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Amorum lib. 1, 1

1, 2 1, 15 3,9 3, 13

3, 15 Tristium lib. 1, 1

1, 2 1, 3

Nr. II.

III
IV
V.
VI
VII

.

Nr. XI

XII XIII XIV XV XVI I.

262 264 267 269 273 276

297 299 304 308 312 315 252

Tristium lib. 1, 7

1, 10 3,3 3, 10 3, 12 4, 2

4, 10 Ex Ponto lib. 2, 10

3, 2 3, 8

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XIX.

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EINLEITUNG.

Während die Griechen von der Natur mit einem für alles Schöne empfänglichen Geist und den höchsten Anlagen für die Poesie begabt waren, hatte sich der Sinn der Römer von vornherein mehr dem praktischen Leben zugewandt. Deshalb entfaltete sich bei jenen die Dichtkunst schon in den ältesten Zeiten zur herrlichsten Blüte und erhielt sich jahrhundertelang in hoher Vollendung, während bei den Römern erst volle fünf Jahrhunderte nach Erbauung der Stadt die ersten Anfänge der Poesie sich schüchtern hervorwagten 1) und die höchste Kraft des Volkes

1) Cic. Tusc. I 1, 3 nam cum apud Graecos antiquissimum e doctis genus sit poetarum, siquidem Homerus fuit et Hesiodus ante Romam conditam, Archilochus regnante Romulo, serius poeticam nos accepimus. Annis fere DX post Romam conditam Livius fabulam dedit, C. Claudio Caeci filio, M. Tuditano consulibus, anno ante natum Ennium. Sero igitur a nostris poetae vel cogniti vel recepti; genauer Brut. 18, 72 Livius primus fabulam docuit, anno ipso antequam natus est Ennius, post Romam conditam autem quartodecimo et quingentesimo. Horaz epp. II 1, 161 ss.

serus enim Graecis admovit (Romanus) acumina chartis,
et post Punica bella quietus quaerere coepit,
quid Sophocles et Thespis et Aeschylus utile ferrent.

temptavit quoque rem, si digne vertere posset. Dazu vgl. die Worte des alten Grammatikers Porcius Licinus a) (234–149 v. Chr.), der Gedichte litterarhistorischen Jobalts in trochäischen Tetrametern schrieb, bei Gellius XVII 21, 45: Porcius autem Licinus serius poeticam Romae coepisse dicit in his versibus:

Poénico bell6 secundo Músa pinnató gradu

intulit se béllicosam in Rómuli gentém feram.
Nach Lukrez (1, 117 ss.)

Ennius ut noster cecinit, qui primus amoeno
detulit ex Helicone perenni fronde coronam,

per gentis Italas hominum quae clara clueret ist erst Ennius der erste Dichter Roms; jedenfalls ist er der erste wahre Dichter Roms gewesen. Bekannt sind die Worte des älteren Cato (carmen de moribus, Jordan p.83): poeticae artis honos non erat; siquis in ea re studebat ant sese ad convivia applicabat, crassator vocabatur (Gell. XI 2, 5), der Poetenberuf war damals nicht geehrt. Wer sich damit abgab oder bei Gelagen auftrat, hiess Herumstreicher'; grassatores fahrende Bänkelsänger (Ribb. G. d. r. D. 1°, 8). Röm. Elegiker, 4. Aufl.

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bereits gebrochen war, als sich am Ausgange der Republik eine kurze Blütezeit der Dichtkunst einstellte. Als nach rastlosen Fehden mit dem Ende des ersten punischen Krieges endlich eine kurze Pause im Kampfe um die Weltherrschaft eintrat, wurden in Rom die ersten Gedichte in lateinischer Sprache verfasst, und als Augustus dem eben noch wildbewegten Staate Ruhe und Frieden schenkte, traten alsbald jene Männer hervor, welche die römische Poesie unsterblich gemacht haben. Damals ward es in Rom sogar Mode sich mit Dichten zu beschäftigen.1) Aber zu allen Zeiten lehnte sich die römische Poesie auf das engste an die unerreichten griechischen Vorbilder an. Die Muse, welche nach Hannibals Besiegung in Rom einzog, war eine Erscheinung aus der Fremde und fühlte sich bei den rauhen Römern noch lange nicht heimisch. In der Ausbildung des Kriegswesens und der Gesetze des Staates waren die Römer den Griechen überlegen: in der Poesie standen sie tief unter ihnen. Zwar hielten es die Patrioten in Rom, wie Cicero, zuweilen für ihre Pflicht dies zu leugnen 2); aber auch er muss zugeben, dass in den Künsten und Wissenschaften Griechenland Rom weit voraus war3), und der bedeutendste Kritiker der Augusteischen Zeit, Horaz, gesteht den Griechen wiederholt unumwunden und bedingungslos die Palme in

1) Hor. epp. II 1, 117 scribimus indocti doctique poemata passim; 108 ss.

Auch wurde es jetzt üblich, Gedichte vor geladenem Publikum vorzulesen (recitationes): (Asinius Pollio) primus omnium Romanorum advocatis hominibus scripta sua recitavit (Sen. contr. 4 praef.; Kiessl. z. Hor. c. 2, 1; s. I 4, 74 s.; epp. I 19, 37 ss. M. Hertz, Schriftst. u. Publik. in Rom, Berlin 1853; Jahn Pers. 81).

2) Cic. Tusc. I 1,1 meum semper judicium fuit, omnia nostros aut invenisse per se sapientius quam Graecos, aut accepta ab illis fecisse meliora, quae quidem digna statuissent, in quibus elaborarent; und de orat. I 4, 15 ingenia vero (ut multis rebus possumus iudicare) nostrorum hominum multum ceteris hominibus omnium gentium praestiterunt.

3) Cic. Tusc. I 1, 3 doctrina Graecia nos et omni litterarum genere superabat. Vgl. auch Virgil (A. 6, 847 ss.):

excudent alii spirantia mollius aera,
credo equidem, vivos ducent de marmore voltus,
orabunt causas melius caelique meatus
describent radio et surgentia sidera dicent:
tu regere imperio populos, Romane, memento
hae tibi erunt artes — pacisque imponere morem,
parcere subiectis et debellare superbos.

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der Poesie zu. :) Berühmt sind seine Worte (epp. II 1, 156 s.):

Graecia capta ferum victorem cepit et artis

intulit agresti Latio.
Als die Römer ihre Herrschaft bis nach Unteritalien aus-
deboten, kamen sie mit den Griechen in nähere Berührung und
entlehnten von diesen Kunst und Litteratur. Ist doch selbst der
Name des Dichters poeta griechischen Ursprungs. Der Grieche
Livius Andronicus kam 272 v. Chr. nach der Eroberung Tarents
als Gefangener nach Rom, übersetzte dort die Odyssee in das
Lateinische, führte im J. 240, kurz nach dem Ende des ersten
punischen Krieges, das erste Schauspiel auf der römischen Bühne
auf und ward der Vater der römischen Poesie. Auch Ennius und
Pacuvius waren Halbgriechen. Ein nationales Epos haben die
Römer nie besessen, und im Kunstepos folgte Ennius in seinen
Annales dem Homer so nahe wie möglich; nicht minder eng
lehnten sich seine Tragödien an Euripides an, den er zum Teil
wörtlich übersetzte. Auch das Lustspiel stand in seinen bedeu-
tendsten Vertretern, Plautus und Terentius, völlig unter dem Ein-
fluss des attischen Lustspieldichters Menandros. Während Plautus,
wenn auch in roher Weise, wenigstens den Versuch machte, in
seinen Übertragungen griechischer Komödien römische Zustände
zu schildern, erinnert bei Terentius kaum eine Anspielung an
Rom; er liess seinen Stücken sogar die griechischen Titel. So
verdrängte auch der Hexameter der Griechen bald den altein-
heimischen Saturnier; ja der gebildete Römer liebte es, mit seiner
Kenntnis des Griechischen zu prunken und wo möglich ein paar
Verse in dieser Sprache zu verfassen. Auch die klassischen
Dichter der Augusteischen Zeit vermochten sich nicht von dem
griechischen Einfluss frei zu machen: Virgil schrieb seine Äneïde
nach dem Vorbilde des Homer, und Horaz seine lyrischen Ge-
dichte im engsten Anschluss an die griechischen Lyriker. Diese
Poesie der Nachahmung steht, um das Bild eines modernen Histo-
rikers zu gebrauchen, neben den griechischen Orginalen da
wie die deutsche Orangerie neben dem sicilischen Orangenwald'.
Nur die Satire eines Lucilius und Horaz hatte sich ohne grie-
1) Hor. a. p. 323 ss.

Grais ingenium, Grais dedit ore rotundo
musa loqui, praeter laudem nullius avaris.
Romani pueri longis rationibus assem

discunt in partis centum diducere,
und epp. II 1, 93 ss.

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chische Muster gebildet), und nur in einer Dichtungsgattung übertrafen, so scheint es wenigstens, die Schüler ihre Meister: in der Elegie.

Da aber auch diese unter griechischem Einfluss heranwuchs, so müssen wir, um sie recht zu verstehn und richtig zu würdigen, einen Blick auf die Entwickelung der griechischen Elegie werfen.

Die Elegie b) gehörte ursprünglich dem ionischen Stamme an und erblühte in Kleinasien: dort sang man bei der Bestattung der Toten unter Flötenbegleitung 2) & héyous (elegos), d.h. Klagelieder, welche wahrscheinlich meist aus Hexametern mit darauffolgendem klagenden Refrain ε ε λέγ' 8 8 λέγε (v. Wil-Möll. Eur. Her. v. 1025) bestanden. Danach benannte man zunächst den Pentameter, der als kürzerer Vers ähnlich einem Hexameter folgt, & heyecov (scil

. uétqov); später bezeichnete mau mit diesem Wort die Verbindung von Hexameter und Pentameter und nannte ein Gedicht in solchen Distichen td eγεία oder spiter η ελεγεία (scil. ποίησις). So erklarten wenigstens die Alten selbst das Wort Elegie. Während somit der Name & layos ursprünglich ein Klagelied bezeichnete, in welchem Sinne wir heutzutage das Wort Elegie in der Regel gebrauchen, überschritt der Begriff der Elegie bei den Alten sehr bald diese engen Grenzen, indem man darunter jedes Gedicht verstand, das in Distichen geschrieben war, mochte der Inhalt auch noch so verschiedenartig sein.3) Sie steht in der Mitte zwischen dem Epos und der Lyrik. Dem Epos gehört der Hexameter an; indem man den Pentameter als & TrQdós 4) hinzufügte, that man den ersten Schritt zur lyrischen Strophe. “Das Distichon ist ein Mittelglied zwischen dem gleichförmigen Fluss des heroischen Verses und der bunten Mannigfaltigkeit der lyrischen Systeme. Ebenso zeigt sich im Inhalt der Elegie ein Schwanken zwischen der schlichten Erzählung des Epos und den gemütvollen Empfindungen des

1) Quint. inst. or. X 1, 93 satura quidem tota nostra est.

2) Später trat an die Stelle des Gesanges rezitierender Vortrag unter Flötenspiel; erst die alexandrinische Elegie war zum Vorlesen bestimmt.)

3) Elegia est carmen compositum hexametro versu pentametroque alternis in vicem positis (Diomedes III 484, 17 R.). Vgl. Hor. a. p. 75 8.

versibus inpariter iunctis querimonia primum,

post etiam inclusa est voti sententia compos.d) 4) scil. orlyos, quia proodicis versibus &nødovrai i. e, acciduntur (Kiessling Hor. 13, 381).

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