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deren Schilderung zu Stande gekommen, nach Verfluß von einer bis zwei Minuten kam ihr das Gesicht zurück und sie sah bald alles wieder, was sie umgab, so klar wie zuvor. Nach etlichen Minuten kam es wieder so, der ganze Verlauf wiederholte sich einige Male. Es war nichts anderes, als Fluktuationen in der Fähigkeit, Odlicht zu sehen, die wie Fluth und Ebbe hin- und hcrschivankten, Jntermittenzen in den sensitiven Zuständen. (Wir werden später der Ursache hieven näher kommen, hier will ich nur die That» fachen aufstellen, die ich beobachtet habe.) Diese Erscheinungen wiederholten sich in der Folge bei Frl. Atzmannsdorfer s"". '«) noch sehr oft. Sie waren nicht immer von gleicher Stärke, sondern hatten ihre Abstufungen und bildeten zum Theil nur Remittenzen. Im Anfange, wo die Sensitiven noch nicht sehr lange in der Finsternis; verweilt hatten und das Sehen noch wenig ausgebildet war, waren die Jntermittenzen vollständig, namentlich bei Hrn. Alois Sickels""), Alexander Baumanns"), Ritter von Neuwalls'"), Prof. von Perger s"), vr. Tillich s"), Hrn. Klein s'"), Hrn. Gustav Anschiitz s"°. "'), Dr. Goldbergs"), Kotschys"), vr Nieds"'), vr. Kollers'"), Medicinalrath Eccards"), Ritter von Siemianovöki s"), Graf Karl von Coronini >'">), Hrn. Nabels), Baron von Oberländer s"), Prof. Endlicher s"). Fichtner s'"), Tirka s". "), Rabe s"), Pauer s"), Freiherr von Schindler s"), Weidlich s'°), Frau Baronin von Tessedik s"), Frl. Kvnasts"), Frl. Pauers"), Josephine Geraldini s"), Frau von Vivenot s'°), Frau Heintl s"), Auguste vonLittrow s"), Sophie von Ossenheims'), Gabriele von Neuwall s°); sie sahen Kein, Eintritt der Jntermittenzen nichts mehr, es ward ihnen vollständig finster vor den Augen. Bei minder Sensitiven wurden sie nie anders und blieben, wenn die Beobachter auch lange im Finstern verweilten, immer vollständig dunkel, z. B. bei Hrn. Prof. Huß s^), der sehr oft von ganz finstern Jntermittenzen unterbrochen wurde, bei vr. Friedrich s"), vr. Fröhlich s'), Stephan Kollar s") u. a. Bei mittel und höher Sensitiven nahmen diese Störungen in dem Maße ab, als sie länger in der Finsternis; verweilten, so bei der Frau Baronin Maria von Augustin s">, welche im Ansänge sehr viel von Unterbrechungen betroffen wurde, nach einer Stunde ließen sie schon um vieles nach, traten seltener ein, wurden kürzer und nach Verfluß wieder einiger Zeit hörten sie ganz auf; ferner bei Frau Joscphine Fenzl s"."), wo sie anfangs häufig und vollständig waren, beim Verweilen im Finstern aber allmählig ganz aufhörten, bei Hrn. Hochstetter (^'), vr. Low s"), Enter s") u. a. Endlich gingen sie nach einigen Stunden der Geduld in der Dunkel» kaminer in bloße Remissionen über, bei denen nicht mehr Finsterniß vor die sensitiven Augen trat, sondern nur noch ein Nachlassen in der Helle und Klarheit der Lichterscheinungen, ein Wogen von bald mehr bald weniger Lichtwahrnehmung; dieß wurde oft gegen das Ende der Arbeiten beobachtet von Hrn. Hochstetter s"), Stephan Kollars"), Kotschy s"), Gustav Anschützs'-),

vi-. Nieds'"), Prof. Endlicher l"), Frl. Geraldini Atzmannsdorfer P^'ppe s"). — Ein sehr vollständiges Beispiel von allem dem gab der Tischler Klaiber s". bei welchem während einer vierstündigen Arbeit in der Dunkel» kanimer ein beständiger Wechsel von Sehen, Hellsehen, Dunkelfehcn und gar nicht Sehen statt hatte, letzteres oftmals so, daß vollkommene Finsternis! über ihn kam, die man geradezu sensitive Blindheit nennen könnte. Diese Zustände wechselten ohne Unterlaß bei ihm, häusig in Pausen von wenigen Minuten. — Bei Frl. Zinket kam es oftmals vor, daß sie die Odflam» mcn an ihren Fingern einen bis drei Zolle lange ganz rein und klar sah. Mit cinemmale wurde diese trübe und rauchartig; aber nach kurzer Weile, nach einer Minute kehrte die Klarheit zurück, der Rauch wurde in ihren Augen wieder rein flammenarlig. Dieß war eine Rcmittcnz. — Nicht die Menstrualionszeiten waren hicvon ausgenommen, auch sie erzeugten sehr ausgesprochene Jntermittenzen und Nemittenzen. — Selbst bei dem merkwürdigen Sensitiven, dem blinden Tischler Bollmann (§. 326) blieben sie nicht aus. Der gestaltlose Lichtschein, der ihm durch seine zu Grunde gerichtete Linse nah bis zur Netzhaut drang, ward in denselben Intervallen und mit denselben Umständen von Odlichterscheinungen helle, dunkel und wieder helle, wie bei Sensitiven von gesunden Augen. — Uebcrraschend end» lich fand ich die Jntermittenzen bei Frl. Beyers'") im somnambulen Zustande; sie klagte oftmals, daß sie einen Gegenstand, den sie eben ganz klar vor sich gesehen, plötzlich nicht mehr sehe und er ihr in Nacht versinke, bald darauf aber eben so schnell wieder erscheine und sie ihn wieder eben so klar erschaue. Dieß waren offenbar Jntermittenzen während der Andauer des Somnam» bnlismus.

Ueberall also und unter allen Umständen finden bei den Sensitiven, wenn sie im Finstern Odlicht schauen, Remittenzen und Jntermittenzen in Beschauen ihrer Gegenstände statt, und wer bei Versuchen dieser Art darauf stößt, darf dieß nicht als eine zufällige Störung betrachten, sondern muß es als den Eintritt der Regel nehmen, die nicht ausbleibt. Wie ich bei physikalischen Arbeiten ihren störenden Einflüssen vorbeugte, werde ich weiter unten zeigen.

H. 1661. Eine bemerkenswerthe Erscheinung sind die Täuschungen über die Entfernung der leuchtenden Gegenstände, denen die Sensitiven, besonders die Neulinge in der Dunkelkammer, öfters unterliegen. Einzelne Leuchten scheinen ihnen näher oder entfernter zu scyn, als sie es wirklich sind. Frl. Beyer s'") und Tischler Klaiber s") sahen geriebenen Draht in fingerdicker Leuchte vor sich. Ungeachtet er aber in Brusthöhe vor ihnen sich befand, so meinten sie dennoch beständig, sie sehen ihn auf dem Zimmerbodcn liegend, und behaupteten dieß so lange, bis ich sie durch Betastung vom Gcgenthcil überführte. — Die Ursache liegt in der überaus schwachen Leuchte des Odlichtcs, wodurch der Beobachter verleitet wird, es für entfernter zu Kalten als es wirklich ist.

II. Stärkungen und Schwächungen des Sehvermögens.

1) Nüchternheit und Magenbeladung,

H. 1662. Frühe schon (H. 1522) mußte ich die Beobachtung machen, daß die Sensitiven zu verschiedenen Tageszeiten nicht in gleichem Grade reizbar sind für odische Einwirkungen, und daß sie Nachmittags viel weniger empfindlich sind als Vormittags. Bald sollte ich Gelegenheit bekommen, zu erfahren, daß dieß nicht bloß für das Gefühl gilt, fondern in ganz ähnlicher Weise auch für die Gesichtseinwirkungen. Frau Cecilie Bauer s") führte ich Abends in die Dunkelkammer und fand sie nicht ebenso stark odsichtig, als ich ihrem reizbaren Gefühle nach erwartet hatte. Als ich sie am andern Morgen wieder in die Finstcrniß gebracht hatte, sah sie alles Odlicht bei weitem besser, ja einzelne bestimmte Leuchten doppelt bis dreifach größer als am Abende zuvor. — Ebenso ging es bei Friedrich Bollmann l°'); Nachmit» tags und Abends war er ziemlich unempfindlich; als er aber am andern Morgen ins Finstere gebracht worden war, erkannte er die odischen Leuchte» schnell und bestimmt. — Bei Frau Kienesberger, Fräulein Atzmannsdorfer, Reichel, Beyer wiederholten sich diese Erscheinungen und es zeigte sich, daß nicht die Tageszeiten an sich die Schuld davon trugen, sondern die periodisch-regelmäßigen Mahlzeiten. Jmnicr waren die Sensitiven vor der Mittagsmahlzeit reizbar in der Dunkelkammer und gut odsichtig, und immer waren sie stumpf und wenig sehend nach der Mahlzeit. Frl. Zinkel brachte ich zum ersten Male Abends in die Dunkelkammer und war erstaunt über ihr schwaches Gesicht für Odlicht, das in gar keinem Verhältnisse stand zu ihrer Gefühlsreizbarkeit für Od. Magnetlicht sah sie gar nicht und Kryftalle nur schwach und wolkig. Den folgenden Tag nahm ich sie frühe und noch ehe sie ein Frühstück zu sich genommen hatte, wieder ins Finstere: nun war es ganz was anderes; jetzt sah sie alle Odlcuchten mit erfreulicher Klarheit und Stärke; Dunst, Funken, Gluth, Flamme unterschied sie jetzt so gut, als ihre besten Vorgänger in der Dunkelkammer. Bei andern Versuchen mit ihr s"'.^gab sich, daß wenn sie Abends eine Odausströnmug von bestimmten Krystallen halbfingerlange gesehen hatte, sie diese am andern Vormittag nach eingenommenem Kaffee einen ganzen Finger lang sah; war sie aber am dritten Tage nüchtern in die Dunkelkammer genommen worden, so gewahrte sie dieselbe Ausströmung anderthalb Finger lang. Aehnliche Versuche stellte ich mit Tischler Klaibcr und mit Frl. Beyer mit fast ganz gleichen Erfolgen an. — Prof. Endlicher und Prof. Huß waren Abends so

schwach sensitiv, daß ich es gar nicht wagte, sie ins Finstere zu führen; als sie aber bei mir übernachtet hatten und Morgens sich des Frühstücks enthielten, sahen beide Odlicht recht gut, ersterer besonders mit großer Stärke. Diese Erfahrungen kamen bei mir so oft vor, daß es zur Uebung geworden ist. Niemand nach eingenommener Mahlzeit zu Odlichtvcrsuchen zu führen, sondern immer nur bei nüchternem oder fast nüchternem Magen.

Magenbeladung undVerdauungsgefchaft im Leibe schwächt also die sensitive Reizbarkeit der Sinne, wie des Gefühls, so auch des Gesichts, das heißt wohl, stimmt die Empfänglichkeit des Gehirns für odische Eindrücke herab.

2) Sitzen und Stehen.

H. 1663. Mehrere Sensitive, unter ihnen Frl. Zinkel^"), pflegten vom Sitze aufzustehen, wenn sie etwas zu betrachten hatten, von dem ich sehr genaue Rechenschaft verlangte. Sie bemerkten, daß ihre Sehkraft fühlbar weiter reiche, wenn sie stehen, als wenn sie sitzen; Unterschiede, die sie mir sitzend nicht anzugeben vermochten, bestimmten sie mir, wenn sie standen. Dabei saß und stand sie mit dem Rücken gegen Nord gekehrt. Einen weißen Phlox, eine roth und gelbe Cajophora erkannte sie nur stehend nach Farben; sowie sie sich setzte, vergingen ihr die Farben wieder; stand sie auf, so erschienen sie abermals.

3) Bewegung im Freien.

H. 16K4. Gegen ihre Gewohnheit, die in der Regel nur im Haufe arbeitet, hatte Frl. Zinkel s"') sich einen Tag lang unter freiem Himmel beschäftigt. Ich war begierig, die Wirkung davon auf ihre Sehkraft kennen zu lernen und nahm sie gleich am folgenden Morgen in die Dunkelkammer. Es ergab sich, daß sie auffallend herabgestimmt war und daß sie die odifchen Rcgcnbogenfarben kaum zu unterscheiden vermochte. — Doch will ich auf diesen Versuch, da er nur vereinzelt steht, vorerst kein Gewicht legen.

4) Ennüdung.

tz. 1665. Wenn die Sensitiven längere Zeit in der Finsterniß den Beobachtungen obgelegen haben, um welche ich sie bat, so habe ich oftmals bemerkt, daß ein Zeitpunkt eintritt, wo ihre Wahrnehmungen schwächer werden und ihre Sehkraft abnimmt. Dieß ist der Zeitpunkt, wo ich gewöhnlich die Arbeit abbreche; ich betrachte ihn als den Eintritt der sinnlichen Ermüdung, wo die Reizbarkeit zu sinken beginnt (Fenzl '°).

5) Nach gutem oder schlechtem Schlafe,

ß. 166«. Wenn sensitive Personen in der Nacht, bevor ich sie in die Dunkelkammer führte, gut geschlafen haben, so ist dich immer für mich ein ungünstiges Vorzeichen. Wenn ich Morgens von der Frl. Zinkel oder Atzmannsdorfer erfahren hatte, daß sie gut geschlafen, so konnte ich sicher sehn, daß sie in der Dunkelkammer nicht besonders gut sehe» würden. Da sie als Sensitive ohnehin immer sehr unruhig schlafen, so sagte mir Erstere eines Morgens, daß sie s'") in der verflossenen Nacht nur dreimal aufgemacht sey; dieß nannte sie eine sehr gute Nacht, da sie sonst unzähligcmale aufwacht. In letzterem Falle fühlte sie den ganzen Tag über alle sie umgebenden Gegenstände und Personen nach allen ihren Polaritäten und Eigenthümlichkeiten viel weiter und stärker, als nach gutem Schlafe. Und so war es denn auch mit ihrem Gesichte, als ich sie in die Finsterniß brachte; sie sah an jenem Morgen um vieles schwächer, .als an andern Tagen. Diesen Umständen nach weiß sie es immer genau voraus, ob sie an irgend welchem Tage zu Beobachtungen von Odlicht gut geeignet ist, oder nicht.

Einsmals war ich Abends mit Frl. Zinkel s"') in der Dunkelkammer mit Versuchen beschäftigt, wobei sie gute Sehkraft bewies. Zufällig wurde ich abgerufen und mußte sie einige Zeit allein lassen. Da dieß länger dauerte, als ich verniuthet hatte und sie in der Finsterniß ohne Beschäftigung saß, schlief sie auf dem Sofa ein und lag so wohl über eine halbe Stunde. Als ich wieder kam und die Arbeit fortsetzen wollte, fand ich ihre Sehkraft so sehr herabgestimmt, daß ich das Geschäft für diesen Tag endigen mußte. Der kurze Schlaf hatte solchen Einfluß auf sie gewonnen, daß er ihre sensitive Reizbarkeit ganz bedeutend verringerte.

Z. 1667. Wenn ich in der Dunkelkammer einige Zeit neben B. Blahusch ("1 saß, meine Rechte neben ihrer Linken, so wurde sie von Schläfrigkeit befallen, nach oben entwickelten Gesetzen; sobald dieß eintrat, verringerte sich ihr Sehvermögen, es wurde dunkel um sie her. Schon die bloße Schläfrigkeit also reichte hin, ihre Sehkraft bedeutend herabzustimmen.

Indem also nicht blos guter Schlaf, sondern der Schlaf überhaupt das allgemeine Befinden der Sensitiven zeitweilig bessert, vermindert er ihre Senfitivita't und dieß kann uns vorläufig als ein wichtiger Fingerzeig zur Beurtheilung der Natur dieses Nervenzustandes dienen.

6) Die Katamenien,

H. 1668. Die Periode der Menstruation ist von dem größten Einflüsse aus die ndische Empfindlichkeit, ich habe dessen für die Gefühle schon oben

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