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Desideratoque adquiescimus lecto.
Hoc est quod unum est pro laboribus tantis.
Salve, o venusta Sirmio, atque ero gaude:
Gaudete vosque, Lydiae lacus undae:
Ridete, quidquid est domi cachinnorum.

Nr. V (c. 9). Verani, omnibus e meis amicis Antistans mihi milibus trecentis, Venistine domum ad tuos penates

2, 75). Beachte den Gegensatz zwischen peregrinus und noster und die Stellung der beiden Worte.

10. Tib. Nr. 1 438.

11. Das Glück, wieder in der Heimat zu sein, entschädigt allein schon für die schweren Strapazen: der Augenblick ist alle Mühsal wert.

12. ero) z. Nr. IJI 19.
13. vosque

vos quoque] z. Prop. Nr. XVII 16. Theognis 8ss. (Β.) πάσα μεν επλήσθη Δήλος άπειρεσίη δδμής αμβροσίης, εγέλασσε δε γαία πελώρη, γήθησεν δε βαθύς πόντος αλός πολιής (bei der Geburt Apollos). Der Gardasee heisst lydisch, weil in alter Zeit in seiner Nähe Etrusker angesiedelt waren, welche man auch Lyder oder Tyrrhener nannte. Tyrrhenus, ein Sohn des lydischen Königs Atys, wanderte in Italien ein und gründete ein neues Reich Tupenvla= Etruria; Her. 1,94; Tac. ann. 4,55. So nennt Virgil den Tiber Lydius Thybris, weil er in Etrurien entspringt (A. 2, 781 s.); A. 8, 479 s. ubi Lydia quondam gens iugis insedit Etruscis. — undae) Verg. ge. 2, 160 fluctibus et fremitu adsurgens Benace marino, wozu Goethe bemerkt (it. R. Torbole, d. 12. Sept. 1786) ‘Der erste lateinische Vers, dessen Inhalt lebendig vor mir steht und der in dem Augenblick, da der Wind immer stärker wächst und der See höhere Wellen gegen

die Anfahrt wirst, noch heute so wahr ist als vor vielen Jahrhunderten. So manches hat sich verändert, noch aber stürmt der Wind in dem See, dessen Anblick eine Zeile Virgils noch immer veredelt.

Cat. 64, 46 tota domus gaudet. 14. ridete] Cat. 64, 284 domus iocundo risit odore; Hor. c. IV 11, 6; Ennius 445 s. Iuppiter hic risit, tempestatesque serenae riserunt omnes risu lovis omnipotentis; Verg. A. 1, 254 s. Das Haus lacht und weint mit dem Besitzer (Cic. Phil. II 41, 104). ridere wie yɛlāv von leblosen Dingen, schon 1). 19, 362 γέλασσε δε πάσα περί χθών και

; Goethe lange lachte mir schon mein Haus im modischen Kleidchen'. Lucr. 5, 1393. quidz. cach.] Nr. I 8.

V. Willkommen in der Heimat! Veranius, ein Freund des Catull, hatte mit seinem Freunde Fabullus in der Cohors eines Statthalters (mit wem und wann, ist ungewiss) eine Reise nach Spanien unternommen. Hor. C. 1, 36 u. 2, 7.

2. trecenti, wie sescenti und quingenti (c. 95, 3), von einer unbestimmt grossen Anzahl; c. 48,3.

trec. mil.) Dativ. 3. Der pathetischen Frage veni. stine antwortet venisti v. 5; Theokr. id. 12, 1s. Hvges, o gthe zoûpe ; Hauges. Die dei penates (von penus, dem Vorratan täglicher

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Fratresque unanimos anumque matrem?
Venisti. o mibi nuntii beati!
Visam te incolumem audiamque Hiberum
Narrantem loca, facta, nationes ,
Ut mos est tuus, applicansque collum
locundum os oculosque saviabor.
O quantum est hominum beatiorum,
Quid me laetius est beatiusve?

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Nr. VI (c. 14). Ni te plus oculis meis amarem, locundissime Calve, munere isto

Nahrung: Cic. de nat. d. Il 27, 68), die freundlichen Hausgeister, welche für den Bedarf an täglichem Brote sorgten, und die lares, die verklärten Geister der Vorfahren einer Familie und Schutzgottheiten des Hauses, welche beide am Herde verehrt wurden, werden oft zusammen genannt und einander gleichgestellt; Verg. A. 5, 744; Tib. Nr. VII 20. So sagte man sowohl Penaten als auch Laren statt des Hauses und des häuslichen Herdes.

4. anum] adjektivisch gebraucht wie c. 686, 46 charta anus; 78, 10 fama anus (quae anus est); anus sacerdos, a. uxor, a. coniunx u. a.

5. nuntii) gen. sing. nach griech. Art: 0 ToŰ evayyehlov; Prop. IV 7, 21;

Luc. 2,45; Lessing Nath. 3,1 'o der verwünschten Botschaft.'

6. Hiberum] Gen.
7. narrare =

goarum facere, in der Umgangssprache gleich_loqui: Hor. s. I 9, 52; II 5, 1; 7, 5; Nr. X 9.

8. collum] den Hals des Veranius.

9. Dies erinnert an Homer Od. 16, 15 κύσσε δέ μιν κεφαλήν τε και άμφω φάεα καλά; 17, 39. Die Sitie des Kusses unter Männern war in Rom cehr verbreitet: Hor. c. I 36,6; Tac. ann. 15, 28 Nipp.

os oculosque) sprichwörtlich in allitterierender Form; Verg. A. 8, 152; Cic. Phil. 8, 20, 1. 2. Nr. XX 20.

10. Ähnlich Nr. XVI 2.

VI. Dies Gedicht übersandte Catull seinem Freunde C. Licinius Calvus (Cic. Brut. 82, 283 ss.), dem bekannten Redner und Dichter, welcher ihm zum Saturnalienfeste als Geschenk scherzhaft eine Sammlung schlechter Poesie zugeschickt hatte. Man beschenkte sich in Rom an diesem Feste, das ursprünglich auf den 19. Dezember fiel (Liv. II 21, 2), später aber vom 19. bis 21. gefeiert wurde, wie bei uns etwa zu Weihnachten, und verwandte gern Bücher zu derartigen Festgaben.

1. plus oculis amare] quam oculos (Nr. XVI 5), wie nach griech. Gebrauch vereinzelt sogar bei klassischen Prosaikern; sprichwörtlich carior oculis : c. 82, 2 u. 4; 104, 2; Plaut. mil. gl. 984; Ter. Ad. 701 ; 903; Callim, h. in Dian. 211 ίσον φαέεσσι φιλήσαι. Ηom. Οd. 16, 23 u. 17, 41 yavxepdv páos. Mäcenas ahmte diese Worte scherz. haft nach: ni te visceribus meis, Horati, plus iam diligo (Suet. vita Hor.).

Odissem te odio Vatiniano:
Nam quid feci ego quidve sum locutus,
Cur me tot male perderes poetis ?
Isti di mala multa dent clienti,
Qui tantum tibi misit inpiorum.
Quodsi, ut suspicor, hoc novum ac repertum
Munus dat tibi Sulla litterator,
Non est mi male, sed bene ac beate,
Quod non dispereunt tui labores.
Di magni, horribilem et sacrum libellum ,
Quem tu scilicet ad tuum Catullum
Misti, continuo ut die periret
Saturnalibus, optimo dierum!
Non non hoc tibi, salse, sic abibit:
Nam, si luxerit, ad librariorum

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3. 'Ich würde dich hassen, wie man Vatinius hasst, d. h. du zunächst als sein Ankläger u. mit dir alle anderen'. Cic. Vat. 1, 1 odio tui, in quo etsi omnes superare debeo, tamen ab omnibus paene vincor. Seneca de const. sap. 17, 5 nennt den Vatin, hominem natum ad odium 3. sagt von ihm inimicorum plures habebat quam morbos. Calvus hatte den Vatinius, eine Kreatur Cäsars, in drei Reden auf das heftigste angegriffen, zum letzten Mal im J. 54. – Vgl. odium paternum (Hass_gegen den Vater) Öv. m. 9, 274. Zu der figura etym. vgl. Cic. p. Mil. 35 odium quo omnes improbos odimus; Liv. II 58, 5.

6. mala multa u. bene ac beate (v. 10): allitterierend; z. Nr. XX 20. malum dare ist stehende Formel der Volkssprache. Don. ad Ter. Andr. 143 damnum rei est, malum ipsius hominis. — Catull vermutet, dass ein Klient dem berühmten Advokaten diese Gedichte als Geschenk übersandt habe. clienti] der Angeklagte, der von dem Verteidiger (patronus)vorGericht verteidigt wird.

7. inpior.] bezeichnet die schlechten Dichter, während sonst die Dichter pii heissen, so c. 16,5.

8. repertum) sinnreich erfunden.

9. Sulla] ist nicht weiter bekannt. litterator hat einen verächtlichen Nebensinn mediocriter doctus : Suet. gramm. 4.

10. Wenn Pronomina zu zwei durch non

sed einander entgegengesetzten Satzgliedern gehoren, so stehen sie gewöhnlich hinter der Negation: Cic. ad fam. V 2, 9; 10; VI 1, 5; ad Att. VII 9, 4; de imp. Cn. Pomp. 21, 62.

12. sacrum] dis inferis devotum, wie bei Verg. A. 3, 57 auri sacra fames; 6, 573. libell.] für Rom das erste Beispiel einer Sammlung von Gedichten verschiedener Verfasser, eines römischen Musenalmanachs. 2. Nr. I 1.

14 s. misti] derartige der Umgangssprache angehörige verkürzte Formen liebt Catull. continuo) sofort. die Saturn.] wie bei Plaut. Poen. 2, 49 die Aphrodisiis; ludis (am Tage der Spiele) Liv. II 36, 2.

16. sic abibit) wird so hingehn ; Ter. Andr. 175; Cic. ad Att. XIV 1, 1; de fin. V 3, 7.

17. si] temporal ut primum; Prop. Nr. XVIB, 23; Verg. A. 5, 64; 6, 828; Hor, epp. I 7, 10.

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Curram scrinia, Caesios, Aquinos,
Suffenum omnia colligam venena,
Ac te his suppliciis remunerabor.
Vos hinc interea valete, abite
Illuc, unde malum pedem attulistis,
Saecli incommoda, pessimi poetae.

Nr. VII (c. 50). Hesterno, Licini, die otiosi Multum lusimus in meis tabellis, Ut convenerat esse delicatos. Scribens versiculos uterque nostrum Ludebat numero modo hoc modo illoc,

18. scrinia) Kapseln zum Aufbewahren der Bücherrollen, wie sie sich in den Buchhändlerläden befanden; dann diese selbst; Guhl u. K.6 786. Caesios etc.] Dichterlinge. Aquinos) wahrscheinlich der von Cicero (Tusc. V 22, 63) erwähnte: adhuc neminem cognovi poetam, et mihi fuit cum Aquino amicitia, qui sibi non optimus videretur.

19. Suffenum] Gen. plur., verächtlich (Leute wie S.). Ihn hat Cat. noch in einem andern Gedicht (22) verspottet. Hagedorn, der Guckguck 'so kann ein Brocks, so will Suffen des grünen Lenzen Ruhm erhöhn.'

20. remunerabor]geht auf munus v. 9 zurück.

21 s. valete, abile] der stärkere Begriff abite bestimmt die Konstruktion; daher hinc. - abite illuc etc.)

abite in malam rem : Xv9ev ihtev, dv9 Bn; sprichwörtlich.

22. malum infaustum, sinistrum; Ov. tr. 2, 16. pedem] ein Wortspiel; Ov. Nr. VIII 15 s.

23. saecli inc.] ‘das Ungemach der Zeit Ribbeck.

VII. Ein poetisches Briefchen an seinen einige Jahre jüngeren Freund, den Redner Licinius Calvus,

der zugleich ein Anhänger und Vertreter der modernen Richtung in der Dichtkunst war. Beide werden oft bei den Dichtern des augusteischen Zeitalters nebeneinander genannt. Als Redner trat Calvus mit seiner feurigen Beredsamkeit, die alles Wort. gepränge mied und einen einfachen Stil anstrebte, der mehr formgewandten Schule Ciceros offen entgegen; an denselben sind Nr. VI und Nr. VIII gerichtet. — Die beiden Freunde hatten bei Calvus (illinc abii v. 7) eine Art poetischen Tour. niers veranstaltet; Catull war dadurch so aufgeregt worden, dass er nicht schlafen konnte und dieses Briefchen gleich früh an seinen Freund absandte, in welchem er diesen bittet, ihn zu besuchen. Vgl. die scherzhaste Schilderung eines solchen Tourniers bei Hor. sat. I 4, 14 ss.; AP 11, 134.

2. ludere dichten, vom Spiel der Phantasie. tabellae) mit Wachs überzogene Schrifttäfelchen ; Guhl u. K.6 784f.

3. delicatos esse) sich vergnügen. delic. deliciis, lusui dicatus. 5. numero] Versmass.

illoc) beachte die alte Form; das c ist der Überrest eines angehängten ce, wie hic hi-ce; vg. ho-die.

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Reddens mutua per iocum atque vinum.
Atque illinc abii tuo lepore
Incensus, Licini, facetiisque,
Ut nec me miserum cibus iuvaret,
Nec somnus tegeret quiete ocellos,
Sed toto indomitus furore lecto
Versarer cupiens videre lucem,
Ut tecum loquerer simulque ut essem.
At defessa labore membra postquam
Semimortua lectulo iacebant,
Hoc, iocunde, tibi poema feci,
Ex quo perspiceres meum dolorem.
Nunc audax cave sis, precesque nostras,
Oramus, cave despuas, ocelle,
Ne poenas Nemesis reposcat a te.
Est vemens dea: laedere hanc caveto,

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Nr. VIII (c. 96).
Si quicquam mutis gratum acceptumve sepulcris

6. reddens mut. respondens; 20. Die Nemesis straft Hochmut der eine antwortet dem andern in und Verachtung. — poena ist, wie gleichem Versmass.

per iocum

das griech. noivý, zunächst das atque vinum] dasselbe wie c. 12, Sühnegeld. Wer sie erleidet, giebt 2 in ioco atque vino.

sie (dat, solvit, pendit); wer sie zu11. toto] zu lecto.

fügen will, fordert sie ein (petit, 13. Scheinbar ein jotepov npó- repetit, expetit, exigit). Statt reTepov. Dem Dichter ist das Ge- petit steht hier nachdrücklicher respräch mit dem Freunde wichtiger poscit. re- e-poscit, wie anaitelv, als das Beisammensein. simul als etwas Schuldiges. Tac. h. 4,32; esse) ist eine der Umgangssprache

ann. 1, 35. entlehnte Wendung. Cic. ad fam. VIII. Calvus (z. Nr. VI u. VII), IX 1, 2 sive in Tusculano, sive in der seine Gemahlin Quintilia früh Cumano ad te placebit, sive quod verloren hatte, schrieb zu ihrem Ge. minime velim Romae, dummodo dächtnis Elegieen, von denen folsimul simus; ad Att. 6, 2; Hor. epp. gender Vers erhalten ist: forsitan I 10, 50.

hoc etiam gaudeat ipsa cinis. Der15. Das Imperf. nach postquam selben gedenkt auch Prop. II 34, bezeichnet den Zustand der Ruhe.

17. dolorem] ‘mein schmerzliches haec etiam docti confessa est pa. Sehnen' (Rothst. z. Prop. I 10, 13).

gina Calvi, 19. despuas] (Jahn Pers. 126) cum caneret miserae funera Quinauf den Boden speien zum Zeichen,

tiliae. dass man etwas zurückweist; dann 1. quicquam) nach si, wie c. 102, zurückweisen. ocelle] 'liebes 1; Madv. 4946. sepulcris] beHerz"; z. Nr. IV 2.

zeichnet hier die Toten selbst,

89 s.

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