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Versen, brachte seine Werbung an und die Sache w» in Ordnung."

„Wunderbar contraftirte damit die ungarische Ar Unter Carl VI. und auch spater fuhren die unga rischen jungen Herren selten, sie ritten meist. Wen nun ein solcher Gast in einen Gdelhof oder in ein Burg einritt, feuerte er im Hof ein Piftol ab. Die war das Zeichen, daß ein unverheiratheter Mann ge kommen sei. War das Fräulein vom Hause heirath bar, so erkundigte sie sich nach dein Namen des Gaste und besprach sich mit der Mutter, oder veranlaß! den verblümten Bescheid auch selbst. War der jung Mann als Schwiegersohn nicht annehmbar, so wurt ein Spanferkel als Braten aufgesetzt; war e gleichgültig, so kam irgend ein anderer Braten auf de Tisch, wenn aber ein Indian (kalekutischer Hahn aufgetragen wurde, war der junge Mann gewiß, da er willkommen sei. Nie ist damals in Ungarn vor Tisc ein Heirathsantrag gemacht worden. Wenn der Hei rathslustige sich mit einem Brautwerber einfand, muß> er nach Tisch die Gesellschaft unter irgend einem Voi wand verlassen, worauf der Brautwerber seinen An trag — weit ausholend — vorbrachte. Manchmc hatten sich Braut und Bräutigam früher gar nick gesehen."

7, Ausbildung der neuen östieichischen Aiistocratlc, !h»e Pri»ilegi< unt ihre Stellung zum Hofe.

Was in England schon im fünfzehnten Iahrhun dert die Kriege der Rosen gewesen waren: Ecrafirun des alten Adels und darauf folgende Stiftung eine «um! was in Frankreich im sechszehnten Jahrhundert

^ Hugenottenkriege und ihre blutigste Spitze, die

V»ttholomäusnacht, gewesen war: Ecraftrung des huge»

mllischm Adels und darauf folgende Organifirung eines

stimz «n den Hof gebundenen katholischen Adels; was

«llich im achtzehnten Jahrhundert für Rußland die

HtgielungPetei's des Großen war, der dem alten

Vojoren- und Knesenadel einen ganz neuen Dienstadel

sulftiluiite — gerade das war in Oeftreich im sieben»

«holen Jahrhundert der dreißigjährige Krieg gewesen:

<r h«tte die erste protestantische Adelstette mit ihrer

»llgewoltigen „Autonomie^' niedergebrochen und einen

»cum streng katholischen und fort und fort mit lauter

«um Convertiten vermehrten Hofadel geschaffen.

Es waren jetzt nicht mehr die alten Dynasten ml Edelherren von Oeftreich, von der Steiermark und «»» Böhmen, welche auf ihren mächtigen festen Herrschchsschlossern als die wahren Herren des Landes, dm Hofe die Spitze bietend, wohnten; dieser Adel, lu in der Hofgeschichte des ersten Ferdinand ge» schillerte erste protestantische Adelskette, war zersprengt, b»tte seit der weißen Vergschlacht das Land räumen «üssen; was damals nicht geächtet und vertrieben ward, w« noch und nach verkommen oder verarmt. Die Maßregeln, d« Kaiser Leopold schon vor dm Ocklichen Turkenkriegen gegen die im Lande zurückMebenen protestantischen Adelsgeschlcchter getroffen 5>»t — ich erinnere an den oben erwähnten Kindcr«°i «m Todtenbette Rudolf Sinzendorf's 1676 chatten erwirkt, daß die Convcrsionen, die früher '^einzeln vorgekommen waren, jetzt massenweise sich folgten. Ein Enkel Helmhard Iörger's, Hauptuorfechters der Protestanten unter Ferdinand war schon wieder hochbctrauter Minister Leopold'« Es fand sich, daß gerade die Convertiten die be< Katholiken waren. Die Convertiten vergaßen die T der babylonischen Gefangenschaft, begaben sich nach vor wieder zur Messe, beteten ihren Rosenkranz, gin in den Prozessionen mit als Patriarchen oder W» teufel, trugen die Kutten marianischer oder seraphis« Brüderschaft, wurden aber wieder so reichbegütert > mächtig wie zuvor. Von den einundsiebenzig Graf« Herren« und Rittergeschlechtern, welche sich zur ^ des westphälischen Friedens noch öffentlich zur pn ftantischen Religion bekannten, gab es zur Zeit M ria Theresla's nur noch drei in Oberöstreich: ei Linie der Grafen Auerspcrg, die Graf Laßberg und die Varone Stockhorn. So, die Zinzendorfe, die Familie des Bischofs Brüdergemeinde, hatte sich 1739, ein Jahr vor letzten Habsburgers Tode, in der Person des Sem, derselben convertirt und der letzte Zinzendorf fo! unter Maria Theresia 1764. Jene drei Familien h ten noch ihre Güter, blieben aber von allen Anftell, gen ausgeschlossen und mit der Religionsübung r ren sie nach Oldenburg in Ungarn und an die lut rischen Gesandtschllftscapellen in Wien gewiesen*).

') Leopold »erbot den evangelischen Herren dies L tere noch ausdrücklich durch zwei Befehle vom 26. Jan, K und !24. Juli 1888; tlst seit seinen Nachfolgern ward erlaubt.

3« neue Adel, den Ferdinand im dreißigjährigen Hckze sich geschaffen hatte und der aus dem Kerne w in Oestreich, Böhmen und Mähren dem Kaiser» Kmse treu gebliebenen Familien bestand, der Die» ilichsteine, Egggenberge, Trautmannsdorft, solkowitzc, Vreuner, Harrach «.s.w., ferner M dm ältesten Convertiten, wie den Liechtenstein, dm Khevenhüller, den Althann, den Kuff» stein u. s. w., endlich aus den zahlreichen und reich mil Gütern namentlich in Böhmen dotirten italienischen, imischm, wallonischen, croatischen militairischen Fami» !», »je der Colloredo, Collalto, Gallas, ^»»iquoy u. s. w.— dieser Adel war ein ganz an» lnn «lz die alten Dynasten und Edelherren gewesen >l»ttn, es war ein Adel von neucreirten Grafen »nd Fürsten, der seine Grafen- und Fürsten» >ite! dem Festhalten des katholischen Glau» b<ns »der dem Rücktritt zu demselben ver« dankte. Ferdinand schuf, wie oben erwähnt, zwanzig °>l dreißig neue Fürsten» und gegen sicbenzig neue snftngeschlechter. Seine Nachfolger fuhren in diesem Wtge fort. Ferdinand III. fürstete die neucon"lt'iten Auersperg, Leopold l. die treu ka» >ö. »lisch gebliebenen Schwarzenberg und Fürsten» bllg und nach der l683 abgewandten Türkengefahr ^>e bereits unter Ferdinand II. convertirten kßerhazy's: aus den beiden großen Fournien in "d nach dem Jahre, der weißen Vergschlacht und in w nach dem Gntsatzjahre von Wien datirt fast der «"!« heutige hohe Adel Oeftreichs.

Diese neugeschaffene Ariftocratie von Grafen un Fürsten ließ sich denn auch gefallen, was Kaiser Leo pold ihnen erklärte: „daß er den Gehorsam un die Anhänglichkeit seines getreuen Adel vorzüglich darin erkennen werde, wenn der selbe seine Schlösser und Burgen verlasse! und in die Städte und vorzüglich in die Haupt ftadt übersiedeln würde." Der neue hohe Ade Oeftreichs that demgemäß und wußte von Zeit zu Hei in der Wiener Hofburg seine Devotion gegen Kaiser liche Majestät mit spanischer Kniebeugung vor de» getreuen übrigen Unterthanen auf's Alleranschaulichst zu versinnlichen. Indem man dem Kaiser seine „höh, Reputation" beließ, ja den Nimtus derselben noct steigerte, hielt man fort und fort fest an deni Princip das einmal ein Herr der ersten protestantischen Adelskette Herr von Tschernembl, dem Kaiser Matthias bei den Verhandlungen über die Capitulationsresolution in einer am 12. März 1609 gehaltenen Rede geradezu und überaus erpressiv ausgedrückt hatte: „Derjenige Herr ist für keinen hohen Potentaten zu achten, der sich einen König vieler Knechte und Sclaven nennen kann, sondern der über einen ansehnlichen befreiten Adel und pri« »ilegirte Stande und Landschaften ein Herr ist. Je höher nun eine Landschaft oder Stände privilegirt, je höher ist derselbe Herr und Potentat und je größer ist seine Reputation." Dieser in England, wo es eine dritte Potenz, die ßenllemen, die Gemeinen giebt, sehr

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