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ringerem Dampfgchalt; um diese Mischung in den früheren arbeitsfähigen Zustand zu bringen, ist die Wassermcngc (<3.-^<3)(m,-ln,) in Dampf zu verwandeln, wozu eine Wärmemenge erforderlich ist: ^^(v.^6)(m,-m,)i-.-«.^I. . . (10),

und das ist dieselbe Wärmemenge, die von der Dampfmaschine in Arbeit verwandelt wird; es wird also in Folge dieses Processcs die Dampfmaschine nicht nur eine sehr sparsame, sondern eine theoretisch vollkommene und genaue Betricbsmaschinc, indem hier 7 auf seinem höchsten Werth, auf 1 steigt, freilich ohne Berücksichtigung der schädlichen Widerstände.

Gleichung (9), welche zur Bestimmung des Düscnqucrschnittes des Injcctors dienen könnte, führt zu folgenden Schlüssen:

1. Der Werth m, muß stets kleiner als m, sein, es findet also während des ganzen Processcs weder Dampfbildnng, noch lieberhitzung Statt. .

2. Wegen des Welches r. steht die Dampfmenge (-» in Abhängigkeit von dem im Kessel herrschenden Dampfdrucke, und zwar scheint die zum Ansaugen nothwendige Dampfmcngc mit wachsendem Druck langsam zuzunehmen.

3. In sehr cigenthümlichcm Verhältnisse steht die zum Ansaugen nothwendige Dampfmcngc mit dem Zustande des anzusaugenden Dampfes in Folge des Werthcs ^. Ist ^,1., d. h. die Leistung oder Ausnutzung eines jeden Kilogramm Dampf, groß, also bei stärker Erpansion und großem Unterschiede zwischen Anfangs» und Endzustand, so muß auch 0, groß oder größer sein, als bei schwacher Eipansion und hohem Endzustände. Bei Maschinen mit variabler Erpanston müßte also auch die Dampfmcngc 6, oder der Düseuqucrschnitt des Injcctors regulirbar sein, wenn nicht der Apparat in Folge der Unbestimmtheit des Wcrthcö n>, als sclbstthätig regulirbar auszuführen ist, denn die Formel (9) deutet nur die Grenzen von m, an, welche nicht überschritten werden dürfen, damit noch ein Ansaugen stattfindet, und zwar sind diese Grcnzwerthc

m, --- m. und m, - m. — —, der erste führt zu 6. -- «, der

zu <3»—0. Im Allgemeinen wird jedem Werthe von ft, oder n», eine bestimmte Euruc der gustandsändcrung entsprechen, und Sache der Versuche ist es, diejenigen Größen zu bestimmen, welche die Dimensionen des Apparates auf ein Minimum rcduciren und zugleich die weitesten Grenzen der Anwendbarkeit gestatten.

Um die Dimensionen des Apparates auf ein Minimum zu reducircn, wirb man gut thun, mit n>, nicht über m, hinauszugehen, es würde sonst ein Theil der in »» enthaltenen Wärmemenge zu Dampfbildung verwendet, was gar nicht Zweck des Apparates ist. Um ein besseres Ansaugen zu erzielen, und je nach den Widerständen in der Dampfleitung, muß der Werth m, sogar um ein geringes niedriger, als m, sein, cs wird dadurch dic Dampfmenge 6 noch um Einiges weiter condensirt, und die dadurch frei werdende Wärme oder Arbeit kann der Thätigkeit des Injcctors nur fördernd sein. Es gestalten sich also die Grcnzwerthc von in, folgendermaßen:

(n>»x)m,--m,, (mlu)u,,-n>, — . . (11),

und diese Grenzen sind ziemlich eng. Da die Werthe in. und m. in der Plans gar nicht genau festzustellen sind, so bleibt immer noch eine gewisse Unsicherheit bei Bestimmung des Werthcs 6,, welche nur durch Erfahrung beseitigt werden kann.

H. In Betreff deö Werthcs m, läßt Formel (9) vollkommen freie Hand, cs kann ru, kleiner als EinS oder auch größer sein*), d. h. der Dampf kann gesättigt oder auch überhitzt sein; in letzterem Falle wäre cs denkbar, die Ueberhitzung so weit zu treiben, daß die ganze Wärmemenge 6.^1. dem zum Injector strömenden Dampfe zugeführt wird, und es brauchte dann der Dampfkessel keine Heizung mehr; letzterer könnte durch ein einfaches Dampfreservoir ersetzt werden, mit oder ohne Wassergehalt, je nachdem der Werth ru,. der dann den Anfangszustand der Mischung bedeuten würde, kleiner oder größer als Eins ausfällt; in letzterem Falle wird die Dampfmaschine in eine permanente Gasmaschine verwandelt; beide Fälle aber gestatten eine viel einfachere und billigere Anlage, was besonders für die Kleinindustric von großem

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«) Nur darf m, nicht Null sein, b. h. es darf lein Wasser m den Injector treten, denn bann ist L, negativ, und es wird ein Vorwärmen und Dampfbilden statt Ansaugen stattfinden. Ueberhaupt darf m, nicht unter dem höchsten Werthe von m,, d. h. nicht unter n», stehen, was Formel (9) direct nicht ausspricht.

Kirsch.

Technische Literatur.

Mechanik.

Festigkeitsversuche mit Eisen und Stahl. (Schluß von S. 658.) —

Im Allgemeinen lassen sich aus den Ergebnissen der Versuche noch folgende für die Praris verwendbare Ableitungen machen.

Eonstruclionsthcilc, welche auf Zug und Druck in Anspruch genommen werden, z. B. Kolbenstangen, Kurbclstangen, Balanciers und bergt., müssen im Verhältnis, etwa wie 9:5 stärker sein, als solche, deren Inanspruchnahme nur in einem Sinne erfolgt, z. B. Träger, Brücken, Dachconstructioncn ic.

Bei Berechnung der Festigkeit großer Brücken und Dachconstructionen kann das Eigengewicht, weil cs eine absolut constante Minimalbclastung bildet, unberücksichtigt bleiben, so lange durch dic Summe der Wirkung von Eigengewicht und Belastung dic Elasticitätsgrcnze des Materials nicht erreicht wird.

Bei den Federn der Eisenbahnfahrzeuge finden die Schwingungen in Grenzen Statt, deren Differenz im Verhältnis) zu der Marimalspannung ziemlich klein ist; bei ihnen kann der Stahl daher erheblich über das sonst gewöhnliche Maß hinaus in Anspruch genommen werden, und thatsächlich geschieht dies auch, indem der Stahl durch den belasteten Wagen meistens eine Faser« spannung bis 58,z Kilogrm. pro Quadratmillimcter erleidet. Nicht selten steigt dieselbe sogar bis 65,8 und 73 Kilogrm. «nd bei gutem Stahl ist auch letztere Spannung noch völlig unbedenklich, ja selbst eine weitere Steigerung recht wol möglich. Für den sanften Gang der Personenwagen ist dies nicht unwichtig.

Diejenigen Thcilc der Dampfkessel, welche dem Feuer nicht ausgesetzt sind, erleide» bei einfacher cylindrischcr Form nur gcringe Spannungsschwingungen, welche durch die Schwanfungen der Dampfspannung herbeigeführt werden. Es ist daher bei ihnen eine höhere Fascrspannung zulässig, als im Allgemeinen bisher an» gewendet wurde; bei denjenigen Kcssclthcilen dagegen, welche dem Feuer ausgesetzt sind, muß außer der Abnutzung auch die Bewegung der Molccülc berücksichtigt werden, welche die schwankende Temperatur der Feuerung veranlaßt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die vielfach wiederholte Bewegung der Molccülc durch Wärme in ähnlicher Weise auf die Zerstörung des Zusammenhanges hinwirkt, wie die Schwingungen, welche durch mechanische Kräfte veranlaßt werden.

In Betreff der Sichcrhcitscocfficientcn, welche anzuwenden sind, wenn nach Maßgabe der vorliegenden Versuche construirt werden soll, sind folgende Gesichtspunkte festzuhalten.

Durch die Sichcrhcitscoefficientcn soll dem Unvorhcrzusehendcn Rechnung getragen werden; dasselbe kann sowol in den Mängeln des Materials oder der sonstigen Ausführung, als auch in der Größe der Anspannung liegen. Letztere muß bei Normirung der Leistung berücksichtigt werde»; nur erstcrc beiden sind durch die Sicherhcilscocfficicutcn auszugleichen.

Die Wirkung der Anspannung ist eine ganz andere, wenn dicsclbe/onstant, also ruhend ist, oder variabel, also Schwingungen hervorruft; auch kommt sehr in Betracht, ob von der Construction unbegrenzte Dauer gefordert wird, oder ob man nur eine begrenzte Dauer beansprucht. Daraus folgt denn, daß nicht für alle Constructionen dieselben Sichcrhcitscocfficicntcn passen.

Es sind in jedem Falle zwei Cocfficicntcn nöthigi einer, der das Verhältniß zur absoluten Bruchgrcnzc regelt, der andere für das Verhältniß zu derjenigen Schwingung, deren vielfache Wiederholung ebenfalls den Bruch herbeiführt.

Für Constructionen von unbegrenzter Dauer wird in Anbetracht, daß schon die einmalige Erreichung der absoluten Bruchgrenze die sofortige Zerstörung zur Folge hat, der Eichcrheitsgrad gegen diese Bruchgrenzc so groß zu nehmen sein, daß jede vorauszusetzende Unglrichmaßigkcit des Materialcs dadurch compcnsirt ist. Dies wird der Fall sein, wenn man auf die Hälfte der gewöhnlichen Bruchgrcnzc zurückgeht, also den Cocfficicntcn 2 einfühlt. Material, welches einen größeren Cocfficicntcn nöthig macht, ist überhaupt als «»brauchbar anzusehen.

Bei diesem Coefficienten ist aber auf die Elasticitätsgrcnzc des Materialcs keine Rücksicht genommen. Es muß der Vcurthcilung im einzelnen Falle überlassen bleiben, ob und in welchen Grenzen eine bleibende Biegung von Nacktheit ist. Dabei kann eine einmalige Ucberlastung, welche dann weiteres Verbiegen im gewöhnlichen Gebrauche verhindert, wenn dieselbe der Bruchgrcnzc nicht zu nahe kommt, kein Bedenken crrcgcn.

Da cs jcdoch bei großen Bauwerken in der Regel nicht zulässig ist, die Elasticitätsgrcnzc merkbar zu überschreiten, muß für dieselbe, falls jener Cocfficicnt eine über die Elasticitätsgrengc hinausreichende Belastung ergeben sollte, auf diese zurückgegangen werden.

Als Sicherheitscocfficicnt der Schwingung, bei welcher selbst wiederholte llebcrschrcitung der Sicherhcitsgrcnze noch keine unmittelbare Gefahr bringt, ist 2 unter allen Umständen ausreichend und kann in vielen Fällen noch verringert werden.

Unter Beachtung des Vorstehenden ergeben sich aus den hier berichteten Versuchen für Construetion von unbegrenzter Dauer folgende zulässige Fascrspannungcn i

Für Schmiedeeisen:

nach beiden Richtungen angestrengt 5,8 Kilogrm. pro Qdrtmillimtr., » einer Richtung angestrengt,

größte Gesammtsponnung ... 13 - « »

wovon höchstens 1 1 Kilogrm. auf die variable Belastung entfallen dürfen.

Ist die constantc Spannung geringer als 2 Kilogrm., so verringert sich die zulässige Gesammtspannung um eben so viel.

Für ungehärteten Gußstahl:

nach beiden Richtungen angestrengt 8,?-> Kilogrm. pro Qdrtmillimtr., » einer Richtung angestrengt, größte Gesammtspannung.... 24 - - «

wovon höchstens 16 Kilogrm. auf die variable Belastung entfallen dürfen.

Dabei muß aber hervorgehoben werden, daß die Zahle» im

Allgemeinen nur für schlichte Stäbe gelten. Die Ergebnisse mit scharf abgesetzten Stäben und der beobachtete Einfluß der Naben« Pressung haben die Nothwendigkcit solcher Specialversuche hinreichend erwiesen.

Für Constructionen von beschränkter Dauer kommen andere Erwägungen zur Geltung.

Wenn man z. B. weiß, daß die Achse eines Eisenbahnfahrzeuges gewisse größte Auspannuugeu nur beim Passircn von Weichen erleidet, und darnach die Zahl dcr Biegungen in einem bestimmten Zeiträume tarircn kann, so ist cs schr wol mit der Sicherheit verträglich, daß diese größte Biegung derjenigen nahe kommt, bei welcher nach uiclcn Millionen Wiederholungen dcr Bruch ciutritt, daß sic also bci Eisen bis zu 11,? Kilogrm. und bci Gußstahl bis zu 16 Kilogrm. Fascrspannung pro Quadratmillimctcr reicht. Die Versuche mit gehärtetem Fcberstahl zeigen ferner, daß cs unbe» deutlich ist, Eiscnbahnwagenfctern bis vielleicht zu ^ der absoluten Bruchgrenzc in Anspruch zu nchmcn, wenn das Spiel der Feder hinreichend klcin ist im Verhältniß zur gesammten Durchbiegung derselben. Nach den Versuchen kann bci cincr constantc» Anspannung von 66 Kilogrm. pro Quabratmillimcter noch ei» Spielen der Feder zwischen 66 und 87,5 Kilogrm. für zulässig angesehen werden.

Aus den Versuchen hat sich auch die Richtigkeit des theoretisch aufgcstclltcn Vcrhältnisscs dcs Modul für Zug- und Schub» clasticität crgcbcn, zwci zusammcngchörigc Wcrlhc dafür vcrhiclten sich wie 5: I,sz, auch zeigte sich bei dcn Vcrdrchungsvcrsuchcn, sowie bei Abschcerungsvcrsuchcn mit Gußeisen, daß die Risse und das Zerbrechen der Probestücke in dcn meisten Fällen annähernd unter einer Neigung von ^>5" gegen die Richtung dcr Kraft stattfanden. R. Z.

Physik.

Neuer Feldtelegraphie. (Schluß von S. 659.) — Das spccicll militärische Material für die Feldtele» graphcn umfaßt die Transportmittel für die Tclcgraphcnapparate und die zum Bau der Linien erforderlichen Materialien und Werkzeuge. In Frankreich ist die sogenannte Wagcnstation in zwei Theile gctheilt, der vordere dient als Bureau, der Hintere enthält die Drahtrollen. Elfterer enthält cincn Tisch mit dem daraus festgeschraubten Apparatkastcn und eine Bank mit zwci Sitzen, unter welcher die Batterie aufgestellt ist. Die Hintere Abthcilung des Wagens ist auf jeder Seite mit zwei eisernen Schienen (der Eisenbahn) versehen; auf jeder Seite sind vier Zapfenlager eingeschnitten, welche die Achsen der Drahtrollen ausnehmen sollen; an beiden Seiten hängen Lcinwandsäcke, welche Kuppelungen, stäche Zangen, Bohrer, Bündel von Leder und Seilen und Handhaken zum Di» rigiren des Kabels cnthaltcn; ein auf die Hinteren Rollen gestellter Korb enthält in der cincn Abtheilung klcinc eiserne Klammern, in der anderen Handwcrkszeugsäckc, welche sich die Arbeiter um» gürten, Spitzhacken ic. Um cinc Erdleitung herzustellen, führt man cincn Draht zu dcn Hinteren Wagenfcdcrn, welche mit der Achse und der Bronzekapsel dcr Nabc in Verbindung stehen, wäh« rcnd ein Mctallstab durch die Nabe und cinc Speiche entlang bis zum Radreifen läuft; bei trockenem Wetter muß der Erdboden mit Wasser begossen oder ein mehrfach durchbohrter, hohler Pflock eingeschlagen und mit Wasser angefüllt werden. Die Drahtrollen fassen gewöhnlich 2 bis 3 Kilomtr. Draht; da nun an einem mittleren Marschtage IN Kilomtr. ausgelegt werben, der Station«» wagen aber nur acht Rollen mit je 1 bis 2 Kilomtr. enthält, so hat man besondere Drahtrollenkarrcn, welche je 12 Drahtrollen und auch 3l) bis M Lanzen, sowie das übrige Zubehör und Ge» räthe aufnehmen. In gebirgigen Gegenden benutzt man Maulthicre, von denen eins das Zelt für den Telegraphisten, einen drei» beinigcn Apparattisch und die Apparat- und Batteriekästcn trägt, während die anderen zu beiden Seilen je cinc Rolle an cincm Joche tragcn; cin Schubkarren nimmt die zwei Rollen auf, welche zuächst abgewickelt werden sollen.

In Preußen führt eine Fcldtelegraphenabthcilung mit sich: sechs Rcquisitcnwagcn zur Fortschaffung de« Baumaterials, drei Stationswagcn, in dcrcn jedem sich zwei Apparate mit Batterien »c. bcfindcn und cin Fcldtclegraphcnsccrclär fährt, zwci zweispännigt Transportwagcn für die übrigen vier Beamten; cin Leiterwagen zum Transport von Voirothsftuckcn und zum Fouragiren. Jeder Rcquisitcnwagcn enthält ^ Meilen (4,i« Kilomtr.) blanken Kupfer» draht, ^ Meile (N Kilomtr.) isolirtcn Draht zum Gebrauch im offenen Terrain, 75 Stangen von < 2 Fuß (3",?«) und zehn Stück Uebcrwegsstangcn «on 20 Fuß (6°°28) Länge, die nöthigc Anzahl Isolatoren, Spannisolatoren und Pcndclisolatorcn von gehärtetem Kautschuk, eine fahrbare zusammenzulegende Leiter, ein Visitirciscn zur Untersuchung des Erdreichs, ein Vorschlageiscn, zwei hölzerne Schlägel, vier Spaten, zwei Krcuzhaucn, zwei Beile, zwei Aeite, zwei Spitzbohrcr, einen Hammer, eine Zange, zwei Tragchülsen, zwei Drahtzange», zwei Paar Lederhandschuhe für die Drahtstrcckcr, einen Doppclarm zur Verbindung einer bereits bestehenden- mit einer Feldleitung, acht Hakenpfähle zur Anbringung von Drahtankern, eine Kurbel zum Drehen der Drahtrolle beim Wiederauf« winden, eine Ledcrtasche für das kleine Handwcrkzeug während des Vaucs. Außerdem führt jede Abtheilung auf dem Vcamtcntransportwagcn eine» Flaschenzug mit Leine und Froschklemme und einen Vorrat!) »on geglühtem Eiscndraht zu Vcra»tcru»gc» mit sich. 1090 Fuß (3lä") Flußkabel werden außerdem noch auf zwei Rcquifitenwagen verthcilt.

Das Personal für die Feldtclcgraphcn dem Eivilstand zu entnehmen, hat sich nicht bewährt, wie die französischen Erfahrungen im Kriege von 1859 bei Verwendung von Civilbcamtcn, welche im Lande selbst erst die nöthigcn Arbeitskräfte und Transportmittel requirirtcn, und ebenso die Versuche im Lager zu Chalons dargcthan haben; es werben daher besondere, militärisch organisirte und entsprechend vorgebildete und eingeübte Tclegraphcnabtheilungc» gebildet. In England hat man den Telegraph dem Departement des Gcniceorps überwiesen, welches von Eivilhilfs« arbcitcrn unterstützt wird. In Italien haben die Gcniccompagnicn den Tclegraphcndicnst zu besorgen und verwenden in demselben Soldaten. In Nußland sind vier Specialcompagnien errichtet und mit Apparaten und Einrichtungen »ach preußischen Mustern der« sehen worden, enthalten aber Eiuiltclcgraphistcn. In Ocstcrrcich gehört das Material der Telcgraphcnurrwaltung, und dieser weiden die Arbeiter von der Armee geliefert. In Frankreich besteht die telegraphische Sectio» eines Armcecorps aus zwei Stationswagcn und vier Karren, welche zusammen 80 bis 120 Kilomtr. Leitung mit sich führen, während etwa noch eben so viel auf fünf oder sechs Trainwagcn mitfolgt. In Preußen zerfällt die gesammtc Feldtelegraphie in zwei Hauptabthcilungen: in die Feldtelegraphcn« abthcilungcn und in die Etappentclegraphic; letztere hat wieder zwei Abtheilungen, eine für Neubau und eiiw für Reconstruction. Der Etappentclegraphic fällt die Aufgabe der Entwickclung und Ausbreitung des StaatstclcgraphennctzcS nach dem Kriegsschauplätze zu. Die Äbtheilung für Neubau stellt ziemlich stabile Leitungen her, und zwar soll dieselbe wo möglich 9 Meilen (6?z Kilomtr.) Leitung vor dem jedesmaligen Marschquarticr der Truppen betriebsfähig halten. Die Rcconstructionsabthcilung nimmt das verbaute Material wieder auf, und sucht eine fortwährende Verbindung mit den Fcldtclegraphenabthcilungcn zu erhalten. Die Feldtclcgraphenabtheilungen benutzen beim Vau stets ihr eigenes Material und haben also bei Positionsucränderungen der Armee die Leitungen abzubauen und das Material mit sich weiter zu führen. In den meisten Fällen wird eine Fcldtclegraphcnabtheilung für zwei Armee» corps ausreichen. Jede Abtheilung führt das Material für 4^ Meilen (33^ Kilomtr.) Linie mit sieb. Eine Feldtclegraphenabtheilung besteht aus einem Hauptmann, einem Prcmiclliculcnaut, einem Seconbclicutenant und einem Assistenzarzt, sämmtlich vom Ingenieurcorps; ferner einem Feldtclcgraphcninspector und sechs Fcldtclegraphcnsccretärcn; sodann aus einem Pionierdctachement von einem Feldwebel als Nechnungsführcr, zwei Sergeanten, sieben Unteroffizieren und 73 Pionieren; endlich ein Kommando »on einem Secondelieutcnant, vier Unteroffizieren, einem Trainsoldat als Bc° schlagschmied und der nöthigen Anzahl Pfcrdcwärter, Trainfahrcr und Pferde. Die Feldtelcgraphen waren früher beritten, waren aber dann nach anstrengendem Marsche zu ermüdet, um sofort mit der erforderlichen Hingebung ihren Dienst antreten zu können; daher wurde beschlossen, sie auf Wagen zu befördern.

Beim Bau und Wicdcrabb'rcchcn der Linien ist die ganze Abtheilung in mehrere Colonnen gctheilt, welche sich einander in die Hände arbeiten. In Preußen übernimmt ein Trupp (ein Unteroffizier und zwölf Mann) das Vorschlagen der Stangen» löchcr, ein zweiter Trupp (ein Unteroffizier und vier Mann) das Spannen und Festlegen des Drahtes und der Neseruetrupp (ein Unteroffizier und sechs Mann) folgt dem vorigen auf 30(1 Schritt mit Drahtvorrath und Stangen, zwei Schlägeln und Werkzeug zum Auswechseln, Nachbessern, Verankern und Rcgulircn. Der Rc

quisitcnwagcn fährt mit dem Arbcitstrupp vorwärts und hält sich wo möglich auf gleicher Höhe mit dcr Nottc der Lochschläger. Das Abbrechen geschieht in umgctchrtcr Ordnung, jedoch ist hicrbci der Nescrvctrupp entbehrlich. Die mit schwarzwcißcm Oclanstrich versehenen Stangen werden durchschnittlich in 59 Schritt Entfernung von einander aufgestellt. Der Isolirkopf befindet sich an einem eisernen Stiele, welcher in den oberen Echnh der Stange eingeschraubt wird. Die Abspannung des Drahtes geschieht an jeder dritten Stange, indem man letztere mit dem schon befestigten Drahte auf die Seite dreht. Wen» die Leitungen an lebenden Bäumen angebracht werden, benutzt man die Pendelisolatorcn, damit die Drahtleitung nicht durch Schwankungen dcr Bäume zerrissen werden kann. In Frankreich uerwcndct man bcim Bau einen Unteroffizier, zwei Corporale und zwölf Mann. Dcr Untcroffizicr marschiert voran und zeichnet den Lauf dcr Linie vor. Dic Soldaten arbeiten in drei Abtheilungen. Dic erste folgt dem Untcroffizicr, stößt dic für dic Lanzcn bestimmten Löchcr und bcrciict elftere vor, wenn dic Linic ausgcspannt wird; legt man dagegen ein Kabel aus, so gräbt sie die nöthigen Gräben und sichert dic Lage des Kabels. Die zweite Ablhcilung hat sich mit den Rollen zu beschäftigen; sie rollt das Kabel oder dcn Draht ab, macht dic Schlingcn und Kuppelungen und sorgt dafür, daß die Leitung in dic Hände derer kommt, die sie legen sollen. Die dritte Ablhcilung bcfcstigt dcn Draht an dcn Lanzcn, stcllt diese ans oder bcfcstigt sie, macht das Kabel an der Erdc fest oder verschüttet es in dcn Gräben. Dic Lanzcn stehen gewöhnlich 59 bis 60" von einander entfernt; dagegen sind dic Entfernungen der Haken, welche ein Kabel festhalten, je nach dcn Tcrrainvcrhältnissen sehr verschieden. Soll dtzs Kabel längere Zeit liegen bleibe», so ist es besser, es aufzuhängen, wcun Häuscr odcr Bäume dazu die Füglichkeit bieten. Dic mittlcrc Geschwindigkeit, die man dabei im offenen Terrain erreichen kann, beträgt mit dcr aufgehängten Linie 2 Kilomtr., mit dem Kabel 5 Kilomtr. pro Stunde. In eoupirtcm Terrain, besonders wenn Dörfer zu passirr» sind, ist sie zwei Mal geringer. Zum Aufrollen dcr Linic genügen fünf bis fechs Mann, dic in umgekchrtcr Folge, wie beim Anslcgcn, marschieren. Kleinere, längs dcr Linie postirte Abtheilungen liefern dic Arbcitcr zur Wiederherstellung der Linie, wenn sic zufällig oder absichtlich, z. B. durch die feindliche Bevölkerung oder feindliche Strcifzüge, beschädigt worden ist. R. Z.

Eisenbahnwesen.

Die Seilbahn in Vrighton. (Hierzu Fig. 1 bis 6, Taf. XXV.)

Vielen unserer geehrten Leser dürfte cinc Beschreibung dcr neuen Hodgson'scbcn Seilbahn, wclchc im ^nzineer", Nr. 747, S. 239, mitgcthcilt wird, willkommc» sein. Es ist dics cinc Einrichtung, vcrmiltclst wclchcr Lasten in dcn ucrschicdcnstcn Verhält» nissen transportirt werden können, und zwar auf einer Linic, wclchc Winkel bis 9N° und Steigungen bis l : 8 zuläßt. Ter Radius der Curvcn hat fast kcinc Grenze.

Das Gefäß, in wclchcm sich die Last befindet, hängt, wie Fig. 1 zeigt, mittelst ausgcbogcncr Stangen an einem Ecilwagcn (Fig. 6 in größerem Maßstäbe dargestellt); dic Schwcrpunktölagc ist dabci so gewählt, daß die bcidcn Rädchen dieses Ecilwagcnö, welche auf einer von zwei Winkclciscn gebaute» Bahn laufe», gleichmäßig belastet sind. Sein Körper wird von einem Stück Eichenholz gebildet, welches unten mit einer Rinnc bchufs Annahmc cincs Drahtseiles ohne Ende versehen ist, welches letztere mittelst einer feststehenden Maschine bewegt wirb.

Diese Vorrichtung ruht auf Pfeilern, welche bis 900 Fuß (275") von einander entfernt sind, Fig. 2 und 3.

An dcn Endstationen kchrt das Scil übcr dasclbst angebrachte horizontale Rollen um, und wird ihm daselbst dic »öthige Spannung durch Epannwagcn mitgcthcilt. Eine solche Station mit der Vetriebsvorrichtung zeigt Fig. l, bei welcher dic Kraft dcr Maschine durch die Riemenscheibe » mittelst tonischer Räder auf dic Seilscheibe» übertrage» wird.

In Euruen bis 18» läuft das Scil übcr cinc Reihe etwas geneigter Rollen.

Für Eurvc» bis 99° ist dic Anordnung aus Fig. 4 und 5 zu ersehen.

Uebcrall, wo das Scil übcr Rollen zu laufen kommt, ist die Bahn erhöht, und das Wägclchcn läuft dicsc klcincn Strecken vermittelst der erlangten lebendigen Kraft durch, wonach es wieder von selbst in Eingriff mit dem Seil kommt, und von diesem weiter fortbewegt wird. Dieselbe Einrichtung ist an den Ein» und Ausladestellen angebracht; dort muß das Gefäß angehalten und, wenn nöthig, umgekippt werden. Beim Weiterfahren wird es durch einen Stoß wieder auf das Seil geworfen.

Diese Construction ist schon vielfach durchgeführt. In der hier beschriebenen Form ist sie für Ceylon bestimmt und versuchsweise in 5 engl. Meilen (8 Kilometer) Länge bei Vrighton gebaut worden.*) L. V.

Bergwesen.

Ueber die neuen Sprengmittcl beim Bergbau. (Fortsetzung von S. 664.) —

Die vielen bei der Bereitung, dem Transport, der Aufbewahrung und der Verwendung dcö Dynamits vorgekommenen Unglücksfälle sind zum Theil bis jetzt unaufgeklärt geblieben **), zum größern Theil aber auch einer'Vernachlässigung der allgemeinen, insbesondere aber auch der von Nobel selbst empfohlenen Vorsichtsmaßregeln zuzuschreiben und würden, wenigstens in vielen Fällen, bei einiger Aufmerksamkeit vermieden worden sein. Dahin gehört namentlich auch die nicht selten sehr unvorsichtige Behandlung des erstarrten und gefrorenen Dynamits, mit welchem der deutsche Bergmann es so häufig zu thun hat. In diesem Zustande darf das Dynamit, sei es in Patronen oder ohne Hülle, niemals auf heiße Ofenplatten :c. oder in stark erhitzte Räumlichkeiten gebracht werden, eine Vorschrift, deren Nichtbeachtung die. noch jüngst in den rheinischen Revieren ans den Gisensteingruben „Luise und Georg" bei Horhauscn, der Grube „Wingertsharts" an der Sieg und auf der Grube „Kreutzberg" bei Caub am Rhein vorgekommenen, von großen Verheerungen begleiteten Erplosionen zur Folge hatte. Nach der ausdrücklichen Vorschrift von Nobel darf das Aufthauen des erstarrten oder gefrorenen Dynamits selbst nicht in der Nähe eines warmen Ofens geschehen, sondern die Patronen, müssen zum Aufthauen in ein Gefäß gelegt und mit diesem in lauwarmes Wasser, in welches man die Hand noch eintauchen kann, gesetzt, oder von dem Bergmann in der-Tasche nächst dem Leibe getragen werden. Auch ist darauf zu halten, daß die bereits mit Zündkapseln versehenen aber unucrwcndct gebliebenen Dynamitpatronen von den Bergleuten nicht mit »ach Hause genommen und, ohne daß die Zündkapsel wieder daraus entfernt worden, aufbewahrt werden.

Bisher war es nicht gelungen, das gefrorene Dynamit oder Nitroglyecrin durch die gewöhnliche Zündung mit Sicherheit zur Erploston zu bringen. Trauzl hat aber gefrorene Dynamitpatronen, die er der Länge nach aneinander gereiht und an einer Stirnseite mit einer Papierpatrone »ersehen, deren Inhalt aus einer Mischung von 75 pCt. Nitroglycerin und 25 pCt. gemahlener Schießbaumwolle bestand und das Zündhütchen barg, zur Erplosion gebracht. ***)

Die bei der Berührung des flüssigen Nitroglycerins und bei seiner Verwendung als Sprcngmatcrial sich äußernden nachthci« ligen Einflüsse auf die Gesundheit der Arbeiter treten bei dem Dynamit weniger, als bei jenem hervor, und lassen sich bei einiger Vorsicht ganz vermeiden, da jetzt das Dynamit in fertigen Patronen von dünnem Pcrgamentpapier in verschiedener Länge und Stärke in den Handel gebracht wird, der Bergmann also dieses Geschäft nicht zu verrichten und den Dynamit nicht zu berühren braucht. Bei der Behandlung des Dynamits in loser Masse ist darauf zu achten, daß der dabei etwa entstehende Staub nicht cingcathmct

») Es sei gestattet, hier eine Behauptung de« Bergassor v. Dücker im „Berggeist", 1869, Nr. 59, »»zufuhren, nach welcher er ähnlich con< strmrte Seilbahnen bereit« im Jahre I86l zu Oeynhausen und Bochum ausgeführt hat, während die erste Anlage Hodgson's erst au« dem Jahre , 888 dotirt. D. Red. (N. Z.)

") E« möge hier nur auf die verheerenden Katastrophen in den Fabriken zu Dunwald a. Rh. am 5. Januar und zu Krummel im Herzogtum kauenburg am 29. Mai d. I., sowie auf die im letzten Monat stattgesundenen mehrfachen Elftlostonen aufmerksam gemacht weiden.

"*) Vergl. „Explosive Nitrilverbindungen, insbefondere Dynamit und Schiehwolle, deren Eigenschaften und Verwendung in der Spreng« technil von Isidor Trauzl, Oberlieutenant der l. l. Geniewaffe. Zweite umgearbeitete Auflage. Wien t8?U, S. 83 u. f." Der Inhalt dieser Schrift bietet reiche und belehrende Ausschlüsse über die neuen Spreng, mittel dar, und dürfte Jedem, der an dem Gegenstand« ein Interesse nimmt, zu empfehlen sein.

XIV.

werde, um die damit verbundenen nachthciligcn Folgen des verschluckten Nitroglycerins zu vermeiden. Es scheint übrigens, daß die giftigen Einwirkungen des Nitroglycerins nicht auf alle Personen gleich, sondern sich bei einigen mehr, bei andern weniger heftig äußern, bei vielen sogar nach einiger Zeit fast gar nicht mehr empfunden werden.

Die Ansichten über die Schädlichkeit der bei der Erplosion des Dynamits sich erzeugenden Gase sind, ebenso wie dies bezüglich jener des Nitroglycerins der Fall ist, gctheilt; bei guter Wetterführung find sie aber unter allen Umständen nicht so nachtheilig als Pulverdampf. Dies erhellt schon daraus, daß, wie auch im Vorstehenden bemerkt wurde, bei der Erplosion des Dynamits kein Rauch, sondern nur Gase von Kohlensäure, freiem Sauerstoff und freiem Stickstoff und Wasserdampf in geringer Menge zurückbleiben. Sollten dennoch die zurückbleibenden Gase gesundheitsschädlich sein, so würde dies nur einem Rückstande des nur thcilwcise zersetzten oder verbrannten, aber nicht erplodirtcn und daher verdampften Nitroglycerins, das dabei mit der Zunge in Berührung kommt, zugeschrieben werden können. Eine solche die Wetter verderbende Verbrennung von Nitroglycerin kann aber bei dem Dynamit nicht wol vorkommen, wenn die Bohrlöcher die richtige Ladung in Patronen erhalten, und die Zündschnur nicht bis in die letztere reicht, mithin kein Dynamit an den Vohrlochswänden hängen bleiben und dort oder in der Patrone verbrennen und dadurch salpctcrsaure Dämpfe erzeugen kann, die allerdings die Wetter verderben würden. Werden daher bei der Anwendung von Dynamit die Wetter verdorben, so muß dafür ein anderer Grund, als die Erplosion des Dynamits, vorliegen und vorzugsweise die Größe der Ladung und die Frage, ob dabei etwa ein bloßes Verbrennen eines Theilcs des Dynamits anstatt einer umfassenden Erplosion der ganzen Ladung desselben erfolge? einer eingehenden Untersuchung unterworfen werden. Wie nachtheilig das bloße Verbrennen des Dynamits für die Grubenwetter sein kann, lehrt ein Unfall, der sich im vorigen Jahre auf der Grube „Ida Elmore", im Territorium von Idaho in Nordamerika, ereignete. Auf derselben ließ ein Bergmann beim Befahren des Stollns sein brennendes Licht in eine etwa 40 Pfd. Dynamit enthaltende Kiste fallen, das sofort Feuer fing und rasch, aber ohne Erplosion verbrannte und die Grube mit einem solchen Gestank erfüllte, daß alle Arbeiter zum Schachte flüchteten, hier auch baldmöglichst zu Tage befördert wurden, wobei aber mehrere fast erstickt wären, krank auf die Hängebank gelangten und einige davon mehrere Tage lang arbeitsunfähig blieben.

Die Zündung des Dynamits muß in ähnlicher Weise wie beim Nitroglycerin erfolgen, um dasselbe zur Erplosion zu bringen, was durch Zündkapseln in Verbindung mit der Zündschnur bewirkt wird. Nobel hat dafür eine Zündkapsel empfohlen, welche aus einem Kupfcrröhrchcn besteht, am untern Ende das Knallquecksilberpräparat enthält und zum Wegthun der Schüsse, sowol bei gewöhnlicher Zündung, als auch bei Anwendung des elektrischen Funkens, benutzt wird. Bei dem Gebrauch der Zündschnur wird dieselbe an einem Ende glatt abgeschnitten, bis auf den Knallsatz in die Zündkapsel das Kupferröhrchcn eingeschoben, und letztere an ihrem obern Ende durch Zusammendrücken mit einer Zange an die Zündschnur befestigt. Hierauf wird die Zündkapsel in das geöffnete Ende einer Zündpatrone bis auf ^ Zoll (20"") Entfernung von seinem obern Ende eingesteckt und mit Bindfaden an die Patrone festgebunden, wobei aber sorgfältig vermieden werden muß, die Zündschnur mit dem Dynamit in unmittelbare Berührung zu bringen, weil sonst leicht ein Abbrennen des Dynamits ohne Erplosion erfolgen kann. Bei diesen Zündkapseln ist ein festes Besehen des Bohrlochs nicht absolut nothwenbig, ein solches von losem Sande, Bohrlochsmchl oder auch Wasser jedoch zu empfehlen. In sehr wasserreichem Gestein oder bei Wasserbcsatz ist die Verbindung der Zündkapsel mit der Zündschnur mit Pech zu überstreichen, und wird hierbei auch häufig Kautschuckzündschnur angewendet.

Die für Sprengarbeitcn beim Bergbau bestimmten DynamitPatronen haben gewöhnlich nur einen Durchmesser von T bis 1 Zoll (20 bis 26""), jene für den Stcinbruchsbetricb aber vou 2 bis 3 Zoll (52 bis 80"°), und außer den 1 Zoll (26°°) langen gündPatronen eine Länge von 2 bis 8 Zoll (l30°°). Ist eine größere Ladung erforderlich, so werden mehrere Patronen oder auch nur abgeschnittene Stücke derselben genommen, jede Patrone für sich, ohne dieselben zu öffnen, eine nach der andern in das Bohrloch geschoben und mit einem hölzernen Ladestock so fest wie möglich zusammcngcftampft, damit da« Dynamit das ganze Bohrloch ei»

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fülle, doch ist hier bei bei Patrone, welche die Zündkapsel enthält, mit Vorsicht zu verfahren, das Feststampfen zu unterlassen und die Patrone nur behutsam in das Bohrloch zu schieben, um eine Erplosion des Knallpulvcrs in letzterer zu vermeiden. Bei sehr wasserreichen Bohrlöchern werden die einzelnen Patronen oder deren Stücke in Hülsen von starkem Pcrgamcntpapier gebracht und dadurch eine einzige Patrone für die Ladung hergestellt. Diese Hülsen werden überall gut geklebt, mit Talg überstrichen, in das Bohrloch geschoben und darüber die Zündpatronc in einer Blechbüchse aufgesetzt. Anstatt der Papierhülsc sind bei schweren Ladungen aber besser Hülfen von dünnem Weißblech zu verwenden, welche namentlich da sehr zu empfehlen sind, wo die Schüsse nicht gleich nach dem Besetzen abgcthan werden können und dann gegen das Eindringen des Wassers gut verwahrt sein müssen, um das Auswaschen des Nitroglycerins aus dem Dynamit zu vermeiden.

In einzelnen Revieren hat man die Erfahrung gemacht, daß zur Erzielung einer günstigen Wirkung des Dynamits es notwendig ist, ziemlich tiefe Bohrlöcher anzusetzen und denselben so viel Gestein vorzugeben, als einer Ladung entspricht, welche im fest zusammengedrückten Zustande mindestens z der Vohrlochsticfc erfüllt.

An manchen Orten ist zum Wegthun der mit Dynamit besetzten Bohrlöcher die elektrische Zündung mit Vorlhcil benutzt worden. Bei Verwendung der Abegg'schen, mit Eonductor versehenen Elcktrisirmaschinc beim Schachtabteufen auf der Grube „Ringeltaube" in Westphalen ist es aber nach einer Mitteilung im „Berggeist", 1870, Nr. 15, nicht gelungen, damit mehr als zwei Schüsse zugleich wegzuthun, indem bei vier Schüssen z. B. jedes Mal nur die beiden äußersten crplodinen, während auf einigen Gruben im Revier Siegen vier bis fünf Schüsse damit entzündet und viel Zeit dadurch erspart wurde. Die Abegg'sche Zündmaschine leidet indessen leicht durch Feuchtigkeit, indem der eiserne Leitungsdraht bald rostet, dem aber durch Verwendung von Kupferdraht vorgebeugt werden kann. Die etwas theuerc Zündmaschinc von Vorchard in Braunschweig sott sich in der Feuchtigkeit besser erhalten.

F. Ab egg hat elektrische Dctonationszündcr angefertigt, welche nach seiner Angabe in der Beilage zu Nr. 43 des „Berggeist", Jahrg. 1870 aus einer 2z Zoll (66"°) langen verzinnten'Blcchkapsel bestehen und eine Knallpulverladung nebst elektrischer Zündvorrichtung enthalten, wodurch den Arbeitern die Anwendung der elektrischen Zündung beim Wegthun der Bohrlöcher sehr erleichtert wird. Die mit der Abegg'schen elektrischen Zündmaschine angestellten und von dem Dircctor Seel in Ramsbcck, sowie vom Ingenieur Pischoff in Vrünn geleiteten Sprcngversuche haben durch das gleichzeitige Wegthun mehrerer Bohrlöcher so günstige Resultate erzielt, eine so große Wirksamkeit der Schüsse nachgewiesen, daß der Gegenstand gewiß die besondere Aufmerksamkeit des Bergmannes verdient und die allgemeine Anwendung der elektrischen Zündung sich in allen dazu geeigneten Fällen sehr empfiehlt.

Nachdem die mit dem Dynamit in vielen Vcrgreviercn angestellten Versuche zum größten Theil günstige Resultate, namentlich in Beziehung auf seine große Sprengkraft, gegeben hatten, welche bei vorurthcilsfrcier Vcurtheilung dessen Vorzüge vor dem gewöhnlichen Pulver nachwiesen, hat das Dynamit auf zahlreichen Bergwerken als Eprengmaterial fortgesetzte Nnwendung gefunden und fast überall das weit gefährlichere Nitroglycerin verdrängt. Außer von Nobel wird dasselbe jetzt auch von Dittmar in Charlottenbürg dargestellt und in Nordamerika sowol in New-Dork, als auch in San Francisco fabrieirt. Wenn auch die damit erzielten Vortheile in den dafür berechneten Geldbeträgen hin und wieder zu hoch angegeben werden, so ist doch bei den meisten damit ausgeführten Arbeiten dem gewöhnlichen Pulver gegenüber eine nicht unbedeutende Gcldersparniß als erwiesen anzunehmen. Der Bergmann muß aber zunächst durch längere Verwendung des Dynamits, dessen richtige Behandlung und dessen Wirkung der Sprengung bei den verschiedenen Gesteinen näher kennen und besser beurtheilen lernen, bevor eine vollständige Ausnutzung der Sprengkraft und die damit verbundenen Vortheile des Dynamits erwartet werden dürfen. Nach den bisher gesammelten Erfahrungen ist das Dynamit vorzugsweise zur Verwendung in sehr festem, in drüsigem und in sehr wasserreichem Gesteine geeignet und hat sich in solchen, namentlich beim Schachtabteufen, in vielen Revieren schon jetzt den Ruf

eines unentbehrlichen Sprcngmaterials erworben. Bei dem Schachtabteufen haben senkrecht stehende, 50 bis 70 Zoll (1°>l bis I",«) tiefe und 1^ bis 2 Zoll (40 bis 52"°) weite Bohrlöcher bei einer Ladung von ^ bis 1 Pfd. Dynamit und wasserdichter Zündung unter bloßem Wasserbcsatz Vorzügliches geleistet, indem dabei das in wasserreichem Gestein beim Pulver so sehr viel Zeit raubende Austrocknen und Besetzen der Bohrlöcher wegfällt und die Schüsse das Gestein strahlenförmig weitab um das Bohrloch herum zerreißen und in seiner unmittelbaren Umgebung stark zertrümmern, so daß nach Entfernung der losgesprcngten Gcsteinsmassen dem Schachte mit kleincrn Bohrlöchern die erforderliche Weite leicht gegeben werden kann. Dabei ergab sich nicht nur eine namhafte Arbcitscrsparniß, so daß, ungeachtet des höhern Preises des Dy» namits von 18 Sgr. (jetzt nur 15 Sgr.) das Pfund gegen 2z Sgl. für das Pfund Pulver, dennoch eine Kostcncrsparniß sich berechnete, sondern auch, was in den meisten Fällen mehr in das Gewicht fällt, durch schnelleres Vorrücken des Abteufens ein ansehnlicher Zeitgewinn sich erwies, indem unter gleichen Verhältnissen und in, gleicher Zeit bei Dynamit 3 Lachter (6",2»), bei Pulver aber nur 2 Lachter (4",i«) abgeteuft wurden.

Ucberzeugend für die größere Leistungsfähigkeit des Dynamits sind die Resultate, welche nach „Glückauf" vom 27. Mai 1870 bei dem Niederbringen der Ticsbauschächte von der zweiten bis zu der dritten Bausohlc aus den beiden Nachbargrubcn „Vcr. Hamburg" und „Ringeltaube" bei Annen erzielt wurden, indem hier die im Liegenden des Hauptflötzeö auftretenden Gcbirgsschichten ans ziemlich gleiche Höhe unter Verwendung von gewöhnlichem Pulver auf crsterer und von Dynamit auf letzterer durchsunkcn worden sind.

Die Kostenberechnung, welche unsere Quelle in Detail enthält, crgiebt bei dem Dynamit eine Ersparnis; von 18 Thlr. pro Lachter (8ß Thlr. pro Meter), welche bei der inzwischen eingetretenen Preisermäßigung des Dynamits um 25 pCt. auf etwa 20 Thlr. (9z Thlr.) steige» würde.

Wenn, wie der Berichterstatter ganz richtig bemerkt, dieser Vorthcil, zu welchem auch noch die je nach der Art der Belegung mehr oder weniger große Zeitersparnis) treten würde, sich nicht so bedeutend herausgestellt, als von der dem Dynamit innncwohnenden höheren Schlagkraft zu erwarten gewesen wäre, so hat dies hauptsächlich seinen Grund darin, daß auf „ Ringeltaube" verhältnißmäßig viel weniger Sandstein zu durchbrechen war, als auf,, Ver.Hamburg". In einem zähen Schieferthon kann die Wirkung des mit größerer Schnelligkeit erplodirenden Dynamits nicht so zur Geltung kommen wie in der spröderen Sandsteinmasse. Am größten wird der Vorteil des Dynamits bei Sprcngarbeitcn sein, welche in einem wasserreichen, zerklüfteten Gestein betrieben werden, bei welchem durch das Versagen und Verschlagen der Schüsse, das Austrocknen und Besetzen der Bohrlöcher der Verwendung des Pulvers besondere Schwierigkeiten entgegentreten.

Weniger günstig sind die Ergebnisse, welche man bis dahin mit Dynamit bei dem Ortsbetricbe erzielt hat. Doch hat auch hier bei festem und wasserreichem Gestein das Dynamit ähnliche Vortheile — Kosten- und Zeitersparniß — ergebe», während es beim Ortsbctrieb in wenig festem und weniger wasserreichem Gestein des höheren Preises wegen mit Pulver nicht concurriren konnte. Auch bei der Stcinkohlengewinnung hat sich das Dynamit, thcils aus gleichem Grunde, theils aber auch wegen Verminderung des Stückkohlenfalls, keinen Eingang verschaffen können, und ist dessen Gebrauch da, wo man es bei der Steinkohlcngcwinnung versucht hatte, wieder aufgegeben worden. Die größere Sprengkraft des Dynamits dürfte auch bei weiterem Sinken seines Preises ein stetes Hindcrniß seiner Verwendung bei der Kohlengewinnung bilden, wenn nicht etwa mit engen Bohrlöchern und einem schwächer« Dynamit günstigere Resultate als seither zu erzielen sein möchten. Dagegen wird sich der Gebrauch des Dynamits beim Ortsbctrieb aber gewiß mehr Eingang verschaffen, wenn erst die Bergleute sich damit näher befreundet und dieses Sprengmaterial, wie dies bereits auf mehreren rheinischen Bergwerken der Fall ist, lieb gewonnen haben werden, da auch beim Ortsbctrieb durch sogenannte Trichterschüssc mittelst tiefer, in der Mitte des Ortes angesetzter, im Streichen der Strecken geführter, und nach der Sohle schwach geneigter Bohrlöcher leicht ein bedeutender Einbruch hergestellt werden kann.

(Schluß folgt.)

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