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richtige Satz war in Oestreich, wo „die zwei ober« Stänke" ihre hohe Stellung über den dritten Stano schon durch den Namen recht eindrücklich uersinnlichten*), geradezu eine Proclamirung des Systems der Adels» oligarchie. Die neue öftreichische Aristocratie sprach die« sm Satz nicht mehr öffentlich aus, aber sie hielt ihn fest.

Neben dem Ceremoniel der Devotionsbezeugungen zenoß der neue hohe Adel Oestreichs wahrhaft fürstliche Rech« dem Kaiser gegenüber und zwar nicht etwa blos «melalterliche fürstliche Ehrenvorrechte, sondern recht reelle, moderne, einträgliche fürstliche Rechte; solche Hechte, die sich zum Theil für eine gute Landesvcr» »«ltung geradezu hemmend erwiesen und deshalb auch »bgeschafft wurden, als ein kräftiger Herr die Zügel der Regierung überkam.

Zu den noch mittelalterlichen fürstlichen Ehrenvor» rechten der neuen hohen Aristokratie Oestreichs gehörte das Recht, das die Schwarzcnberge, Liechten» steine und Dietrichsteine, die Efterhazy's, die Windischgrätz, die Harrach, Hardegg, Schlick und die heut zu Tage ausgestorbenen Trautson be« saßen, in ihren alten Herrschaftssitzen Ducaten und »de« Münzen mit ihrem Vildniß und Wappen prä°

') Im dritte» Stande Niedeiöftreich« hatte die Stadt Nien eine halbe und achtzehn andere Etidte und Mällte »»ch nur eine halbe Stimme. Dlese zwei halben klimmen de« dritten' Stande« waren seine ganze Macht, «Hnnd im Herren« und Mittelstand« jeder Paivenu, der «chiit wurde, seine ganze Stimme hatte.

gen lassen zu dürfen; ferner das Recht, das d Schwarzenberge als Herzoge von Krummau u» die Esterhazy's in Gisenstadt ausübten, 15« u, beziehentlich 2NU Mann Leibwache sich halten zu du fen; der Lehnhof, den viele alte Familien hatten, rv die Liechtenstein, die Starhemberg, die Ha> räch, die Hardegg, die Traun, die Stubenber die Weissenwolf, die Zinzendorf und Potte, dorf und die Polheim. Die Schwarzenberg die Esterhazy's und die Brenner hatten sogar dc Recht zu adeln, Doctoren, Licentiatcn und Notari, zu creiren.

Zu den reelleren, weil sehr lucrativen und desha^ für den Mißbrauch äußerst verführerischen Privileg« des hohen Adels Oestreichs gehorte die Zoll» und Au schlagsbefreiung von Victualien und Bedürfnissen, welü sich dieser Adel von seinen eignen Gütern mit Pässc zuführen ließ: ein solches Privileg genossen z. B. d Starhemberg und die Traun.

Ganz modern erceptionell waren aber die Mautl Privilegien, die Privilegien, auf ihren Herrschaften z Wasser und zu Lande Mauthcn und Zolle zu erriet ten, die einzelne hohe Adelsgeschlechter sich zu verscha fen gewußt hatten. Diese Privilegien waren ganz ne sie datirten vom Anfang der neuen Adelsherrschaft , Oeftreich, vom dreißigjährigen Kriege. Das Diplo» das die Harrach von Kaiser Ferdinand I>. ei hielten, war vom IN. August 1624 und vom 2i August 1625. Später erhielten die Vreuner a» Aspern ein gleiches Privileg durch Diplom vom 1! Vir; 1659 von Kaiser Leopold l. Diese Privile« «in, w«ren es, welche sich für eine vernünftige und «Mgeordnete Landesadminiftration so ungereimt dar» stellten, daß Kaiser Joseph II. sie mittelst Ablösungen «lstell«.

Zu den durch ihre Erclusivität für eine gute Llndesverwalmng nachtheilig wirkenden Vorrechten gehörte ferner die eigne Vormundschaft, die der Adel «bei adelige Pupillen und Waisen führte, wo von Ecken der Seitenverwandten begreiflich die ärgsten Vediückungen und Betrügereien, ohne daß irgend Je« »>md sie erfuhr, vorkommen konnten. Gs gehörte Wz» ferner das Recht des Adels, in Klagsachen nicht »r «in fremdes Gericht außer Landes vorgefordert zu »erden, waS fremden Klägern begreiflich ihr Recht wiederholt zn finden unmöglich machte. Ganz bcson» der« aber gehörte zu diesen nachtheiligen Adelsrechten das s. g. Einftandsrecht, ras nach dem Privilegium H»>ser Mai' II. von 1572, welches den Adel Oest« mchs als geschlossenes Corps constituirte, diesem Adel «Hein und ausschließlich zukommende Recht, Güter im Lande zu erwerben, welches denn Joseph II. auch aufhob.

Die überwiegende Macht des östreichischen Adels lag ober vor allem Anderen in seiner völlig er« tevtionellen, ja man kann sagen völlig pri«ilegirten Stellung in Strafgerechtigkeits» l'llen.

Strenge bewies die Regierung in Oeftreich gegen w Adel nur in politischen Vergeltungen, in Hochver« Llftilich. vil. 4

rathsfällen. In den sämmtlichen kaiserlichen Staat« nicht blos in Ungarn, sondern auch in Oestreich u, Böhmen herrschte sonst bei gewöhnlichen peinlichen Ve brechen, die Individuen des höheren Adels oder der Geij lichkeit sich zu Schulden kommen ließen, eine fast unglau liche Nachsicht. Sie standen in Capitalfällen nicht mit dem gemeinen Gesetz und wurden (außer, wie gesa< in Hochverrathsfällen) größtentheils sehr gelind fast immer heimlich bestraft durch Einsperrung ewiges leidliches Gefangniß, oft auf ihren eigNl Schlössern und sehr oft nur mit Geldbußen. Tort« oder peinliche Frage gegen ein Individuum höher, Adels oder des geistlichen Standes, so wie öffentlich oder verschärfte Hinrichtung war in Oestreich (auße wie gesagt, in Hochverrathsfällen) fast unerhört. Ka es ja zur Enthauptung, so fand sie in einem schwär behangenen Zimmer, die Vlutrichter auf rothbehang nen Sitzen im Vurgsaal oder im Schloßhoft, jedo bei verschlossenen Thoren Statt. Die Leichname wu den den Familien zu ehrlichem Begräbnisse zurückg geben. Das Ausstecken des Kopfes oder der Hau das auf daß Nad Flechten hatte bei den höheren Stäi den seit dem großen Prager Vluttage nie mehr Stat Sorgfältigere Erziehung, reichere Mittel der Vildun, überhaupt günstigere äußere Verhältnisse wurden alj nicht als erschwerende, sondern als mildernde Un stände angesehen. Die Pönen mußten dagegen geral gegen die Nothleider recht unerbittlich erecutirt werde, damit die Machthaber nicht etwa durch die Desperatio dieser Nothleider im Ausgenuß ihres Freudenhimmel g«ste« würden: Ordnung und Ruhe mußten im Lande herrschen, dazu waren die Gesetzt geseht. Dem Adel «ingen seine Rohheiten und Gewaltthätigkeüen immer n« leidlicher Strafe aus. Ein Sigismund von Oussig, Sohn eines kaiserlichen Obristen, der in Kroatin, stand, hatte sich im Jahre IL52 zu Gräh »it Justin« von Soreckh verlobt, die Braut sagte ihm aber, wegen ungestümen Wesens auf einer Spa» zierfahtt außer Grätz, das Verlöbnis) ab: er erschoß sie sofort im Grimme. Er floh und das gegen ihn ge» sprochene Urtel war: Verbannung aus den kaiserlichen Lrtlanden. Betrügereien, die Adelspcrsonen aus offen« b«er Ueppigkeit und Frechheit verübt hatten, wurden nur, um den Schein zu retten, bestraft; sobald es sich machen ließ, kam Gnade: der Hofkammerpräfidcnt Einzendorf ist hiervon ein insignes Erempcl. Selbst recht naturwivrige Verbrechen gingen dem Adel fast unge« straft durch: unter Leopold kamen ein Vater« und zwei Brudermörder aus dem Herrenstandc Inneroftreichs mit ewigem leidlichen Gcfängniß auf ihren eigenen Schlossern durch. Gin Graf Wolkenstein erhielt wegen Incest mit seiner Schwester keine andere Straft, »ls daß er die große Mauer des Innsbrucker Thiergartens ausbauen mußte, die die landesfürstliche Kammer aus Mangel an Geldmitteln unvollendet hatte lassen müssen. Selbst jene fürchterliche Ungaradels» l»me Elisabeth Nadasty, geborne Vathory, die Nichte des großen Stephan Vathory, welche 3— M bäuerliche und bürgerliche Jungfrauen hatte aber« lassen und unter gräßlichen Martern todten lassen,

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