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innerhalb eines gewissen Zeitraumes vcimehrt oder vermindert hat, um wieviel und aus welchen Gründen. Für Unter« nehmungcn von ciuem gewissen Umfange ist die Führung von Geschäftsbüchern sogar gesetzlich vorgeschrieben. Aus den Principien der einfachen und doppelte» Buchführung, welche von dem Verfasser ausführlich entwickelt sind, die wir aber wol als allgemein bekannt voraussetzen dürfen, geht hervor, daß bei jedem einigermaßen bedeutenden und mannigfaltigen Geschäftsbetriebe die letztere anzuwenden ist, da sie allein darüber Auskunft geben kann, welcher Theil des Unternehmens in größerem oder geringeren Maße zu dessen Fortgang beigetragen hat. —

Wir habcu in dem Voraufgegangenen uns bemüht, den wesentlichen Inhalt und Gedankengang der allgemeinen Gewcrkslehre von vi-. Emminghaüs in möglichster Kürze wieder« zugeben, nicht ohne uns bei den Definitionen und bei der theilwcise knappen Ableitung der Regeln auch dem Wortlaut des Verfassers anschließen zu müssen. Wie schon eingangs erwähnt, müssen wir in Betreff der genaueren Entwickelungen und namentlich der zahlreichen erklärenden Beispiele auf das treffliche Werk selbst verweisen, welches wir hiermit unseren Lesern nur auf da« Augelegeutlichste empfehlen können.

R. Z.

Vcrmischtes.

Notizen über Field'sche Kessel.

In der Versammlung des^wcstphälischcn Vezirksvercincs wurde in Folge einer Discussion, in welcher sich ergab, daß weder die technische Literatur'bis dahin, noch die persönlichen Erfahrungen einzelner Vercinsmitglicdcr ausreichend erscheinen, um darauf ein allgemeines Urthcil über die genannte Kcsselconstruction zu grün» den, der Beschluß gefaßt, weitere Kreise, namentlich die übrigen Bczirksvcrcine, um Mitthcilung der in ihrer Umgebung gemachten Beobachtungen zu ersuchen. Die in dieser Hinsicht gestellte» Epecialfragen waren die folgenden:

1. Wie viele Field'sche Kessel sind in Ihrem Kreise in Betrieb und bei wen»?

2. Von wem nnd wann sind dieselben gebaut?

3. Wie lange sind sie im Betrieb?

4. Für welche Vctricbszwecke arbeiten sie?

5. Wie ist deren Construction?

6. Welche Erfahrungen sind damit in Bezug aus BrennMaterialverbrauch gemacht?

7. Wie stellen sich die Rcparaturkostc»?

8. Welche Erfahrungen sind bei unregelmäßiger Dampfentnähme gemacht?

9. Welche Erfahrungen siud Ihnen sonst darüber bekannt? Die auf jene Aufforderung leider nur in sehr' geringer Zahl

eingegangenen Nachrichten bringen doch einige nicht uninteressante Notizen, welche uns von dem Vorstände des wcstphälischen Bczirksvcrcincs übergeben wurden, und die wir mit Hinweis auf die in dieser Zeitschrift Bd. XI, S. 475, Bd. XIV, S. 319 und 513, bereits veröffentlichten Artikel und die Verhandlungen darüber im pommcrnschcn Bczirksucrein, Bd. XIV, S. 534, nachfolgend zusammenstellen.

In Beantwortung der crstgestelltcn Frage sind überhaupt 31 Kessel als in Betrieb befindlich angemeldet worden, und zwar 14 Stück im Krcisdircctionöbczirkc Zwickau, 8 im Bezirke Leipzig, 4 Stück im Rcgicrungsbczirkc Magdeburg, 3 Stück auf der Stettin« Eisenbahn und je einer in Lübeck und Mecklenburg. Nach der Größe gruppircn sich dieselben so, daß unter der genannten Zahl sich 11 zweipfcrdigc, 3 drcipfcrdige, 7 vierpferdigc, je einer von 5, 8, 10 bis 12 und 16 Pferdestärken und 2 Stuck 6« pfcrdigc sich befinde». Von den übrigen 4 Stück ist die Größe nicht angegeben.

Die Erbauer der aufgeführten Kessel rangiren nach der Zahl der von ihnen gelieferten Kessel folgendermaßen: PetryTsrcui in Türen mit 13 Stück; Ludwig Kornnia»», Chemnitz, mit 4 Stück! mit 3 Stück die beiden Fabriken von Jean Affoltcr zu Schloß Chemnitz und von Aron <K Gollnow in Grabow (letztere aus den Jahren 1865, 1867 und 1869); mit 2 Stück die Buckaucr Maschinenfabrik der Hamburg-Magdeburger Dampfschifffahrtsgesellschaft, Iörning H, Sauter in Vuckau und M. Webers in Berlin smit den Jahreszahlen 186? und 1869); einen Kessel endlich hat A. Vorsig in Berlin geliefert.

Für die Zeit, welche die Kessel bereits in Betrieb sind, 'ist zu beachten, daß die Mitthcilungen darüber ungefähr

auf den Anfang Octobcr 1869 fallen. Es liegen nur wenige Angaben vor. Ein Kessel der Buckaucr Maschincnfabrit arbeitete damals 2 Monat, die beiden von Iörning H Sauter 3 resp. 4 Monat, ein Kessel von M. Webers 2 Jahre, der andere etwa 6 Monat u»d die Kessel der Stettiner Eisenbahn von Aron H. Gollnow seit dem Jahre ihrer Anfertigung, der älteste also un» gcfähr 4 Jahre.

Von den größeren Kesseln betrieb der IN bis 12pserdigc eine Schneidemühle, der 16pfcrdige in Gemeinschaft mit Kesseln anderer Construction eine Baumwollspinnerei, und die beiden 69pfcrdigen die Holländer der Papierfabrik von Ad. Schröter in Golzcrn, Königreich Sachsen. Die kleineren dienten dm mannigfaltigsten Vetriebszwcckcn, Pumpcn, Werkzeugmaschinen, Svinncreimaschinen und Strumpfstühlc, Nähmaschinen, Schnellpressen für Buchdruck, Farbcnreibmaschincn, Maschine» für Bleicherei u. A. m.

Die von den einzelne» Fabricantcn adoptirtc Construction der Kcssel darf wol als allgemein bekannt vorausgesetzt werden; von den in der Magdeburger Gegend gebauten Kesseln wird bemerkt, daß bei ihnen das durch den Dampfrauni gehende Rauchrohr mit einem Schutzrohr umgeben sei; bei den drei Kessel» von Aron H Gollnow hatten zwei das Rauchrohr birect durch dcn Dampfraum geführt, während bei dcn, dritten, dem ältesten, das Rauchrohr unter der Wasserlinie seitwärts herausgeführt war.

Der Brcnnmaterialvcrbrauch wird zum Theil als geringer, als bei sonstigen Kesseln mit gleicher Leistungsfähigkeit angegeben, besondere Angaben liegen vor über einen dreipferdigen Kessel von M. Webers, welcher in l0 stündiger Schicht etwa 359 Pfd. Steinkohle» im Preise von 26 Sgr. verbraucht und über die drei Kcssel von Aron <K Gollnow. Diese zeigen, obgleich sie ungefähr gleiche Arbeit zu verrichten haben, cine ziemliche Abweichung in der Menge des verbrauchten Brennmaterials, nämlich monatlich der cinc in 9 slündigcr Schicht 35 bis 49 Ctr., tcr zwcitc in INstündiger Schicht 75 Ctr., der letzte in 8stündiger Schicht 69 Ctr.; letzterer ist der älteste der drei Kcssel. Diese Vcrschicdcnhcit dürfte in dcn abweichenden Zugvcrhältnissen ihre Erklärung finden; der letzterwähnte Kessel ist der einzige, welcher einen gerade aufsteigenden Zug nach cincm ciscrncn Schornsteine von 199"" Weite und 6",28 Höhe hat, während bei dcn übrigen cinc horizontale Leitung »ach cincm stchcndcn gcmaucrtc» Schornsteine stattfindet; hierdurch wird der Zug so geschwächt, daß noch der verlorne Dampf in dcn Schornstein geblasen wcrdcn muß.

Reparaturen sind an den meisten Kesseln noch nicht vorgekommen. Auf dcr Stettin« Eisenbahn werden die Kessel alle drci Monate auseinander genommen und sorgfältig von dem nur in unbcdcutcr Menge sich ansetzenden Kesselstein gereinigt.

Ebenso wird schließlich angegeben, daß die Kessel sich bequem einem, natürlich in gewissen Grenzen uariirenden unregelmäßigen, Tampfterbrauch anschließen.

Es ist wol natürlich, daß die hier zusammengestellten wenigen Angaben, namentlich wcnn man ihnen die von mancher Seite auftauchenden Klagen über mehrfache Uebclständc dcr Field'sche» Kessel entgegenhält, noch zn keinem sicheren Urtheil über die Kcssclconstrnclion berechtigen können; wir hoffen indessen durch diese Vcr

öffcutlichung bei manchem unserer Vcrcmsmitglicdcr Anregung zur Mittheilung seiner persönlichen Erfahrungen über diesen Gegenstand gegeben zu haben. Der Vorstand des wcstphälischcn Vezirksvcreincs, welcher bereits von mehreren Seiten das Versprechen von Nachrichten über neueren Anlagen erhalten hat, sowie die Rcdaction werden solche Mittbeilunqen mit Dank in Empfang nehmen.

N. 3.

Sächsisch-anhaltinischer Verein zur Prüfung und lieberwachung von Dampfkesseln.

Die Verhandlungen des sächsich-anhaltinischcn Bcziiksueicincs, welche die Gründung eines Localvcrcincs zur Prüfung und Uebcrwachung von Dampfkesseln betrafen, werden unseren Lesern aus den verschiedenen, Bd. XIII., S. 414, «07 und 799, sowie S. 286 und 414 ves gegenwärtigen Bandes veröffentlichten Eitzuugsprotokollen dieses Bczirksvcreincs bekannt geworden sein. Aus denselben geht hervor, daß in der Generalversammlung vom 13. Februar ». I. in Staßfurt die von der Eommission tcS Vezirksvcreincs ausgearbeiteten Statuten mit geringen Modifikationen angenommen wurden, während am 24. März die definitive Constituirung des Vereines durch Wahl eines Vorstandes von 7 Mitgliedern stattfand. Eine regelrechte Thätigtcit wird mit dem Anfang des nächsten Jahres beginnen, zu welcher Zeit Hr. H. von Reiche sein Amt als Ingenieur des Vereines antritt.

Augenblicklich gehören dem Vereine 52 verschiedene Etablissements mit 22l Kessel» an, welche sich auf das Gebiet des sächsischanhaltinischcn Bczirtsvcrcincs, also auf das Herzogthum Anhalt und die angrenzenden Kreise der preußischen Provinz Sachsen ucrtheilcn.

Der Sitz des Vereines ist in Bcinburg.

Wen» die meisten derartige» Vereine in Deutschland in der That die zwar statutenmäßig vorgesehene Versicherung der Mitglieder gegen Eiplostonsschaden augenblicklich haben fallen lassen, so hat der sichsich-anhaltinische gleich in den Statute» von einem solchen Zweige seiner Thätigkeit abgesehen, einerseits weil es noch an genügendem statistische» Material zur Bcurtheilung der Frequenz von Dampfkcssrleiplofioncn fehlt, andererseits weil eine möglicherweise in der ersten Zeit eintretende größere Anzahl von Elploslonsfällen die Existenz des Vereines gefährde» könnte, dann aber auch, weil die meisten Feuerversicherungen gegen eine mäßige Prämie die Versicherung von Dampfkesseln übernehmen. Danach beschränkt sich der Zweck des Vereines jetzt darauf, durch periodische sorgfältige Untersuchungen der ihm angehörenden Dampfkessel, deren Explosion nach Möglichkeit zu verhüten und seine Mitglieder möglichst schnell mit rationellen Einrichtungen oder Verbesseruugen an Dampfkcssclanlagcn bekannt zu machen.

Abweichend von den Satzungen übriger Vereine sind für die Revision der Kessel keine bestimmten Hooorarc festgestellt, sondern die aus den Ergebnissen der Vorjahre durch eine Generalversammlung auf Antrag des Vorstandes auf das Budget gebrachten Iahrcskostcn werden auf die einzelnen Mitglieder rcpartirt. Eine feste Entschädigung besteht nur für Revisionen, welche durch Verschulden oder Veranlassung einzelner Mitglieder außerordentlich staltfinden müssen, und ist außer den Reisekosten auf 3 Thlr. für eine Revision und auf 2 Thlr. für eine Druckprobc festgestellt.

Die Untersuchung der Dampfkessel geschieht durch den Ingenieur der Gesellschaft oder durch sonst Beauftragte,

Jeder Kessel wird jährlich mindestens zweimal revidirt und zwar einmal innerlich und einmal äußerlich. Soll eine innerliche Revision vorgenommen werden, so muß der Kessel bei der Ankunft des Ingenieurs nicht allein ganz kalt, sondern auch von Kesselstein und sonstigen Unreinlichtcitcn befreit sein; ebensowol muß derselbe von etwa daneben gelegenen und im Betriebe stehenden Kesseln vollständig abgesperrt sein; bei gemeinschaftlichem Dampfrohr muß bei dem zu untersuchenden Kessel eine Blindflansche vor dem Absperrventil eingeschoben sein (eine Vorsichtsmaßregel, die bei jeder Reinigung des Kessels zu empfehlen ist).

Befindet sich bei Ankunft des Ingenieurs der Kessel nicht in dem Zustande, in welchem er gründlich revidirt werden kann, so ist letzterer nicht verpflichtet, eine Untersuchung vorzunehmen, und das betreffende Mitglied hat dann für die dcmnächstigc Revision die für diesen Fall festgesetzte Entschädigung zu zahlen. Dieselbe Entschädigung ist auch zu zahlen, wenn aus irgend einem Grunde, der weder durch den Vorstand, noch durch den Ingenieur verschuldet

wurde, eine zur bestimmten Zeit festgesetzte Revision nicht hat vorgenommen werden können.

Wünscht ein Mitglied eine innerliche Revision seines Dampfkessels oder soll eine Druckprobe vorgenommen werden, so hat es mindestens acht Tage vorher sich darüber mit dem Vorstände oder dem Ingenieur in Verbindung zu setzen, woraus es dann Mit« theilnng erhält, ob der Ingenieur zur gewünschten Zeit kommen kann oder nicht; im letzteren Falle hat man sich über einen anderen Termin zu vereinbaren.

Uebcr den Befund der Untersuchung wird ein doppeltes Protokoll aufgenommen, von denen das eine Eremplor in den Archiven des Vereines niedergelegt, das andere dem Mitgliede, bei welchem die Prüfung stattgefunden, übergeben wild.

Finden sich bei der Untersuchung nach irgend einer Richtung hin Mängel, sei es in der Construction, der Stärke des Kessels, den Feucruugsanlagen, den Sicherhcitsuorrichtungcn, der sorgfältigen Aufsicht, oder wo sonst immer, so muß diesen Mängeln sofort, und zwar genau nach Vorschrift des Ingenieur«, abgeholfen werden, sofern das betreffende Vereinsmitglicd nicht glaubt, gewichtige Gründe für eine Einsprache gegen diese Bestimmungen geltend machen zu können.

Solche etwaige Beschwerden gegen die Anordnungen des Ingenieurs sind binnen spätestens drei Tagen bei dem Vorstande des Vereines anzubringen.

Der Vorstand entscheidet endgültig. Die von ihm angeordneten Veränderungen müssen uuwcigcrlich vorgenommen werden.

Ist dies trotzdem bis zu der nach einer festgesetzten Frist zu wiederholenden Untersuchung nicht geschehen, und erscheinen die Gründe der Unterlassung oder NichtVollendung dem Vorstande, an welchen dieserhalb von dem Ingenieur sofort zu berichten ist, nicht genügend, so fallen die Kosten der zweiten Untersuchung dem bc« »treffende» Mitgliede zur Last, und es wird eine erneuerte kurze Frist bestimmt, binnen welcher die Vcränberungrn vollzogen sein müssen.

Nach Ablauf dieser Frist wird auf Kosten des renitenten Mitgliedes eine letzte Untersuchung angestellt, und ist auch dann noch diese Vorschrift nicht erfüllt, so wird der sich Weigernde aus dem Mitgliedcrverzcichnisse gestrichen.

Außer dem Recht auf zweimalige Revision ihrer Kessel im Laufe des Jahres können die Mitglieder sich jederzeit schriftlich oder mündlich an den Ingenieur um Auskunft über Anlage und Betrieb der Dampfkessel wenden. In diese»! Falle werden ihnen Skizzen unentgeltlich, ausgeführte Zeichnungen gegen angemessene Entschädigung geliefert. R. Z.

Anwendung des Gegendampfes bei Locomotiven.

Die „Mitthcilungcn des Architekten- und Ingenieurvcreins in Böhmen", 1869, S. 51, bringen einen Vortrag des Professor von Gustav Schmidt über die deutsche Uebcrsetzung der Broschüre Lcchatclicr über die Anwendung des Gegendampfes zum Bremsen der Locomotiven, welcher 'den Inhalt dieser Broschüre cursorisch wicdcrgiebt und durch bezügliche Rechnungen die Wirkungsweise des Gegendampfes zu präcisiren sucht. Dieselbe ist uns von dem Hrn. Verfasser freundlichst zur Verfügung gestellt.

Lcchatelicr geht von der allgemein bekannten Thotsachc aus, daß das Reucrsircn des Dampfes beim Locomotivbctricb nur auf Fälle dringender Nolhwcndigkcit beschränkt werben muß, denn durch das Umsteuern des Steucrnngsmcchanismus, während der Zug in Folge seiner Trägheit den Vorwärtsgang fortsetzt, wirken die Dampfwlinder als Pumpen, welche die Vcrbrcnnungsgase aus dem Schornstein ansaugen, und sie mit dem in den Cylinder getretenen Kcsscldampf durch den Schicbcrkastcn und geöffneten Regulator in den Kessel hinein pressen. Hierbei werten die angesaugten Gase von dem Dampfkolbc» zuerst comprimirt, und durch die Eompression in dem Maße erhitzt, daß schon nach 3 bis 4 Minuten die Maschine dienstuntauglich werden kann, indem die Packungen zu verbrennen anfangen, dic Schmiere sich zersetzt und dic sich reibenden Flächen rasch abnutzen. Außerdem versagen dann die Injcctcurc ihren Dienst, weil die in den Kessel eingedrungenen Gase sich nicht in Berührung mit dem vom Apparat angesaugtcu Wasser condcnsiren.

Daher ist es auch nicht zulässig, bei anhaltenden starken Gefällen sich des Gegendampfes statt der Bremse zu bedienen, sondern der Maschinist begnügt sich in diesem Falle den Regulator zu schließen, den Stcuerungshcbel an das Ende des Vorwärtsganges zu stellen, und wenn es nöthig ist, das Zeiche» zum Bremsen zu geben. Da aber hierbei gewöhnlich zu stark gebremst wird, so muß er mit der Pscisc abwechselnd das Zeiche» zun» Bremsen und Loslasse» geben, wodurch die Geschwindigkeit, statt etwa conftant 3t) Kilometer pro Stunde zu bleiben, zwischen 15 bis 45 Kilometer variircn kann. Außer diesem bedeutenden Ucbelstande finden aber bei geschlossenem Regulator, wobei der in der Dampfkammcr vorhandene nasse Dampf schnell verbraucht und nicht er« setzt wird, ebenfalls eine bedeutende Temperaturerhöhung der Cy» linder und Abnutzung der reibenden Flächen, besonders der Kolben» ringe Statt, indem auch hierbei in der letzten Periode des Kolbcnweges statt der vorzeitigen Dampfausströmung ei» Ansaugen der Berbrcnnungsgasc aus dem Rauchkasten eintritt.

Um nun sowol ohne Nachthcil für die Maschine reversircn, als auch auf anhaltende» starken Gefällen mit Gegendampf abwärts fahren und somit die Auwcndung der für die Bandagen und Schienen nachtheiligc» Bremse» sehr rcduciren zu können, endlich auch, um bei mäßigerem Gefälle mit geschlossenem Regulator und Stellung des Hebels auf Vorwärtsgang fahre» zu können, oh»e die voibcsprochcnc» Nachthcilc zu erleiden, hat Lcchatelier im September 1865 vorgeschlagen, einen Dampfstrahl nach dem unteren Theile des Dampfausströmungsrohres, möglichst nahe und symmetrisch an jedem «Zylinder hinzulcitcn, und hat im Februar 1866 jenes Programm dahin ergänzt, daß auch eine Einspritzung von Kcsselwasscr in jeden Ausströmungscanal möglich gemacht werden müsse. Hr. Maris, Ober-Ingenieur der Paris-LyonMittclmccr-Eisenbahn hat bereits zu Anfang des Jahres 1867 das neue System des Gegendampfes mit Dampf- und Wassercinströmung auf 450 Maschinen in Anwendung gebracht, und 1869 waren auf allen französischen Bahnen bereits 1700 Maschinen mit dein Apparate versehen, welche bei 1 : 83 bis 1 i 66 Gefälle in der Richtung nach abwärts mit Auwcndung des Gegendampfes und ohne Bei« hülfe der Bremsen fahren, wodurch die Radbandagcn der Tender und Brcmswagcn und die Schienen sehr geschont werden, und die Echmierungskosten sich verringern, während dagegen der Brcnnmaterialaufwand sich nur unerheblich steigert. Zu Ende des Jahres 1868 erkannte Lcchatelier, daß die Einspritzung von Damps ganz entbehrt werden kann, obwol ihre Benützung dem Maschinisten Bequemlichkeiten darbietet, und zwar sowol beim Uebcrgang von einer horizontalen Strecke auf ein starkes Gefälle, als auch beim Einfahren in eine Station. Es kommt leshalb auch der Gegendampf in Frankreich mehr und mehr in Gebrauch, während die Tcnderbremsc nur als eine sehr wirksame Reserve benutzt wird. Wie Lcchatelier anführt, gicbt es Maschincnführcr, welche bei gründlichem Vcrständniß des zu ihrer Verfügung gestellten Apparates, mit ober ohne Zuhülfcnahme der Zugbrcmsen, mit voller Geschwindigkeit bis zur Einfahrt der Stationen anlangen, und nach Durchlaufung eines nur kurzen Weges anhalten. „Man ist zur Annahme berechtigt, daß der Gegendampf bei Einspritzung von Wasser ebenso allgemein zum Anhalten in den Stationen in Anwendung kommen wird, wie bei Abwärtsfahren auf Gefällen, und laß in Folge dessen die Zeitverluste durch die Stationen sich sehr wesentlich vermindern werden."

Um eine klare Einsicht in die Wirksamkeit des gewöhnlichen Gegendampfes zu erhalten, nehme ich an, der Stcnerungöhebel sei auf 40pCt. Füllung gestellt, und werde sodann auf die symmetrische Stellung reucrsirt. Die Schieberbcwegung erfolgt hierbei so, als würde der Schieber direkt durch ein Erccntcr bewegt, dessen Erccnlricität r bedeutend kleiner, dessen Voreilungswinkcl ö aber bedeutend größer ist, als jene Größen am wirklichen Ercenter.

Nehmen wir, bezogen auf die Dampfcanalwcitc», jene idealen Größen r —» uud ö —60' an, ferner die äußere Deckung «--H», und die innere i---0,i», so ergicbt sich die Abweichung des Schiebers aus seiner Mittelstellung für jeden Kurbelwinkcl w vom tobten Punkt aus, oder der Schicbcrwcg ^ - r »in (<u-4-S) — » »in < c«-»-ö), und man erhält den Kurbelwinkcl <» für die verschiedenen Phasen der Dampfuertheilung, indem man

für Beginn der Erpansion hinter dem Kolben T — «, «in (m ^. s) --- H,

für Beginn der Compresston vor dem Kolben ? — i, »in («-l-ö) — 0,i,

für Beginn der Ausströmung hinter dem Kolbcn -- T — >, »in (<n -4- ö) -- — v,i,

für Beginn des Gegendampfes vor den» Kolben T — — e, «in (<u -t- ö) -- — H

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de» wirksamen Ueberdruck darstellt, also ersichtlich ist, daß die dem Krcuzungspnnkt K entsprechende Kolbenstcllung, bei welcher der Druck in den Führungsglcilstückcn auf einen Augenblick seine Richtung ändert, ganz nahe dem Ende des Kolbcnlaufcs liegt. Zeichnet man die Curvc des Vorderdampfdruckcs in entgegengesetzter Lage, nämlich für dcn Kolbcnrückgang wie die punktirtc Linie angicbt, so entsteht das geschlossene Diagramm, welches dem Mittel der zwei Indicator-Tiagramme entspricht, die man an beiden Cylindcrendcn abnehmen könnte, und dessen mittlere Ordinate? dic zur Bcrcchnung der indicirtcn Pferdestärke nöthigc Spannung angicbt. Wird nun der Steucrungshcbcl symmetrisch umgelegt, somit die Stcphcnson'schc Coulisse aus der theilweisc gesenkten in die eben so viel gehobene Lage gebracht, während dic Kurbel ihre Bcwcgungsrichtung unverändert beibehält, so ist nicht mehr das um 90° -4- ö vorgestellte ideale Ercenter mit r ---» wirksam, sondern die Schicbcrbcwegung erfolgt so, wie durch ei» ideales Ercenter mit r —«,, welches aber um 9N°-l-ö der Maschinrnknrbcl nacheilt. Der Schicbcrweg 5 >n demselben Sinne, wie früher gemessen, wird daher jetzt:

^-- r»in (ö—<u) oder

I — —r»in sc»— s)

Wenn dic Kurbel im ersten todtcn Punkt steht, so ist ? — r «in ö wie früher; es findet also hinter dem Kolben Dampf» cinströmung durch das linearc Vorcilc» v-i-«ins — e — 0,2» Statt, und crst, wcnn dcr Schicbcr gcgcn seine Mittcllage zurückgegangen ist, bis tz —e, d. i. nach 2^ pCt. des KolbenwegeS, entsprechend der früheren Gegendampfperiode, findet dic Absperrung des förderlich wirkenden Gegendampfes Statt.

Vor dem Kolben werden die im Cylindcr befindlichen Gase wieder in das Ausströmungsrohr hinausgedrängt, bis dcr zurückgchendc Schieber in dic Stellung ^--i kommt, wobei die Ausströmung der Gase abgeschnitten wird und die Compresston derselben beginnt. Dieö erfolgt nach 21 pCt. des Kolbenwegcs, entsprechend der früheren Dampfausströmung. Hinter dem Kolben erpandirt der in dcn (Minder und in den schädlichen Raum eingetretene Dampf bis zu der Stellung T---— >, wo derselbe in das Aus» strömungsrohr auspufft. Dic zugehörige Kolbenstcllung — 30 pCt. entspricht dem früheren Beginn dcr Compresston.

Während dcr Dampf ausströmt, bcwcgt sich dcr Kolbcn fort, und es beginnt sehr bald das Ansaugen der Vcrbrcnnungsgase aus der Rauchkammer, welches nun bis zu Ende des Kolbcnlaufcs, während dcr Schieber die Stellungen ^ --- — «/ — (o -4- v), — r, und wieder — («-4-v) durchläuft, ununterbrochen anhält. Vor dem Kolbcn dauert die Compresston der Gase fort, bis bei 5--- — e, oder bei 60 pCt. des Kolbenweges, entsprechend der

*) Die Bedeutung der Abschnitte I II u. s. w. siehe S. 778 u. 800

Absperrung bei normalem Gang, die Communicauon mit der Dampfkammer hergestellt wird.

Der eindringende Gegendampf vertreibt die Gase und wird sodann mit dem Nest derselben in den Kessel zurückgedrängt, wobei natürlich eine etwas höhere, als die Kcssclspannung entsteht, die am Schlüsse des Kolbenwcges wieder auf die Kessclspannung herabsinkt. Das die Spannung darstellende Diagramm zeigt Fig. 2. Der Durchschnittspuntt ^ der beiden Spannungscurven liegt hier näher der Mitte des Kolbenwcges. Durch symmetrische lieber» tragung der Eurvc des Vordcrdampfdruckes erhält man wieder ein geschlossenes Indieator-Diagramm, dessen mittlere Spannung / etwa 52 pCt. des x bei normalem-Gang beträgt.

Tritt nun mittelst eines 25"" weiten Rohres und eines sehr eng gestellten Hahnes oder Schiebers Kessclwasser dicht bei dem Eylindcr in das Auspuffrohr, so verdampft dasselbe jenseits der Hahnöffnung unter dem geringen Druck größtentheils sofort; ein Thcil dieses wässerigen Dampfes strömt zum Schornstein heraus und giebt dem Maschinisten zu erkennen, daß er hinreichend viel Wasser zugelassen habe, um ein Ansaugen von Verbrennungsgasen unmöglich zumachen; der andere Thcil tritt statt der Gase in den Ehlindcr, kühlt denselben durch die Verdampfung des Wassers ab, und wird sodann in den Kessel hincingcdrückt, ohne die Wirksamkeit des Injrctors im Mindesten zu beeinträchtigen.

Das aufgenommene Indicator-Diagramm ist meinem in Fig. 2 ganz ähnlich, nur fehlt das Sinken der Spannung unter die atmosphärische Linie in der Ansaugcperiodc.

Fig. 2

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76 32 100

Die mittlere Spannung / beträgt bei der Stellung des Hebels auf NN pCt. Füllung nur 60 pEt. der mittleren Spannung ? des normalen Diagrammcs, kann bei ganz ausgelegtem Hebel auf 70 pCt. kommen, sinkt jedoch bei der Stellung auf 15 pEt. Füllung schon beinahe auf Null. Wenn man daher bei der Thalfahrt mit Gegendampf ohne Bremsung den Hebel in einer Zwischenlage hält, in welcher ?'—0,5? ist, so hat man durch das volle Auslegen desselben und Benützung der Bremsen noch immer ein wirksames Mittel im Falle einer Gefahr.

Der Verbrauch an Kessclwasscr beträgt für jeden Cylinder höchstens 25 bis 30 Kilogrm. pro Minute und es darf der Hahn nur eine Orffnung von 6 bis 10 Qdrtmillimtr. darbieten. Die Rcgulirung desselben verursacht daher eine erhebliche Schwierigkeit, welche in der Broschüre ausführlich besprochen wird. Ich bin jedoch der Meinung, daß man derselben sehr einfach dadurch abhelfen könnte, daß das 25"" weite Zuleitungörohr an einer Stelle vor der Theilung zu beiden Cylindern nock einen Hahn erhält, durch welchen der vom Kessel kommende Druck beliebig abgeschwächt werden kann, zufolge dessen die beiden Rcgulirungshähne dicht an den Cvlindcrn viel weiter geöffnet, also sicherer gchandhabt werden können. Ist die eingespritzte Wasscrmcnge zu reichlich, so fällt Wasser in den Nauchkastcn nieder, oder wird sogar aus dem Schornstein ausgeworfen.

Es ist jedoch ein Uebelstand des Neversircns durch das neue System nicht gehoben.

Wenn nämlich die Stephens»n'schc Coulissc mit offenen Stangen montirt ist, so ist sie bei normalem Gang in gesenkter Lage. Die am Umfange der Ercenter wirkende Reibung sucht beim Vorwärtsgang die Eiccnlcrringe im Sinne der Bewegung, rechts herum mitzunehmen, also den Reversirhebel in der aus

gelegten Stellung zu erhallen. Wird nun revcrsirt, und legt der Maschinist den Riegel am Hebel nicht ganz fest ein, so daß er sich durch den Stoß zurückziehen kann, so führt die in demselben Sinn wie früher wirkende Eiccntcrrcibung die Enenterringe fammt Stangen und der gehobenen Coulissc wieder nach abwärts, und schlendert den Reversirhebel auf die andere Seite, was besonders dann für den Maschinisten tödtlich werden kann, wenn der Hebel bei normalem Gang nicht vorgelegt, sondern zurückgelegt ist, wie dies in Frankreich seit einer Reihe von Jahren üblich ist.

Diesem Uebelstand wird vorgebeugt durch Anwendung einer Gooch'schen statt der Stcphcnson'schcn Eoulisse, oder durch Anwendung der Umsteuerung mittelst Schraube, welche von Marii zugleich um der Benutzung des Gegendampfes eingeführt wurde.

Eine andere Methode den Gegendampf zu benutzen, wurde von Vourson, Ingenieur der spanischen Nordbahn, versucht, nämlich das Einspritzen von Kesselwasscr in den Schicberkasten.

„Die Versuche haben sehr befriedigt, der Umstcuerungshcbel ist leicht zu handhaben, die Eylinder sind weniger warm als im Gange mit Gegendampf bei Anwendung des anderen Apparates, es entweicht kein Wasser mehr aus dem Rauchfang, und man vcr» meidet jeden Rücktritt der Luft, ohne daß man genöthigt ist, fortwährend mit dein Einspritzhahn zu manövrircn. Der Wasserverbrauch pro Ehlinder schwankt zwischen 16 und 24 Kilogramm in der Minute je nach der Lage des Hebels und bei einer Geschwindigkeit von 30 Kilomtr. in der Stunde. Die Stöße der Dauipfauöströniung sind ebenso markirt, wie beim direkten Gang."

Schließlich sei noch hervorgehoben, daß Lechatelicr in der Broschüre ausdrücklich berichtet, daß der Maschinist, ohne den Regulator zu schließen, in 2 oder höchstens 3 Secunden reverfirt. Hiergegen möchte ich bemerken, daß bei unserer jetzigen Einrichtung erst der Regulator geschlossen »'erden muß, damit der Schieber keinen zu großen Widerstand bietet, und erst nach erfolgter Umlegung des Hebels öffnet man wieder den Regulator, um, wenn es nöthig ist, Gegendampf zu geben. Ein geschickter Maschinist weiß jedoch mit dem gelösten Hebel in der Hand den Moment abzupassen, wo die Kurbel in der todten Lage ist, und bei sehr rascher Verstellung des Hebels der Schieber gar nicht bewegt wird, also kein Hinderniß darbietet.

Im Anschluß hieran kann ich noch mittheilen, daß man auf österreichischen Bahnen die Beobachtung gemacht hat, daß seit Einführung der Lechatelicr'schen Bremse Brüche an Pleuelstangen, Kurbeln und Kurbclzapfen vorkommen, was früher nicht der Fall war, und daß man dies der ungeschickten Handhabung der Bremse, nämlich der Anwendung zu reichlicher Wasscrmenge zuschreibt, worauf die Führer besonders aufmerksam zu machen find.

Preisausschreiben, betreffend die Erfindung einer zum Abmähen oder Schneiden des Hanfes geeigneten Maschine.

Das königl. ungarische Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel scyt auf die Erfindung einer zum Abmähen oder Schneiden des Hanfes geeigneten zweckmäßigen Maschine einen ersten Preis von 100 und einen zweiten Preis von 50 Duralen unter den folgenden Bestimmungen aus:

1. Es könne» sowol Mähmaschinen, welche den Hanf möglichst kurz über dem Boden, als auch pflugähnliche Werkzeuge, die denselben unter der Oberfläche der Erbe abschneiden, concurrircn.

2. Modelle werden zur Eoncurrenz nicht zugelassen.

3. Die cvncurrirendcn Maschinen und Werkzeuge werden an einem zu bestimmenden Ort und Tag in einem mit Hanf bestandenen Felde einen. Versuche unterworfen. Die Prüfung und Zu» crkcnnung der Preise wird eine aus Landwirthcn und Technikern zusammengesetzte Eommissio» am Vcrsuchöonc bewerkstelligen.

4. Der erste Preis kann nur einem absolut guten und zweckentsprechende» Werkzeuge zuerkannt werden.

5. Die mit Preisen beteiligten Maschinen bleiben Eigenthum der Aussteller.

6. Die Anmeldungen für diesen Eoncurs sind bis zum 1. Juni 1871 bei dem königl. ungarischen Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel in Pest einzureichen, wohin auch diesfällige etwaige Anfragen zu richten sind.

Pest, 13. August 1870. Vom königl. ungarischen Ministerium für Landwirth» schaft, Industrie und Handel.

Berichtigung zu dem Aufsatz:

„Mittheilungen aus den Berichten des Hen. Dr.Cohn über die

Untersuchungen zur Feststellung der Ursachen der Dampfkessel

explosionen" im Oktober- und Nouemberbeft d. Nds.

Von Hrn. Dr. Cohn werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß der S. 611 erwähnte Versuch, die Erploslon eines mit einem Baumwollcnpfropf «erschlossene!! Glasrohres in einem Eistnrohr, nicht, wie sich aus der dortigen Darstellung entnehmen ließe, von ihm angestellt ist. Die dort mitgclheilte Beobachtung ist von Hrn. Professor Dr. Lothar Meyer in Carlsruhc gemacht und gelegentlich Hrn. Dr. Cohn mitgetheilt worden, welcher sie in seinem Bericht als ein Beispiel local auftretender Stoßwirkungcn anführte. ^ R. Z.

Technische Literatur.

Feuerungen und Dampfkessel.

Hochdruckdampflessel für Schiffe von Allibon und Manbr«. (Hierzu Figur I und 2, Tafel XXVIII.) —

Zu den neu auftauchenden Dampfkcssclconstructioncn, welche wir bisher ihrer praktischen Bedeutung wegen unter vielen anderen für diese Zeitschrift ausgewählt haben, glauben wir die vorstehende dem ,Nußineerin8", Nr. 219, S. 164, entlehnte hinzufügen zu sollen.

Wie aus dem Querschnitt ohne Weiteres ersichtlich ist, ent» hält jeder der beiden Kessel einen ronischen Fcnerkastcn von 5 Fuß 3 Zoll engl. (!",««) Durchmesser unten, 3 Fuß 6 Zoll (l°>?) oben und 5 Fuß (!",««) Höhe. Von dem oberen Rande dieses Feuer» tastcns aus seitlich streichen die Fcucrgasc zwischen 176 Stück 2 zölligen (5N°"°) Wasserrohren hindurch, welche den den Feuer» tasten umgebenden Wasscrraum unmittelbar mit dem oberen Wasser» räum verbinden. Von den Röhren aus gehen dir heißen Gase durch einen ringförmigen Zug nieder, welcher jenen elfteren Wasser» räum umschließt. Der untere Thcil dieses Zuges commnnicirt mit einem äußeren Rauchcanal, welcher die Gase in den beiden Kesseln gemeinschaftlichen Schornstein führt.

In dem oberen Theil des inneren Fcucrkastcns hängt ein ring-cylindiischci Wasscrkastcn. Die Brenngase, welche im Innern desselben in die Höhe steigen, gelangen oben durch eine Anzahl radialer Verbindungsröhrcn in jenen oberen Zug. Dieser Wasser» tasten ist an die Decke dcö Fcucrkastcns so geschraubt, daß er leicht bchuss Reinigung oder Repcratur herausgehoben werden kann.

Die Kessel haben 9 Fuß 4 Zoll (2°>4) äußeren Durchmesser, und find die ringförmigen Züge so weit, daß ein Mann hindurch gelangen kann. Durch den ringförmigen Wasserraum gehen ähnlich wie bei den Locomotivcn Stchbolzcn, während der obere Theil des Dampfkessels halbkugelförmig und mit einem Dom versehen ist, mit dessen Scheitel der ringförmige Wasscrkastcn durch cinen starken Anker verbunden ist. Ferner ist zu beachten, daß der dcn Feucrkastcn umgebende Wasscrraum so weit unter dcn Rost reicht, daß sich die Niederschläge am Boden ohne Nachthcil ansammeln können. Auch ist der innere ringförmige Wasserraum mit dem äußeren durch Kupfcrröhren verbunden, und um jenen liegen noch andere Röhren, welche an drei Stellen die Verbindung mit dcn Ausblaschähncn vermitteln.

Wir unsererseits vermissen hierbei allerdings cinc Vorkehrung, durch welche der centrale Wasscrkasten gegen Durchbrennen geschützt wird, doch tonnlc cinc nach tcm Field'schcn Princip conccntrisch in dcn ringförmigen Wasserraum eingesetzte Zivischenwand aus dünnem Eisenblech als solche dienen.

Sodann machen wir auf dcn hohen Dampfraum aufmerksam, welcher eine bedeutende Schwankung im Wasserspiegel gestattet. Es ist hierdurch innerhalb wcitcr Grenzen die Möglichkeit geboten, bei Unregelmäßigkeit im Verbrauch oder in der Erzeugung des Dampfes das nöthigc Gleichgewicht durch cinc geeignete Rcgu» lirung der Speisung herzustellen. Auch steht noch der niedrigste Wasserinhalt in günstigem Verhältniß zu ler vom Feuer berührten Fläche. Diese ist 482 Qdrtfß. engl. (44,8 Qdrtmtr.), jener 235 Cbkfß. (6,5 Cbkmtr.). Auf rheinl. Maß reducirt kommen auf 1 Qdrtfß. feuerbcrührter Fläche 28 Pfd. (auf 1 Qdrtmtr. l 40 Kilogrm.) Wasser. ') R. W.

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Allgemeine Technologie.

Verdampfapparat für Zuckerfabriken. — (Hierzu Figur 3,

Tafel XXVIII.)

Das „lÄeuis InäuLtri«!«, 1869, Dcccmbcr, S. 299, thcilt einen von Schreiber geänderten stehenden Verdampfapparat für Zuckersabntcn mit, wclchcr gegen die ältcrcn stehenden Apparate erhebliche Vorthcilc bieten muß, wenn auch dcrsclbc oic jetzt im Zollvereine gebräuchlichen liegenden Verdampfapparate in Bezug auf Einfachheit und Leistungsfähigkeit nicht erreichen kann.

Bekanntlich wendet man in Zuckerfabriken zum Eindicken des Rübcusaftes zwei oder drei Apparate ncbcncinandcr derart an, daß die iu dem crstcn durch sogenannte Retourdämpfc aus dem Rüben» saftc entwickcltcn Dämpfe in dem zweiten heizend wirken, wenn zwei Apparate vorhanden sind, und die im zweiten Apparate aus den Rübensäftcn entwickelten Dämpfe noch in dem dritten heizen, wenn drei Apparate vorhanden sind. In dcm crstcn Falle nennt man die beiden zusammengehörigen Apparate einen Verdampfapparat von zwei Körpern, im letzten Falle die drei zusammengehörigen Apparate eine» Verdampfapparat von drei Körpern. Fig. 3, Taf. XXVIII, gicbt dcn Schnitt cincs solchen Körpers nach Schreiber.

In der Hauptsache bestehen die Verbesserungen an demselben in Herstellung einer besseren Eirculation für den heizenden Dampf und für die zu heizende Flüssigkeit, sowie dcr Möglichkeit, die Dampfbüchsc, in deren Röhren der zu vcrdampfcndc Saft sich bcfindet und Inkrustationen sich bitten können, behufs der Reinigung leichter herausnehmen zu können.

Dcr heizende Dampf tritt durch dcn Stutzen II in di«i Dampf« bückst L, geht darin über dic Echcidcwändc 1^ und 1/ um die Saftrohre und zum größten Theile condcnsirt durch dcn Stutzen ^ heraus.

Dcr Saft wird in den Sastrohrcn und am Umfangc dcr Dainpfbüchst l) in Dampf verwandelt, und steigt dicscr in dcn Dampfraum ^, während frischer Saft durch den ringförmigen Querschnitt ^, welcher durch dcn Mantcl dcs Apparates und cinen um die Dampfbüchsc gestellten Vlechcylindcr gebildet wird, hinzutritt.

Um die zu reinigende Dampfbüchsc cntfcrncn zu können, wird dcr Boden 0 abgcnommcn und werden dic Befestigungsschrauben, durch welche die Dampfbüchse mittelst dcr an ihr fcstsitzcndcn Dampf» stutzen II und ^ an den Apparatmantcl angeschraubt war, gelöst. Nach Einbringung cincr Rcscrvcdampfbüchst kann dic Verdampfung ohne Weiteres fortgesetzt wcrdcn. Lw.

Mechanische Technologie.

Referate über Pumpen. (Hierzu Tafel VI u. VII.) (Schluß von S. 196.)

Dic Pumpc von Adair, Fig. 1 bis 4, Taf. VII, führen wir ihrcr cigcnthümlichen Construction wcgcn an. Dicsclbc ist Haupt» sächlich für größere Schiffe bestimmt und besteht aus zwei Culin» dein, deren einer offen und cincr geschlossen ist. Von dcm Sauge» röhre aus zweigt sich «ine Kammer (! ab, dic oben durch das Ventil o geschlossen ist. Beim Aufgange dcs Kolbens öffnet sich das Sauge» ventil 6, es tritt Wasser unter dcn Kolbcn in ^,, während das über dcm Kolbcn befindliche Wasser durch Hebung des auf der Kolbenstange auf» und abgehenden Ventils » in das Druckrohr gelangt. Beim Nicdcrgangc dcs Kolbens wird das unter dcm Kolben befindliche Wasser durch das im zweiten Cylinder befind» liehe Vcntil e in das Druckrohr gcschobcn, während über dcn Kolbcn Wasser durch das Ventil o tritt. Wie aus Fig. 1 und 2 ersichtlich, commnnicirt dicstö Ventil o mittclst dcr Kammer (ü mit dcm Saugc» rohrc, an das fich diese Kammer unterhalb dcs Ventils 6 anschließt. Wie ferner aus Fig. 4 ersichtlich, welche cinen Quer» schnit licht über dcm Vcntil o darstellt, communicirt dicsc Kammer oben durch dic Ocffnung d mit dcm Kolbcn in ^. Dic Pumpc hat offenbar den Vorzug, daß alle Ventile leicht zugänglich sind, und daß ihre Herstellung nicht sehr kostspielig ist. Zudem ist dic» selbe doppeltwirkend.

Fig. IN stellt eine von Bosch-Neitz H Schneider con« struirtc Pumpe mit Mcmbrankolben bar, die einer Erklärung nicht erst bedarf. In dem Cylinder » arbeitet der Mcmbrankolben b, der durch dic beiden Ventile 6 ansaugt, und durch die Ventile e die Flüssigkeit nach dcm Druckrohre hebt.

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