Abbildungen der Seite
PDF

sondern öffnete nur daS Paquet und versiegelt« es dam wieder mit seinem Petschaft; in den Conftrenzen M ftrmirte er sich dann dem Votum der College«. Sein Geschäfte waren die Lustbarkeiten, Weiber, Jagd un Spiel. Gr war einer der galantesten 8«ißneurz Wieni piquirte sich den Weibern gefährlich zu sein und ha« mehrere Intriguen', die Eclat machten. Seine Galon terien entzogen ihm die Gnade der Kaiserin, ab« d« Kaiser liebte ihn sehr. Er zog sich jederzeit mit u« endlicher Sorgfalt und mit einer recherchirten Netti« keit an. Der Reichsvicekanzlerposten brachte ihm u»l an IUUM0 Gulden ein, außerdem besaß er sehr groj Herrschaften, eine derselben in Böhmen trug ih, 80 Uli» Gulden. Demohngeachtet stack er tief in Schu den. Gr machte die größte Figur in Wien und ein« ungemeinen Aufwand, die Weiber und das Spiel kost ten ihm sehr viel. Dabei war er ein sehr übler Haui Halter und seine Frau trug nicht wenig dazu bei, H zu derangiren. Er erzeugte mit ihr neun Söhne u, neun Töchter, feierte mit ihr die goldne Hochzeit, e lebte noch die Regierung Ioseph's II. und sto 1738, zweiundachtzig Jahre alt. Fürst schreib man muß gestehen, oaß Colloredo von allen Gesch« ten im Allgemeinen Kenntniß nimmt und die Ga hat leicht aufzufassen, was ihm vorgetragen wird, ist leicht zugänglich und human." Podewils l schränkt letzteren Ruhm auf seines Gleichen und s, hinzu, daß er ziemlich hochmüthig gegen seine Untl gebenen sich bezeigt haben solle. Im Allgemeinen « Colloredo em seißneur wie Sinzendorf und Uh! stli, her zwar etwas hartnäckig war und sich viel mit w Parvenü Vartenstein stii«, aber, da er die »mNnge, die der Erzketzer Luther gelobt hatte, mehr lickt «lz die Geschäfte, immer und immer wieder des» m Ansichten sich conformircn mußte.

H»n»ch sowohl als Colloredo legten männlich und «ß ihr treugehorsamstes Votum ab: es lautete ganz gleich mit dem des respectabeln Baltenstein, gegen «lchm in irgend etwas Widerspruch zu erheben, ihnen loch nie etwas geholfen hatte, wie sie recht wohl aus w Lifthrung belehrt waren. Sodann votirte noch ^ Obeihofmeiftei der Kaiserin, der Graf und spä«ltrste Fürst Johann Joseph Khevenhüller, m kleines, angenehmes, vollendetes Hofherrchcn, sehr bliebt bei Kaiser und Kaiserin und immer um ihre Alsonm, Gemahl der reichen Erb-Gräfin Metsch, m dcien Vermögen er bedeutende Summen dem Hofe mgtschossen hatte, früher Reichshofrath und Gesandter in der Kaiserwahl Franzens, in den Geschäften aber »Kl Linfluß, in Allem Hartenstein nachredend, eine «ine Null im Staatsrath. Und endlich votirte der h° d«s l!oruu3e prineepü von Ungarn, I o sep h's iL, 8i»f E«rl Batthiany, der schönen Lorel Sohn, luzen's Codizill, den der Schematismus ebenfalls "ch»!« hochansehnliches Glied der Geheimen StaatsMnenz aufführte, von dem aber weder vom Geist ^»'i noch vom Geist seiner Mutter viel zu sehen ^,« war nur ein Mann von ehrenwerthen Gründet» und eine tapfere Kriegsgurgel, ohne Kenntniß »> in, Geschäften und Wissenschaften.

Alle diese sechs Herren stimmten für Fortsetzung des alten Bundes mit den Seemächten, den Geldbeschaffern. Und sie unterstützten ihre Abstimmungen mit starker Lebhaftigkeit aus öffentlichen, hellen und klaren und geheimen, dunkeln und trüben Gründen.

Wahrend sie gestimmt hatten, hatte Kaumtz nicht den entferntesten Antheil zu nehmen geschienen. Nr hatte sich indeß beschäftigt, Federn zu schneiden, Bleistifte zu spitzen, kleine Drangements in seinem Anzüge mit acht französischer Sorgfalt, sich zierlich bürstend und jede« Stäubchen zart wegblasend, zu verbessern, dazu unterweilen auch seine Uhr repetiren zu lassen. Die lebhafte Kaiserin, die über die Kaunitzische Versteinerung, die er jedesmal bei den Abstimmungen seiner geistlosen Collegen bewies, so manchesmal nußer sich gewesen, so manchesmal darüber in mühsam unterdrückten Unwillen gerathen war, sie saß diesmal ganz ruhig, „Wenn, sagt Hormayr, der alte Fürst in seinen später« Tagen sehr redselig geworden, im Kreist sei» ner Vorleser und Oeheimschreiber seiner Zunge freien Lauf ließ, so rühmte er es immer, wie die Kaiserin mit seinem Systemwechsel schon lange einverstanden gewesen sei, wie klug und fest sie aber das Geheim» niß vor den andern Ministern, selbst vor Vartenstein, ihrem Liebling, von dem der englische Gesandte Nobin 5 an einmal bekannt hatte: „Ke i« lrencli nwä," ja selbst vor ihrem Gemahle bewahrt habe. Hatte sie doch die Rolle so gut gespielt, daß sie dem englischen Gesandten mehrmals gute Worte gegeben hatte, er möchte sie doch gegen den rechthaberischen Vartenstein «rileten, daß die Geschäfte fließender gingen und daß ße unausgesetzt in des ganz englisch gesinnten Ministers Nißner in London Philippiken gegen Frankreich grünllich einzugehen schien."

Als die College« mit Ihren Votinmgen endlich imia. wmcen, ergriff Kaunitz, der bis dahin anschei» »ml ganz Interesselose, das Wort. Er ergriff es mit lmer Bestimmtheit und Sicherheit, wiederholte und widerlegte dabei zugleich auch die Gründe der College« «li seinen neuesten Erfahrungen mit einer solchen, »enn schon immer granit» kaltblütigen, doch zugleich schwungvoll siegenden Veredtsamkeit, daß seine Ansicht »ul» sein System auf der Stelle durchdrang. Die Kaiserin erklärte sich jetzt laut und öffentlich dafür im» allerhuldreichft: sie reichte Kaunitz die Hand zum H»ffe und entließ den verblüfften Conferenzrath. Drei Lochen darauf ward das Ministerium geändert: Uh« lefeld ward Obersthofmeister, Vartenftein ward »ls Vicetanzler in die böhmisch «üstreichische Hofkanzlei «rsetzi. Kaunitz ward als Geheimer Haus«, Hof« und Staatskanzler Premier.

Es zeigte sich später, daß der gescheite Kaunitz »ch den wichtigen Gelopunkt in der neuen Allianz »cht unberücksichtigt ließ. Die Subsioien, die Frank« «uh zahl«, waren ungeheuer: sie betrugen nach dem nl der Revolution 17l)3 publizirten Livie inuze in l<» poölf Jahren von 1757 bis 1769 nickt weniger ol» 52.6 5 2,47 9 I^ivre».

W« in den Friedensjahren seit 1748 durch Hang« »itz die inneren Angelegenheiten Oeftreichs centralisirt

Otftllich, VII. 15

worden waren, so centralisirte nun Kaunitz die auswärtigen und stellte auch von dieser Seite die Einheit der Monarchie her, wie sie dort von jener Seite angebahnt worden war.

Früher waren alle auswärtigen Verhältnisse le« Kaiseihofs meistens durch die Reichskanzlei deutscher und lateinischer Erpedition und durch den Reichshofrath besorgt worden. Die adeligen Reichshofräthe waren es, aus denen man gewöhnlich in Oeftreich die Gesandten auswählte. Jedes Neben» reich behandelte seine auswärtigen Anliegen in vollkommener provinzieller Ausschließlichkeit. So troctiit Ungarn seine Geschäfte mit Polen und mit Venedig Böhmen die seinigen mit Sachsen und der Obervfalz Tyrol und Vorderöstreich die ihrigen mit Venedig den evangelischen Cantonen der Schweiz und mit den katholischen Graubünden. Die »leisten oftreichische' Gesandten, namentlich auch die bei den beiden bc freundeten Seemächten England und Holland, wa«i bis zum Utrechter Frieden nur Ministerresidente! und für einzelne bestimmte Angelegenheiten außer ordentlich beglaubigte Botschafter.

So ging im dreißigjährigen Kriege in der Pfilze Angelegenheit der schon oben bei der projectirten Honst erneuerung, den ersten Marineplänen Oestreichs, beiläust! genannte Graf Georg Ludwig von Schwär zenberg nach London zu König Iacobl. Stuar dem Schwiegervater des pfälzischen Bbhmenkönigi Nach der Restauration der Stuart's und seit dem m Ludwig XIV. 1673 ausgebrochenen eisten Franzosen

« ZurückWeiter »