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erhielten die andern Damen Erloubniß zu kommen und aufzuwarten. Die Kaiserin bezauberte mich völlig; ihre Gesichtszüge sind nicht gerade regelmäßig, ihre Augen sind klein, haben aber einen lebhaften Vlick, voller Anmuth; ihr Teint ist der schönste, den ich je sah;*) Nase und Stirn sind wohl gebaut, ihr Mund aber hat einen hinreißenden Liebreiz. Wenn sie lächelt, zeigt er eine Schönheit und Anmuth, daß man sie anbeten muß. Sie hat eine sehr große Menge feines, schönes Haar;**) aber ihre Gestalt! — man muß zum Poeten weiden, um ihr strenge Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, was sie von Juno und Venus gesagt haben, das erreicht die Wahrheit noch nicht. Die Grazien begleiten sie, die berühmte Statue der Venus von Medicis hat keine zarteren Verhält» nisse der Bildung. Die Schönheit ihrer Büste und ihrer Hände ist unübertrefflich. Ehe ich sie sah, glaubte ich nicht, daß es so etwas Vollkommnes in der Natur gäbe und es that mir ordentlich leid, daß mein Rang mir nicht erlaubte, diese

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') Ein ungenannier Tourist im ersten Band der Reist» Nernoulli's erzählt, daß die Kaisei!» sich »innals seit ihrer Vermählung im ganzen Glänze ihrer Schönheit habe zeige» könne». An dem Tage selbst, wo sie in Spanien ihre erste Zusammenkunft in Varccllona mit Carl Vl. hatte, ward sie s» grausam von einer Gattung giftiger Mücke» gestochen, daß ihr Gesicht zum Erstaunen aufschwoll und nie wieder „zu seiner vorigen Blüthe der Farben gelangte/' Dasselbe berichtet der preußische Gesandte Graf Podewil« in einer Depesche vom 22. März 1747.

") es war silberfarbig.

Hände zu küssen; geküßt aber werden sie genug, denn

jedermann, der ihr aufwartet, küßt sie beim Kommen

im Gehen."

„Als die Damen bei der Kaiserin eingetreten <r«m, setzte sie sich nieder, um Quinze zu spielen. 3ch konnte ein Spiel, das ich,nie gespielt hatte, nicht mitspielen, aber sie ließ mich an ihrer rechtkl« Seite niedersetzen und war so freundlich, mit mir viel mit der ihr eignen Anmuth zu sprechen. Ich wartete jeden Augenblick, wenn die Herren zur Aufwartung eintreten »ildeni aber hier ist ein Hofempfang sehr verschieden von dem in England; kein Herr erscheint hier, als der Oberhofmeister, um der Kaiserin die Ankunft des Kaisers zu melden. Seine Kaiserliche Majestät beehr» len mich auf sehr verbindliche Weise mit mir zu sprc» chen; mit andern Damen spricht er aber nie und im Ganzen geht es sehr gravitätisch und ceremonicll zu."

„Die Kaiserin Amalie (von Hannover), Wittwe Kaiser Ioseph's, machte denselben Abend der regieren» lcn Kaiserin ihren Besuch; es begleiteten sie die beiden Erzherzoginnen, ihre Tochter (Marie Josephe und Marie Amalie), die recht angenehme junge Prinzessinnen sind. Die kaiserlichen Majestäten standen auf und gingen ihr bis an die Thüre entgegen, dann setzte sie sich in einen Armstuhl zur Kaiserin und eben so beim Souper. Hier wurden die Herren M Aufwartung zugelassen. Die Erzherzoginnen erhellen Stühle ohne Armlehnen. Bei Tafel warteten w Ehrenfräulein der Kaiserin auf, deren es zwölf

««i den ersten Familien giebt. Sie bekommen keinen

veft«eich. Vll. 3

Gehalt, «ur Wohnung bei Hofe; sie leben hier in einer Art von Einschließung, da nicht gestattet ist, daß sie zu Assembleen und auf öffentliche Orte in der Stadt gehen dürfen, ausgenommen, wenn eine von ihnen sich verheirathet. Regelmäßig schenkt bei dieser Gelegenheit die Kaiserin ihr Bild in Diamanten. Die drei ersten dieser Fräulein heißen Schlüsseldamen und tragen an ihrer Seite goldne Schlüssel. Höchst spaßhaft ist der Gebrauch, daß diese Damen, so lange sie leben, wenn sie den Dienst der Kaiserin verlassen haben, ihr alle Jahre ein Geburtstagsgeschenk geben müssen. Die Kaiserin hat nur unverheirathete Damen zu ihrem Dienst, ausgenommen die Oberhofmeisterin, die gewöhnlich eine Wittwe aus den ersten Familien ist und sehr alt; sie ist zugleich Gouvernante der Ehrcnfräulein."

„Tags darauf hatte ich eine Audienz bei der Kaiserin Mutter (Eleonore von Neuburg), eine Prinzessin von großer Tugend und Güte, die aber sich zu einer übermäßigen Devotion zwingt. Sie nimmt unaufhörlich außerordentliche Bußactc mit sich vor, ohne jemals etwas gethan zu haben, was sie dazu nöthigte. Sie hat dieselbe Zahl von Ehrenfräulein, die sie bunt sich tragen laßt, wahrend sie selbst fortwährend in Trauer geht, und wahrhaftig nichts kann hier trauriger sein, als Trauer. Nicht das geringste kleine Stückchen von Weißwäsche sieht man, alles nur schwarzer Krepp. Hals, Ohren, Backen sind mit einem gefältelten Stück von demselben Stoff bedeckt und das Gesicht, das in der Mitte herausguckt,

sieht an«, als wenn« am Pranger stehen

»ißte."

Hg« darauf war ich bei der Kaiserin Am all« «fdem Lande. Ich sah dort etwas ganz neues, was »n diesem Hofe aber ein ganz gewöhnliches Vergnügen ß.') Die Kaiserin saß selbst auf einem kleinen Throne « IZnde einer schönen Allee im Garten; ihr zu bei» em Ziiten waren ihre Damen rangirl, an der Spitze die beiden Erzherzoginnen, alle hatten in den Haaren HiM'tlen, und schöne leichte Gewehre in den Händen; in »»gemessener Entfernung standen drei ovale Bilder, d«l Wien die Scheiben, nach denen sie schössen. Da« äße Nild war ein Cupido, der ein Glas mit Vuigundei füllt, mit dem Motto: „Hier ist es leicht, lyfei zu sein!" Das zweite Bild,' eine Fortuna, M eine Guirlande in der Hand, mit dem Motto: »8»i die, der das Glück wohl will!" Das dritte ein schneit mit einem Lorbeerkranz auf der Spitze und tnn M>to: „Da ist es keine Schande, besiegt zu »erden!" Bei der Kaiserin stand eine vergoldete, mit Vlunen bekränzte Trophäe, worauf reiche türkische Tücher, ElM«, Bänder, Schnuren :c. für die geringen Preise hingen. Den ersten Preis theilte die Kaiserin wt eigner Hand aus, es war ein schöner Rubinring Nu Diamanten eingefaßt, in einer goldnen Dose. Der !°>eitc P«is war ein kleiner Cupido in Brillanten.

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Außerdem ein schönes Theeseruice von vergoldetem Porzellan!, lackirte Kästchen, Fächer und andre kleine Galanterien. Alle Standespersonen von Wien sahen zu, aber die Damen allein durften schießen und die Erzherzogin Amalie erhielt den ersten Preis."

Die an englischen Lurus gewohnte Lady M o ntague läßt der großen Pracht, die sie in den Häusern der Aristokratie in Wien wahrnahm, ihre volle Bewunderung widerfahren. Sie drückt zwar ihr Mißfallen darüber aus, daß die Besitzer dieser Häuser die Räumlichkeiten, die sie nicht selbst brauchten, vermietheten, wodurch die Treppen, die in der Regel von Stein seien, so schmutzig wie die Straßen würden, fährt aber dann so fort: „Hat man die Treppen erstiegen, so ist man um so mehr von »er Pracht der Zimmer überrascht. Sie bestehen gewöhnlich in einer Gnstlade von acht oder zehn großen Gemächern, wo Sculptur, Vergoldung und Meublemeut das übertrifft, was man in andern Ländern in den Palästen der Souveraine zu sehen gewohnt ist. Die Zimmer sind mit den schönsten Brüsfler Tapeten bekleidet, die Spiegel bestehen aus prachtvollen Gläsern von erster Größe und sind in Silberrahmen gefaßt, die Tische sind lackirt; die Stühle, die Sophas, die Betten, die Fenstervorhänge sind vom reichsten Genueser Sammt oder Damast, und mit goldnen Borden oder Stickereien verziert; die Zimmer enthalten die schönsten Gemälde, Porzellanvasen und große Bergcristallkron» leuchter. Diesem Ameublement entspricht der gute Geschmack und die Pracht an der Tafel. Ich habe schon

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