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I 71-88. Feier des Jahresanfangs. I 89–144. Janus. II 617—638. Caristia. *II 641—684. Terminalią. *III 167–252. Matronalia.

III 523-674. Fest der Anna Perenna.
*III 713—788. Liberalia.
*III 809-848. Quinquatrus maiores.
*IV 679—712. Cerialia.
*VI 651-710. Quinquatrus minores.
IV 721–782. Feier der Palilia.

V 621-662. Argeeropfer.
*II 83-118. Arion.
IV 419–618. Raub der Proserpina.
V 379—414. Chirons Tod und seine Erhebung unter die Sterne.

Somit empfehle ich denn diese anspruchslose Arbeit der gütigen Nachsicht des gelehrten Publikums und schliesse mit dem Wunsche, dass sie dazu beitragen möge, den Fasten ihren alten Platz auf unsern deutschen Gymnasien wiederzugewinnen.

Meissen, den 26. November 1873.

H. Peter.

Vorrede zur dritten Auflage.

Nachdem A. Riese in dem dritten Bande der Tauchnitzer Ausgabe (1874) die Keilsche Kollation des cod. Petavianus vollständig, die des Ursinianus zum grössten Teil veröffentlicht und unsere Kenntnis dieser zwei wichtigen Handschriften wesentlich gefördert hat, habe ich den Text der zweiten Auflage (1879) methodisch revidieren können, was mir bei der ersten noch nicht möglich gewesen war. Die damals befolgten und ausgesprochenen Grundsätze habe ich zwar festgehalten, ja sie haben sich mir bei fernerer Untersuchung noch mehr befestigt: im einzelnen aber habe ich auf Grund der genaueren Mitteilungen Rieses und auch Krügers manches geändert (s. Abt. II S. 3—5). Von den in der neuen Teubnerschen Textausgabe (1884) veröffentlichten Konjekturen Merkels habe ich bei aller Verehrung des sonst um Ovid so hochverdienten Gelehrten keine in meinen Text setzen können.

Der Charakter des Kommentars ist unverändert geblieben; namentlich habe ich mich nicht entschliessen können, einzelne Citate

und Bemerkungen zu streichen, weil sie über den Standpunkt einer gewöhnlichen Untersekunda hinausgingen, und freue mich für meine Ansicht die Worte des Herausgebers des Curtius Rufus, Dr. Th. Vogel, anführen zu können, der 8. V seiner erklärenden Ausgabe sagt: Für denjenigen, welcher für die Sache sich lebhaft interessiert, überhaupt – allen Überbürdungsklagen zum Trotze — geistige Arbeit mit frischer Lust betreibt, werden derartige, auf andere Gebiete der Litteratur und Wissenschaft verweisende Notizen nicht wertlos sein, ja manche derselben ihm nur die Antworten auf Fragen bieten, welche er im stillen sich selbst gestellt hatte. Machen ja doch die Verwalter grösserer Bibliotheken noch immer die erfreuliche Erfahrung, dass das philologisch-historische Interesse älterer Schüler sich keineswegs auf den engen Kreis der Schulautoren beschränkt. Sehr mit Recht verbannt man ja aus den Kommentaren der Schulausgaben heutzutage alles das, was nur von dem Fachgelehrten recht gewürdigt und genutzt werden kann; aber hüten muss man sich doch auch vor dem anderen Extrem, der erwachsenen Jugend nur leichte, schnell verdauliche Speise bieten zu wollen, soll diese wirklich recht gedeihen und erstarken'.

Kleinere Unebenheiten und Ungleichmässigkeiten im Kommentar zu beseitigen, bin ich natürlich auch weiter bedacht gewesen und habe auch die neuere Litteratur, besonders die mythologischen Forschungen von W. Mannhardt, Roschers ausführliches Lexikon, Jordans Tempel der Vesta, die chronologischen Arbeiten von Hartmann und Th. Bergk, um die speziell ovidische hier zu übergehen, gewissenhaft benutzt.

Der Anhang, der in der zweiten Auflage um fast zwei Bogen gegen die erste gewachsen war, hat diesmal nur einzelne Zusätze erhalten. Die Abweichungen des Textes von der Rieseschen Ausgabe habe ich diesmal noch wiederabdrucken lassen; doch dürfen wir ja nun bald auf eine kritische Bearbeitung mit vollständigem Apparat von berufener Hand hoffen.

Um die Korrektheit dieser Auflage hat sich mein Kollege, Herr Oberlehrer Dr. J. Gilbert, grosse Verdienste erworben, wofür ich ihm den aufrichtigsten Dank schulde; doch habe auch ich mich um dieselbe nach Kräften bemüht und alle Citate nachgeschlagen.

Meissen, den 6. April 1889.

H. Peter.

I.

Autobiographie des Dichters.

(Ovid. trist. IV 10.)

Ille ego qui fuerim tenerorum lusor amorum,

quem legis, ut noris, accipe, posteritas. Sulmo mihi patria est, gelidis uberrimus undis,

milia qui novies distat ab urbe decem. 5 editus hinc ego sum, nec non ut tempora noris,

cum cecidit fato consul uterque pari. si quid id est, usque a proavis vetus ordinis heres,

non sum fortunae munere factus eques.

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1. Die Elegie ist entweder zu Ende des zweiten oder zu Anfang des dritten Jahres in der Verbannung zu Tomi gedichtet. Konstr. ut noris, qui fuerim ego, ille t. l. a., quem legis, a., p. ille, “jener berühmte', konnte 0. mit Recht von sich sagen, denn schon ehe er in die Verbannung ging, trug man sein Bild in den Steinen der Ringe, trist. I 7,1 ff. ten. Tusor am. nennt sich 0. auch in seiner Grabschrift tr. III 3, 73. amores 'Liebesgedichte' wird ebenso mit ludere (spielend dichten”) verbunden, wie carmina Verg. georg. IV 565 u. 6. 3. Sulmo, j. Sulmona, eine nicht unbedeutende Stadt im Lande der Paeligner, wenige Miglien südlich von Corfinium, 90 milia p. östlich von Rom, von 0. beschrieben am. II 16, 1 ff.; über seinen Wasserreichtum z. f. IV 81.

6 d. h. im J. 43 v. Chr. während des Mutinensischen Krieges, in welchem die beiden Konsuln des Jahres, C. Vibius Pansa (infolge einer bei Forum Gallorum erhalte

nen Wunde) u. A. Hirtius in der Schlacht bei Mutina) ihren Tod fanden.

6 (Tibull.) III 5, 18. 7 f. vgl. am. III 15, 5 f.: si quid id est, usque a proavis vetus ordinis heres, non modo militiae turbine factus eques. si quid id est, d. h. wenn Gewicht darauf auf die Geburt) zu legen ist. 0. stammte also aus einem alten (und nicht unvermögenden, am. I 3, 9. II 16, 1 ff. tr. II 110 ff.) Rittergeschlechte (s. auch am. I 3, 8. tr. a. a. 0.) und stellt sich damit in Gegensatz zu der grossen Masse derjenigen, welche erst durch die Kriege am Ende der Republik allein durch den Besitz

400 000 Sesterzien (fortunae munere) in den Ritterstand gekommen und daher untermischt waren mit vielen unwürdigen Männern von der niedrigsten Herkunft. Um die so zusammengeworfenen verschiedenartigen Elemente zu sondern, hatte Augustus innerhalb des ordo aus denen, welche von angesehenem

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von

Ovids Fasten.

nec stirps prima fui: genito sum fratre creatus, 10

qui tribus ante quater mensibus ortus erat.
Lucifer amborum natalibus adfuit idem:

una celebrata est per duo liba dies.
haec est armiferae festis de quinque Minervae,

quae fieri pugna prima cruenta solet.
15 Protinus excolimur teneri curaque parentis

imus ad insignes urbis ab arte viros. frater ad eloquium viridi tendebat ab aevo,

fortia verbosi natus ad arma fori.

at mihi iam parvo caelestia sacra placebant, 20 inque suum furtim Musa trahebat opus.

saepe pater dixit 'Studium quid inutile temptas?

Maeonides nullas ipse reliquit opes.' motus eram dictis totoque Helicone relicto

scribere conabar verba soluta modis: 25 sponte sua carmen numeros veniebat ad aptos,

quidquid temptabam dicere, versus erat.

Geschlechte waren und den senatorischen Census (z. V 63) aufweisen konnten, die Klasse der equites illustres gegründet.

11. Lucifer z. I 46. 12. An den Geburtstagen dem Genius (z. II 545) einen Kuchen zu opfern, war bei den Römern stehende Sitte und galt als das Charakteristische einer Geburtstagsfeier. tr. III 13,17: Libaque deproperem genitale notantia tempus. S. Marquardt Privataltert. I S. 256. — 13. Der Geburtstag war also am 20. März, dem 2. Tage der Quinquatrus, an welchem die mit diesem Festé verbundenen Gladiatorenspiele ihren Anfang nahmen; 8. III 809 u, Anm. armifera Min. z. III 681.

16. Die insignes ab (von Seiten, hinsichtlich) arte viri sind die Lehrer der artes liberales, Grammatik, Rhetorik und Philosophie; in der Rhetorik genoss 0. den Unterricht der beiden damals berühmtesten Lehrer, des M. Porcius Latro und des Arellius Fuscus und galt als bonus declamator; freilich liebte er nicht die eine ernste Gedankenarbeit erfordernden controversiae, Prozessreden, sondern mehr die leichteren suasoriae, s. Senec. contr. II 10, 12: Declamabat autem Naso

raro controversias et non nisi ethicas;

libentius dicebat suasorias. molesta illi erat omnis argumentatio. Er vollendete nach der Sitte der Römer seiner Zeit seine Bildung durch einen Aufenthalt in Athen (tr. I 2, 77), von wo er Asien und besonders Troja (f. VI 423) aufsuchte; auch Sicilien bereiste er und hielt sich in Syrakus fast ein Jahr auf, ex P. II 10, 21 ff. In welche Zeit jedoch diese Reisen fallen, lässt sich nicht genau feststellen, jedenfalls die athenische in des Dichters junge Jahre, wahrscheinlich nach Annahme der toga virilis. 19. Die caelestia sacra (der den Himmlischen gewidmete Dienst) werden durch den folg. V. genauer als Musendienst bestimmt. tr. IV 1, 27: Non equidem vellem, quoniam nocitura fuerunt, Pieridum sacris imposuisse manum. ex P. IV 13, 43: studii communia foedera sacri.

21. inutile ‘nichts einbringend'. -22. Maeonides, Homer, z. II 120.

-23. Der Berg Helikon ist der Musensitz, z. IV 191. 24. verba soluta modis d. i. Prosa, welche der Rhythmen (modi, numeri) entbehrt.

26. Vergl. Senec. contr. II 10, 8: Habebat ille (Ov.) comptum et de

Interea tacito passu labentibus annis

liberior fratri sumpta mihique toga est, induiturque umeris cum lato purpura clavo, 30 et studium nobis, quod fuit ante, manet. iamque decem frater vitae geminaverat annos,

cum perit, et coepi parte carere mei. Cepimus et tenerae primos aetatis honores,

deque viris quondam pars tribus una fui. 35 curia restabat; clavi mensura coacta est:

maius erat nostris viribus illud onus.
nec patiens corpus nec mens fuit apta labori,

sollicitaeque fugax ambitionis eram.
et petere Aoniae suadebant tuta sorores
40 otia, iudicio semper amata meo.
Temporis illius colui fovique poetas,

quotque aderant vates, rebar adesse deos. saepe suas volucres legit mihi grandior aevo,

quaeque necet serpens, quae iuvet herba, Macer. 45 saepe suos solitus recitare Propertius ignes,

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42:

cens et amabile ingenium. oratio eius
iam tum nihil aliud poterat videri
quam solutum carmen. adeo autem
studiose Latronem audiit, ut mul-
tas illius sententias in versus suos
transtulerit. 27 vgl. VI 771.
28 nach dem Herkommen im 17. J.
8. Z. III 713, 771. 29. Die Kinder
der equites illustres hatten, wenn
sie später in den Staatsdienst tre-
ten wollten, das Recht zugleich mit
der toga virilis den purpurnen la-
tus clavus auf der Tunica anzu-
nehmen, das Abzeichen der Sena-
toren. Von demselben macht 0.
Gebrauch und giebt damit seinen
Entschluss zu erkennen sich der
Staatslaufbahn zu widmen; als er
sie dann aufgab und auf den Ein-
tritt in den Senat verzichtete, ver-
tauschte er jenen mit dem angustus
clavus der gewöhnlichen Ritter.

34. 0. meint wahrscheinlich das Kollegium der III viri capitales, welche abgesehen von einigen polizeilichen und unbedeutenden richterlichen Geschäften die Aufsicht über die Gefängnisse und die Hinrichtungen zu führen hatten; es gehörte zu den Ämtern des s. g. vigintiviratus, welche in der Kaiserzeit Vorstufen zu der Quästur waren,

deren Bekleidung den Zutritt zum Senat (curia) eröffnete, oft aber auch direkt zum Senat (s. Anh. z. IV 383). Die aetas quaestoria war das angetretene 25. Jahr, zum vigintiviratus scheinen 20 genügt zu haben.

38 vgl. Cic. pr. Milon. 16, scio enim, quam timida sit ambitio, quantaque et quam sollicita sit cupiditas consulatus. Tac. hist. II 86: Cornelius Fuscus, claris natalibus, prima iuventa quietis cupidine senatorium ordinem exuerat. 39. Aoniae sorores, Musae, s. z. I 489 u. IV 191.

43. legit: Die Sitte Schriftwerke in Freundeskreisen vorzulesen und kritisieren zu lassen hatte damals, nachdem Asinius Pollio damit den Anfang gemacht, schnell Eingang gefunden. — 44. Aemilius Macer aus Verona, † 16 v. Chr., Verf. von drei Lehrgedichten nach Nikander, Ornithogonia (V. 43), Theriaca (V. 44, Mittel gegen den Biss wilder Tiere) und vielleicht de herbis. Erhalten sind von denselben nur unbedeutende Fragmente. 45. S. Propertius aus Umbrien, der dritte in der Reihe der römischen Elegiker und Liebesdichter, ist beson

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