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welche sich in der Augen – oder Wangengrube, in der Stirn-, Kiefer- oder Nasenhöhle entwickeln, treiben den Augapfel aus seiner Lage, und bewirken, indem dadurch der Sehnerve eine Dehnung erleidet, Amaurose. Der Druck auf den Sehnerven, es mag derselbe innerhalb des Schedels oder beim Eintritt in die Augengrube oder in letzterer Statt finden, führt ebenfalls Erblindung herbei. Die Entwicklung der Geschwülste, z. B. Balggeschwülste, Auswüchse der harten Hirnhaut, des Gehirns, Exostosen u. dgl., welche in der Nähe des Sehnervens haften, setzt Amaurose. Die Atropsie des Nervens, die entweder nur theil– weise, oder über den ganzen Nerven ausgebreitet sich zeigt, ist nicht weniger Ursache der Amau– rose "), oft auch Folge derselben. Zuweilen fehlt er ganz, oder ist zum Theil durch Eiterung zer– stört. Krankheiten des Gehirns, z. B. Hirnwasser– sucht, Erschütterung und Ergiessung, Geschwülste, welche in demselben sich entwickeln, veran– lassen eine anhaltende oder vorübergehende Amau– rose; eben so gewisse abnorme Zustände der Ar– teria ophtalmica, z. B. die anevrismatische Aus– dehnung, die Verknöcherung oder gänzliche Ver– schliessung derselben. Um die symptomatische Amaurose von der we– sentlichen zu unterscheiden, nehme man auf den vorhergegangenen Zustand genaue Rücksicht. Bei Erblindung veranlasst durch gastrische Reize, oder durch Würmer giengen Erscheinungen, welche diese bezeichnen, derselben voran, bei jener durch sy– philitisches Uebel gesetzt, bemerkte man zuvor rimäre und consecutive Zufälle der Lues. Haftet die Krankheit im Gehirn, so zeigen sich noch

“) Ä aufgestellten Fälle sprechen für, andere gegen die Kreuzung der Sehnerven, indem zuweilen der atrophische Zustand des Nervens von einer Seite zur andern geht, während in andern Fällen der Nerve der einen Seite in seiner ganzen Länge afficirt ist.

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andere von der Amaurose unabhängige Erscheinungen, welche eine Störung jenes Organs beurkunden, vorzüglich abnorme Zustände anderer Sinne. Die Prognose dieses Uebels, das früher im Rufe gänzlicher Unheilbarkeit stand, ist höchst ungünstig; nur selten gelingt die Heilung desselben. Die plötzlich entstandene Amaurose wird leichter ent– fernt, als die allmählig ausgebildete. Die inve– terirte Amaurose giebt weniger Hoffnung als die frisch entstandene, die ausgebildete weniger als die unvollkommene. Die Vorhersage ist ungün– stig bei der Amaurose mit gesunkener Sensibili– tät, weniger ungünstig bei jener mit gesteigerter Sensibilität. Je mehr die Organisation des Sehnervengebildes gelitten hat, je weniger die Ursachen auszumitteln oder zu entfernen sind, desto geringer ist die Hoffnung zur Herstellung. Die hereditäre und die angeborne Amaurose, die organischen Krankheiten des Gehirns und des Sehnervens weissen alle Heilung zurück. Die symtomatische Amaurose gewährt mehr Hoffnung zur Herstellung. Ist Erblindung eines Auges vorhanden, so ist, wenn diese durch eine allgemeine Ursache bewirkt wurde, der Verlust des noch gesunden Auges zu befürchten. Die traumatische Amaurose des einen Auges bleibt gewöhnlich die ganze Lebenszeit hindurch, ohne Nachtheil für das andere Auge. Die gesunde Constitution des Individuums, und der zuvor normale Zustand des Auges sind Umstände, welche einige Hoffnung zur Herstellung des Gesichts gewähren. Bei der Behandlung müssen wir vorzüglich das Ursächliche berücksichtigen. Hat als Folge des vermehrten Säfteandranges oder der Entzündung des Sehnervengebildes, Ueberfüllung der Gefässe und dadurch Hinderniss der freien Verrichtung der Retina Statt, dann besteht die Anzeige dieses gesteigerten Gefässlebens, diese Ueberfüllung durch

Blutentziehung zu heben. Mit dem besten Erfolge werden Aderlässe an dem vordern Aste der Schlafschlagader, am Arm, am Fusse nach der Heftig– keit und dem Bedingenden des Uebels vorgenom– men. Blutigel, blutige Schröpfköpfe an den Kopf, an den After bei unterdrückten Hämorrhoiden, an die Genitalien und den Damm bei Störung der Menstruen gesetzt, müssen diesen folgen. Nach Umständen sind die Blutentziehungen zu wieder– holen“). Hat die krankhafte Reaction ihre Quelle in unvorsichtig gestörter Absonderung eines Or– gans krankhaften Ursprungs, dann sind nebst dicsen die kräftigsten Ableitungen anzustellen. Ueber– haupt muss hier ein ableitendes Verfahren ein– geschlagen werden, wozu die, die Darmsecretion vermehrenden Mittel, der Mercur, die Mittelsalze etc., Fussbäder, rothmachende und blasenziehende Mittel an die Waden oder Fusssohlen, selbst auf den geschornen Kopf gesetzt, sich vorzüglich em– pfehlen. Kalte Waschungen der Augengegend, Ver– meidung aller, Congestion gegen den Kopf setzen– den, Momente, ein sorgfältiges Regimen sind an– zürathen. Die Nauseosa scheinen besonders zweck– mässig den gehörigen Ausleerungen zu folgen, in– dem sie die Thätigkeit des Gefässsystems mindernd das gestörte Nervenleben steigern. Ist die Störung des Gefässlebens weniger aus–

gedrückt, spricht sich das nervöse Leiden reiner

aus, so müssen beim erethischen Zustand sorg– fältig die Reizmittel gemieden werden, welche nur Entzündung der Retina, oder Torpor derselben, nicht aber Heilung zu bewirken vermögen. Hier eignen sich die Narcotica, um die exaltirte Sen– sibilität in die Sphäre des Normalen zurückzufüh– ren. In die Augengegend wird die Belladonna, das Opium, der Hyosciamus eingerieben, in Form der Breie aufgelegt, die Auflösungen derselben in

“) Schmucker’s chirurg. Schriften. 2. B. p. 47.

die Augen eingetröpselt. Dem innerlichen Gebrauch entsprechen die Mittel derselben Klasse, das Opium, die Belladonna, der Hyosc., das Aconit., Lauro– cer., Stramon., Pulsatill., Digital., Nux vomica. Den Schluss der Kur bewirken die anhaltend rei– zenden, stärkenden Mittel, die China und das Eisen. -

Besteht ein Sensibilitätsstubor, dann greife man kräftig in die Klasse reizender Mittel ein; jedoch sey die Reizkraft des Mittels der Receptivität anpassend. Da sich dieses Verhältniss zum Voraus nicht genau bestimmen lässt, so beginne man mit den weniger heftigen Mitteln, gehe zu den stär– kern über, und schreite bei erfolgender Besserung mit kluger Umsicht zurück. Die Verdunstungen der Naphten, des Salmiakgeistes gegen das Auge, die Einreibungen desselben in Verbindung mit aro-: matischen Geistern in die Augengegend, der ört– liche Gebrauch des Phosphors als Einreibung, der aromatischen Insusionen, der Vesicantien, der schar– fen Salben in der Nähe des Auges, alle diese Mittel wurden schon in solchen Fällen mit Erfolg verordnet. Die Moxa und das Glüheisen auf die Schläfe- und Oberaugenhöhlengegend verdienen als die kräftigsten Reiz – und Ableitungsmittel die vorzüglichste Berücksichtigung. Nicht weniger ver– dient die Elektricität und der Galvanismus, da un– bezweifelte Erfahrungen für deren Wirksamkeit sprechen, häufiger in Anwendung gezogen zu wer– den. Bei dieser Art der Amaurose wird das con– centrirte Licht als vorzügliches Mittel empfohlen. Das Schauen in die Sonne wird angerathen, selbst das durch convexe Gläser gesammelte Licht wird zum Auge geführt, und der ganze Körper soll einem intensiven Lichtgrade ausgesetzt werden. Zum in– merlichen Gebrauche müssen Mittel aus derselben Klasse gewählt werden. Das flüchtige Laugensalz, ätherische Oele und Tincturen, der Moschus, der Camphor *), der Phosphor *), das Rhus

taxicodendron *) sind die vorzüglichsten hier am– zuwendenden Mittel. Da jedes Arzneimittel durch seine Heterogenität auf den Organismus wirkt, die– ser aber leicht an Reizen sich gewöhnt, so ist es nöthig, dass man nicht nur das Quantitative, son– dern auch das Qualitative der Reize berücksichtige, und oft mit denselben wechsle. Eine passende Lebensweise muss dieses Verfahren unterstützen. Die symptomatische Amaurose erfordert die Bekämpfung jenes Uebels, dessen Aeusserung sie ist. Sind Verstopfungen der Unterleibsorgane vorhan– den, so wende man auflösende, zertheilende, al– terirende Mittel, den Tartar. enut. in kleiner Dosis, den Crem. tartar, tartart. tartar, Mercur. etc. an. Liegt der Heerd der Krankheit im Intestinaltrakt, so handle man darnach. Säure in den ersten Wegen wird durch absorbirende, bittere Mittel ge– hoben, Unreinigkeiten, welche nach aufwärts turgiren, werden durch Brechmittel, solche, welche nach abwärts turgiren, durch Abführmittel besei– tiget. Würmer verlangen den anthelmintischen Heilapparat. Ist die Schleimabsonderung in der Stirn – und Nasenhöhle unterdrückt, so dienen Niessmittel. Ist die Amaurose in Folge einer unterdrückten Hautkrankheit, eines unvorsichtig abeschnittenen Geschwürs, durch Störung einer gichÄ oder rheumatischen Entzündung entstanden, so muss durch Herstellung des primären Leidens die krankhafte Thätigkeit auf ihren ursprünglichen Sitz zurückgeführt werden. Die syphilitische Amaurose fordert den Gebrauch des Mer– curs. Haben Nervenkrankheiten, Hysterie, Hypo

4) Flemming (allg. medic, Annalen, Aprilheft 484 4. p.362) hat durch ausserordentliche Gaben Camphors die Amaurose geheilt.

2) Löbenstein Löbel (Intell. Bl. Nro. 55. der Jenens. Lit. Zeit. v. J. 1815) hat damit geheilt.

3) Dissertatio de Amaurosi auctore Sereneik. Berolini. p. 22.

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