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darauf anlegten, in ihren Händen und denen ihres Anhangs alle guten Stellen zu haben." Stephan Gerlach, Gesandtschaftsprediger bei David Ungnade der im Jahre 1576 von Kaiser Malll. an die Pforte geschickt wurde, erfuhr im Hause seines Herrn in Constantinopel im > vertraulichen Gespräche von Wissenden ganz dasselbe.*) „Die weltlichen Herren saugen den Kaiser ganz aus. Wenn einer einIahr, zwei, drei gedient hat, bittet er diese oder jene Gnade, dieses Schloß oder jenes Gut aus: man gebe es ihm, wenn es schon IN, 2N,UUN Gulden und mehr werth ist, daß sie reich, der Kaiser arm werde. Mancher hat 5N, 00, 7«,UU0 Gulden auf Zinsen und viele IUUN Gulden baares Geld, als Herr Weber, Kanzler**) und der Herr von Harrach***), welche alles vom Kaiser erhalten. Wenn aber dem Kaiser eine Noth anstößt, so leihen sie ihm nicht 2, 3NN Gulden ohne Zinsen, auch wohl gar nichts, sondern weisen ihn an die reichen Kaufleutc. Dr. Weber, Kanzler, ist über die 1U0,0U0 Gulden bei seinem Dienst reich geworden, hat zwei Herrschaften in Oestreich getauft, oder zum Theil von Ihrer Majestät aus Gnaden bekommen, Visemberg und Rotz,

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ebne >'«ne so viele INU« Vulven auf Renten. Also »«cht es auch »er Eobenzl'), Vrlherzog Cur» lins«) Kanzler. Der hat olle Jahr bei die 12,UN« Gulden Mnkoiumcns, kein Weib noch Kinder und loenn der Erzherzog Geld bedarf, leiht er ihm nicht Itw Gulden, schreibt nur andern und vermahnt, sie sollen helfen."

Unter Rudolf ll., unter den Ferdinanden blieb das Verhältnis) dasselbe. Der der katholischen Religion treu gebliebene oder sich wieder convenirende Are! erhielt im dreißigjährigen Kriege aus dem con» siicirten protestantischen Rebellengute nächst den Iesui» ten das Meiste. Noch unter Leopold fiel die Krön» domaine Wittingau an das Schwarzenberg'sche H«us. Zwei Grafen Oeftreichs, Khevenhüller und Honigs eck, waren die ersten Pachter des Tabacks» Monopols in Oeftreich und der Hofkammerpräfident Sinzendorf der erste Betrüger des Landes.

Seit Leopold I. kamen die Hofvorschüssc »us dm Händen der durch Sinzendorf heimlich wieder eingebrachten Wiener Juden. Man kann sich denken, »ie diese Menschenrasse die kaiserliche Majestät be» rupfte und auszog. Hoffaktor war der reiche Sa» iluel Oppenhcimer, derselbe, wegen dessen in den Jahren t?NV und 1706 ein paar furchtbare Tumulte in Wien ausbrachen, auf die ich zurückkomme. Op«

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penheimer erhielt für die Vorschüsse, die er machte, Anweisungen auf die Landescassen zu seiner Deckung. Der Gewinn, den dieses Hofuorschußgeschäft ihm abwarf, war so enorm, daß endlich der kluge böhmische Hofkanzler Graf Franz Ulrich Kinsky, der 1699 starb, dasselbe an einen Christen, den Wiener Vanquier Gottfried Christian Schreyvogel, bringen wollte. Dies Project verunglückte aber, weil Schreyvogel dem Hofe durchaus nicht jederzeit und so schnell Geld zu liefern vermochte, wie der durch Connerionen in aller Welt unterstützte Oppenheim«, der denn nach wie vor, auch nach den großen Tumulten, die gegen ihn ausbrachen, Hoffactor blieb. Um den Schreyvogel zu trösten, ward er 1791 zum böhmischen und 1706 zum Reichsritter promovirt. Als das Haus Oppenheimer in der Zwischenzeit zwischen jenen beiden Tumulten im Jahre 17U3 fallirte, mitten im spanischen Erbfolgekriege, bewirkte das, daß der Kaiser auf einmal keinen Credit mehr finden konnte. „Es ist alles," schreibt der Markgraf Louis von Vaden aus Hcilbronn unter'm 15. Juni 1793 an ihn, „auf die extremilät in Geldsachen kommen, so gar, daß ich aus meinem Eignen alles, was ich vermocht, hergeben und mit harter Mühe davon etliche 199 Gulden, denen Nothwendigkeiten einige Artillerie in's Feld zu führen, aufbringen können; des Op» penheimer's in der Welt ausgeschriebenes Falliment macht, daß man nirgend vor keinen Heller Geld noch credit finden kann." Der Kaiser erließ Oppenheimer's „Manquements halbei" unier'm 14. April 1704 eine Verordnung, wo« durch alle Gläubiger unter ein besonderes jullicium lIeleF3lurn unler Vorfitz des Oberhofmarschalls Gra« fen Martin itz gewiesen und unter Ginräumung ei» ner Frist von sechs Wochen und drei Tagen ihre For> denmgcn anzubringen aufgefordert wurden, nach d««n Verlauf 3^icmand weiter gehört und die ergangenen Unheile ohne alle weitere Appellation und Revision zur Ausführung gebracht werden sollten.

Im Jahre I7UN findet es sich, daß Oppenheim« wieder die Liefcrungsgeschäftc für die Armee in Italien im spanischen Erbfolgetriegc und die Nemonürung der Cavallerie hatte. Das brachte ihn wieder zu Kräften und deshalb brach wahrscheinlich der von de» neidischen christlichen Brüdern angestellte zweite Tumult aus.

Neben den jüdischen Haupthoflieferantm fungirtcn aber auch christliche, denen zuweilen die Adelsehre als Recompens zufiel: so finde ich, daß Thomas Edler von Oranger 1722 nobilitirt ward „wegen vieljähriger Bedienung des Hofstaats, gemachten Lieferungen und geleisteten Geld-Anticipationen" und das Jahr darauf Wenzel Ncdorost, äußerer Rath in Wien „wegen geleisteter Anticipationen."

Kamen große Geldverlegenheiten, wo die Vor» schüsse nicht aushalfen, so nahm man zu Anleihen seine Zuflucht. Auch hier ward die Kaiserliche Majestät gehörig übersetzt. Und zwar widerfuhr ihr das »on ihren eignen Alliirten, den Seemächten. „In Fi» nanzsachen," schreibt Spittler, „war unter Kaiser Carl VI. die schönste Wirthschaft, die man sich den» ken konnte. Gerne bezahlte der Kaiser 3 p. 6., wenn man ihm nur Geld dafür borgen wollte. Nach den Memoiren des Ritters Ker von Kersland hatte er den Engländern zu Versicherung ihres Kapitals und der Zinsen die schlesischen Fürstenthümer und den Holländern die ungarischen Quecksilber-Bergwerke verpfändet und doch noch mehr als 3 p. 6. zahlen müssen. Große Handelsprojecte wurden gemacht, die allein schon um ihrer monströsen Große willen nicht gelingen tonnten. Lotterieen wurden errichtet, die so schlau eingerichtet waren, daß Niemand, der einsetzte, verlieren konnte, und daß doch der Kaiser von dem Profit, den die Lotterie abwerfen sollte, 1730 vorläufig (gleichsam als einen Gewinn, den er selbst gemacht) fast 2'/2 Millionen Gulden nahm." Spittler meint die berüchtigten „Einhundert privilegirten Lotterieen der Rom. Kais, orientalischen Compagnie," über die in Wien am 29. April 1721 ein ausführlicher gedruckter Bericht ausgegeben wurde, um die getreuen, nur zu treuherzigen Völker Oestreichs herbeizulocken. Es waren Schwindeleien, wie sie Paris in den Actien, Law's und England in der Südseecompagnie gleichzeitig hatte. Diese mit der orientalischen Compagnie in Verbindung gesetzte ungeheure Lotterie bestand aus hundert Massen, jede zu tausend Loosen und ward alle Jahre viermal gezogen. Die Summe, die ausgespielt ward, betrug 120 Millionen Gulden Rheinisch, so viel betrugen nach dem Bericht die Gewinne und Prämien. Im Jahre 173U nahm der Kaiser vorläufig 2,25U,N00 Gulden aus dem Fonds, gleichsam als einen Gewinn,

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