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sibilität spricht sich durch Abnahme des Sehver– mögens, indem der Kranke die Gegenstände wie in eine Wolke gehüllt, schwer erkennt, durch Sinnestäuschungen, indem schwarze Puncte im Auge aufzusteigen scheinen, wodurch das Gesicht verwirrt wird, vorzüglich aus. Die Gegenstände er– scheincn auf verschiedene Weise entstellt (Metamorphopsia), oder nur zur Hälfte (Hemiopia), und der Zusammenhang derselben unterbrochen (Visus interruptus). Sie scheinen dunkler bemalt, als sie sind, und werden nur bei starker Beleuch– tung wahrgenommen. Die Kranken beklagen sich über Lichtmangel und wenden sich mit grosser Begierde gegen das Licht "). Nach leichten An– strengungen, nach geringem Säfteverlust vermindert sich das Sehvermögen, das durch excitirende Momente gebessert wird. Die Iris wird in ihren Bewegungen immer träger, die Pupille verliert ihre reine Schwärze, und wird erwcitert. Der kranke Aug– apfel declinirt von der Sehaxe des gesunden. Zuweilen stellt sich Lähmung des obern Augenliedes, und Trägheit in den Bewegungen der Augenmuskeln ein. Man bemerkt bei der Entwicklung des schwarzen Staares zuweilen keine anhaltende Zunahme, sondern ein von Zeit zu Zeit sich einstellendes Stehenbleiben, und selbst Abnahme des Uebels, das aber immer wieder exacerbirend endlich unter diesen anhaltenden Schwingungen vom Bessern zum Schlimmern und umgekehrt die höchste Stufe der Ausbildung zu erreichen vermag. Die Diagnose des ausgebildeten Uebels ist leicht trüglich, da keine der einzelnen Erscheinungen bezeichnend ist, und diese erst ihren diagnostischen Werth im Verein aufgefasst, erhalten; zudem genügt es nicht, hier nur den Namen der Krank– heit aufzufinden, das Wesen derselben muss er–

*) Beer (im a. W. 2. B. S. 429) nennt diesen Zustand

t Lichthunger.

fasst, das Ursächliche aufgesucht werden. Das Alter, das Geschlecht, das Temperament, die körperliche Constitution, die Bildung des Auges, die Lebensweise, alle diese Gegenstände, nebst den den ganzen Verlauf begleitenden Erscheinungen fordern die sorgfältigste Berüchsichtigung. Die Aussage des Patienten über den eingetretenen Verlust des Sehvermögens ist für sich trüglich, da der Patient durch die im Auge sich bildenden Lichtentwicklungen, glaubend. er percipir2 Licht, getäuscht wird, oder Blindheit vorschützend, den Arzt zu täuschen versucht, Von jeher setzte man die grösste Aufmerksamkeit auf den Zustand der Pupille. Die Er– weiterung, die Unbeweglichkeit und die schwarze Farbe derselben, wurden als charakteristische Erscheinungen angenommen. In vielen Fällen besteht abnorme Erweiterung bisweilen mit Einwärtsstülpung der Iris und Bewegungslosigkeit dersel– ben. Vorzüglich zeigt sich dieses bei der mit verminderter Sensibilität auftretenden Amaurose, wo alsdann die Pupille ihre runde Gestalt verlierend nicht selten winklicht, gewöhnlich in die Quere verzogen ist. Zuweilen zeigen sich entgegengesetzte Erscheinungen, indem die Pupille sich nicht erweitert, vielmehr sich verengert, und ihre Rundung beibehält. Diese Erscheinungen sprechen für das Bestehen der Amaurose mit erhöhter Sen– sibilität, wobei nicht gar selten die Iris die leb– hafte Beweglichkeit beibehält. Bei der Amauro– sis monocula behält zuweilen die Iris des erkrank– ten Auges ihre Beweglichkeit, so lange das gesunde Auge den Abstufungen des Lichts ausge– setzt wird, verliert aber diese, sobald dieses ge– schlossen wird. Die reine Schwärze der Pupille wird selten beobachtet, gewöhnlich zeigt sich im Grunde des Augapfels hinter der Pupille eine rauchlichte Trübung. Diese schimmert zuweilen weiss

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aus der Tiefe des Auges hervor, was Langenbeck ) und Kieser *) zur Annahme materieller Veränderungen der Netzhaut führt, zuweilen phosphorescirt die Trübung, es zeigen sich auf dem opalisirenden Hintergrunde Verzweigungen der Cen– tralschlagader, wodurch dieser ein röthlichtes Ansehen gewinnt. Beer *) giebt diesem Zustande die Benennung des amaurotischen Katzenauges, schreibt diese Erscheinung dem Mangel des Ta– petum zu. Immer bezeichnet dieses Symptom den ausgedehnten, überfüllten Zustand der Arteria centralis. Der vollkommen ausgebildeten Krankheit können noch andere Erscheinungen sich beigesellen. Indem der Vitalitätsprocess durch Mangel der Fuuction des Organs allmählig erlischt, entsteht Abnahme der Muskelthätigkeit, daher Trägheit in den Bewegungen des Auges, Runzlung und Trübung der Hornhaut. Die Sclerotica wird bläulicht, die Gefässe der Conjunctiva varicös, es bildet sich Cirsophtalmie, die Linse und der Glaskörper ver– lieren ihre Durchsichtigkeit, es entsteht Synchisis, indem die Glasfeuchtigkeit ihre eiweissähnliche Cousistenz verliert. Bisweilen verschrumpft der Aug– apfel und verkleinert sich beträchtlich. Das Erlöschen der Thätigkeit des Sehnervengebildes als Sehnerve, der Verlust des individuellen Nervenlebens desselben bedingt die nächste Ursache des Uebels. Entweder tritt die Retina in den Zustand gesteigerter Empfindlichkeit, so, dass das Leuchtende nicht beschränkt und das Auge geblendet wird, oder sie sinkt herab in den Zustand der tiefer stehenden Nervensphäre, in den Zustand der Paralyse. Im ersten Fall ist gleich–

4) Neue Bibliothek für Chirurgie und Ophtalmologie. 4. B. pag- 65.

2) Ueber die Natur, Ursachen, Kennzeichen und Heilung des schwarzen Staars. P. 56.

3) A, W. S. 497

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zeitig die Irritabilität aus den Schranken des Normalen hervorgetreten, es bildet sich Entzündung der Retina, welche, wie bei andern Gebilden mit gesteigerter Sensibilität auftritt, die Amaurose erscheint als Symtom der Retinitis, oder bedingt durch dieselbe als Ausgang der Entzündung. Langenbeck ) hat dargethan, dass specifische Entzündungen der Retina der Amaurose zu Grunde liegen. Im zweiten Falle besteht gewöhnlich eine varicöse Ausdehnung der Gefässe der Retina, pas– sive Congestion (Apoplexia Retinae) *), veränderte Organisation *), oder reine Paralyse. Nicht immer wurzelt das Uebel in der Retina, sondern zuweilen wird dasselbe durch das Leiden des Sehner

vens oder des Gehirns bedingt. Von dieser, der wesentlichen Amaurose müssen

wir die symptomatische scheiden, welche nur der

Ausdruck eines anderwärtigen Leidens ist, und ent– weder auf metastatischem oder consensuellem Wege entsteht. Zu der Amaurose machen vorzüglich geneigt: Ver– stimmung des Nervensystems, daher Epilepsie, Hyste– rie, Hypochonderie u. s. w.*); abnorm erhöhte Thä– tigkeit des arteriellen Systems, daher habituspletho– ricus, apoplecticus, Congestionen gegen den Kopf );

1) I. a. W. S. 68.
2) Delpech (Précis elementaire des maladies chirurg. T. 3.
p. 231 ) macht hierauf vorzüglich aufmerksam.
3) Morgagni (Epist. anat med. 52, art. 3o). Haller (opusc.
pathologica obs. 65) u. A. fanden die Retina im Zu-
stande der Verknöcherung. Der varicöse Zustand der
Chorioidea (die Staphylome der Sclerotica) bedingt zu-
weilen, wenn derselbe auf der hintcrn Hemisphäre des Bul-
bus sich entwickelt, durch Druck der Retina die Amaurose.
4) Die hereditäre Anlage scheint auf Verstimmung einzel-
ner Nervenprovinzen zu beruhen, so wie die oft beob-
achtete Idiosyncrasie. -
5) Die dunkelgefärbten Augen sind geneigter als die hell-
gefärbten amaurotisch zu werden, in jenen ist das Ge-
fässleben vorherrschend auf Kosten des Nervenlebens.
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venöse Stockungen, Neigung zur varicösen Verbildung. - - Als Gelegenheitsursachen sind zu betrachten: 1. Alle den ganzen Organismus, oder das Nerven– system im Allgemeinen, oder das Sehnervengebilde insbesondere schwächenden Einwirkungen. Hieher gehören deprimirende Leidenschaften, schlechte Nahrung, Verlust edler Säfte, besonders des Bluts und des Samens, anhaltende Bauchflüsse, stark eiternde grosse Flächen, Kälte, langer Aufenthalt im Dunkeln, die Einwirkung der narkotischen Mittel, des Bleies etc. 2. Alle Potenzen, welche Or– gasmus der Blutmasse und Congestion zum Kopfe setzen. Hieher gehören anhaltende Kopfschmer– zen, Apoplexie, Missbrauch geistiger Getränke, Unterdrückung gewohnter Blutflüsse, oder anderwärtiger Absonderungen, das Zahngeschäft ), exaltirende Affecte, starke Anstrengungen, Erschüt– terungen, Verletzungen des Auges etc., grelles Licht, schnell ersolgender Wechsel in dem Grade der Beleuchtung. 3. Consensuelle und specifike Reize; erstere haften vorzüglich in den ersten Wegen, verdorbene Galle, unverdaute Nahrungsstoffe, Wür– mer, sind häufige Ursachen der Amaurose. Eben so wird auf metastatische Weise durch unterdrückte Hautkrankheiten, durch gestörte Crisen etc. Amau– rose bedingt; die Lues hat zuweilen dieselbe im Gefolge. Dass die Amaurose mit intermittirendem Typus, zu gewissen oder ungewissen Zeiten wiederkehrend als larvirter Fieberparoxismus aufzu– treten vermöge, ist durch vielfältige Erfahrung ausser Zweifel gesetzt. Ausser den angegebenen Ursachen haben wir noch jene Zufälle zu berücksichtigen, welche den Sehnerven oder das Gehirn in ihren Verrichtungen beschränkend die Amaurose hervorrufen. Geschwülste,

“) Dictionaire de medicine. Paris, 182 1. Art. Amaurosc par Marjotin. p. 41.

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