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greise Kaiser Friedrich zum Zeichen seines Gelübdes einer zweiten Fahrt gegen die Heiden sich das Kreuz auf sein Gewand heften ließ, da durften seine Getreuen, selbst die nicht zurückbleiben, die schon einmal in Syrien gewesen.

Wie hehr die Sache des heiligen Landes auch in den Waldstätten zur Zeit des heil. Bernhard das Volk ergriff, sagen uns nicht blos der Jahrbücher von Engelberg kurzgefaßte Berichte zum Jahre 1147 (J. E. Kopp Geschbl. 1,155), sondern auch ein leoninischer Vers auf der Glocke der Kapelle zu St. Niklaus Jn-Bänken. Eine Stunde über dem Flecken Tarnen, an der Straße in's Melchthal, steht obgenanntes Gotteshaus, geweiht dem heil. Bischof Niklaus von Mira, der jährlich unsere liebe Jugend, wohl seit den ersten Zeiten des Christenthums, so reichlich für gehaltene Andachten beschenkt. Der Sage nach ist diese schöne, zwei Mal umgebaute Kapelle die älteste Kirche im Thale zu Obwalden.

Der Thurm, in welchem ein im zwölften Jahrhundert gegossenes Glöcklein seine helle Stimme erschallen läßt, vom Volke der Heidenthurm genannt, steht abgesondert neben der Kirche und überblickt das ganze Thal vom Kaiserstuhle bei Gyswyl bis hinab an den See der Vier-Waldstätte.

Die Rundbogen der Oeffnungen und der felsenfeste Mörtel am Thurme zeigen uns sein hohes Alter an, das mit dem Kirchthurme zu Stans (abgebildet im neunten Bande des Geschichtsfreundes Tafel 2) wetteifernd, keinerlei heidnische, d. h. römische Spuren an sich trägt

') Bekanntlich sind Kirchthürme aus dem eilsten und zwölften

Des heil. Bernard von Clairval Feuereifer, der sich beinahe über alle Kirchen ausgebreitet hatte, ergriff das fromme Völklein des obern Thals in Nidwalden; auch da, bei dem Kirchlein St. Niklaus, wurden Kreuzpredigten gehalten, die so zahlreich besucht waren, daß der Raum des Gotteshauses die Zuhörer nicht fassen konnte, sie also nöthigte, sich auf den Bänken niederzulassen, die man in der Umgebung des Thnrmes aufgeschlagen hatte. Die Umschrift des ältesten Glöckleins im s. g. Heidenthurme sagt uns, das Glöcklein solle verkünden das heilige Gesetz, d. h. die Christenlehre, und von hoher Spitze die heilige Stätte (das Grab unsers Erlösers in der Hand der Ungläubigen) betrauern*).

Wie beim ersten Kreuzzuge, an dem unsere Gegend unter Kaiser Konrad Theil nahm, so war auch der Zudrang nun, als Kaiser Friedrich I. sich zur Fahrt nach Syrien vorbereitete, nicht geringer; denn wer mit dem alten Helden in Welschland gestritten, der wollte ihn auch in's heilige Land geleiten. Arme und Reiche veräußerten Güter, um den Kreuzzug mitzumachen. (Diplom Kaiser Friedrich's II. «uillim. Usbsb. 289. Tschudi I, 112.)

Jahrhundert selbst in Städten bei uns große Seltenheiten. In einem stillen AIvthale, beinahe eine Stunde von Kerns, einem alten Krolingischen Hofe, entfernt, muß eine solche Baute ihren Ursprung einer volksthümlichen Frömmigkeit und ihrer dazu geeigneten Lage danken.

>j» Lsnetsin cks legem. Lsvetuin loeum s eulinine lugem." Vor kurzen Tagen hat unser Kirchenblatt die etwas schwierige Inschrift noch als unauflösbar erklärt. Umfang des Glöckleins bei der Inschrift etwa 40".

Albert III., Graf zu Habsburg und Landgraf im Elsaß, wird kein unbedeutendes Häufchen Streiter nach Regensbnrg geführt haben*), wo man im Kreuzheere Kaiser Friedrich' s 20,000 Ritter zählte.

Als im Jahre 1190 Kaiser Friedrich's Heer vor Byzanz lagerte, mag unser Graf Adalbert von Habsburg, als einer der Abgeordneten an den Hof zu Byzanz, mit Kaiser Jsaak Angelo dem Comnenen bekannt geworden sein (vsnclslo 314). Kaiser Friedrich's Gesandtschaft vermittelte einen Friedensvertrag zwischen beiden Kaisern und wurde vom Herrscher des oströmischen Reiches (nach damaliger Sitte mit Heilthum) reichlich beschenkt. Jm Jahre 1190, den 22. Juni, schwor Graf Johann Friedrich Gonzaga für den abwesenden Grafen Adalbert III. von Habsburg die Eidesformel als Ritter des St. Georgs-Ordens in die Hand des Kaisers Jsaak Angelus, welcher diesen Orden nur für Fürsten gestiftet hatte. So sehen wir die fürstliche Würde des Hauses Habsburg schon im zwölften Jahrhundert, 83 Jahre vor der Erhebung König Rudolf's von Habsburg auf den Thron Deutschlands, am stolzen Hofe der Comnenen anerkannt.

Die Abwesenheit des Grafen Adalbert von Habsburg in diesem Kreuzzuge muß sich lange verzögert haben; während dieser Zeit kam sein Sohn, der vom mütter

') Luillimsnn UsbsK. Vl, 228 läßt deu Grafen von Habsburg mit dem Herzoge von Zäringen diese Fahrt zur See machen? Dies wird schwer zu erweisen sein, eben so dessen Angabe von Hilfeleistung Graf Adalbert's von Habsburg t t9l im Kriege Herzog Berchtold'S gegen die Bergleute.

lichen Großvater benannte Graf Rudolf von Habsburg, bereits als Verweser der Landgrafschaft 1196 vor, wie m?s ein Lehensbrief Abt Arnold's von Murbach deutlich nachweiset.

Die Kastvogtei des in den Waldstätten und um Lueern reich begüterten Klosters Murbach, die offenbar schon in den Tagen Abt Arnold's in der Hand der Habsburger war, füllte im Netze der Grafschaften Zürichgau und Aargau manche immune Masche aus und rundete die fürstliche Gewalt des Landgrafen mit hohen Gerichten und Oberlehensherrschaft über mächtige Herren, z. B. die Freiherren von Rotenburg-Wolhusen, Vögte in Lucern und einigen andern Höfen, ab.

Nach seiner Heimkehr beschenkte Landgraf Adalbert von Habsburg sein Hausstift Muri mit Reliquien, die in einem Elephantenzahn (einem f. g. Reliquienhorne — nicht Jagdhorne) geborgen waren. Die Jnschrift dieses noch vorhandenen Alterthums trägt die Jahrzahl 1198. (Siehe ?ricll. Kopp vinck. «ct. mur. XXII, 281.)

Um dieselbe Zeit erlaubte unser Graf Adalbert von Habsburg einem seiner Diener, dem Ritter von Seon *) ein zu Gunzwil liegendes Gut an Propst und Kapitel von Beromünster, die der Graf seine guten Freunde nennt, zu veräußern. Auch dem Kloster Kreuzlingen bei Constanz ließ der Graf durch seinen Sohn Auflaßbriefe für Güter machen, die von seinen Dienern an Kreuzlingen vergabt wurden und an der Donau, im einstigen

') „cke Isen«, was wohl irrigerweise vom See und auf Hertenstein gedeutet wurde.

Gebiete des Grafen von Pfullendorf, lagen*). Wir sehen den glücklich aus dem Kreuzzuge heimkehrenden Grafen mit großer Milde für Klöster auftreten; es würde dazu passen, daß er auch an Engelberg das herrliche Reliquienkreuz geschenkt habe, welches, byzantinische Arbeit dieser Zeit verrathend, noch heute den Kirchenschatz dieser ehrwürdigen Abtei schmückt. Jedenfalls sind die genauen Angaben über den Tod Kaiser Friedrich's I. in den Annalen Engelbergs von einem Augenzeugen, der mit dem Grafen von Habsburg den Kreuzzug machte In seinem Namen fertigte sein Sohn Rudolf 1199, den 26. Februar, als Kastvogt Murbachs, eine reiche Verleihung von Alpen an Engelberg, die daher auch mit Graf Adalbert's III. Siegel versehen wurde.

Den 25. November 1199 schloß unser Landgraf Adalbert III. von Habsburg sein für das erlauchte Haus so segenreiches Leben und ließ nicht nur einen schon genannten Sohn Rudolf den Aeltern, sondern auch zwei Enkel nach sich, welche Adalbert und Rudolf getauft waren.

Der beschränkte Raum dieser Abhandlung verbietet uns das so mächtig erweiterte Erbe ausführlich darzustellen, welches Landgraf Adalbert III. erworben. Die alten Gaue waren, wie bemerkt, bei uns durch Stif

') Herrn Dekan Pnpvikofer's Negesten Kreuzlingens Nr. 2« und 21, welche hier ganz abgedruckt werden. Beil. 2,

'*) Engelberg im zwölften und dreizehnten Jahrhundert, Lueern 1846 p. 42 und 43, Regest 19.

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