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VEREINES DEUTSCHER INGENIEURE.

DES

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931

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Der für Rechnung der Hamburg - Südamerikanischen

Dampfschiffahrts-Gesellschaft erbaute Dampfer dient zur Ver-

mittlung des Personen- und Güterverkehrs zwischen Hamburg,

den nordwestlichen Häfen des Kontinents und der Ostküste

Südamerikas. Das Schiff, Taf. XIX, welches nach den Vor-

schriften des Germanischen Lloyds für die erste Klasse ganz

aus Stahl als Dreidecker ausgeführt ist, hat bei 7,5 m

mittlerem Tiefgang einschliesslich Schutzkiel 6550 t Trag-

fähigkeit. Die Länge zwischen den Loten beträgt 125 m,

die grösste Breite 14,6 m über den Spanten, 14,4 m über dem

Oberdeck und 14,2 über dem Hüttendeck; die Tiefe von

Oberkante Kielplatte bis Oberkante Oberdeckbalken beläuft

sich mitschiffs auf 10 m, an der Seite auf 1,75 m. Nach dem

Bauvertrage war bei 6,7 m Tiefgang eine Geschwindigkeit

von 124/, Seemeilen in der Stunde bei ruhiger See vorge-

schrieben, wobei nicht mehr als 0,675 kg guter deutscher

Kohle für i PS-st verbraucht werden durften und die Maschine

höchstens 68 Uml./min machen sollte.

Mit ihrer Schonertakelung, der kurzen Back, dem langen

Hütten- und Brückendeck, dem senkrechten Vordersteven und

dem elliptischen Heck hat die »Cap Verde« ein sehr gefälliges

Aussehen. Die mit Blitzableitern versehenen Masten bestehen

mit Ausnahme der oben aufgesetzten 3,6 m langen Flaggen-

stangen aus Stahlblech. Der Fockmast, der beim Laden

und Löschen am meisten in Anspruch genommen wird, ist

besonders stark gebaut und trägt ausserdem beim Hanger-

band eine 3,6 m lange Versteifungsplatte. An jedem Mast

sind 4 hölzerne Ladebäume in Stahlgussblöcken gelagert, die

an den Masten vernietet sind. Unten am Fockmast befinden

sich noch zwei stählerne Ladebäume, die mithülfe von 4 Spuren

versetzt werden können. Sämtliché Ladevorrichtungen nebst

dem zugehörigen Ladegeschirr sind so bemessen, dass sie

Unter der Back des Schiffes, die sich vom Vordersteven

bis Spant 160 erstreckt, liegen in üblicher Weise die Wohn-

räume für die Matrosen und Heizer, die Klosetts und die

Waschräume, sowie Räume für Lampen, Farbe usw.

Das

Backdeck, auf dem sich Anker und Ankergeschirr befinden,
trägt einen 380 bis 450 mm hohen Wellenbrecher aus Stahl-
blech. Das Mittelschiff enthält zwischen Spant 55 und Spant
118 22 Kammern für 44 Kajütfahrgäste, Speisezimmer, Bade-
zimmer, Aborte, Küche, Bäckerei, Posträume, Hospitäler und die
Kajüten für den Kapitän, die Offiziere, die Maschinisten, die
Stewards und die Köche. Unter dem Brückendeck sind von
Spant 9 bis Spant 55 Schlafstellen für rd. 400 Zwischendeck-
fahrgäste untergebracht. Die zugehörigen Waschhäuser und

Abortanlagen befinden sich in Aufbauten auf dem Brücken-
deck. Die Betten im Zwischendeck lassen sich leicht entfer-
nen, sodass dieser Teil des Schiffes bei Bedarf zur Aufnahme
von lebendem Vieh eingerichtet werden kann. Vorn auf dem
Brückendeck steht ein hölzernes Deckhaus, das als Karten-
zimmer und Wohnraum des Kapitäns dient, und über dem
sich die Kommandobrücke erhebt. Daran schliesst sich ein
stählernes Deckhaus mit einem Rauch- und einem Damen-
zimmer. Die Rettungsboote sind über das Sonnendeck ver-
teilt; im ganzen sind 8 nach den Vorschriften der Seeberufs-
genossenschaft gebaute Boote vorhanden, und zwar 7 Boote
nach Francis' Patent aus Eisenblech von 9 m Länge, 2,5 m
Breite und 1 m Höhe und 1 Arbeitsboot aus Holz von 6,7 m
Länge, 2 m Breite und 0,7 Höhe. Zum Löschen und Laden
dienen 10 Dampfwinden, die an den 5 Ladeluken aufgestellt
sind, und die schon erwähnten Ladebäume.

Der Vordersteven des Schiffes ist aus geschmiedetem
Eisen hergestellt. Der Kiel ist als Plattenkiel von 990 mm
Breite und 22 mm Dicke mit aufliegendem Schutzkiel von
254 mm Breite und 76 mm Höhe ausgebildet. Die beiden
seitlich angeordneten, rd. 55 m langen Kimmkiele bestehen
aus T-Eisen 152 x 152 x 12 und einer 300 mm breiten
Bulbplatte. Der Hintersteven, der aus Stahl gegossen ist,
setzt sich aus Schrauben- und Rudersteven zusammen. Die
Oesen für die Fingerlinge des Ruders sind in den Ruder-
steven gebohrt und mit Pockholzbüchsen versehen. Das
gleichfalls aus Stablguss hergestellte Ruder ist mit dem
Ruderschaft durch Flansche verbunden und so angeord-
net, dass es eingesetzt werden kann, während das Schiff
schwimmt. Die auf dem Ruderrahmen befestigten Platten
sind 24 mm stark und nach dem Schaft zu doppelt zickzack
genietet. Ausser in den Fingerlingen ruht das Ruder noch
in einem Fusszapfen, und am oberen Ende wird es durch
einen zweiten Zapfen geführt. Die Zapfen sind aus Fein-
korneisen hergestellt, mit einem Weissmetallüberzug versehen
und am Ruderrahmen mit Kegel und Mutter befestigt. Die
Ruderpinne besteht aus Siemens-Martin-Stahl.

Durch 7 bis zum Oberdeck reichende Schotte ist das
Schiff in 8 wasserdichte Abteilungen zerlegt, die so bemessen
sind, dass das Schiff noch schwimmfähig bleibt, talls eine
Abteilung vollläuft. Die Schottthüren im Maschinen- und
Kesselraum sowie in den unteren Bunkern lassen sich vom
Oberdeck aus schliessen. Ein Doppelboden, der in Quer-
abteilungen geteilt ist, erstreckt sich von Spant 10 bis
Spant 173. Der Raum im vorderen Doppelboden mit 18 t
Fassungsvermögen dient als Trinkwasserbehälter. Die übrigen

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deutscher Ingenieure.

Abteilungen, deren Inhalt im Långsschnitt des Schiffes, Taf. XIX, angegeben ist, dienen teils zur Aufnahme von Wasserballast, teils als Kesselspeisewasserbehälter; der Raum unter den Kesseln bleibt leer. Der Gesamtinhalt aller Ballasttanks beträgt rd. 700 t.

Die Konstruktion des Doppelbodens ist aus der Zeichnung des Hauptspantes, Fig. 1, ersichtlich. Unter dem Maschinenraume sind, wie punktirt angegeben, zur Stützung der Maschinengrundplatte auf jeder Seite zwei Seitenträger mehr als im übrigen Schiff angeordnet. Der mittlere Långsträger ist innerhalb des Raumes vom Fockmast bis zur Hinterkante des Frischwasserbehälters wasserdicht hergestellt. Die aus Z-Eisen 178 X 89 X 11 bestehenden Spanten haben in der Nähe des Buges rd. 450, auf der übrigen Schiffslänge 685 mm Abstand und reichen unter der Back und dem Hüttendeck in einem Stück bis nach oben. Im Doppelboden bestehen die Spanten

decks nach der Seeseite zu bildet ein geschlossenes 1,2 m hohes Schanzkleid, dessen 7 mm starke Platten durch Stützen aus Bulbeisen gehalten werden, welche in Abständen von 1,8 m angebracht sind. Hütten- und Promenadendeck und die Deckaufbauten, welche als Kommandobrücke usw. benutzt werden, werden durch eine offene 1,8 m hohe Reling begrenzt. Ausgenommen ist hiervon die Stelle zu beiden Seiten des vorderen Brückendecks von den Leuchttürmen bis zur Hinterkante der Deckhäuser, wo sich zum Schutz gegen überkommendes Wasser ebenfalls ein Schanzkleid be. findet.

An Kohlen für den Schiffsbedarf können rd. 900 t in den zu beiden Seiten von Maschinen- und Kesselraum und vor dem Kesselraum angeordneten, von der Decke des Doppelbodens bis in das Zwischendeck reichenden Hauptbunkern

untergebracht werden. Der vordere Laderaum unter dem Fig. 1. Hauptspant.

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117/13

19/13

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23/19

18/16

16/12

16/13

19/14

aus Winkeleisen 102 x 102 x 11. Die Gegenspanten aus Winkeleisen von denselben Abmessungen reichen abwechselnd bis Mittel- und Oberdeck und in der Back an jedem zweiten Spant bis zur Stringerplatte. Unter den Maschinen- und Kesselträgern sind ferner zwischen den Tankeisenplatten doppelte Gegenspanten angeordnet. Um bei Getreideladungen Schlingerschotte einschieben zu können, sind die Raumstützen im Zickzack aufgestellt und auf dem Doppelboden und im Zwischendeck an L-Eisen befestigt. Die neben den Luken liegenden Stützen lassen sich fortnehmen, um die Uebernahme von Ladung zu erleichtern.

Die Stösse der Aussenhaut sind bis zum OberdeckSchergang, nach den Vorschriften des Germanischen Lloyds überlappt genietet. Die Plattenstärke in den verschiedenen Plattengängen ist in Fig. 1 angegeben; am Bug befindet sich die übliche Verstärkung gegen Eis. Den Abschluss des Ober

Zwischendeck von rd. 950 t Fassungsvermögen ist ausserdem als Reservebunker eingerichtet und zu diesem Zwecke mit dem Heizraume mittels eines durch den vorderen Querb unker geführten Tunnels verbunden, der jedoch durch eine wasserdichte Thür abgeschlossen werden kann. Für die Zufuhr an Kohlen von ausserhalb dienen Pforten an den Schiffseiten und Schütten und Luken auf dem Brücken- und Oberdeck.

Was die innere Einrichtung des Schiffes anbetrifft, so wäre zunächst der grosse in der Mitte des Oberdecks gelegene Speisesaal für die Fahrgäste erster Klasse zu erwähnen. Die Decke ist mit einer Täfelung aus Pappelholz belegt, während die Wandbekleidungen zum grössten Teile aus Teak- und amerikanischem Wallnussholz bestehen. An den Seitentischen, Taf. XIX, befinden sich 62 Sitzplätze, an dem langen Mitteltisch 22 Drehsessel. Vom Speisesaal führt eine Podesttreppe aus Teakholz in die auf dem Hüttendeck gelegenen Zimmer.

29. Juni 1901.

Im Damenzimmer stehen ein Piano, eine kleine Büchersamm- versehen, sodass beständig frische Luft hindurchströmt. Für lung und einige Schreibtische, Sophas usw., während im die Laderäume sind 3 Flügelrad-Gebläsemaschinen von Donkin Rauchzimmer Spieltische und bequeme Drehsessel aufgestellt & Co. in Newcastle vorgesehen, die ihren Dampf von den sind. Die Fahrgastkammern, deren Lage aus Taf. XIX er- Hauptkesseln erhalten. Die Flügelråder haben 914 mm Dmr., sichtlich ist, enthalten je zwei eiserne Bettstellen, zwei Klapp- der Cylinder 76 mm Dmr. und 50 mm Hub. Ausserdem

Fig. 2.

Doppelenderkessel (S. 905)

Fig. 3.

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Fig. 4.

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413

305

waschtische mit ZubeKolbenschleber des Hochdruckcylinders

hör, ein Sopha mit ab(S. 906)

nehmbarer Rücklehne,
das zugleich als Bett
benutzt werden kann,
und
zwei

Schränke.
Die Fussböden sind mit
Brüsseler Teppichen be-
legt, im übrigen alle

Einrichtungen geschmackvoll und wohn

lich. Die Kammern der Schiffsoffiziere im Brückenhause sind einfacher ausgestattet; ihr Fussboden ist zementirt und mit Linoleum belegt. Für Badeeinrichtungen ist ausreichend gesorgt; für die Fahrgäste I. Klasse und für die Schiffsoffiziere sind besondere Badezimmer mit Wannen vorgesehen, während die Zwischendecksfahrgäste und die Mannschaften sich in

Waschhäusern mit

Brauseeinrichtungen 413

reinigen können.

In dem oberen Heizraumschacht befindet

sich oberhalb des Brückendecks auf der einen Seite ein Desinfektionsraum, auf der andern Seite ein Trockenraum für nasses Zeug usw., der mit DampfRippenheizkörpern versehen ist.

In einem Schiff, das Fahrt in warmen Gewässern bestimmt ist, muss besondere Rück

wie die » Cap Verde« zur sicht auf gute Lüftung der Räume genommen werden. Die FahrDecken angebracht sind, mit Lüfteinrichtungen in den Thüren

befinden sich in jedem Laderaume mehrere Lüftrohre; die im Grossraume gelegenen Rohre sind besonders stark gebaut und mit Beschlägen versehen, um als Stützpunkte für Ladebäume dienen zu können.

Alle Schlaf- und Wohnräume für Fahrgäste und Mannschaften sind mit Niederdruckdampfheizung von Gebr. Körting versehen. Im Speisesaal stehen zwei geschmackvoll ausgeführte Kamine, die je 2 Rippenheizkörper enthalten. Zur Erwärmung des Badewassers, zur Heizung der Dampfküche usw. wird gleichfalls Niederdruckdampf verwendet, der nach Gebrauch in einen Kondensationstopf geleitet wird, welcher mit dem Abdampfbehälter der Dampfwinden in Verbindung steht.

Zur Beleuchtung des Schiffes dienen abwechselnd 2 im Maschinenraume aufgestellte Gleichstromdynamos der Elektrizitäts- A.-G. vorm. Schuckert & Co., deren jede von einer stehenden zweicylindrigen Verbunddampfmaschine von Janssen & Schmilinsky A.-G. in Hamburg getrieben wird. Die Dampfmaschinen leisten bei 300 Uml./min 28 PS; in den Dynamos wird Strom von 100 V Spannung erzeugt, der zum Speisen von 280 Glühlampen von 16 Normalkerzen, mehreren Handlampen und Zigarrenanzündern, sowie zum Heizen von Brennscherenwärmern in den Schlafkabinen und zum Betriebe einiger kleinerer Ventilatoren benutzt wird.

Von Spant 49 bis 57 erstrecken sich zwischen Haupt-, Oberund Zwischendeck ausgedehnte, durch Holzwände isolirte Kühlräume für Fleisch, Gemüse, Getränke usw. Die im Maschinenraum aufgestellte Eismaschine von J. C. Hall in Dartford arbeitet nach dem Kohlensäureverfahren. Der Druck im Kompressor beträgt 60 at.

Unter den Hülfsmaschinen für Deckbedarf ist zunächst das in einem besonderen Raume des Deckhauses auf dem Hinterdeck aufgestellte Dampfsteuer, Bauart Hasties, zu nennen. Eine stehende Dampfmaschine von 228 mm Cyl.-Dmr. und 228 mm Hub treibt ein Zahnrad, welches in das an dem Ruderschaft angebrachte Zahnsegment eingreift. Die Maschine erhält ihren Dampf durch eine mit dem Haupt- und dem Hülfskessel verbundene Leitung, die durch den Maschinentunnel und weiter durch ein Tunnelventilatorrohr in das Deckhaus geführt ist. In die Leitung ist ein Drosselventil von Aulds & Sons eingeschaltet, welches die Kesselspannung von 15 at auf 4 at verringert. Maschine und Rohrleitung sind jedoch für 15 at Dampfdruck konstruirt, um genügende Stärke zu haben, falls das Drosselventil versagen sollte. Der Abdampf der Steuermaschine wird in den Kondensator der Hauptmaschine geleitet. Mittels Wellenleitung und Kegelradübersetzung wird die Dampfsteuereinrichtung von der oberen

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Fig. 5.

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gastkammern sind deshalb ausser mit Lüftrohren, die in den

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