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Adalbert III. von Habsburg,
Landgraf im obern Elsaß.

Dieser, ein Sohn Graf Wernher's III., begründete die Fürstenmacht seines Hauses.

Graf Adalbert III. begegnet uns das erste Mal 1153 zu Zürich, nennt sich ein Sohn Graf Wernher's von Habsburg und steht mit Graf Wernher von Baden (-Lenzburg) so vor uns, daß wir annehmen dürfen, dieser sei seiner Mutter *) Bruder, was eine zweite zu Bochheim ausgestellte Urkunde bestätigt.

Jm Jahre 1168, nachdem Graf Wernher III. von Habsburg erloschen sein mochte, erscheint Graf Adalbert von Habsburg als Kastvogt des Klosters Muri.

Jm Jahre 1173 waren sämmtliche Grafen von Lenzburg und Baden gestorben, somit ihre zahlreichen Reichslehen dem Kaiser heimgefallen. Kaiser Friedrich l. kam den 20. Februar obigen Jahres in den Aargau, um diese Angelegenheit zu ordnen. Nicht nur im Gebirge, wo seit alten Zeiten die unbewohnte Wildniß als Reichsgut angesehen und an Edle und Kirchen verliehen wurde, sondern auch im fruchtbaren Gaue der Aare waren viele Güter der Lenzburger Reichslehen; die auf Reichsboden erbaute Lenzburg selbst wurde vom Kaiser als heimgefallenes Reichslehen eingezogen und seinem Sohne Otto verliehen. Die Grafschaft im Aargau mußte vom Kaiser ertheilt werden, eben so die

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im Zürichgau, wozu das Gebiet in den Waldstätten selbst Unterwalden gehörte*).

Graf Adalbert von Habsburg war mit Jda, einer Tochter des Grafen Rudolf von Pfullendorf, vermählt, welcher, ohne männliche Nachkommen, seine Güter in Schwaben dem Kaiser zu hinterlassen gedachte. So mußte Friedrich der Rothbart mit dem Sohne seines treuen Lagergefährten, dem Grafen Adalbert III. von Habsburg, der als ein Miterbe der Lenzburger und zukünftiger' Erbe des Grafen Rudolf von Pfullendorf weitläufige Besitzungen anzusprechen hatte, sich abfinden.

Zweifelsohne geschah dies auf der Lenzburg; obwohl ein Vertrag darüber nicht auf unsere Tage gekommen, sehen wir aus dem Besitzstande späterer Zeit den Grafen von Habsburg als Besitzer in der Grafschaft Baden, so wie der Reichslehen und Allode, welche diese badische Linie der Lenzburger in Zug und um den See der Waldstätte gelassen, wo nur zum geringen Theile noch die Grafen von Froburg auch als Landesherren sich blicken lassen.

Eine Menge lenzburgischer Allode, zu denen auch die Kastvogtei über das Chorherrenstift Beromünster gezählt wurde, gingen durch eine Erbtochter an das Haus der Grafen von Kyburg über.

Unter den Erwerbungen Graf Adalbert's III. von Habsburg aus dem Erbe von Lenzburg steht die Grafschaft über den Zürichgau und Aargau oben an. Früherware n die Lande im Gebirge, als spärlich bevölkerte

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Thäler, als s. g. Wildniß, in welcher sich nach und nach die Könige Höfe anlegten, weder zum Zürichgau noch zum Aargau gehörend, wie im Berner Oberlande selbst die mächtigen Zäringer im Gebirge Nichts zu gebieten hatten*), sondern die alten fränkischen Königshöfe, wie z. B. Hasle im Grund und Frutigen zu unmittelbar unter der Krone stehenden Gemeinwesen, s. g. Reichslanden, ausbildeten. So war es auch in Schwyz, wo ein solcher Hof oder mehrere bestanden; aber die allgemeine Hebung fürstlicher Gewalt in den Wirren Heinrich' s IV. verschlangen die guten alten Rechte und Gebräuche, und 1114 so wie 1144 sehen wir die Grafen von Lenzburg als Herren (Reichsvögte) in Schwyz.

In Uri ward durch frühe Abtretung des fränkischen Königshofes an die Abtei Zürich die Entwicklung fürstlicher Hoheit sehr gehemmt. In Unterwalden sehen wir die Freiherren von Seldenbüren, ein altes edles Geschlecht aus dem Zürichgau (wahrscheinlich in der Zeit der Ottonen), mit dem Königshofe Buchs und dem Thale Engelberg begütert, ihre Habe an Klöster hingeben und Anfangs des zwölften Jahrhunderts erlöschen. Kleinere Höfe in Staus, GySwyl, Tarnen, Kerns, Alpnach, Hergiswyl, Küßnach, Weggis, Gersau und Art hatten zum Theil ihre alte Freiheit unter dem milden Krumstabe der Abteien oder Pröpste von Murbach, Beromünster, Pfeffers, Schaffhausen, Muri, Einsiedeln und Engelberg gerettet, oder sie kamen als Lehen in die Hand Eingeborner

Oberst Wurftemberger'S alt? Landschaft Bern. ") So Weggis an die Von Hertenstein, GySwyl an die von Hunwyl.

Kaiser Friedrich l., welcher sich abmühte, des deutschen Reiches Macht und Ansehen durch Ordnung in den Gauen und einen starken Adel wieder aufzurichten, gab also dem Grafen Adalbert von Habsburg die Grafschaft im Zürichgau, wie solche, über Schwyz und Unterwalden ausgedehnt, wohl schon ein Jahrhundert lang von den Lenzburger Grafen besessen wurde*). Durch diese damals allgemein als erblich angesehene Reichswürde wurde der Graf von Habsburg, Uri und Engelberg als unmittelbar an das Reich gehörige Lande und des immunen Gutes der Klöster abgerechnet, Herr vom Alpkamme bis hinab an den Rhein im Stromgebiete der Limmath und Reuß.

Jm Jahre 1180 starb Graf Rudolf von Pfullendorf, der Vater Jda's, der Grasin von Habsburg, auf einer Wallfahrt in's gelobte Land. Seine Güter um die Donau gelangten an das staufsifche Haus, nur einige Diener und deren Lehen sielen den beiden Töchtern zu Erbe, so bei Eschenz, Buch und Wülflingen Güter an Gräsin Jda von Habsburg, die jüngere Tochter des Grafen Rudolf von Pfullendorf, welcher sich um 300 Mark Silber die Kastvogtei St. Gallens vom Abte erworben hatte**), die aber, als zum Reiche gehörig,

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nicht wie Neugart (ep. censl. II, 88) glaubte, an die Habsburgerin Jda überging, sondern, wie Seckingens Kastvogtel, an den Sohn Barbarossa's, Graf Otto von Lenzburg, den spätern Pfalzgrafen von Burguno, verliehen wurde.

Für die Erbschaftsansprüche auf die Pfullendorfer Güter entschädigte Kaiser Friedrich den Grafen Adalbert von Habsburg mit Ertheilung der Landgrafschaft im obern Elsaß, welche schon in der Zeit Kaiser Heinrich's des Heiligen als unmittelbar vom Reiche gehendes Fahnleheu sichtbar und mit dem Titel eines Fürsten verbunden war.

Dieses bedeutende Reichslehen erhielt Graf Adalbert nach 1182 oder 1183, indem damals der Titel eines Landgrafen unserm Habsburger noch mangelte (J. E. Kopp G. II, 714), aber sicher vor 1186.

Jn jenen Tagen führten nur Fürsten und Nebte Siegel. Als der Landgraf Adalbert III. von Habsburg dem Abte Heinrich von St. Trutpert im Schwarzwalde die Stiftung seiner Vorfahren vom Jahre 903 bestätigte, ließ er der Fertigung dieses Aktes ein schönes Reitersiegel anhängen, auf dem wir zum ersten Male den Habsburger Löwen zu sehen bekommen. Herrgott I, 157; II, 197. Ein älteres Siegel der Habsburger eristirt nicht.

Eine gewaltige Geistesregung begann um diese Zeit, wie 40 Jahre früher, zur Zeit des heil. Bernhard, in allen deutschen Gauen aufzutauchen. Der Eifer für Wiedergewinnung des heil. Landes, auf welchem unser Herr gelebt und gelitten, ging in hohen Wogen durch die Gaue der obern Lande und ganz Schwaben. Als in der Fastenzeit 1188 der

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