen das Licht; sie haben bei einem matten Blicke eine ziemlich enge Pupille, wobei die Iris bei der leisesten Zunahme der Bcleuchtung bedeutend sich expandirt. An dunklen Orten sehen diese Indi– viduen besser. Die Diagnose wird erleichtert durch Berücksichtigung der vorausgegangenen ursäch– lichen Einwirkungen. Diese Amblyopie folgt ei– nem lange anhaltenden Zustande der Unthätigkeit der Retina, der durch Entzündungen, krampfhafte Verschliessung der Augenliedspalte, Verdunklung der durchsichtigen Medien des Auges etc. bedingt wurde *).

") Der Erethismus, gesetzt durch Unthätigkeit, ist wohl kein

hyposthenischer, viclmehr ein hypersthenischer Zustand.

Ist die Amblyopie durch Torpor bedingt, so werden bei einer vollkommen runden Pupille die Bewegungen der Iris träge sein, und die Schwäche des Gesichts wird zunehmen, sobald der Kranke au dunkeln Orten sich befindet. Ist ein varicöser Zustand der Retina und Chorioidea vorhanden, so findet nan nebst etwas erweitertem Sehloche die Iris gegen die Hornhaut gewölbt, und die Pupille in die Quere gezogen. Die Bewegungen der Iris sind träge, die Conjunctiva euthält varicöse Gefässstränge; die Sclerotica ist zunächst der Hornhaut blaulicht, der Augapfel ist härter als im normalen Zustand. Es entstehen Lichtentwicklungen, welche sich durch die Bewegungen des Auges wiederholen. Diese Amblyopie wird bedingt durch vorausgegangene Retinitis, durch heftige Anstrengungen des Auges, besonders durch microscopische Arbeiten, durch angeborne Verstimmung einzelner Nervenzweige oder des ganzen Systems, durch erworbene Schwäche, als Folge entkräftender Krankheiten, der Verschwendung edler Säfte, des gestörten Kreislaufes etc. Thierische Gifte scheinen vermöge der krankhaften Umstimmung des Sehnervengebildes Amblyopie zu setzen. Da die idiopatische Amblyopie leicht in Amaurose übergeht, so wird sie mit der Benennung Amblyopia amaurotica belegt. Die als Folge des Alters sich einstellende Gesichtsschwäche, gesetzt dnrch das allmählige Erlöschen der Nerventhätigkeit, die Trägheit des Stoffwechsels und die daraus hervorgehenden Trübungen wird Amblyopia senilis genannt. Die symptomatische Amblyopie wird bedingt durch Trübungen der Hornhaut, der wässerichten Feuchtigkeit, der Linsenkapsel, der Linse, des Glaskörpers, durch eine zu beträchtliche oder zu geringe Quantität der wässerichten Feuchtigkeit, durch andauernde Myosis etc. Diese verschiedenen Zustände lassen sich leicht erkennen; dem grössern Theile derselben gehen Entzündungen voran, welche den Arzt auf den leidenden Theil aufmerksam machen. Bei Trübungen der Linsenkapsel und der Linse, die bedingt durch eine Capsulitis bestehen, findet sich die Pupille verengert, gewöhnlich winklicht verzogen, so, dass dieselben, wenn sie auch noch so gering sind, dadurch um so leichter erkannt werden. Die symptomatische Amblyopie fordert die Behandlung des dieselbe bedingenden Zustandes. Bei Behandlung der idiopathischen Amblyopie berück– sichtige man die quantitative und qualitative Stimmung der Retina. Die erste Art der idiopatischen Amblyopie weicht ohne Zuthun der Kunst durch den schonenden Gebrauch des Sehorgans, das keine starke Reize verträgt. Die Patienten müs– sen sich der grünen Brillen bedienen, jede grelle Beleuchtung meiden, das Auge oft auf einer grü– nen Fläche verweilen lassen. Das Waschen mit kaltem Wasser wird besonders empfohlen. Hat die Empfindlichkeit sich gemässigt, so giebt man ein wenig reizendes Augenwasser, um das Auge allmählig an Reize zu gewöhnen, und um die angehäufte Sensibilität allmählig zu verzehren"). Sind mit der Amblyopie Congestionen gegen das Auge, Unordnungen im Kreislaufe etc. verbunden, so ist der Gebrauch abführender und ableitender Mittel nicht zu versäumen. Die torpide Amblyopie fordert eine aufregende Behandlung. Geistige Einreibungen in der Nähe des Auges, Verdunstungen der Naphten, des Sal– miakgeistes gegen das Auge, die Elektricität, der Galvanismus werden besonders empfohlen. Ist ein Zustand allgemeiner Entkräftung vorhanden, so müssen stärkende Mittel, unterstützt durch kräf

“) Plenk (i. a W. S. 19o) empfiehlt den Gebrauch eines aromatischen Wassers, in Verbindung mit dem Spirit. Anthos. Vom letztern sollen so viele Quentchen genommen, als vom erstern Unzen verordnet werden.

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tige Nahrung angewendet werden. Da bei diesen

Individuen selten eine radicale Heilung erhalten wird, so muss man durch den Gebrauch der Brillen, welche beiderseits convex seyn müssen, ab

zuhelfen suchen ). Die Amblyopia senilis ist un

heilbar. Ist die Amblyopie dmrch eine specifike Krankheitsursache gesetzt, so muss eine dieser

entsprechenden Behandlung eingeschlagen werden.

Hier verdient jener Gesichtsfehler aufgeführt zu werden, welchen man Crupsia, Myodesopia Visus reticularis etc. zu nennen pflegt, vermöge dej die Patienten Flecken, Funken, Fäden etc. zu se– hen glauben. Diese täuschenden Bilder ) sind mit keinem auffallend veränderten Zustande des Auges verknüpft; sie werden besonders beobachtet, wenn helle und dunkle Gegenstände abwechselnd betrachtet werden. Congestionen können dieselben leicht hervorrufen, und meistens sind Hypochondristen davon geplagt. Sie sind beweglich oder unbeweglich; letztere sind zuweilen die Vorläufer der Amaurose. Gewöhnlich aber bestehen sie lebenslänglich, ohne beträchtlichere Störungen zu verursachen. Richter *) glaubt, dass Reize, welche auf die Augennerven wirken, oder partielle Schwäche oder Verdunklung einer einzelnen Stelle, je die Lichtstrahlen aufhält, und einen umgrenzten Schatten auf die Retina wirft, starke Anschwellung eines Gefässsträngchens der Retina als Ursachen dieses Leidens zu betrachten sind. Demours *) hält den Morgagni'schen Liquor für den Sitz desselben, wohingegen Delarue *) die Krankheit in die Chorioidea setzt. Purkinje *) glaubt, dass es 4) Sauvages, i. a. W. S. 744. 4. B.

2) Maitre Jean (Traité des maladies des yeux. pag 279)

nennt sie imaginations perpetuelles
3) Anf. d. W. 3. B. S. 585.
4) I. a. W. 3. B. S. 4o9.

5) I. a. W. S. 5.5. - * - -
6) Beiträge zur Kenntnis des Sehens in subjectiver Hin-

sicht. Prag, 1819. S. 429.
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