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in, « gemacht. Darauf hörten auf einmal alle anderen Gewinne auf und die Lotterie verlor den Cre» lu, nur „die Treuherzigen" spielten noch fort. Da« ltiiserliche Patent vom 23. April 1731 versicherte zw«, daß der Monarch die Summe, die er als „eine Uebermaaß supponiret," den „treuherzigen Interessenten" aus eigenen Mitteln, „wie es immer der Justiz gemäß ist," zurückerstatten werde. Der Bescheid Rom. Kais. Maj. vom II. Juli 1734 bedeute« aber die.Interessente», „littiune derer vor» h»ndenen Kriegszeiten sich in denen Umständen der Zeit st fügen." Und zuletzt sprach Varten stein von Versprechungen des Kaisers, wie Vartolus und Valens: „dieses seien Decrete der Gnade, nicht der Justiz, und man brauche sie nicht zu halten." Ganz zuletzt wurden den Interessenten 3 U p. L. zugestanden, binnen zehn Jahren zu zahlen, mit lausenden Zinsen zu 4 p. <^>

Wie der englische Adel, der so stark Profit zog wie der öftreichische, nur von fremden, nicht einheimischen Treuherzigen, auf die in Schlesien dargebotenen guten Bedingungen hin dem Herrn vonOestreich zu borgen ganz bereit sich erzeigte, ergiebt sich aus einer Rotiz in den I^ellre8 Iiizwiique» U»r8 1706, wo berichtet wird, daß die englische Anleihe durch Unter« zeichnungen zu Stande kam: der Lue 6e N»rl> lioroußn, der Klügste unter den klugen Leuten der 3nsel, stand an der Spitze mit 1«,NU<1 Pf. St. Die Engländer erreichten mit dieser Anleihe einen gedoppelten Zweck, einmal: die guten Interessen und dann: den rüstigen Betrieb des Kriegs in Italien. Sie sahen sich nämlich ganz wohl vor, daß das Geld zum Kriege verwandt wurde: der Kaiser mußte die Rimessen aus England ausdrücklich nach Italien direct machen zu lassen versprechen.

Noch fehlt ein wesentliches Element in diesem Chaos der Hofzustände Wiens: der Hofbettel. Er schrieb sich aus den Zeiten Kaiser Leopold's her^ der geradezu aus Bigotterie ihn zuließ. Der sehr wohl von den Wiener Zuständen unterrichtete Altdorfer Professor Rink läßt sich in seinen zu Anfang vorigen Jahrhunderts erschienenen Lebensbeschreibungen Leopold's und Ioseph's l. (der aus freilich sehr wohlfeiler olympischer Großmuth noch freigebiger als sein Vater war) darüber so aus:

„Gegen die Armuth zeigte der Kaiser Leopold so viel Liebe und in derselben Veständigleit und Geduld, daß es kaum die Nach well glauben wird, wenn man ihr die davon gehabten Begebnisse vorlegen sollte. Es theilen sich die Bettler in Wien absonderlich in zwei Classen ein, in die sogenannten Audienzbrüdcr und in die gemeinen Bettler. Die Audienzbrüder sind Leute von guter Herkunft oder doch, die sich davor ausgeben; solche nehmen bei dem Kaiser Audienz, tragen ihm ihren elenden Zustand vor und empfangen aus seiner freigebigen Hand eine Beihülfe, so nach Beschaffenheit in hundert, fünfzig, fünfundzwanzig und auch ein Dutzend Ducaten beruhet. Der Kaiser, so bei allen Audienzen an dem Tische stehet, hat diese Ver»

«hrungen, wenn er dergleichen Leuten Audienz ertheilet so gemeiniglich zweimal die,'Woche geschieht, in Papier gewickelt vor sich liegen, und theilt sodann nach Be» finden aus. Man zählt manchmal in einem Tage et« liche zwanzig, so Audienz nehmen, worunter >sich so viele Unbescheidene befinden, daß man sich über ihre Verwegenheit so sehr, als über de« Kaisers Ge« dul» verwundern müssen. Als einer für dem Kaiser kniete und einen Scharmüzel (so werden die Papiere, worin man die Ducaten wickelt, genannt) empfangen hatte, meinte er, dieses wäre seiner Bedürfnis» nicht hinlänglich genug, griff also selbst aus den Tisch und lolle sich noch einen und entschuldigte sich, eaß man lei Gott und dem Kaiser ohne Scheu bitten dürfte. Wenn solche Leute das Empfangene vcrthan, kamen fie wieder und der Kaiser ward so wenig müde, seine Hand zum Almosen, als zum Gebet auszu« strecken. Es wurde ihm einmal eine Lifte derjenigen, so das kaiserliche Almosen übel angewendet, übergeben, worüber er aber nur diesen Bescheid crthciltc i „Die« jenigen, so diese Liste gemacht, haben ihre eignen Fehler hineinzusetzcn vergessen. Ich weiß schon, was ich thun soll."

„Die andere Art von Bettlern sind die öffentlichen Gassenbettler in Wien. Diese hatten eben so viel Theil an der Liebe bei dem Kaiser, als die ersten. Niemals fuhr er aus, daß' er nicht einen großen Eack mit Sicbzehnern (Viertelgulden) in die Kutsche setzen ließ und einem jedweden mit eigner Hand davon austheiltc. Hierbei ward cr manchmal so in die Enge getrieben, daß die Pferde nicht fortfahren konnten, und weder Kammerherren noch Trabanten durften sich unterstehen, das Volt wegzutreiben. Sie waren einmal dergestalt imiiurtlin, daß sie auch die Kristallscheiben an der kaiserlichen Kutsche entzweistießen. Als der dabei stehende Kammerherr sie wegtreiben wollte, sagte Leopold: „Er sollte die Leute in ihrem Almosen nicht hindern, er wolle die Kutsche schon wieder machen lassen." „Es war mit unter denjenigen Sachen, welche der sterbende Kaiser Leopold dem König Joseph anbefahl, daß er das Armuth mit dstreichischem Mitleiden stetig ansehen sollte. Er hat diesen Befehl in solcher Vollkommenheit ausgeübt, daß die Bettler von allen Sorten sagen konnten, Leopoldus sei nicht gestorben. Die »iili camera zu Ioseph's Zeiten war fast noch voller von dergleichen Leuten als zu Leopold's Zeiten. Der Krieg machte keinen Einwurf der Ersparung, denn das ostreichische Mitleiden gegen die Armen läßt sich auch in den schwersten Zeiten nicht Ginhalt thun; solchergestalt pfleg« der Kaiser iifters in einer Audienz viele Pakete mit 50, 10U, 2N0 Ducaten auszutheilen. Wobei seine Gnade so groß, der er auch keinen Unterschiev zwischen den Nationen machte, und so gar vielen Franzosen, die sonst alle Verachtung gegen Deutschland, ohne gegen dessen Geld, haben, den Unterhalt ertheilte. Die mehrstcn von diesen Leuten waren Neapolitaner und Spanier, welche aber der kaiserlichen Gnade desto würdiger, je mehr sie in den feindlichen Ländern an Gütern und Glück, des Kaisers Partei wegen, verlassen müssen, und mußten dich ehrliche Leute nicht als Vetllei, sondern um da« Haus Oeftreich verdiente Männer, welche mit Recht iblm Unterhalt fordern konnten, angesehen werden. Unter diesen befanden sich viel hergelaufene und unnütze Pfaffen." Rink erzählt mehrere Beispiele der größten Unverschämtheit von diesen französischen, spanischen und italienischen» Audienzbrüdcrn: wie der Kaiser einmal einem französischen Marquis, der immer und immer wieder vorgekommen sei, endlich zugerufen habe: „ll s«ul mengF«s!" — wie ein paar italienische Pfaffen dem Kaiser ein anderesmal im Vorbeigehen zugerufen: „Tollen wir denn in diesem Lande verhungern? Zum wenigsten helft Ihre Kais. Maj., daß wir wieder »ach Italien kommen", worauf Joseph jedem zwölf Spe» ciesducaten — gerade so-viel, als der Vetturin nach Venedig kostete —, ausgezahlt habe mit den Worten: ,,^<3iu mm » rivelierei, 3n<i»t«vene e pon z>en3«te «I rilorna!"

„Es wird, fährt Rink fort, vom Kaiser des Jahrs auf diese Leute verwendet, daß es eine unsägliche Summe austrägt: daher auch einige Minister dem Kaiser gerathen, er möchte lieber diese Almosen in Pensionen verwandeln, da denn einer, der 2 — 3UU Gulden des Jahres bekäme, sein Leben darnach einrichten könne; andern verdienteren tonnte man sodann mit Mehreren: unter die Arme greifen; der Kaiser selbst auch würde von so vielen unnützen Audienzen verschont bleiben. — Allein das Haus Oeftreich will selbst Arme sehen und mit >hnen reden, damit es über deren Elend desto mehr

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