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Kilogrm. Dies crgicbt sich für die verschiedenen Materialien über» einstimmend aus der nachstehenden Zusammenstellung, in welcher die Spannungen in Kilogrammen pro Quadratmillimcter angegeben sind.

Es dürfen bei gleicher Sicherheit gegen Bruch und Inanspruchnahme gegen Biegen oder Zerreißen Differenzen in der abwechselnden Spannung stattfinden: bei Eisen

von —11,? bis -5-11,? im Ganzen 23,4
0 - -5-22,0 - - 22.a

- -5-17,° ° -4-32,u - - 14,5, bei Achsengußstahl

von —20,5 bis -5-20,5 im Ganzen 4I,o
N - -5-35,« - - 35,o

- -5-25,« - ^-58,5 - - 32,9, bei ungehärtetem Fcdcrgußstahl

von 0 bis 36,5 im Ganzen 36,5

- ^- 18,5 ° 51,2 > - 32,9

- -5-29,2 - 58,5 - - 29,3

- ^-43,9 - 65,8 - - 21,9,

und bei Inanspruchnahme auf Schubfestigkeit bei Achsengußstahl von —16,n bis -5-16,o im Ganzen 32,o 0 - -5-27,8 - - 27,8, natürlich unter Voraussetzung, daß die größte eintretende Fascrspannung noch unter der absoluten Vruchgrcnzc liegt.

(Schluß folgt.)

Physik.

I°d6»ri« i»6olmi<in« <Ie III eli^Iyur p»r li. OI»u8iu8

tr»6uite 6s 1'»IIem»n<i p»r 5?. k'ulie, prolesseur il l'Hcole 6e» ^lineg 6« I^wß«. Paris l 868 und 1869. Eugöne Lacroir.— Bekanntlich hat ClausiuS eine seit 1864 in zwei Thcilen erschienene, mit Anmerkungen und Zusätzen versehene Sammlung seiner seit 1850 geschriebenen und besonders in Poggendorsfs „Annale« der Physik und Chemie" zerstreut veröffentlichten Abhandlungen über die mechanische Warmethcorie veranstaltet. Von dieser Sammlung ist vorliegendes Werk eine getreue llcbersetzung, weshalb eine sachliche Bcurthcilung hier nicht weiter in Frage kommen kann, als durch die Anerkennung der Sorgfalt, welche auf die Correcthcit und den Styl der Urbcrsctzung verwandt wurde, so daß auch von deutschen Lesern diese Epoche machenden Abhandlungen mit nicht geringerer Befriedigung in dieser französischen, wie in der deutschen Ausgabe zu lesen sind. Ersterc hat selbst einen Vorzug vor dem deutschen Werke durch einige neue Noten, welche Clausius hinzufügte, indem er die Ucbcrsetzung auf den Wunsch des Uebcrsetzcrs einer vollständigen Durchsicht unterwarf; auch enthält der erste Thcil, welcher die allgemeine Theorie und ihre Anwendung auf die in der Wärmelehre gewöhnlich behandelten Körper, sowie aus die Theorie der Dampfmaschine betrifft, die in der deutschen Ausgabe noch fehlende, weil erst 1865 geschriebene Abhandlung „über verschiedene für die Anwendung bequeme Formen der Hauptglcichungcn der mechanischen Wärmethcorie", nebst einem Zusatz „ über die Bestimmung der Energie und der Entropie eines Körpers", wogegen im zweiten Theilc, der die Anwendungen der mechanische» Wärmcthcoric auf die elektrischen Phänomene und die Erklärung der Wärmcwirkungen durch die Molecularbewegungcn zum Gegenstande hat, der letzte Artikel des deutschen Werkes, die weitere Entwickeln»«; der Auseinandersetzungen des vorletzten Artikels „über die Natur des Ozons" enthaltend, in der französischen Ausgabe gemäß dem Vorschlage des Verfassers weggelassen wurde. Jedem der beiden Theile ist vom Hrn. Ucbersctzer eine Ueberstcht der Hauptresultate der betreffenden Abhandlungen uorangeschickt. G.

Uebei Felbtelegraphie. — In dem „Polytechnischen Centralblatt", 1870, Nr. 18, S. 1233, bringt Dr. gctzschc eine interessante Zusammenstellung über die Apparate und Vcrfahrungswciscn der elektrischen Fcldtclcgraphic, dieses so wichtig gewordenen Zweiges der modernen Kriegskunst. Da mcistcntheils die Einrichtungen der preußischen und französischen Armee einander gegenüber gestellt werden, so dürfte eine Wiedergabe des Hauptsächlichsten aus der angezogenen Oucllc zur Zeit für den größten Theil unserer Leser nicht unerwünscht sein.

Nach einer sehr kurz gehaltenen Darstellung der Geschichte der Fcldtclcgraphic bespricht der Verfasser zunächst die Aufgabe der Feldtclegraphic. Diese kann es natürlich nicht sein, die einzelnen Armectheilc unmittelbar tclcgraphisch mit einander zu verbinden, denn dabei würde während der Vor- oder Rückmärsche ein so vielfacher Wechsel im Auslegen und Wiederaufnehmen der Leitungen erforderlich werden, welchem, besonders bei ungünstigen Terrainverhältnissen, weder rückficbllich des dazu nöthigcn Materials, noch rücksichllich der dazu unentbehrlichen Mannschaft genügt werden kann; ganz abgesehen davon, daß die Leitungen und ihr Material zu leicht einer Gefährdung durch den Feind ausgesetzt sein würden. Schon die 1863 im Lager von Lhalons mit einem Telegraphen» kabcl angestellten Versuche zur Verbindung der einzelnen manövrircndcn Abteilungen haben dies klar dargcthan. Man verbindet daher gewöhnlich nur die Corpseommandanten tclegraphisch mit dem Höchstcommandirenden und der Opcrationsbasis, unter möglichster Benutzung schon bestehender oder wieder hergestellter Leitungen und Stationen des gewöhnlichen Tclcgiaphcunctzes. Höchstens ausnahmsweise werden bei den entsprechenden Vcrhällnisscn zwei Armcccorps unmittelbar mit einander verbunden. Der Gang des Telcgraphirens und der Wechsel in dem Feldtclcgraphcnnetz würde sich demnach bei einer aus mehreren Armcecorps bestehenden vorrückenden Armee folgendermaßen entwickeln. Die Hauptquartiere und das große Hauptquartier befinden sich zu Anfang längs der Operationsteils. Jeden» derselben ist eine Telegraphenstation beigegeben, deren Drähte in einer Zentralstation, welche ungefähr auf der Mitte der Operationsbasis liegt, zusammenlaufen. Jedes Telegramm, welches vom großen Hauptquartier erlassen wird, geht zunächst an die Centralstation und wird von dieser an das Armeecorps, an welches dasselbe bestimmt ist, befördert. Setzen sich die Hauptquartiere in Bewegung, so folgen ihre Ielegraphenstanonen, indem sie den nöthigen Draht hinter sich auslegen; die Crntralstation dagegen rückt bis aus weiteres nicht von der Stelle. Dabei kann von jeder Station jederzeit ein Telegramm nach der Centralstation und von dieser weiter befördert werden. Ist endlich die Armee mit ihren Tclegraphcnstationcn so weit vorgerückt, daß das Material zu Ende geht oder Störungen und Unterbrechungen der Leitungen mehr zu befürchte» sind, oder sind die Aufstellungen der Corps complicirlcr oder gar verlauscht worden, so wird in der Mitte der von den Corps nun cingenommcue» Linie eine neue Centralstation errichtet und dieselbe mit den Hauptquartieren unmittelbar verbunden. Die bisher von der erste» Centralstation nach den Hauptquartieren führenden Leitungen werden wieder aufgenommen, um von Neuem verwendet zu werten; nur die Leitung, welche das große Hauptquartier mit der hinter liegenden Civilstation verbindet, bleibt noch so lange liegen, bis sie entweder durch eine solidere Leitung ersetzt wird, oder bis das große Hauptquartier mit einer näher liegenden Civilstalion verbunden werden kann. Von der zweiten Centralstation aus wiederholen sich die Vorgänge beim weiteren Vorrücken der Armeen.

Da« tclcgraphischc Material für den Fclddicnst muß möglichst handlich, leicht zu transponircn und beim Transport nicht leicht Beschädigungen ausgesetzt sei». Als Elektricitätsquclle würden sich eigentlich magneto - elektrische Inductionsmaschinen empfehlen, da sie weder Säuren oder andere Flüssigkeiten, also auch keine zerbrechlichen Gläser erfordern, und da ihre Unterhaltung auch keine besondere Ucbcrwachung beansprucht. Doch hat man für die Feldtelegraphic wol durchweg galvanische Batterien verwendet. In Preußen bestehen diese Batterien aus kleinen Zinkkohlcelcmcntcn, welche in vulkanisirtcn Gummihülscn stehen und mit schwefelsaurem Quecksilbcroiydul gefüllt sind. Für jeden Apparat sind zehn Elemente bestimmt, also hat jeder Stationswagcn, der ein System mit zwei Apparaten trägt, eine Batterie von 20 Elementen, welche bei dirccter Verbindung noch auf 40 Meilen eine gute Verständigung ermöglichen. In Frankreich hat man Marie«Dauy'schc Elemente gewählt, dessen Zink in reinem Wasser und dessen Kohle in einem feuchten Brei von saurem schwefelsaurem Quccksilbcrorydul steht; für den Fclddicnst wcrdcn die Gläser mit Filz umkleidet, anstatt der Flüssigkeiten nasse Sägespäne angcwcndet und die Stöpsel eingcschliffcn; jede Feldbattcrie hat zehn Elemente.

Das Modell zu den französischen Felbapparatcn <po»te» militmre») wurde schon vor 1859 nach Angabe der französischen Verwaltung der Telegraphen von Digncy als Farbschrcibcr entworfen. Der Apparat steht in einem Kasten, an dessen Rückwand er durch zwei Schienen befestigt ist; die Vorderwand »nd die zwei Seitenwände des Kastens lassen sich zurückschlagen, damit der Apparat benutzt werden kann, ohne daß er heraus genommen werden muß. Der Taster ist a» der rechten Seite des Brettes befestigt, welches den Empfangsapparat trägt, links sind auf demselben das Galvanometer und der Blitzableiter; zuweilen ist noch ein Umschalter und Wecker vorhanden. Ein Relais ist gewöhnlich unnöthig. Die 1667 in Paris von Ocsterrcich ausgestellten Fcldtclcgraphen halten kleine, sinnreich angeordnete Morseapparate auf Schemeln, welche offen einem Stuhle mit wagcrccht gelegter Lchnc gleichen, sich leicht zusammenklappen lassen und das ganze tclcgraphischc Gcräth in sich aufnehme»; setzt sich der Beamte rittlings auf den Schemel, so hat er sämmtlichc auf der Lehne befestigte Apparate zur Hand. Auch die preußischen Apparate stehen in Kasten, welche sich aufund zuklappen lassen; der Thcil des Kastens, welcher sich links aufklappt, ist mit grünem Tuch überzogen und dient als Schreibtisch. Die Scharniere am Kasten machen einen Theil der Tischlcitung aus, die zum Theil auch unter dem grünen Tuche liegt und nicht sichtbar ist. Eine solche Station ist durch zwei Leitungen mit den beide» benachbarten Stationen verbunden; sie enthält daher zwei Morseschreibapparate, zwei Galvanometer, zwei Taster, eine Batterie und einen Umschalter.

Als Leitungsdraht für die Fcldtclegraphcn verwendet man in Frankreich nicht de» für die gewöhnlichen Linien benutzten 4°"° dicken galuanisirtcn Eiscudraht, vo» welchem l Kilomtr. 100 Kilogramm wiegt, dessen Elasticitätsgrenzc bei 200 Kilogrm. liegt und der bei 500 Kilogrm. zerreißt, sondern den weniger steifen und schweren Kupferdraht von 1°"°,« Dicke, von welchem 1 Kilomtr. nur 22,5 Kilogrm. wiegt und welcher, obgleich seine Zugfestigkeit nicht groß ist, doch Spannweiten von 200 bis 300" zuläßt. Auch in Preuße» führen die Feldtelcgiaphcn-Abteilungen Kupferdraht, theils blanken, thcils isolirtcn. An Stelle der zu schweren und zerbrechlichen Isolatoren von Glas oder Porzellan wählte man in Preußen, Ocstcrreich und Frankreich kleine und leichte Isolatoren aus Kautschuk; der französische Isolator besteht aus einer hohlen Halbkugel, auf welcher ein ebenfalls hohler Cylinder sitzt.

Als Träger dienen bei den preußischen Fcldtclcqraphen Stangen von 12 Fuß (3",?«) Länge und 1^ Zoll (40°°) Stärke, für Uebergänge solche von 20 Fuß (6°» Länge und 2 Zoll (52°"°) Stärke, bei den französischen dagegen leichte Pfähle (Lanzen) von 3°,s Länge, deren 200 Stück auf einen Trainwagen geladen werden können; auf der Spitze dieser Lanzen ist ein oben ausgebauchter Eiscnstab befestigt, auf welchen der Isolator aufgesteckt und dann der Draht in einigen Umwickclungen festgeschnürt wird, worauf die Lanze etwa 0",4 tief in den Boden eingestoßen und durch Holzpflöcke weiter befestigt wird, an Ecken zuweilen auch noch durch Rüstscilc, welche mit einer Schleife um die Lanze geschlungen sind und nach in die Erde geschlagenen Eiscnpfählchen laufen. An Wegeübergängcn werden zwei Lanze» durch Bcrlä»geiu»gstinge mit Klemmschrauben über einander befestigt.

Für fliegende Linien, welche sehr schnell errichtet werden sollen, wurden als Ersatz für die i» der Luft ausgespannten Leitungen mehrfach Kabel vorgeschlagen und verwendet. Diese müsse» aber so leicht sein, daß das Gewicht der von einen» Kabel gebildeten Rolle 90 Kilogrm. nicht übersteigt, weil sonst die Rollen nicht mehr handlich sind. Die dünnen, gut isolirten und sehr soliden Kabel werden zum bessere» Schutz gegen Beschädigungen, »amc»t« lich durch Wagenräder, und um sie zu verberge», in Straßcngräbc», Buschwerk ic. ci»gclcgt, auch wol da, wo sie Straßen kreuzen, in besondere Gräben. Als Leiter für diese Kabel empfiehlt sich der größeren Festigkeit wegen Eisen» oder Stahldraht, als Isolationsmitlcl Kautschuk, weil dieser weniger leicht zerdrückt wird, als Guttapercha. Französische Versuche mit einem Kabel, dessen Leiter ein Strang von vier oder fünf Stahldrähten i» einer GuttaperchaHülle war, befriedigten ebenso wenig, wie die >?68 im Lager von Ehalons mit einem Kabel, dessen Strang aus fünf Kupfcrdrähtcn durch Baumwolle vor der Berührung mit der Guttapercha geschützt war. Die Amerikaner benutzten im Kriege ein dünnes und zugleich festes Kabel mit einem Strang von sieben verzinkte» Kupfcrdrähtcn in cincr Hülle von vulkanisirtem Kautschuk. Ein bei neuere» Versuchen verwendetes, noch vollkommeneres Kabel mit einem Strang aus sicbcn Eiscndrähtcn in cincr Kautschukhüllc und noch mit einem mit Kautschuk bestrichene» Bande umwickelt, war nur 5°"" dick, wog nur 4V Kilogrm. pro Kilometer und vertrug 100 Kilogrm. Belastung. Die Räder der schwerstcn Wagcn vermochten es nicht zu durchschneide», selbst wc»» es auf die Schienen gelegt wurde. In angcmesscncn Entfernungen wird ein solches

Kabel durch Klammern mit zwei Spitzen am Boden befestigt. Da, wo zwei Kabclcndcn zu verbinde» sind, schiebt man über die verbundenen Drähte einfach einen Kautschukschlauch und bindet ihn fest. ^ ^ (Schluß folgt.)

Chemie.

Ginfluß der Spannung »uf die Zersetzung des Wasserdampfeß

durch erhitztes Eisen. Dcvillc hat der Pariser Akademie der Wissenschafte» am 23. Mai d. I, Versuche mitgethcilt, welche geeignet sein möchten, die auffallende Thatsachc zu erklären, daß das Wasser durch metallisches Eisen in der Hitze zersetzt wird, indem Eisc»orydoiud»l und Wasserstoff gebildet werde», während umgekehrt Eisenorydorptul durch Wasserstoff bei derselbe» Temperatur zu metallischen Eise» rcducirt werden kann. Um zu erfahre», ob die Temperatur hierbei vo» Einfluß sei, wurde der Wasscrdampf über reines Eisen geleitet (durch Ncduciion vo» reinem Eiscnoryd mit Wasserstoff erhalte»), welches sich für Temperaturen unter 300° in einer Glasröhre in einem Oel- oder Quccksilbcrbadc befand, für 366° und 440° in kochenden» Qnccksilbcr rcsp. Schwefel, für Temperaturen über 440° in einen« Porzclla»rohr, welches i» Bäder vo» siedendem Cadmium (860°) oder Zink (1040°) gebracht war. Specicllcrc Mittheilungen über die angcwcndcte» Apparate übergehe» wir hier als unwesentlich für das Resultat der Untcrsuchungc». Zur Erzeugung noch höherer Hitzegrade bediente sich De» villc einer „Miucralölstamme, deren Temperatur er vermittelst seiner graduirte» Hähne consta»t erhielt."

Das Rcduttiousrohr war mit der Retorte, welche den Wasscrdampf lieferte, luftdicht verbunden, und am anderen Ende mit einem als Manomctcr dicncnden, 90 Ecntimctcr langen verticalcn Glasröhr verbunden, welches in ein Gefäß mit Quecksilber tauchte. Ein au» oberen Ende des Manometcrrohrcs luftdicht angelöthctcs Röhrcustück setzte das Innere des Apparates in Verbindung mit cincr Sprengel'schcn oder Gcislcr'schen Luftpumpe. Eine Einrichtung, „welche man sich leichter vorstellen als beschreiben kann", machte es möglich, die Röhre» mit irgend cincm Gase, namentlich reinem Wasserstoff, zu fülle».

„ Die kleine Glasrctortc mit den» Wasser befand sich cntwcdcr in Eis oder in Wasser von constanter Tcmpcratur, die stets niedriger als die umgebende erhalten wird, damit sich außer dieser Netorte kein Wasscrdampf verdickten kann."

Das Ergcbniß der Persuche war folgendes!

1. Wenn man Wasserdampf auf eine beliebige Menge Eisen cinwirkcn läßt, so wird dicses so lange oivdirt, bis daß die Spannung des erzeugten Wcisserdampfcs einen unveränderlichen Werth erreicht hat, wen» die Temperatur selbst sich auch ändert; diese Spannung kann ein sehr klei»cr Bruchtheil der atmosphärischen scin. Da diese Spannung durchaus unabhängig von der Mcngc dcs dcr Rcaction unterworfene» Eisens ist, so kann man sagen, daß die von Bcrthollct in dcr Wissenschaft uuter den» Namen dcr MasscnWirkung angcführtc Hypothese nicht zur Erklärung der Erscheinung diene» kann. Im vorliegenden Falle kann 1 Gr.

Wasser mit 10, 100, 1000 Gr. fcinvcrthciltem rothglühendcn

Visen zusammen gebracht werden, ohne daß sich mehr zersetzt als erforderlich ist, um dem Wasserstoff in dem vorhandenen Räume das dcr Temperatur des Eisens entsprechende Marimum der Spannung zu geben. Kurz, das Eisen verhält sich hier, als wenn es rcincn Dampf gcmäß dcn Gcsetzen dcr Hygrometric ausgäbe.

Wenn dcr Wasserstoff für die gegebene und unverändert bleibende Temperatur das Marimum dcr Spannung erreicht hat, und man alsdon» eine gewisse Mcngc Gas herausnimmt, so wird die momcnta» verminderte Spannung bald durch die Zersetzung einer neue», aus dcr Rctortc verdunsteten Menge Wasser ergänzt.

2. Wenn man schnell Wasserstoff eingepumpt hat, um die Spannung zu vermehren, so nimmt diese allmälig wieder ab, das Quecksilber sinkt auf seine anfängliche Höhe zurück, indem ein Thcil dcs cntstandcncn Eiscnor^tcs rcducirt wird, um Wasser zu erzeuge», das sich i» dcr Rctortc co»dc»sirt. Dcr von dem Eiscn erzeugte Wasserstoff gehorcht also dcn Gesetzen dcr Hvgrometric wie das i» einem veränderlichen Räume bei constanter Tcmpcratur enthaltene Wasser, welches Darin verdunstet oder condcnsirt wird, damit dieser Raum mit Dampf gesättigt bleibt.

3. We»n Wasserdampf von bestimmter Spannung mit Eiscn bci gleichbleibender Temperatur in Berührung ist, so kann dcr Raum, in welchen» sich dcr fcuchtc Wasserstoff befindet, auf jede bclicbigc Tcmpcratur gebracht werben, ohne daß die Spannung sich

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darin ändert. Wenn man z. V. den Apparat erhitzt, so wächst die Spannung, und der Wasserstoff „condcnsirt sich" auf dem orydirtcn Eisen; er erhält das Marimum der Spannung für die Temperatur, auf welche das Eisen erhitzt ist. Es liegen also hier eine offenbare Analogie des Watt'schcn Principcs und eine neue Anwendung eines der wichtigsten Gesetze der Hygromctric vor.

Dies sind die hauptsächlichsten Resultate, welche Devillc erhalten hat und bei welchen er sich auf die Fälle beschränkte, bei denen die Temperatur des Wassers und des Eisens nicht geändert wurde. (Auszug aus „^nn»Is8 äu (^eni« civil", 1870, Juni, S. 458.) Ls.

Feuerungen und Dampfkessel.

Zuverlässigkeit der Federmanometer. ^ Einen interessanten

Beitrag zu der Frage über die Zuverlässigkeit der Metallmanometer geben die Vergleiche, welche bei der diesjährigen Ausstellung der Royal Agricultural Society, die in Orford abgehalten wurde, über die Angaben von Manometern verschiedener Fabricanten mit denen des Eontrolmanometcrs der Gesellschaft angestellt wurden. Fast sämmtliche auf dem Platze anwesende Manometer wurden der Prüfung unterzogen, und geben einige derselben allerdings nicht unerhebliche Abweichungen gegen den Druck des Controlmanomcters von 50 Pfd. engl. Maß (3,5 Kilogrm. pro Quadratcentimeter), welcher den Proben zu Grunde gelegt wurde.

Die Nr. 761 des „NnFineer" bringt auf S. 82 eine ausführliche Tabelle über die 120 untersuchten Instrumente, aus welcher wir die nachstehenden Vcrgleichungcn abgeleitet haben.

Die größten Abweichungen waren 60 Pfd., welche dreimal vorkommen und nach der anderen Seite 44 Pfd. einmal vorkommend, dagegen stimmten mit den Eontrolmanomctern übcrein acht Angaben, und zwar bei Schäffcr <K Vudcnbcrg 5 unter 43 Stück, bei Saltcr eines von 3 Stück und bei Bourdon 2 von 15 Stück.

Bei weitem die meisten Manometer waren von Sch äffer H Vudenbcrg, nämlich 43, von welchen, wie oben erwähnt, fünf übereinstimmten. Die Grenzangabcn waren 49 Pfd. und 58 Pfd., beide einmal vorkommend, 55 Pfd. wurden von 24 Instrumenten markirt. Danach kommen 15 Manometer von Vourdon, drei übereinstimmend, die Grenzen zwei mit 51 Pfd. und eins mit 6N Pfd. Smith hatte 8 Stück zwischen 52 und 58 Pst. schwankend, ebensoviel Ruston ProctorHCo., nach Dewitt gebaut, mit Angaben zwischen 51^ und 60 Pfd., auch Baincs H Tait (Vourdon'sehe Construction), deren Anzeigen zwischen 52^ und 57 Pst. liegen. Schäffcr, Vudenbcrg H Co. hatten 6 Manometer am Platz, deren Mehrzahl 55 Pst. Druck zeigte, mit niedrigstem Druck von 54 Pst. und höchsten von 56 Pfd., also ziemlich unter einander übereinstimmend. Danach folgten mit 5 Stück Dubois (nach Vourdon) 56 und 58 Pfd. zeigend, und Smith in Nottingham mit Angaben zwischen 51 und 56 Pst. Von Salter waren drei Manometer, eins 50 Pst., die anderen höheren Spannungen bis zu 60 Pst. angebend, ebensoviel von Hayward, Tyler <K Co., die von 48 bis 59 Pst. variirtcn, und Dcwit (nach Vourdon'schein System) von 56 und 58 Pst. zeigend. Die beiden Manometer von Ashby Icffcry (nach Bourdon) zeigte» 5l und 54 Pst., die von Isaac Storey (ebenfalls Construction nach Vourdon) 54 und 57 Pst., die übrigen Firmen waren mit je einem Apparat vertreten und zwar hatten Ashby Jessen, (Schäffcr'sche Anordnung) 53 Pfd., Llcwcllyn H James 56 Pst., Slack <K Wells 44 Pfd., Austin in Newcastle 54 Pfd., Middlcton 56 Pfd., die NcadingIron-Works 53^ Pfd., Turford 54 und Yarrow <K Hcadley 52 Pfd. angezeigt. R. Z.

Chemische Technologie.

Ueber den gegenwärtigen Zustand der Schwefelsäurefabrieation

entnehmen wir einem Berichte von I. Lawrence Smith im ,8oieutiüo ^ineriean", Vd. XXI, Nr. 21, die folgenden Bemerkungen.

Um Aufschluß über das Verhältnis der in den Vleikammcrn enthaltenen Menge schwefliger Säure zu der der unwirksamen Gase zu erhalten, bedient man sich immer mehr einer titrirten, durch Stärke blaugefärbtcn Iodlösung, indem man durch diese mittelst eines Aspiraiors Gas aus den Vleikammcrn streichen läßt. Die

Menge dcr unwirksamen Gase, Sauerstoff uud Stickstoff, crgiebt sich aus dem Volumen des ausgeflossenen Wassers, während die schweflige Säure von dcr Iodlöfung absorbirt und aus dem Gehalt nach dem Versuche berechnet wird.

Wenn beim Verbrennen von Kiesen der Luftzug richtig rc» gulirt ist, so kann man 126 Theile Schwefelsäure von ION Theilen Kies mit 45 pCt. Schweftlgehalt erhalten, so daß 42 pCt. Schwefel ausgenutzt werden. (Nach Lunge enthalten gut ausgeröstete Kicsrückständc nur 2 pCt. Schwefel, 4 pCt. dürfen als Marimnm gestattet werden. Dingler's „Polytechn. Iourn.", Vd. 186, S. 225.) Auf der Rhcnania bei Stolbcrg erreicht man noch weit günstigere Resultate. (LS.)

Die Menge Chilisalpctcr, welche auf 100 Theile Schwefel erforderlich ist, beträgt nach Wright in verschiedenen Fabriken:

bei Kiesen mit 40 bis 50 pCt. Schwcfelgehalt 8,5 pCt.
- 30 - 50 - - 12,u -

- » von 35 mittlerem - 12,3

- reinem Schwefel 1U,o

In Frankreich geschieht die Conccntration der Schwefelsäure fast überall in Platinblascn, während in England und Belgien etwa 5 der erzeugte» Säure in Glasrctortcn eingedampft werden. Man ist zu diesen zurückgekehrt, nachdem in dcr Fabrication derselben große Verbesserungen gemacht worden sind. Sie sind sehr groß und werden thcils über offenem Feuer, thcils in Sandbädcrn erhitzt. Man sorgt dafür, daß sie beständig in Vctricb bleiben, indem die fertige Säure mittelst eines Hebers abgezogen und sogleich neue schon erhitzte Säure nachgefüllt wird. Die Temperatur im Dtstillationsraum ist sehr hoch, und besondere Vorkehrungen zur Ableitung dcr Dämpft sind nöthig. Die Kosten für Anschaffung, Vruch :e. beträgt bei den Glasretorten nicht viel mehr als die Hälfte dcr jährlichen Zinsen der Kosten von Platinblascn. <Vergl. hierüber auch Vd. IX, S. 543.)

Die Platingefäßc werden zwar von reiner Schwefelsäure nicht

angegriffen, wol aber in geringem Grade, wenn dieselbe salpetrige

Säure enthält. Dieses laßt sich ziemlich vollständig durch einen

Zusatz von schwefelsaurem Ammoniak vor der Destillation verhindern.

Ls.

Bergwesen.

Ueber die neuen Sprengmittel beim Bergbau bringt der

„Verggcist" im Juli und August d. I. eine längere Abhandlung vom Bcrgrath Dr. Vurkart, in welchem die über diesen Gegenstand in verschiedenen Zeitschriften gemachten Veröffentlichungen übersichtlich zusammengestellt sind, um schließlich zu einem vergleichenden Urthcil über die hauptsächlichsten neuen Sprcngmittcl, namentlich Schießbaumwolle, Dynamit, Dualin, Lithofracteur, zu gelangen. Wir theilen den Inhalt dieser Abhandlung im Wesentlichsten mit, um unsere Leser über die Fortschritte auf diesem Gebiete in Kenntniß zu erhalten, nachdem wir Vd. XI unserer Zeitschrift über das Nitroglycerin ausführlich berichtet haben. —

1. Die Schießbaumwolle wird bekanntlich durch Behandlung von Baumwolle in einer Mischung von englischer Schwefelsäure und rother rauchender Salpetersäure nach verschiedenen Verfahrungswcisen erzeugt, unter denen derjenigen, welche der österreichische General v. Lenk in Anwendung gebracht hat, dcr Vorzug gegeben wird. Nach den besten Analysen hat die Schießbaumwolle die Formel dcr Trinitrocellulose, und zwar: 0,,H7(N()<),(),», ist demnach als Baumwolle O,,N,,(1,, zu betrachten, in welcher 3 Aequivalente Wasserstoff durch 3 Aequiualentc Untcrsalpctcrsäuie ersetzt worden sind. Gut bereitete Schießbaumwolle hat das äußere Ansehen von gewöhnlicher Baumwolle, fühlt sich aber rauher als diese an, und hat an Elasticität verloren. Sie ist in Wasser, Alkohol und Essigsäure unlöslich, schwer löslich in reinem Aether, leicht löslich aber in alkoholhaltigem Aether und in Esstgäther. Bis zur Uncntzündlichkeit mit Wasser getränkt, verliert sie ihre Grplosionsfähigkeit, bleibt im Ucbrigen aber unverändert, so daß sie nach dem Trocknen wieder ebenso leicht wie vor dcr Befeuchtung crplodirt. Vei längerer Aufbewahrung im trockenen Zustande erleidet die Schießbaumwolle einc Zersetzung, welche meisten» theils nur einc ruhige Gasentwickelung zur Folge hat, aber auch eine Selbstentzündung herbeiführen kann. Die Angaben über die Temperatur, bei welcher die Schießbaumwolle sich entzünden soll, stimmen nicht ganz miteinander überein, indem sie häufig bei 90' bis 100° <3. getrocknet wird, bei weit geringerer Erhitzung aber auch schon Entzündungen vorgekommen sind. Lockere oder auch comprimirte Schießbaumwolle »nt stammenden oder glühenden Körpern in Berührung gebracht, entzündet sich und verbrennt rasch, selbst in leichtem Einschluß ohne Erplosion. In festem Einschluß, z. V. in Bohrlöchern, wird sie dagegen durch Reibung oder Stoß zur Erplosion gebracht.

Nach den angestellten Versuchen soll die Schießbaumwolle das beste Schieß- oder Schwarzpulver sechs bis zehn Mal in der Erplosions- oder Sprengkraft übertreffen und beim Erplodirc» weder Rauch noch Rückstände geben. Bei den in vielen Bergrcviercn damit vorgenommenen Sprcngvcrsuchcn bethätigtc sich die größere Kraft der Schießbaumwolle im Vergleich zum Schwarzpulvcr zwar ebenfalls, doch nicht in dem angegebenen Verhältnis), indem selten mehr als die dreifache Kraft des Pulvers bei der Schießbaumwolle nutzbar gemacht werden konnte. Dabei erwies sich die Schießbaumwolle aber auch durch unerwartete Erplosion als sehr gefährlich und zeigte bei ihrer Verwendung zu Sprcngarbeitc» auch manche andere Unzuträglichkeitcn und Nachtheile, welche in Verbindung mit ihren fchr hohen Preisen und dein Mangel einer geeigneten Zündung ihre 'Anwendung beim Vergwerksbetrieb verhinderten.

Es wurden inzwischen in Preußen, Oestcrrcich, Frankreich und England umfassende Untersuchungen über die Eigenschaften und die Verwendung der Schießbaumwolle zu militärischen und industriellen Zwecken angestellt, von denen nur die in lctztgcdachtem Lande vorgenommenen Versuche hier näher erörtert werden mögen, da die dabei gewonnenen Resultate die ersprießlichsten für den Bergbau sind.

Die englische Regierung hat schon vor mehreren Jahren eine Commission unter dem Vorsitz des Gencrallicutcnant Sabine mit der Wiederaufnahme von Versuchen über die Eigenschaften der Schießbaumwolle und deren Verwendung zu militärischen und industriellen Zwecken beauftragt, welche auch schon 1864 und 1865 auf einigen Bergwerken und Steinbrüchen Englands Sprcngvcrsuchc mit Schießbaumwolle vorgenommen hat. Seitdem ist Prof. Abel, Chemiker in dem Laboratorium des Arscnalcs zu Wool» wich, mit ausgedehnten Versuchen mit der Schießbaumwolle, welche in der Fabrik der HHrn. Prentice ck Co. bei Stowmarkct bereitet worden, beschäftigt gewesen. Diese Versuche führten zu der für die Verwendung der Schießbaumwolle höchst wichtigen Wahrnehmung, daß dieselbe in Wasser getaucht und in diesem Zustande längere Zeit selbst einer Temperatur von 100° 0. unterworfen, sich gut erhalte, unverändert bleibe und — auch nur mit Waffer befeuchtet — unverbrennlich, daher in diesem Zustande bei dem Transporte und der Aufbewahrung ungefährlich sei, getrocknet aber wieder ihre Erplosionsfähigkcit erlange.

Auch nach den Untersuchungen vonRcdtenbacker, Schneider und Schröttcr in Wien soll die nach dem Verfahren von v. Lenk dargestellte Schießbaumwolle selbst bei längerer Aufbewahrung unter Umständen, unter denen Schießpulvcr ganz unbrauchbar werden würde, keine wesentliche Veränderung oder eine Selbstentzündung erleiden. Aehnlichc Resultate haben auch andere Versuche ergeben, und wenn auch bei einigen derselben nach vieljähriger Aufbewahrung der Schießbaumwolle eine freiwillige Zersetzung derselben eintrat, so hatte diese doch nur eine ruhige Gascntwicke» lung, keineswegs aber eine Erplosion zur Folge und da, wo diese eintrat, wurde solche durch andere Verhältnisse herbeigeführt. Die Unveränderlichkeit der Schießbaumwolle wird indessen noch von mancher Seite angezweifelt, weil bei ihrer Aufbewahrung zahlreiche Unglücksfälle durch Selbstentzündung vorgekommen sind, die man durch Zersetzung der Schießbaumwolle erklären zu müssen glaubt, und daher noch fortgesetzte Versuche für »othwcndig hält, um ihre Unveränderlichkeit und gefahrlose Aufbewahrung im trockenen Zustande darzuthun.

Auch die Bemühungen Abcl's, den großen Nachtheil zu beseitigen, welchen die Schießbaumwolle bei Sprcngarbcitcn in ihrem dreimal größeren Volumen im Vergleich zum Pulver darbot, wurden mit Erfolg gekrönt, und es gelang vollkommen, eine comprimirtc Schießbaumwolle in mäßig großen Patronen darzustellen. Das 1865 in England patentirtc, in der Fabrik von Prentice H Co. hierzu angewendete Verfahren besteht darin, daß kurz» faserige Baumwolle und selbst Abfälle der Vaumwollfabriken sorgfältig in Pottaschauflösung gekocht, in Wasser gereinigt, getrocknet und einem dem Lcnk'schcn ähnlichen Nitrifieationsprocesse unterworfen werden. Hierauf wird diese Masse in ähnlicher Weise wie bei der Papicrfabrication zu einem dem Ganzzeugc letzterer ähnlichen feinen Brei zeitheilt, dieser in nassem Zustande durch starke hydraulische Pressen unter einem Druck von mehr als

600 Atmosphären in eine feste Masse von dem spccifischcn Gewichte — 1 verdichtet und dann zu Patronen von Z bis 3 Zoll (22 bis 75"") Durchmesser verarbeitet, welche zu mäßigen Preisen zu kaufen sind.

Die ausgedehnten Versuche in Woolwich führten auch zu der Entdeckung, daß die Schießbaumwolle selbst im leichtesten Einschlüsse durch starke Knallpräparate zur augenblicklichen Erplosion gebracht werden kann, worüber auch Vd. XIII, S. 334 dieser Zeitschrift berichtet ist, und Abel hält dieselbe daher für ganz geeignet, das Schieß- oder Schwarzpulver in seiner Verwendung, wenigstens zu einigen seiner wichtigsten Zwecke, namentlich auch bei den bergmännischen Sprcngarbeilcn, zu verdrängen.

Im Februar 1869 wurden von Abel und Sopwith auf den Vleierzgrubcn von W. Veaumont bei Allenheads in Northumbcrland und auf einem Steinbruch daselbst im festen Kalkstein Sprengversuche mit der comprimirten Schießbaumwolle und einem das Knallpräparat enthaltende» Zünder angestellt, um die größere Wirksamkeit der crsteren im Vergleich mit Schießpulvcr darzuthun. Der Zünder bestand ähnlich den von Nobel für Dynamit eingeführten kupfernen Zündhütchen, in einem abgestumpft kegelförmigen, kaum 2 Zoll (5V""> langen, oben offenen, etwa 3 Linien, (6"") unten geschlossenen 1^ Linie (3"") im Durchme,ser haltenden zinnernen Röhrchcn, welches unten auf dem Boden das Knallpräparat, darüber einen kleinen Propfen von Schießbaumwolle enthält, oben aber leer und in seiner Mündung zum Schutze der Füllung mit gefirnißtem Papier zugeklebt ist, um nach Emscrnnug des letzteren hier die Zündschnur bis auf den Propfen einzuschieben und durch Zusammendrücken der Wandung des Röhrchens mittelst ciucr Zange an die Zündschnur zu befestigen. Die zinncrcn Zündkapseln erplodiren sowol durch Feuer, als auch durch einen starken Schlag, sind aber selbst bei nur geringer Vorsicht in ihrer Behandlung ungefährlich. Die Patronen von compiimirtcr Schießbaumwolle, welche in England angefertigt weiden, haben an einem Ende eine kreisförmige Ocffnung, um vor lein Gebrauche der Patrone die Zündkapsel in dieselbe einsetzen zu können, und erfordern keinen Besatz des Bohrlochs, gewähren also auch hiermit einen großen Vorzug vor dem Pulver.

Bei den Versuchen aus den vorangegebcnen Werken erhielten die 114 bis 28 Zoll (292 bis 711°") tiefen Bohrlöcher, je nach ihrer Tiefe und dem ihnen vorgegebenen Gestein, Patronen von l^ bis 6 Unzen (42,5 bis 170 Gramm) im Gewichte, mit einem Besatz von losem Sande, und wirkten im Allgemeinen »ach dem Zeugnisse des dabei anwesenden und bereits anit der Behandlung der Schießbaumwolle beim Sprengen vertrauten Verginspectors ganz befriedigend, obwol einige Schüsse der Erwartung nicht entsprachen. Zur Veranschaulichung der größeren Wirksamkeit der Zünder mit Knallpräparat wurde außerdem über Tage eine Unze Schießbaumwolle auf eine schwere Steinplatte gelegt und mittelst einer Zündung ohne Knallpulvcr entzündet. Sie verbrannte ohne besondere Detonation und Kraftäußerung unter Ausbruch eiuer lebhaften Flamme in etwa 39 Secunden, ohne irgend einen Gegenstand ihrer Umgebung zu beschädigen. Als aber ein gleiches Quantum Schießbaumwolle unter ganz gleichen Umständen auf die Steinplatte gelegt und durch den oben angegebenen, mit Knallpulver versehenen Zünder in Feuer gesetzt wurde, erplodirle sie plötzlich mit einer heftigen Detonation, wobei die Steinplatte in Stücke gesprengt und an der Stelle, aus welcher die Schießbaumwolle gelegen, buchstäblich in Sand verwandelt wurde. Auch bei Portsmouth sollen unlängst vergleichende Versuche mit Pulver und mit Schießbaumwolle unter Anwendung der Abel'sehen Zünder angestellt worden sein, und die Schießbaumwolle, wenn bei ihrer Anwendung mit der gehörigen Vorficht verfahren wurde, die günstigsten Resultate gegeben, bei dem geringsten Versehen aber auch ihre Wirkung den Erwartungen nicht entsprochen haben.

Mit Rücksicht auf die von Abel erzielten Verbesserungen der Schießbaumwolle hat nach den Angabc» in Dinglcr's „Polytcchn. Journal", Bd. 19N, S. 132, selbst Nobel schon in der Versammlung der British Association zu Norwich im Jahre 1868 geäußert, daß die in England in den Handel gebrachte Schießbaumwolle ein gutes Sprengmitlel bilde, dem Dynamit am nächsten stehe und nur ihre höheren Herstellungskosten die Concurrenz derselben mit dem Dynamit verhindern, so daß, wenn es noch gelingen sollte, die Schießbaumwolle billiger herzustellen, als bisher der Fall gewesen ist, auch der Frage über die Zweckmäßigkeit ihrer Verwendung bei dem Bergwerksbetrieb wieder naher zu treten, und neue

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Versuche über ihre etwaigen Vorzüge vor den übrigen Spreng« mittel« aiich in Deutschland wieder anzustellen sein dürften.

Unerwähnt möchte hier nicht zu lassen sein, daß die Verdienste, welche sich Abel durch langjährige Bemühungen, in der Schieß' baumwollc ein alle» billigen Anforderungen entsprechendes Sprcngmittel herzustellen, erworben hat, im eigenen Vaterlande nicht unangefochten geblieben sind. In dem „Wniu^ «lourual", Bd. 40, Nr. 1793, S. 3, ist nämlich, an den Austritt des Oberst Voicr aus seinem Amte als Vorsteher des Laboratoriums im Arsenal zu Woolwich anknüpfend, die Bemerkung enthalten, daß Professor Abel gleichfalls mehrere Patente aus Anfertigung von Schießbaumwolle u. s. w. erhalten habe, und daß von Vielen geglaubt werde, daß er auch bei der Fabrik von Prentice H Co. betheiligt sei, und nur aus diesem Grunde das Dynamit, dessen Gebrauch gleichzeitig mit dem Nitroglycerin durch gesetzliche Vorschriften sehr erschwert worden, als sehr gefährlich dargestellt, die Verwendung der Schießbaumwolle aber begünstigt habe.

Aber auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat man die Versuche, die Schießbaumwolle als Sprengmittcl beim Bergbau mit Vortheil zu verwenden, noch nicht ganz fallen gelassen. Nach dem „^,msrio»n ^ourukl olMninß", 1867, S. 129, sind auch auf der Grube Gould and Curry, auf dem ComstockGangc im Staate Nevada, Versuche mit Schießbaumwolle angestellt worden, welche günstige Resultate gegeben haben. Als besonderer Vortheil der Schießbaumwolle wird dort hervorgehoben, daß nach Erplosion der Ladung kein Gas und kein Rauch in den Grubenbauen zurückbleibe und keine große Hitze sich entwickele, so daß die Ocrtcr der langen tiefen Strecken auf gedachter Grube weit eher, als bei dem Gebrauch von Pulver wieder zugänglich seien.

2. Das Dynamit. Bei den günstigen in den Sprengversuchcn mit dem Nitroglycerin erzielten Resultaten, welche indessen durch die Unbequemlichkeit seiner flüssigen Form und die große Gefährlichkeit desselben aufgewogen wurden, hat sich Nobel offenbar ein großes Verdienst um den Bergbau erworben, als er das Sprengel in einer festen Form darstellte, indem er etwa 75 pCt. Nitroglycerin von 25 pCt. Kicsclguhr oder Infusorienerde aussaugen ließ, und dadurch ei» gelblich graues, etwas schmierig anzufühlendes Pulver erlangte, welches den Namen Dynamit erhielt und sich bei mehrfachen bergmännischen Sprcngversuchen als ein vortreffliches Sprengmittcl bewährt hat.

Schon bei de» ersten mit dem Dynamit auf den Bergwerken in Preußen angestellten Versuchen sind die erzielten Resultate in ökonomischer Hinsicht nicht weit hinter jenen, welche die Verwendung des Nitroglycerins im Vergleich zu Sprengpulver ergeben hatte, zurück geblieben, da bei der teigigen Beschaffenheit des Dynamiis leicht ebenso viel Nitroglycerin in dem Gemenge mit Kieselerde, wie im flüssigen Zustande in der Patrone mit fester Hülle, in eine gleiche Bohrlochshöhe eingebracht werden kann. Bei Verwendung von Pulver war der Gcldwcrth des verbrauchten Sprengmaterials zwar ein erheblich geringerer, als bei dem theureren Dynamit, doch wurde diese Differenz durch die mit letzterem erzielte weit höhere Leistung und die dadurch ersparten Arbeitslöhne mehr als aufgewogen. Durch die inzwischen ersolgtc und durch Concnrrcnz in der Fabrikation gewiß noch weiter erfolgende Preisermäßigung des Dynamits wird aber auch dieser Unterschied in den Kosten des Sprengmaterials mehr ausgeglichen, wenn nicht ganz beseitigt, und die Verwendung des Dynamits zu den bergmännischen Gewinnungsarbeitcn eine ausgedehntere werden.

Obwol das Dynamit nicht ganz ungefährlich ist, so steht es hierin wegen seiner, feste» Form und seiner geringeren Empfindlichkeit gegen Stoß und Schlag dem flüssigen Nitroglycerin doch weit nach. Nobel behauptet, daß fast alle durch Nitroglycerin verursachte Unglücksfalle durch Ausrinnen aus der Verpackung und aus den Bohrlöchern, durch Einsickern in Gesteinsklüfte und durch andere, von dem flüssigen Aggrcgatzustande desselben abhängige Zufälle entstauben seien, daß ferner aber auch, wenn das Nitroglycerin der Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt sei, es durch die aufgenommene Wärme gegen Concussion sehr empfindlich sei und dann durch die geringste Erschütterung leicht zur Erplosion gebracht werde. Diese Unglücksfälle tonnten, bemerkte er ferner, bei dem Dynamit nicht vorkommen, weil hier taö Nitroglycerin durch die Kieselerde aufgesogen sei. Daraus gehe die Wichtigkeit der Umwandlung des flüssigen Eprengöls in eine Substanz von festem Aggregatzustandc hervor, indem bei dem Dynamit das Nitroglycerin sich in den feinsten Theilchen zwischen einer nachgiebigen porösen Substanz ucrthcilt finde, welche sich zur

Fortpflanzung selbst sehr heftiger Stöße wenig eigne und de» zur Eipllzsion des Nitroglycerins erforderlichen Stoß breche.

Das Dynamit theilt die meisten dem Nitroglycerin eigcnthüm« liehen physikalischen Eigenschaften mit demselben, da es ja nur in einer mechanischen Verbindung des letztern besteht. Es verbrennt ebenso wie das Nitroglycerin beim Zutritt der Luft, durch einen brennenden oder glühenden Körper entzündet, ruhig und ohne Erplosion unter Entwickclung von salpcterigcn Dämpfen, während es bei seiner durch künstliche Zündung herbeigeführten Erplosion eine weiße Asche, keinen Rauch und nur wenig Gase, welche letztere aus Kohlensäure freiem Sauerstoff und freiem Stickstoff bestehen, nebst etwas Wasserdampf zurückbleibt. Das Dynamit theilt die giftigen Eigenschaften mit dem Nitroglycerin und es muß daher vermieden werden, dasselbe auf die Zunge oder mit der Haut in Berührung zu bringen. Es erstarrt und gefriert bei einer Temperatur von etwa 8° 0. und ist in diesem Zustande nicht mehr durch die gewöhnliche Zündkapsel zur Erplosion zu bringen, zu Sprcngarbeiten aber überhaupt mit Nutzen nur im weichen Zustande zu verwenden, weil das gefrorene Dynamit durch Reibung oder Concussion leicht crplodirt und ohne Zusammenprcssung das Bohrloch nicht ganz erfüllen kann. Bei der Behandlung und Aufbewahrung gefrorenen Dynamits sind daher besondere Vorsichtsmaßregeln zu beachten, auf welche weiter unten zurückgekommen werden soll.

Bei einem im September 1868 in der British Association von Nobel gehaltenen Vortrage war das Dynamit erst seit kurzer Zeit im Handel, doch schon in ziemlich verbreiteter Anwendung als Sprcngmittel. Nobel hob hier die weit geringere Gefährlichkeit des Dynamits gegen flüssiges Nitroglycerin hervor und sprach sich dahin aus, daß die auf der Beschaffenheit des Dynamits beruhende Gefahr nur durch ciuc solche Behandlung desselben hervorgerufen werde, bei welcher auch keine andere erplosivc Substanz gefahrlos sei. Bei den bei dieser Gelegenheit in einem Kalkstein« bruch zu Merstham bei Redhill in England von Nobel geleiteten Versuchen mit Dynamit legte er Feuer an eine 3 bis 4 Unzen (85 bis 113 Grm.) schwere Patrone, welche ohne Geräusch und ohne unangenehmen Geruch ruhig verbrannte. Ein Gleiches fand Statt, als ein mit 10 Pfd. Dynamit gefülltes Kistchcn auf ein starkes Feuer gelegt wurde. Ein anderes solches Kistchcn wurde von einem 60 Fuß (18°) hohen Felsen herabgeworfen und blieb so unversehrt, als wenn es mit Sand gefüllt gewesen wäre. Die große Sprengkraft des Dynamits wurde durch das bei seiner Erplosion erfolgende Zerreißen eines Granitblocks und einer cylindrischcn Eisenmasse nachgewiesen. Bei einem Bohrloch im Kalkstein, 22 Fuß (6",?i) vom Rande der Gcstcinwand entfernt, 15 Fuß (ä-,5?) tief niedergestoßen, mit 12 Pfd. Dynamit besetzt und zur Erplosion gebracht, bewirkte ein starkes Zerreißen des Gesteins in einem Radius von 20 Fuß (6",iu) um das Bohrloch herum.

Bei der Gefährlichkeit des Nitroglycerins und seiner großen Wirksamkeit als Sprcngmatcrial, die sich auch im Dynamit bc» thätigte, wurden mit letztere,» Versuche bezüglich seiner unfreiwilligen Explosionsfähigkeit bei dem Transport, der Aufbewahrung und dem Gebrauch an mehreren Orte» angestellt, welche seine großen Vorzüge hierin vor dem flüssigen Nitroglycerin dargcthan haben. Hier mögen nun einige der Versuche a»grführt werden, welche Dr. P. Bolley, Pestalozzi nnd Dr. A. Kundt in der Schweiz angestellt und deren Ergebnis; sie in der „Schweizerischen polytechnischen Zeitschrift", 15«69, S. 8!», mitgcthcilt haben. Dynamit, in geschlossenem Gefäße eine Stunde lang der Tcinperatur des Wasserdampfcs ausgesetzt, gab nichts Tropfbares ab und ließ auch keine Veränderung in der Substanz erkennen. Offenes, nicht fest eingeschlossenes Dynamit erplodirt im Feuer nicht, sondern brennt langsam ab, kann aber in ei»cm Gefäße mit einiger Widerstandskraft eingeschlossen crplodiren. I» eine Messinghüisc gefüllt, welche nach der Füllung mit einer Schraube fest verschlossen und dann auf ein Kuhlcnfeuer gelegt wurde, erplodirte das Dvnamit nach einer Minute mit starkem Knall. Anstatt mit einer Schraube nur mit eine»! Kork verschlossen und auf ein Kohlcnfeucr gelegt, er« folgte zwar ebenfalls eine Erplofio», doch mit geringerer Heftigkeit als im erste» Falle. Dynamit in dem Bren»punktc eines größeren Hohlspiegels dem Sonnenlichte ausgesetzt, verbrannte mil schwachem Puffen, würde also auch in eine»! geschlossenen Gefäße unter ähnlichen Umständen erplodiren. Doch kann beim Transport oder der Aufbewahrung des Dynamits eine so große Intensität der Sonnenstrahlen nicht leicht vorkommen.

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