Antisemitismus in Deutschland: Zum Wandel eines Ressentiments im öffentlichen Diskurs

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Diplomica Verlag, 2010 - 128 Seiten
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Antisemitismus ist gegenwärtig ein globales Phänomen, das in manchen Ländern mehr, in anderen weniger verbreitet ist. Vor allem in der islamisch-arabischen Welt ist in den letzten Jahren ein Anstieg offener antisemitischer Äußerungen zu verzeichnen, teilweise bedingt durch den Nahostkonflikt und durch die Radikalisierung des Islams. Allerdings hat der Antisemitismus in keinem Land solche Ausmaße und Konsequenzen gehabt wie im nationalsozialistischen Deutschland, wo er erstmalig in der Geschichte eine Art Staatsdoktrin darstellte. Die systematische Judenverfolgung über die eigenen Staatsgrenzen hinaus, gipfelte schließlich in der Shoa, die Millionen von Juden das Leben kostete und für die Geschichte Deutschlands, als auch für die Geschichte des Antisemitismus, einen radikalen Bruch darstellt. Trotz dieser historisch singulären Ereignisse, ist Antisemitismus heute in Deutschland kein überholtes Phänomen oder eine Einstellung radikaler Minderheiten. Dies belegt die empirische Sozialforschung und die zahlreichen öffentlichen Debatten der jüngsten Zeit die unter dem Paradigma der "Vergangenheitsbewältigung" standen und immer noch stehen. Im Rahmen dieser Studie soll untersucht werden, wie sich der Antisemitismus nach der Shoa im öffentlichen Diskurs in Deutschland entwickelt hat. Insbesondere sollen dabei die Debatten nach der Wiedervereinigung 1990, die einen entscheidenden politischen Einschnitt markiert, betrachtet werden. Dabei soll die Rolle des Antisemitismus in der politischen Kultur analysiert werden. Daraus resultierend soll diskutiert werden, was den Antisemitismus gegenwärtig in Deutschland charakterisiert und wodurch er sich auszeichnet. Das Ziel ist eine Konkretisierung des Begriffs Antisemitismus. Für diese Konkretisierung bedarf es nicht nur einer allgemeinen und abstrakten Definition des Begriffs, sondern auch eines Blickes auf die gängigen Erklärungstheorien des Ressentiments. Nicht minder bedeutsam ist die historische Entwicklung des Antisemitismus bis zur Gegenwart, sowie der Wandel der Bezugspunkte. Im Zeitalter der Globalisierung ist der Fokus nicht mehr alleine auf Deutschland gerichtet, sondern antisemitische Agitation richtet sich zunehmend gegen Israel und die USA, forciert durch die Mythen um die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 und den Nahostkonflikt. Ein Exkurs soll deshalb die Verbindungen und Überschneidungen von Antisemitismus, Antiamerikanismus, Verschwörungstheorien und Israelfeindschaft aufzeigen und die Brisanz für den aktuellen politischen Diskurs verdeutlichen. Das Resümee fasst die Entwicklung des Antisemitismus nach der Shoa zusammen, um darauf basierend den Begriff Antisemitismus konkreter zu definieren.

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Über den Autor (2010)

Thomas Kuhner, Dipl. Soz., Studium der Soziologie an der Technischen Universitat Darmstadt mit dem Schwerpunkt Personalwesen, Organisation und Gesellschaft, Abschluss April 2008. Derzeit ist er als Redakteur bei Videoload.de tatig und arbeitet nebenberuflich als freier Autor.

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