Missverstehen und Verstehen: Savignys Grundlegung der juristischen Hermeneutik

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Mohr Siebeck, 2004 - 269 Seiten
English summary: When is it permissible to interpret a binding legal text? Unlike Anglo-Saxon and French legal experts, the Germans believe that it is in principle possible to interpret legal texts whose wording is unambiguous. This opinion can be traced back to the transition to modern hermeneutics, which was carried out by Friedrich Carl von Savigny in jurisprudence. Stephan Meder outlines the development of Savigny's hermeneutic theory against the backdrop of his contacts to other advocates of modern hermeneutics, such as for example Friedrich Schleiermacher or August Boeckh. In doing so, he shows that essential elements of the image that current methodologies have of Savigny's analysis of interpretation need to be corrected. German description: Wann ist die Auslegung eines verbindlichen Rechtstextes zulassig? Im angelsachsischen und franzosischen Rechtskreis pflegt man diese Frage bis heute unter Stichworten wie Sens clair- oder Acte clair-doctrine zu erortern. Danach verbietet sich die Auslegung, wenn ein Rechtstext klar und eindeutig formuliert ist. Die Sens clair-doctrine beruht auf dem Gedanken, dass ein Text nur dann der Auslegung bedurftig sei, wenn er dunkel, zweifelhaft oder unklar sei. Im deutschsprachigen Rechtskreis herrscht dagegen die Ansicht, dass im Grundsatz auch eindeutig formulierte Rechtstexte auslegungsfahig seien. Diese Auffassung pflegt man auf die Wende zur modernen Hermeneutik zuruckzufuhren, die in den Rechtswissenschaften durch Friedrich Carl von Savigny vollzogen wurde. Im Gegensatz zur vorkritischen Hermeneutik beruht die moderne Hermeneutik auf der Pramisse, dass nicht das Verstehen, sondern das Missverstehen die Regel ist. Deshalb bedurfen auch scheinbar klare oder eindeutige Texte der Auslegung. Stephan Meder skizziert die Entwicklung der hermeneutischen Theorie bei Savigny vor dem Hintergrund von dessen Verbindungen mit anderen Protagonisten der modernen Hermeneutik wie z.B. Friedrich Schleiermacher oder August Boeckh. Dabei zeigt sich, dass wesentliche Elemente des Bildes, das aktuelle Methodenlehren von Savignys Analyse des Interpretationsgeschehens zeichnen, einer Korrektur bedurfen.
 

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Inhalt

Alte Stellenhermeneutik versus moderne
17
Savigny und die Begründer der modernen
28
Savigny und die klassischen Philologen seiner Zeit
34
Geistesgeschichtliche Grundlagen der modernen
43
ther Hannover Was die technische Fertigstellung anbelangt so gilt
47
Die Kritik an Regeldenken und Geschichtsfremdheit
49
Resümee und Ausblick
58
Hermeneutik als Anwendung
63
Grenzen der Interpretation
131
Die Analogie im Spannungsfeld von Auslegung
149
Auslegende und rechtsfortbildende Analogie
157
Die Ermittlung des Gegebenen bei der Rechtsanalogie
164
Differenz von Auslegung und System
170
Beweglichkeit des Systems
187
Der hermeneutische Zirkel
193
Savignys Hermeneutik aus heutiger Perspektive
219

Auslegung als Kunst
85
Urteilskraft im Rahmen des Modells einer Differenz
102
Die Formel vom BesserVerstehen
106
Resümee
129
Literatur und Quellenverzeichnis
241
Literatur
249
Sachregister
261
Urheberrecht

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Über den Autor (2004)

Stephan Meder, Geboren 1956; Studium der Rechtswissenschaft, Philosophie und Geschichte in Erlangen, Frankfurt a.M. und Berlin; 1988 Promotion; 1992 Habilitation; Professor fur Zivilrecht und Rechtsgeschichte an der Universitat Hannover.

Bibliografische Informationen