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Der Hof

J ohann Georg's II.

1656 - 1680.

is.

Sadren. IV.

KIN

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10. 143.

Neberdieß haben fte Gott Lob das ganze Compen

dium Grammatices neben dem Syntar ausgelernet und haben nunmehr die große Grammatica

angefangen. In den Epistolis Ciceronis, wie auch in com

ponendis argumentis fahren fie fort, lernen die Episteln fertig erponiren und grammatice re

solviren.
Inzwischen haben fie zwei Capita aus des M.

Bech neri großem Nomenclatore gelernet.
In Arithmeticis sind die Herren allerseits bis auf:

Dividiren gekommen.
Das Schreiben, Lateinisch und Deutsch wird noch

täglich mit allen dreien getrieben und also ges
halten, daß fte zween Tage deutsch und den drit-

ten lateinisch füreiben. Die Colloquia puerilia Haben fte auch allerseits ganz ausgelernet.“

Su Jahren gekommen und im Kriege - Trouble mit einer Menge Ausländern in Berührung gerügt, warf Johann Georg II. seine Augen auf das Ausband: Ftalien und Frankreich wurden seine Ressourcen, 'von dort her verschrieb er fich Sänger und Musiker, von hierher Sprach- und Tanzmeifter. Die Inventionen, die neuen Sofinventionen wurden sein Hauptaugenmerk.

Schon als Rurprinz fehr ftattlich, führte Johann Georg Il. am Şofe zu Dresden eine neue vorher nie gesehene Pracht éin. Mit dieser Pracht fam eine ganz neue Adelsherrschaft. Seit dem Jahre 1650 war es

ftebende Sitte geworden, daß die deutschen Cavaliere, auch die fächflichen, nach Frankreich, besonders nach Paris reiften, um fich audzubilden, durch nichts konnte man seitdem an einem deutschen Kofe schneller sein Glück machen. Der deutsche Adel versammelte fich von jeßt, wie der französische es gethan hatte, am şofe und ging förmlich in den Hofdienft. Er machte nicht mehr den Ritt mit eignem Leibe, saß nicht mehr zum Ritterbienft selbft auf, für den ihm doch fein Lehn, 096 Rittergut verliehen war, sondern er gab nun für diesen Ritterdienft, die sogenannten Ritterpferde, nur ein geringes Donativ, als gutwillige Leiflung, Dieses Donativ war steigend und fallend, 1631 in den Jahren der Einnahme Magdeburgs durd Tidy bewilligte die Ritterschaft 200,000 Gulden wegen der dringenden Kriegsgefabr, 1657 aber trop der großen Schulden des Landes nur 60,000 Gulden; später im achtzehnten Jahrhundert flieg dae Donatio wieder in Den Kriegszeiten, zu Aufbringung der schwedischen Contribution zu 200-- 250,000, unter Minifter Brühl zu 120-130,000 Thalern; 1770 war eg wieder nur 34,000 und 1778 noch nicht 30,000 Thaler. Seit dem Nymweger Frieden 1679 mußten in allen größeren deutschen Staaten ftehende Truppen gehalten werden, die Roften derselben aber mußten von jeft an, obwohl der Adel durch die Dificierstellen eine ganz neue und breite Versorgung fand, die Bürger und Bauern aufbringen, der Adel reßte die Steuerfreiheit seiner Ritters güter durch.

Der Geift, ber die Adeldanmaßungen in Sachsen

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