Geschichte meines Lebens, Band 1

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Verlag der K. K. Hofbuchhandlung, 1884
 

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Beliebte Passagen

Seite 333 - Keine Messe wird man singen, Keinen Kadosch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. Doch vielleicht an solchem Tage, Wenn das Wetter schön und milde, Geht spazieren auf Montmartre Mit Paulinen Frau Mathilde. Mit dem Kranz von Immortellen Kommt sie, mir das Grab zu schmücken, Und sie seufzet: „Pauvre homme!" Feuchte Wehmut in den Blicken. Leider wohn ich viel zu hoch, Und ich habe meiner Süßen Keinen Stuhl hier anzubieten; Ach!
Seite 302 - Parabolen, Laß die frommen Hypothesen Suche die verdammten Fragen Ohne Umschweif uns zu lösen. Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Roß der Schlechte? Woran liegt die Schuld? Ist etwa Unser Herr nicht ganz allmächtig? Oder treibt er selbst den Unfug? Ach, das wäre niederträchtig. Also fragen wir beständig, Bis man uns mit einer Handvoll Erde endlich stopft die Mäuler Aber ist das eine Antwort?
Seite 215 - Wir leben eingezogen und so halb und halb glücklich; 10 diese Verbindung wird aber ein trübes Ende nehmen; es ist deshalb heilsam dergleichen vorher zu wissen, um nicht vom dunklen Augenblick bezwungen zu werden.
Seite 223 - Mit Musset ist es seltsam zugegangen«, fuhr Heine fort, »und es wundern sich Alle, die ihn sehen. Als er berühmt wurde und in die Mode kam, war er schon der Mensch nicht mehr, der jene Bücher geschrieben, und überhaupt kein Dichter mehr. Er hat drei Perioden gehabt: zuerst eine wilde und kühne, dann metamorphosirte sich sein Talent und wurde graziös, ruhig - er schrieb seine dramatischen Salon-Idyllen.
Seite 159 - Namen aufrechtzuerhalten, mag selbst Proudhon die bestehende Staatsform in dieser ihrer kläglichsten Phase für gegeben, unantastbar und unveränderlich, sogar über den Ursprung aller Rechte und das allgemeine Wahlrecht erhaben erklären — eine solche Politik ist nicht die meine. Der Name ist mir nichts. Nur das Farbige kann mich entzücken, die abstrakte Idee ist ohne Reiz für mich. Was wäre die Liebe, wenn es keine Frauen, die Freundschaft, wenn es keine Freunde gäbe? Verzichten Sie auf...
Seite 219 - Zuweilen dünkt es mich, als trübe Geheime Sehnsucht deinen Blick Ich kenn es wohl, dein Mißgeschick: Verfehltes Leben, verfehlte Liebe! Du nickst so traurig ! Wiedergeben Kann ich dir nicht die Jugendzeit — Unheilbar ist dein Herzeleid: Verfehlte Liebe, verfehltes Leben!
Seite 215 - Mode geworden, und das mochte ihr außerordentlich nett gestanden haben, als sie sehr jung und hübsch war, siel jetzt aber sehr albern aus, nachdem sie an die Dreißig und stark geworden, Sie war einfältig und liebte es, sich noch einfältiger zu stellen, als sie wirklich war; sie meinte, es sei drollig.
Seite 162 - Spaziergang hatten wir viel miteinander gesprochen, doch ausschließlich über Politik. Richard Wagner hielt die politischen Zustände für reif zur gründlichsten Änderung und sah einer in nächster Zeit stattzuhabenden Umwälzung als etwas Unausbleiblichem entgegen.
Seite 157 - Nun, da sehen Sie", triumphierte Mathilde. „Kohn ist keinesfalls ein Jude, und doch hat er die scharfe Zunge der übrigen Deutschen. Er wird wohl auch ein Protestant sein, wie Henri — denn Henri ha, ha, ha, Henri ist Protestant, glaubt an Lütheer.
Seite 226 - ... nennen kann, um eine Börse dreht, ich glaube es war „Le Caprice" — und es eigentlich eine Frauenarbeit nannte, selbst ein Ding wie eine Börse, mit feiner, eleganter Hand aus Gold- und Seidenfäden in künstlichen Maschen gewoben, sagte Heine kurzweg: „Ja, so etwas ist es, doch eine Börse darf nicht leer sein, man muß Gold darin sehen, diese Börse aber ist ganz leer!" Dabei konnte Heine ganz heftig werden, wenn man, wie es von mancher Seite geschah, der Georges Sand gedachte, und ihrem...

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