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Nr. XXIII (c. 49).
Disertissime Romuli nepotum,
Quot sunt quotque fuere, Marce Tulli,
Quotque post aliis erunt in annis,
Gratias tibi maximas Catullus
Agit, pessimus omnium poeta,
Tanto pessimus omnium poeta
Quanto tu optimus omnium patronus.

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Nr. XXIV (c. 84). Chommoda dicebat, si quando commoda vellet

Dicere, et insidias Arrius hinsidias,

nomen

XXIII. Das von Catull mit diesen Worten dem Cicero gespendete Lob ist schwerlich ernstlich gemeint. Eine Bescheidenheit, wie sie sich hier in dem Urteil, das Catull über sich selbst fällt, zeigen würde, wenn man das Gedicht ernst nähme, war dem Altertume völlig fremd. Der Sinn ist: ‘so wenig ich, Catull, der schlechteste der römischen Dichter bin, so wenig bist du, Cicero, der bedeutendste Anwalt Roms'. Vielleicht antwortete Catull hiermit auf Angriffe, die er und seine Dichterschule, die νεώτεροι, wiederholt von Cicero erfahren hatten; so hat Cicero namentlich über die bei diesen nach alexandrinischer Manier öfter wiederkehrenden versus sponsiaci gespottet; vgl. Ein). S. 9.

1. disertus] zu sein war nicht das höchste Lob des Redners; so sagt der Redner M. Antonius bei Cic. or. 5, 18 disertos se vidisse multos, eloquentem omnino neminem; de orat. I 21, 95 existat talis orator qualem quaerimus, qui iure non solum disertus, sed etiam eloquens dici possit.

Romuli nepotes für Romani ist spöttisch; ähnlich gebraucht Catull Remi nepotes C. 58, 5.

2. quot sunt quotque fuere etc.) Diese der Umgangssprache ent

lehnte breite Wendung findet sich öfter bei Catull. Cic. p. red. ad pop. 7, 16 vir omnium qui sunt, fuerunt, erunt princeps. Die Anrede M. Tulli hat etwas auffallend Feierliches, da sonst in der Poesie in der Regel nur das cog

oder nomen gentilicium hierzu verwandt ward.

7. patronus) statt patr. es; hier ist die der Umgangssprache entlehnte Auslassung der Form von esse durch tu entschuldigt. — tantoquanto] eo meiden die Dichter, wie überhaupt die Formen von is; Cat. 29, 20 Bährens; Ov. tr. III 4, 27 Owen.

XXIV. Wie in England der Ungebildete oft in Zweifel ist, ob er das h am Anfang der Wörter aussprechen soll oder nicht (to drop the h), so war dies auch in Rom der Fall, wiewohl hier die Aspiration ein selbst von Gebildeten viel umstrittenes Kapitel der Grammatik war. Cäsar widmete in seiner grammatischen Schrift de analogia der Aspiration einen eigenen Abschnitt. Doch scheinen auch in Rom die Gebildeten in der Aussprache des h meist übereingestimmt zu haben. Wenigstens sagt Nigidius Figulus, ein Grammatiker aus der Zeit des Cicero: rusticus fit sermo, si ad

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Et tum mirifice sperabat se esse locutum,

Cum quantum poterat dixerat binsidias. Credo, sic mater, sic liber avunculus eius,

Sic maternus avus dixerat atque avia. Hoc misso in Syriam requierant omnibus aures:

Audibant eadem haec leniter et leviter, Nec sibi postilla metuebant talia verba,

Cum subito adfertur nuntius horribilis, Ionios fluctus, postquam illuc Arrius isset,

Iam non Ionios esse, sed Hionios.

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Nr. XXV (c. 93).
Nil nimium studeo, Caesar, tibi velle placere,

Nec scire utrum sis albus an ater homo.

spires perperam.- Catull verspottet in diesem Gedicht einen gewissen Arrius, vielleicht den von Cic. Brut. 69, 242 genannten unbedeutenden Redner, der mit der Aussprache des h Unglück hatte. Das kleine Gedicht ward bald berühmt und wird bereits von Quintilian I 5, 20 erwähnt: erupit brevi tempore nimius usus (des h), ut choronae, chenturiones, praechones adhuc quibusdam inscriptionibus maneant, qua de re Catulli nobile epigramma est.

3. sperabat] er bildete sich ein.

4. quantum poterat] mit aller Kraft.

58. Diese Aussprache verdankt er seinen plebejischen Verwandten mütterlicherseits. credo) z. Nr. XV 8.

liber] der Oheim war der erste Freie aus der Familie. Hor. s. I 6, 131 avus pater atque meus patruusque.

eius kommt bei Virgil und den Epikern gar nicht, bei den Elegikern selten und fast nur am Ende des Hexameters vor; Prop. Nr. XXXI 67.

Bei Catull findet es sich nur hier.

8. audibant] Beachte die zusammengezogene Form. leniter et leviter] z. Nr. XX 20. ʻlind und

leise'; len, bezeichnet den milden Klang der Stimme im Gegensatz zum rauhen, lev. den leisen im Gegensatz zum lauten; c. 64, 273 ; Prop. IV 8, 50.

9. poslilla statt postea, gehört der Umgangssprache an.

XXV. Catull stand als eifriger Republikaner den Bestrebungen Casars schroff gegenüber und verfolgte ihn und seine Anhänger mit beissenden Epigrammen. Tac. ann. 4, 34 carmina Bibaculi et Catulli referta contumeliis Caesarum leguntur. Suet. lul. Caes. 73 Valerium Catullum, a quo sibi versiculis de Mamurra perpetua stigmata imposita non dissimulaverat, satisfacientem eadem die adhibuit cenae, hospitioque patris eius sicut consuerat uti perseveravit.

1. vel steht pleonastisch. Dies ist der Umgangssprache entlehnt, findet sich aber auch bei Dichtern öfter; Ov. met. 10, 132 velle mori statuit; f. 261 s.; nolle met. 10, 39; Cic. p. Mur. 50 nolite velle. Hor. s. II 6, 43.

2. albus an ater) sprichwörtlich ; Phaedr. III 15,10; Cic. Phil. II 16,41; Tusc. 5, 114; Hor. epp. II 2, 189;

Nr. XXVI (c. 116). Saepe tibi studioso animo venante requirens

Carmina uti possem mittere Battiadae,
Qui te lenirem nobis, neu conarere

Telis infestum mittere in usque caput,
Hunc video mihi nunc frustra sumptum esse laborem,

Gelli, nec nostras hic valuisse preces.
Contra nos tela ista tua evitamus amictu :

At fixus nostris tu dabi' supplicium.

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IV. Ariadne auf Dia.

Nr. XXVII (c. 64, 50-265). Haec vestis priscis hominum variata figuris Apul. apol. 482 Die Redensart iambus von iánteLV , iactare, von bezeichnet, dass jemand einem ganz den Pfeilen des Spottes). Prop. II gleichgültig ist.

8, 15 s. usque in nostrum iacies XXVI. Catull hatte sich vergeb verba superba caput? Schiller Br. lich bemüht einen gewissen Gellius, v. M. 1 'ausgeleert hab' ich der vielleicht den Konsul des J. 36 Worte Köcher', 'den bittern Pfeil L. Gellius, einen Sohn des Konsuls des raschen Worts senden'. - in. G. vom J. 72, durch Übersendung festum] passiv 'gefährdet' wie Cic. von Übersetzungen aus Kallimachos p. Rosc. A. 11, 30 filii vita infesta, für sich zu gewinnen. Nunmehr saepe ferro atque insidiis adpetita; droht der Dichter mit den Pfeilen Liv. VII 25, 4. Gell. IX 12, 2 et seiner lamben. Es sind mehrere is infestus appellatur, qui malum dieser an Gellius gerichteten Epi infert cuipiam, et contra, cui aliunde gramme erhalten.

impendet malum, is quoque infestus 1. tibi] das nachdrucksvoll voran

dicitur.

in usque] Nr. III 24. gestellt ist, gehört zu mittere. 5. Caes. b. G. III 14, 1 intellexit studioso animo venante)

- animo

frustra tantum laborem sumi. studiose venante.

6. hic] ‘in diesem Bestreben dich 2. uti] Er sucht nach einem schick mir geneigt zu machen'. lichen Anlass, wie er ihm die Über 8. dabi's nur hier gestattet sich setzung widmen (mitt.) könne. Catull die Elision des s; dies galt Battiadae] z. Nr X 16.

damals für subrusticum (Cic. or. 3. Der Vers besteht nur 48, 161) und ward gerade von den Spondeen. Ennius ann. 1, 66 olli poetae novi vermieden, während respondit rex Albai longai. die im älteren Stil schreibenden qui] st. quibus gehört der älteren Dichter, wie Cicero selbst in seinem Sprache an. Beachte nobis neben Jugendgedicht Aratea, diese Elision lenirem und mihi.

noch zuliefsen. Hier findet sie darin 4. telis) gehört zu mittere eine gewisse Entschuldigung, dass zielen. Tac. dial. 12 eloquentiae sie vor einem s stattfindet. usus in locum teli repertus. Hor. XXVII. In ein längeres Gedicht 8. II 1, 39 ss. nennt seine Satiren von der Hochzeit des Peleus und stilus u. ensis; Ov. Ib. 44 ss. (vgl. der Thetis fügte Catull nach alexan

aus

Heroum mira virtutes indicat arte.
Namque fluentisono prospectans litore Diae
Thesea cedentem celeri cum classe tuetur
Indomitos in corde gerens Ariadna furores,
Necdum etiam sese quae visit visere credit,

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drinischer Manier als Episode die Erzählung von Theseus und der Ariadne ein. Zur Feier der Vermählung des sterblichen Peleus mit der Göttin waren zu Pharsalus in Thessalien viele Gäste von nah und fern erschienen. Die Königsburg strahlt von Gold und Silber, vor allen anderen Schätzen aber lenkt ein Teppich die Aufmerksamkeit aller auf sich, auf welchem die Geschichte des Theseus und derAriadne dargestellt war (v. 50—265). Auch die Götter erscheinen zur frohen Feier, die Parzen singen feierlich ihr Schicksalslied. Mit einem Lob auf die gute alte Zeit, da die Götter noch unter dem frommen Menschengeschlecht auf Erden weilten, schliesst das Gedicht. Abnlich ist bei Virgil (A. 5, 252 ss.) die Darstellung des Raubes des Ganymedes in einen Purpurmantel eingewebt; so spricht Ovid von pictae vestes (mit Bildern durchwebte Teppiche: met. 6, 131); schon Helena wirkt bei Homer Il. 3, 126 in ein Gewand die Kämpfe der Trojaner und Griechen; Andromache 22, 440s. (Cic. Verr. IV 1, 1 pictura in textili, farbige Stickerei auf gewebtem Stoffe; acu pingere). Das Gedicht ward bald berühmt und bereits von Lygdamus, einem Zeitgenossen des Tibull, erwähnt (6, 39 ss.). Es ist in alexandrinischem Geschmack gedichtet, ohne jedoch einem bestimmten Vorbilde entlehnt zu sein. Die Sage von der Ariadne war ein Lieblingsgegenstand für die griechischen und römischen Dichter und Künstler.

50. vestis] hier wie v. 163 u. 265 eine Purpurdecke, welche das Brautbett ziert. Sonst wurde die stra

gula vestis (Guhl u. 6.6 682) über die Polster der Speisesofas, lecti triclinares, gebreitet. Prop. I 4, 14; Ov. am. 1 4, 48; a. a. 2, 618. priscis hominum figuris] dichterisch für: priscorum hom. figuris; Ov. tr. 2, 521 s, prisca virorum corpora.

51. virtutes] Heldenthaten: 1. 9, 524s. κλέα ανδρών ηρώων.

52. fluentisono) ånaš heyouevov; Od. 11, 325 Ain £v å u gipútn. Nach der älteren Sage stirbt Ariadne auf Dia, Od. 11, 321-325; hierzu bemerkt der Scholiast: Ala vñoos προς τη Κρήτη [ήτις νύν Νάξος καλείται]· ιερά δε αύτη του Διοvúoov. Später dachte man wohl an die Cycladeninsel Naxos, welche gleichfalls ihres Weinreichtums wegen dem Dionysos geweiht war.

53. classis] Eine Flotte begleitet den Königssohn Theseus nach Kreta; ähnlich Hor. c. I 15, 1; Ov. f. 1, 539 u, öfter bei Homer, namentlich vom Paris. tuetur intuetur.

54. 'Αριάδνη 'Αριάγνη, die Hochheilige, von dyvos und dem Präfix åpı.

cor) als Hauptsitz der geistigen Fähigkeiten (Lor. Plaut. Pseud. 747).

55. necdum etiam] fund noch nicht; Verg. A. 1, 25; 8, 697. Das zeitliche etiam ‘noch' tritt zu Negationen (Cic. Verr. 3, 194), bisweilen pleonastisch zu den mit dum zusammengesetzten Adverbien nondum (Ter. Andr. 201; Hec. 192; Cic. p. Rosc. A. 8, 23; Prop. I 3, 11; II 10, 25), vixdum (Cic. Cat. 1, 10), nihildum (Verr. 4, 9), nequedum (Caes. b. c. 1 58, 3). Ähnlich nec non et (Verg. A. 4, 140; Hand Turs. 4, 112), quoque et ‘auch

u. a.

Ut pote fallaci quae tunc primum excita somno
Desertam in sola miseram se cernat harena.
Inmemor at iuvenis fugiens pellit vada remis,
Inrita ventosae linquens promissa procellae.
Quem procul ex alga maestis Minois ocellis

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Saxea ut effigies bacchantis prospicit euhoe,
Prospicit et magnis curarum fluctuat undis,
Non flavo retinens subtilem vertice mitram,
Non contecta levi velatum pectus amictu,
Non tereti strophio lactentis vincta papillas,

65 noch', 'dazu noch' (Verg. A. 1,5; nennt sie ξανθην Αριάδνην. “Wie έτι δε και).

visere] ein verstärk- noch jetzt den Südländern, erschien tes videre, 'scharf hinsehn'.

auch dem Griechen das blonde Haar 56. ut pote quae) eigentlich: wie als besonders schön und edel, und es möglich is bei einer, welche. er teilte es gern den Jünglingen somno] statt ex somno (Liv. 4, 27) und Frauen seines idealen Heldenwegen excita. Lygd. 4, 12. Sall. und Götterkreises zu’; so flava MiJug. 72, 2 somno exitus.

nerva, Ebenso candida von schö57. sola] öde'; v. 133; 168. nen Frauen und Jünglingen: Dido 58. inmem.] zu Nr. IX 1.

(A.5,571), c. Venus, candens Apollo 59. Eine bei römischen Dichtern

Bei Cat. Theseus (v. 98), häufig wiederkehrende Formel: so Berenice und Protesilaus; Hor. c. I v. 142; Nr. IX 10. linquens) z. 5, 4 (Kiessl.); so schon Hom. II. 1, v. 117.

197 ξανθής δε κόμης ελε Πηλείωνα. . 60. alga] Theokr. id. 11, 14 nennt mitrain] eine bunte Schärpe, den mit Seetang bedeckten Strand die in Griechenland von den Frauen άϊων φυκώεσσα; 7, 58 έσχατα um den Kopf und unter das Kinn φυκία. .

Mivols] Ariadne, die geschlungen ward; ultpa Guhl u. Tochter des Minos, des Königs von K.6 306; 739. Kreta; Ap. Rh. 4, 433.

64 non gehört zu cont. u. vel.; 61. ouħoe] gehört wie v. 255 zu v. 103. Verg. A. 7, 298; Tac. ann. bacchantis. prospicere c. 3, 11; 14, 32; Agr. 18. Goethe (Hor. epp. I 10, 23; Plin. ep. II Tasso 4, 2 ‘ihr kennt mich, ich 17, 12; Sen. ep. 86, 8) wie pro. kenne mich nicht mehr'; 4, 4 'du spectare (Tac. ann. 14, 9).

siehst, dass ich mir selbst in diesem 62 s. Cat. wiederholt nach dem Augenblick, mir keine Macht der Vorbilde der Alexandriner und Ho- Welt gebieten kann'. — contecla] mers mit Vorliebe am Anfange des medial: die nicht verhüllt hat; Hexameters ein Wort des vorher- ebenso vincta v. 65. Tib. Nr. II gehenden Verses; s. 27, 133, 260, 28; V 14; VII 5. Bei Cat. findet 236, 322, 404; 66, 75; 82; Nr. sich dieser Gebrauch des inneren XXVIII 62 (Epanalepsis). Verg. Objekts, der bei den august. DichA. 4, 532 magno irarum fluctuat tern nach griech. Vorbilde so häufig aestu; 8, 19 magno curarum fluc- erscheint, nur in diesem Gedicht tuat aestu. curae] die Sorgen (5 mal). Contecta steht pleonast.; der Liebe; v. 72; Nr. XV 10; Prop. Caes. b. G. VII 59, 5. Nr. XVII 3. Men. 264 loov opya 65. Otpoglov] Guhl u. K.6 473. και θάλασσα και γυνή. .

lactent.) weiss wie Milch ; Pe63. Schon Hesiod (Theog. 947 s.) tron. 86 (sonst lacteus Verg. A. 8,

acc,

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