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kaiserliche Kämmerei Ferdinand Graf Herber

stein.

15) Endlich als Eonsul in Cadir fungirte 1732 Jacob von Vermolen.

Der erste östreichische Staatskalende erschien unter Carl VI., nach Schwarzkof etwa zwi schen 172» und 1730. 173« kam er unter dem Titel „Königlicher wie auch Erzherzoglicher und dero Residem Stadt Wien Staats»Calender. Mit einem Schema tismo gezieret" auf 146 S. schmal 8. heraus.

II. Dei Tod tc« letzten halzburgischen Kaiser« Call VI. un» sei, Familie.

Am 10. October I74N kam Kaiser Carl VI. vo ein« seiner gewohnlichen Vbgeljagden am Neusiedle, se« bei abscheulichem Wetter, halb Schnee halb Rege, nach Halbthurm zurück. Er hatte schon Kolik, aß! Oel gebratene Pilze und bekam in der Nacht Erbrecht' Man schaffte ihn nach Wien in dm von ihm erbaut? Sommerpalast, die neue Favorite in der Vorstadt Wide, das heutige Theresianum. Hier stellte sich ein heftige Fieber ein. Bereits in der Nacht auf den 20. Octob« starb er. Er hatte sich, wie er dem päpstlichen Nun tius Paolucci noch bei seiner Geburtstagsgratula tion am 1. October gesagt hatte, schwer über den un glücklichen Türkenkrieg gekränkt. „Ich sterbe. Ve! grad ist mein Tod! Die Schande bringt mich un, Wenn Eugen das erlebt hätte!" Ueber dem Grop vergaß der letzte Habsburger aber auch das Kleine nich Das Haus endete, wie es angefangen: wie Rudolj d« du römisch« Königskrone trug, sein Wams zu

sticken nicht verschmähte, so unterließ auch Carl VI.

nicht für die kleinsten Angelegenheiten seines Haushalts

z» sorgen. Noch vor seinem Tote hatte er genau sei»

»» keichenpomp und seine Tobtcnmefsen bestimmt, für

jeine Lieblingsthiere und für seinen Hofzwerg gesorgt.

Dieser Hofzwerg war der Baron Klein, das söge»

«axnte „kleine Hansel," Carl VI. war der letzte Kai»

ser, der sich einen Narren in der Schellenkappe hielt.

Die Kaiserin Elisabeth hatte ihren Herr» sechs Tage

unl sechs Nächte nicht verlassen. Seine letzten Stun»

ln> widmete Carl seinem Liebling. Dies war sein

E<t»iegeisohn, der stattliche, martialische, pockcnna»

big«, trotz aller Schicksalsschläge immer muntre, aber

«ch fast immer betrunkene und oft sehr brutale Her»

;»z Carl. Carl war der Bruder Herzog Franzens

«»Lothringen und schon in seiner frühesten Iu»

gen» eine höchst originelle Personalität. Seine Groß»

»ntler. die Herzogin von Orleans, sah ihn 1722,

als er zehn Jahre alt war und beschreibt ihn in ihrer

lwlligen Weise: „Prinz Carl ist, was I. G. S. unser

Herr Vater pflegte zu sagen, ein wunderlicher Helliger,

las Maul geht ihm nicht zu und ist allezeit lustig,

l«5oimil-l immer mit seinen Schwestern und recht pos»

nilich, er ist weder hübsch noch häßlich." Er heira»

che« 1744 des Kaisers zweite Tochter Maria Anna,

>« k«um nach Jahresfrist schon starb. Gr war Statthal«

n Ki Niederlande, Hoch- und Deutschmeister und Gene«

l»I>ss«us aller kaiserlichen Truppen. Gr war es, der

>» K, schleflschen Kriegen und später im fiebenjähri«

c.»,.ich. v». 9 gm Kriege die östreichische Armee commandirte, «i der er lauter Niederlagen, zuletzt bei Prag 1757 un' bei Leuthen in demselben Jahre erfuhr, worauf li obenerwähnte sprechende Hof-Carricarur kam. Nir ging Carl in seine Statthalterschaft nach Brüssel zu ruck und starb hier 178l, auch im Tobe noch munie» denn er sagte seinen Aerzten den berühmt gewordene! Calembourg: „^Ilel IU<!88ieul 8, t!li»rle8 »l ten<j," worunter er die t!l,3llalnn8 verbarg. Zwei ganz Stunden lang sprach Carl VI. noch vor seinem Sterbe, mit Herzog Carl, seinem Liebling. Seine älteste Tech ter Maria Theresia, die Erbin seiner Staaten wollte der Kaiser durch den Anblick seines Sterben! nicht erschüttern, sie war eben im fünften Monat mi dem spätem Kaiser Joseph II. in gesegneter Hoff nung, er ließ sich nur im Nette aufheben und spra«! nach dem Flügel der Favorite, den Theresia bnvohu!« Heil und Segen über sie aus mit lauter Stimme un hochemporgehobenen Händen.

Sein ganzes Leben lang war diese älteste Tochio Mari» Theresia der Gegenstand der zärtlichsten Sorg fall Carl's VI. gewesen.

Das Haus Oestreich hatte 1711—16 wieder, nn schon einmal unter Leopold (1668—78), nur au Carl's VI. zwei männlichen Augen gestanden. He Jesuit Pater Tönnemann, der einflußreiche Beicht vater Carl's VI., war vor der Heirath desselben nn Elisabeth von Braunschweig sogleich nach sei' ner Ankunft am Hofe von Salzdahlen beflissen gewesen durch n»ni mitgebrachten Arzt sich zu überzeugen, daß mchl lim der Gesundheitszustand der Prinzessin die VchlM künftiger Unfruchtbarkeit begründe — der VaÄt war zur Zufriedenheit ausgefallen. Dennoch lliei lie Ehe acht Jahre lang ohne Kinder i man ließ lie H«istlin starke Weine und Liquen« trinken, um ße fruchtbar zu machen, sie bekam davon ein hochroch glihenles Gesicht, das sie noch im spätesten Alter hatte, llrft 1716 ward ein Erzherzog Leopold geboren; ü stall aber wieder, entweder weil, wie es damals in Nim hieß, die H» die Amme durch empfindliche Worte ösin« zum Zorne gereizt hatte und - dadurch die Milch ltrtnben worden war, oder weil man den Prinzen, »»chLady Montague, unverständigerweise entwöhnte, 'sM nach einem halben Jahre. Darauf kamen 1717 «1718 die beiden Prinzessinnen Maria Theresia und Maria Anna zur Welt. Vergebens war !<>ll<m alle Sehnsucht Carl's nach einem anderweiten »«milchen Erben. Zwar kam die Kaiserin wieder >" zchgnete Umstände und um ihre Phantasie mit Vor» NunZm »on der Männlichkeit zu erfüllen, mußten Üch die besten Maler abmühen, in den Schlafgemächern wstlben, in der Burg, in der Fauorite, in Laien» -uiz noiische Bilder zu malm, Carl VI. ließ sich so» M, weil in Böhmen die wunderliche Sage ging, nur ^ gesalbter und gekrönter König könne männliche Nr« ^erzeugen, in Prag salben und krönen, aber das ^, welches die Kaiserin bei dieser Krönung unter °"> Herzen trug, ward dennoch eine Erzherzogin

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