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ausgebeutet, auch die späteren Jahrhunderte hindurch als Quelle einer Montanindustrie gedient. Von größerer Bedeutung wurden sie jedoch vor etwa 20 Jahren durch Etablirung von Tagebauen und Einführung der Dampfkraft, wodurch man die Erzproduction zu erstaunlicher Höhe brachte. Unablässige Vervollkommnungen haben die Leistungsfähigkeit der Gruben Jahr um Jahr geftei« gcrt, und es ist zu den vorhandenen Werken im Anfange des verflossenen Jahres auch ein neu erbautes, nach den bewährtesten Systemen eingerichtetes Hüttenwerk hinzugetreten, um alle selbstproducirten Erze zu metallischem Blei zu verarbeiten. Das Erzlager hat eine Mächtigkeit von 11 bis 12 Lachter (23 bis 25°), und wird, so lange die abzuräumende Masse 2V Lachter (41",») nicht übersteigt, mittelst Tagebau abgebaut. Ucbrrsteigt das auflagernde Gebirge diese Höhe, so wird das Erz mittelst Pfeiler- und Firstenbau gewonnen.

Die unterirdischen Strecken sind mit Gas beleuchtet, wozu täglich 20,000 Cbffß. (650,000 Liter) verbraucht werden. Das geförderte Erz enthält nur 2 bis 3 pCt. Blei, und sind also 97 pCt. Berge gleichzeitig mit zu fördern.

Sichtlich waren sämmtliche Theilnehincr an dem Ausflüge neben so manchem Echcnswerthen von dieser enormen Massen» wältigung überrascht, welche hier tagtäglich in einer Höhe von 135,000 bis 140,000 Ctrn. vollbracht wirb, also im Jahre 40 Millionen Ccntncr übersteigt. Ununterbrochen eilen an den verschiedensten Punkten Locomotivcn, deren der Vcrgwcrksvercin acht besitzt, mit belasteten Transportwagen daher, und wenn man bedenkt, daß zwischen diesen colossalcn Transportmassen täglich einige tausend Arbeiter sich bewegen müssen, so, siel die Thatsache auf, daß verhältnißmäßig so wenig Unglücksfälle vorkommen.

Die Aufbereitung findet sich in einem hohen Thurmc, auf welchen täglich 80,000 Ctr. Erze gehoben werden und dann suc» ccsfiuc den verschiedene» Waschapparaten zufließen, bis sie unten möglichst rein, für die Verhüttung tauglich, ankommen.

Die Hütte producirt jährlich 200,000 Ctr. Blei und 4000 bis 6000 Pfd. Silber. Das Pattinson'schc Verfahren zur Anreicherung von Silber im Blei ist in Mechcrnich verlassen und trennt man das Silber vom Blei nach einer combinirtcn Flanschen und Corduris schcn Methode mittelst Zusatz von Zink zum Werkblei*). Der sich hierbei abscheidende Schaum wird auf Silber verarbeitet und in die rückständige Lcgirung von Blei, Zink, Antimon :c. Wasscrdampf eingeleitet, die Oryde von Zink, Antimon :c. werden abgeschöpft, und das reine im Handel sehr gesuchte Blei bleibt zurück.

Ucbcrhaupt haben alle Sachkenner die Ucberzeugung gewonnen, daß die Leitung dieses in seiner Spccialität großartigen Unternehmens in den bewährtesten Händen sich befindet.

Nach Besichtigung der Werke vereinigte sich die Gesellschaft zu einem Mahle im Hotel Bleibcrg, welches in heiterster Stimmung verlief und nach welchem die Besuchenden mit dem Gefühle der höchsten Befriedigung und des herzlichsten Dankes für die ihnen gewordene cordialc Aufnahme von Mcchernich fchiedcn.

Sitzung vom 1. Juni 1870. — Vorsitzender: Hr. E. Dietmar. Protokollführer: Hr. R. Hasenclever.

Nach geschäftlichen Mitthcilungen des Vorsitzenden berichtete Hr. Lamberts über die Dclegirtenversammlung in Berlin, über welche inzwischen im Maihcfte d. Z. ausführliche Mitthcilungen veröffentlicht wurden.

Sodann refcrirtc Hr. Petersen über die Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln in Mannheim. Die Frage, ob und in welcher Weise eine staatliche Controle

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der Dampfkessel stattfinden solle, hat in den letzten Jahren sowol die Staatsregicrung als industrielle und technische Vereine lebhaft be« schäftigt und mannigfache Ansichten hervorgerufen. Auch der Ver« ein deutscher Ingenieure hatte diese Frage in den Kreis seiner Bcrathungen gezogen und nach vorhergehender Discussion in den ein« zclncn Bezirks« und Zweigvcreinen auf der vorjährigen General» Versammlung in Stettin der Ansicht des Vereines in dieser wichtigen Frage Ausdruck gegeben.

Die gefaßte Resolution trat im Allgemeinen der des Aachener Vezirksvcrcincs bei, wonach in Zukunft die Revision der Dampf« tesscl in eine polizeiliche und in eine technische getrennt werden soll. Während die erste« blos zu constatiren hat, daß die Kesselanlage sich in demjenigen Zustande befindet, auf welche die Conccssion lautet, soll die technische Controle den Zustand des Kessels in Bezug auf die Sicherheit des Betriebes prüfen. Diese Revision soll an jedem Kessel mindestens einmal im Jahre durch sachverständige Ingenieure vorgenommen werden, welchen durch die Staatsregicrung (in Folge Prüfung ,c.) die Conccssion zur Ausübung der Kessclrevision gegeben ist.

Zugleich sprach sich die Stettiner Generalversammlung noch dahin aus, daß nach den in England und Baden gemachten Erfahrungen, die Controle des Dampftesselbctriebes am zweckmäßigsten freiwilligen Kessclrevisionsuereinen überlassen bleibe, welche periodische Untersuchungen der Dampfkessel in und außer Betrieb durch Special-Ingenieure vornehmen lassen.

Mit Rücksicht auf diese Empfehlung der Rcvisionsvereine ist in der letzten Sitzung des Aachener Bczirksvcreines, in welcher der Jahresbericht pro 1869 des Mannheimer Kessclrevisionsvcreines vorgelegt wurde, eine Berichterstattung und Discussion dcr Resultate dieses Vereines beschlossen worden.

Die Gründung dcr Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln in Mannheim wurde in Folge der Elplosion eines Dampfkessels in einer großen Bierbrauerei in Mannheim auf Anregung der Mannheimer Handelskammer und einiger Industriellen im Jahre 1865 beschlossen und trat im Jahre 1866 unter Mitwirkung des badischen Handelsministeriums in's Leben.

In Folge dcr Nachwirkungen des Jahres 1866 konnte der Verein anfangs keine große Lebensfähigkeit erreichen, denn die Anzahl der Kessel, welche im ersten Betrlebsjahrc 1866 auf 47 sich bclief, stieg im Jahre 186? nur auf 59.

Die ungünstigen localcn Verhältnisse, das schmale, langgestreckte badischc Land, erschwerten und vcrthcucrten die Revisionen und damit verbundenen Reisen des rcvidirendcn Ingenieurs, so daß bei der geringen Thcilnahmc die Lebensfähigkeit des Vereines in Frag« gestellt war.

In dieser kritischen Lage erhielt der Verein neuen Aufschwung durch die moralische Unterstützung des großhcrzoglich badischen Handelsministeriums.

Es ist nölhig hier darauf hinzuweisen, daß nach der im Großherzogthum Baden bestehenden Gesetzgebung die Dampfkessel bei der Anlage wol einer Conccssion dcr Regierung bedürfen, später jedoch keiner Controle odcr Revision von Seiten dcr Staatsregicrung unterworfen sind: de» Besitzern von Dampfkessclanlagen bleibt daher die volle und alleinige Verantwortlichkeit für den Zustand dcrsclbcn und dcn Schaden, welcher in Folge von Erplosioncn entsteht.

Selbstverständlich kann cine Regierung jedoch nicht ruhig zusehen, wenn in Folge schlechten Zuftandcs der Dampftcsscl dic Erplosioncn häufiger werden, und auch an die badischc Regierung trat die Erwägung, ob bei größerer Ausdehnung von Dampftcsscl» anlagen der bisherige Zustand der Freiheit der Dampfkessel von jeder staatlichen Controle fortbestehen tönnc.

In einem Rescriptc vom l. April 1868 an die Bezirksämter sprach sich das badische Handelsministerium dahin aus, daß die bestehenden Bestimmungen (Mangel jeder Staatscontrole) nicht mehr ausreichen, da uicle Gcwerbtreibende nicht mit der nöthigen Vorsicht und Sorgfalt ihre Dampfkessel überwachen lassen oder die hierzu und zur Bcurtheilung der Gefährlichkeit nöthigc Sachkcnntniß nicht besitzen.

Unter diesen Umständen sehe sich die Regierung veranlaßt für diejenigen Kesselbesitzer, welche nicht einem Kessclrcvisionsvcreine angehören, also die Beweise einer guten Kessclüberwachung nicht beibringen, auf Kosten der Kcsselbcsitzer eine staatliche Lontrole eintreten zu lassen. Bevor dies geschehe, seien jedoch die Kessel» besitzcr auf die Vorthcile des Mannheimer Revisionsvcreincs aufmerksam zu machen und der Beitritt zu demselben anzuregen und zu fördern.

In Folge dieses moralischen Druckes hat sich die Anzahl der Dampfkessel des Mannheimer Revisionsvcreincs im Jahre 1868 auf 308, im Jahre 1869 auf 349 gehoben, und heule zählt der Verein zahlreiche Mitglieder auch außerhalb Badens, in der bayerischen Pfalz, in Rheinhesse!!, selbst bis in die Gegend von Frankfurt und Wiesbaden. Bei diesem Aufschwung ist es gewiß von Interesse, die Zwecke und Resultate des Vereines näher zu beleuchten. Der Verein hat vor Allem den ersten Zweck, seinen Mitgliedern, welche Besitzcr von Dampfkessclanlagen sind, die schwere Sorge um den Zustand der Dampfkessel abzunehmen oder zu erleichtern, indem er den Betrieb der Kessel, sowie den Zustand derselben durch periodische Untersuchungen von Seiten des sachverständigen Ingenieurs der Gesellschaft prüfen läßt und überhaupt dessen Rath und Sachkcnntniß seinen Mitgliedern jeder Zeit zur Verfügung stellt.

Diese Revision erstreckt sich jedoch nicht blos auf die Prüfung des Zustandes der gesetzlich vorgeschriebene» Sichcrheitsvoirich« tungcn, wie Sicherheitsventil, Wasscrstanbszeigcr, Speisevorrichtung ic., sondern umfaßt auch den Zustand des Kessels, zu welchem Zwecke jährlich eine innerliche Revision desselben im kalten Zustande vorgenommen werden muß, welche also gestattet nachzusehen, ob Bleche gerissen oder in Folge Alters, Wassermangel oder schlechten Speisewassers so angegriffen und schwach sind, daß sie für einen längeren Gebrauch gefahrdrohend werden können. Nach Umständen kann selbst ein Niederlegen des Mauerwerkes »erlangt werden, um genaue Untersuchung gefährlicher Stellen zu gestatten.

Es ist einleuchtend, daß eine solche Revision und das Urtheil eines sachverständigen Unparteiischen keinem anderen Kesselbcsltzer zur Seite steht, und daß dieser Einblick in ihre Bcnicbsvcrhält» nisse besonders denjenigen Industriellen wcrthvoll ist, welche weder selbst Techniker sind, noch solche in Diensten haben, sich daher in den meisten Fällen auf das Urtheil ihrer Arbeiter verlassen müssen. Aus Obigem ist jedoch auch ersichtlich, daß Kcsselbcsitzer, welche sich Rcvisionsvcrcinen anschließen, diese Vortheile nur genießen können, indem sie in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse sich den Anordnungen des Ingenieurs in Betreff vorzunehmender Acn» derungcn, Reparaturen willig untcrwcrfcn und die kleinen Unannehmlichkeiten, welche die Revisionen für den Betrieb mit sich bringen, willig auf sich nehmen.

Selbstverständlich hat der Rcvisionsverein seinen Mitgliedern gegenüber das Recht, zu verlangen, daß, bei Verlust der Mitgliedschaft, Schäden einer Kessclanlagc, welche gefahrdrohend werden können, in kürzester Frist abgeändert werden.

Nenn oben angedeutet, baß Revisionsvcreine besonders den Besitzern solcher Kcssclanlagcn nützlich sind, welche dieselbe nicht selbst sachgemäß revidiren können oder unter fortwährender Aufsicht von Techniker haben, so soll damit der Werth von Rcvisions» vereinen für große, technisch geleitete Anlagen durchaus nicht in Abrede gestellt werden. Der große Werth liegt jedoch hier in dem moralischen Zwang, Alles in Ordnung zu halten und die Anord

nungen jährlich der fachgemäßen Kritik des rcvidircnden Ingenieurs zu unterwerfen und schließlich in dem, von dem Rcvisionsverein ausgeübten Druck, große Reparaturen oder Auswechselungen von Kesseln nicht verschieben zu können, was häufig blos aus dem Grunde geschieht, wcil dadurch eine augenblickliche Betriebsstörung herbeigeführt würde.

Nenn hierdurch nachgewiesen, daß Kesselrcuisionsvcreinc ihren Mitgliedern cine große Garantie für den Zustand ihrer Dampfkessel geben, so hängt damit innig zusammen, daß solche Kessel auch selten Erplosioncn ausgesetzt sein werden. Bei aller Ver« schicdenhcit der Ansichten, welche heute noch in wissenschaftlichen und technischen Kreisen über die Entstehung der Dampfkesselcrplo« stoncn herrscht, ist man doch in dem einen Punkte einig, daß der schlechte Zustand der Dampfkessel in vielen Fällen die Erplosion, wenn nicht hervorgerufen, so doch erleichtert oder ihre Wirkung gesteigert hat, und daß daher die gute Instandhaltung und sorgfältige Wartung des Kessels die erste Bedingung ist, welche der Kessclbesitzcr zu erfüllen hat, um sich vor großem Schaden und schwerer Verantwortlichkeit zu bewahren. Viele Kesselbcsitzcr befinden sich in Bezug auf die Verantwortlichkeit, welche bei einer Kesscleiplosion auf ihnen ruht, in großer Unklarheit und halten sich für vollkommen gesichert, wenn der Kessel bei einer jährlichen Revision durch einen Vau- oder Bcrgbeamtcn in gutem Zustande sich befunden hat. GS wird jedoch hierbei übersehen, daß diese Revision eine nur polizeiliche ist, welche den Zwcck hat, zu con, statiren, daß dcr Kessel sich an der Stelle und in dem Zustande dcr bewilligten Concession befindet und die durch das Gesetz vorgeschriebenen Sichcrhcitsvorrichtungcn besitzt, dieselben außerdem richtig functioniren. Hat dcr revidirende Beamte diese äußeren Zustände constatirt, so hat cr scinc Mission erfüllt; das Gesetz gicbt ihm gar nicht das Recht, seine Untersuchungen auf den Zustand des Kessels wcitcr auszudehnen, und z. B. eine Außerbetriebsetzung zu verlangen, um cine innerliche Revision vorzunehmen.

Die Revision garantirt also dcm Kesselbcsitzcr wcdcr den guten Zustand seines Kessels, noch entzieht sie ihn einer gerichtlichen Verfolgung im Falle einer Kcsselciplosion. Das Zcugniß des rcvidircndcn Baubcamtcn kann in solchem Falle dem Kessclbesitzcr zwar nützen, indem die Staatsbehörde, wenn keine Nachlässigkeit im Vctricb nachgewiesen werden kann, von einer gerichtlichen Verfolgung (z. B. wegen fahrlässiger Tödtung) absieht, der Kesselbcsitzcr kann jedoch stets von den an Körper oder Eigcnthum Beschädigten durch eine (Zivilklage belangt wcrdcn. Wenn dics bis jctzt selten geschehen ist, so liegt der Grund durchaus nicht darin, daß der Ausgang einer solchen Klage zweifelhaft wäre, und genügt es wohl hier darauf hinzuweisen, wie erfolgreich in neuerer Zeit die Entschädigungspsticht dcr Eisenbahnen bei Eisenbahnunglücken durch (Zivilklagen durchgeführt worden ist. Es ist ein Fingerzeig, daß Kcsselbesitzer auch im wohlverstandenen Gcldintcresse sich ge» neigt zeigen sollten, Vereinen beizutreten, welche den Zwcck haben, ihrc Dampskessel möglichst vor Explosionen zu bewahren.

Bei den in dcn letzten Jahren vielfach gepflogenen Discusstoncn über die Dampfkcsselreuisionsfragc wurde die heutige Revision von Seiten der Vau- und Bergbcanuen vielfach deshalb als ungenügend geschildert, wcil diesen Beamten häufig die Detailfachkenntniß fehle, um eine sachgemäße Revision der Dampfkessel vorzunehmen. Dieser Vorwurf geht jedoch bei der heutigen Gesetzgebung über das Ziel hinaus, denn, wie obcn nachgewiesen, ist die durch die heutige Gesetzgebung vorgeschriebene Revision eigentlich blos eine polizeiliche, welche im Ganzen nur Aeußcr» lichkcitcn zu constatiren hat, wozu eingehende Erfahrung über Dampfkcssclbetricb gar nicht nothwendig ist. Sollte durch Aenberung der Gesetzgebung eiuc wirklich technische Revision eingeführt werden, wie sie die vorjährige Resolution des Aachener Bczirksvereincs vorgeschlagen hat, oder wie sie der Mannheimer Nevisionsvcrcin ausüben läßt, dann würde die Pcrsonenfrage allerdings in den Vordergrund treten, denn eine solche könnte nur durch einen im Dampfkcsselbctricb erfahrenen Ingenieur vorgenommen werden. Da die jetzige staatliche Controle in Wirklichkeit ungenügend ist, wenn sie den guten Zustand des Kessels conftatircn und dadurch Garantie vor Kcsselcrplosionen geben soll, so wurde von mancher Seite vorgeschlagen, daß die Gesetzgebung dahin erweitert und verschärft werde, daß eine wirklich technische Revision durch Staatsbeamte einzuführen sei. Dieser Schritt wäre im Interesse der Industrie im höchsten Grade zu beklagen, da leicht einzusehen, daß eine in die Betriebs- und Privatvcrhältnisse eines Kcsselbesitzers so sehr eingreifende Untersuchung, wie die oben geschilderte technische Revision des Ingenieurs des Mannheimer Re» vistonsvereines, wenn sie von einem Staatsbeamten ausgeführt würde, zu großen Unzutrüglichteiten führen müßte, sei es, daß der Staatsbeamte dem Baufach oder Bcrgfach angehörte, oder ein » hierzu ernannter Special-Ingenieur wäre.

Sollte eine verschärfte Staatscontrolc eingeführt werden, so müßte sie im Sinne der Resolution des Aachener Bezirksvcreines und der Stcttincr Generalversammlung des Vereines deutscher Ingenieure erfolgen, wonach jeder Kcsselbesitzer verpflichtet ist, seinen Dampfkessel jährlich der technischen Revision eines hierzu approbirtcn Eivil-Ingenicurs zu unterwerfen.

Noch besser wäre es jedoch, wenn, wie auf anderem Gebiete, so auch hier die Sclbsthülfc und Association der Industriellen eintreten würde, wie sie sich in dem Mannheimer Reuisionsbereine documcntirt und nach dem Zcugniß der badischen Regierung sowol, als ausweislich der großen erlangten Entwicklung sehr gut bewährt.

Im Kreise des Aachener Vczirksvereincs ist die Frage aufgeworfen worden, ob das industrielle Aachen und seine Umgebung sich eignen für die Gründung eines Kesselrevisionsvercincs und welche Stellung der Aachener Vczirlsvercin einnehmen solle bei einem solchen Project. In Bezug auf letzteren Punkt ist allseitig die Meinung vorherrschend, daß der Vezirksvercin als solcher nur anregend, fördernd und bcrathcnd sein dürfe, wenn die Frage der Gründung eines solchen Vereines angeregt würde, daß dagegen die erste Frage nur bejaht werden könne.

In der That eristirt wol kaum ein zweiter industrieller Mittelpunkt wie die Städte Aachen» Burtscheid, wo eng zusammengedrängt eine große Industrie blüht, und wo mit geringen Kosten und außerodentlich leichter Verwaltung ein Dampftcssclrevisionsvercin gegründet werden könnte und gewiß lebensfähig wäre.

Es würde hier zu weit führen, nach den Jahresberichten des Mannheimer Nevisionsvcreincs die Vcrwaltungskosten und Rentabilität eines solchen Vereines für Aachen-Burtscheid aufzustellen, wie gering im Verhältniß die Beiträge pro Kessel zu den Leistungen des Vereines dort find, geht aus den Beitragssätzen des Mannheimer Vereines hervor, wobei es wol überflüssig ist hervorzu'heben, daß Zeitverlust und Reisekosten, wie sie das langgestreckte vadischc Land bei den vorzunehmenden Revisionen verursacht, bei Aachen «Burtscheid auf ein Minimum sich reducircn, und dadurch bei großer Theilnahme auch die Kosten und folglich die Beitrüge sich niedriger stellen würden.

Zum Schluß besprach der Vortragende einige der wichtigsten Paragraphen der Statuten des Mannheimer Rcvisionsvereincs, deren Wiedergabe indessen hier zu viel Raum beanspruchen würde. Weitere Mittheilungcn über den Reuisionsvcrein zu Mannheim finden sich übrigens bereits Bd. XIII, S. 249 und S. 315 d. Bds. —

Hr. A. Landsberg theilte alsdann über

die Fortschritte in der Gntsilbeiung des »leie« Folgendes mit:

Die zur Verhüttung kommenden Bleierze enthalten mehr oder weniger Silber, und geht dieses Silber, welche Methode der Verarbeitung der Bleierze man auch anwenden mag, bei dem Schmelzen dieser Erze in das dabei fallende Wcrkblci. Um das Silber aus dem Werkblei zu gewinnen, brachte man letzteres früher direct auf einen Trcibhcrd, während man seit ca. 3N Jahren dem Treiben eine Arbeit vorangehen läßt, welche das Silber in einem Thcile des Bleies conccntrirt. Behufs Gewinnung des Silbers mußte also früher alles Wcrkblci vertrieben (orydirt) werden, während jetzt nur noch ein kleiner Theil des Bleies dieser Arbeit unterworfen wird.

Man kennt zwei Arten von Treib öfen, und zwar den deutschen und den englischen Ofen.

Der deutsche Ofen wird vorzüglich mit Holz gefeuert; es werden ION bis 300 Ctr. Blei auf einmal eingesetzt, eingeschmolzen und zur Dunkelrothgluth erhitzt; durch zwei Düsen strömt Luft in den Ofen, das Blei wird orydirt und fließt als Bleiglälte durch eine in den Rand des Herdes eingerissene Rinne, die sogenannte Glättcgassc, ab. Die Verwandtschaft des Silbers zum Sauerstoff ist viel geringer, als die des Bleies; so lange Blei vorhanden, werden nur Spuren von Silber orydirt.

Das durch die Arbeit auf dem deutschen Treibherb gewonnene Silber ist noch nicht ganz rein; zur Entfernung des noch vorhandenen Bleies :c. wird dasselbe in einem Fcinbrennofen umgcschmolzen und kommt dann als Fcinsilber in den Handel, enthält jedoch noch 2 bis 6 p<5t. Verunreinigungen.

Der englische Treibofcn ist bedeutend kleiner, als der deutsche, er faßt nur 4 bis 5 Etr. Blei; es wird jedoch im Verhältnisse als durch die Glättegasse die Vleiglättc abfließt, wieder metallisches Blei aufgegeben.

Der Ofen wird mit Steinkohlen geheizt, und wendet man oft zur Orydalion des Bleies Wasserdampf an, derselbe wirkt jedoch kaum anders als mechanisch, indem er Luft in den Ofen reißt und diese die Orydation bewerkstelligt. Das Silber wird direct auf dem Trcibherdc fein gebrannt.

Vis zum Jahre 1833 kannte man kein anderes Verfahren der Gewinnung des Silbers aus dem Werkblei, als dasselbe direct der beschriebenen Arbeit zu unterwerfen. Man erhielt dabei alles Blei als Glätte, und da man in diesem Zustande nicht mit Vor« theil das ganze producirte Quantum »erwerthcn konnte, so mußte man sie, mit Kohlen vermischt, wieder zu Blei reducircn. Der Blei- und Eilberverluft wurde dadurch sehr hoch; die Kosten sollen für 100 Pfd. Kaufblei 28 bis 32 Sgr. betragen haben. Werkblei mit geringem Silbcrgchalt wurde mit dem Silber verkauft, da die Kosten der Gewinnung aus dem Blei durch den Werth des Silbers nicht gedeckt worden wären.

Im Jahre 1833 erfand der Engländer Pattinson ein System, welches es möglich machte, auch weniger filberhaltcnde Bleie zu cntstlbern, und durch welches Verfahren die Kosten der Gntstlberung auf 9 bis 12 Sgr. pro 10V Pfd. Blei herabgedrückt wurden; der Verlust von Blei und Silber wurde ebenfalls bedeutend geringer. Die Erfindung wurde nach dem Erfinder Pattinsonage oder auch Kryftallisation genannt.

Blei und Silber bilden in dem Werkblei eine Legirung; wird das Werkblei eingeschmolzen und durch schnelles Abkühlen mit Wasser die Temperatur vermindert, so scheiden sich filberarme Blei» trystalle aus der Legirung aus, und eine reiche Mutterlauge bleibt zurück. Hierauf bafirt das Verfahren Pattinson's. ES gelang durch wiederholtes Einschmelzen und Ausfüllen der armen Blei» kryftalle den größten Theil des zu bearbeitenden Bleies direct zu entsilbern und das Silber in einer kleinen Quantität Mutterlauge zu concentriren. Das Krystallisationsverfahrcn wurde auf verschiedene Weise ausgeführt; zwei Methoden, welche nach der Art der Arbeit Drittel- und Achtelsyftcm benannt wurden, behielten die Oberhand.

Man benutzt dabei, bei der einen wie bei der anderen Methode, eine Anzahl gußeiserner Kessel, welche in einer Reihe aufgestellt sind und von denen jeder eine spccicllc Feuerung besitzt; man nennt diese Vorrichtung eine Batterie. Jedem Kessel entspricht eine Sorte Blei mit bestimmtem Silbergehalte; das erhaltene Werkblei wird in einem Kessel eingeschmolzen, durch Abdecken des Feuers und Aufschütten von Wasser wird die Temperatur des Bleies vermindert und Krystalle scheiden sich aus; diese werden von den Arbeitern vermittelst durchlöcherter Löffel in einen nebenanstchenden Kessel gebracht; alsdann wird auch die Mutterlauge in einen zweiten Kessel übergcschöpft; dasselbe Verfahren wird sowol bei den Kry» stallen, als auch bei der Mutterlauge wieberholt, bis man auf der einen Seite entsilbertes Blei (Kaufblei), auf der anderen Seite bis zu 14 pCt. Silber enthaltendes Rcichblei erhält. Das Reich» blci wird in einem Trcibofcn entsilbert.

Bei Bearbeitung eines Bleies mit ca. 30 Gramm Silber in loa Pfd. Blei erhält man auf 1000 Pfd. entsilbertes Blei nur 40 bis 50 Pfd. Reichblci.

Im Jahre 1864 erfand Voudehcnne, damaliger Director einer Bleihütte der HHrn. Lavcissiöre zu Rouen einen Apparat, bei welchem das Princip Pattinson's beibehalten wurde, der schwielige Thcil der Arbeit aber, welcher bis jetzt durch Menschenhände verrichtet wurde, durch mechanische Vorrichtung ausgeführt wird, weshalb man diese Arbeit gegenüber der Handkrystallisation mechanische Krystallisation nannte.

Bei der Handkrystallisation hat man gewöhnlich eine Batterie von 13 Kesseln, bei dem mechanischen Apparat hat man nur 2 Kessel und 2 gußeiserne Schalen. Die beiden Kessel stehen übereinander und sind mit Ausgußöffnungen verschen. Der obere Kessel dient zum Einschmelzen, der untere zum Kryftallisircn; in diesem « unteren Kessel befindet sich ein doppelter Rührapparat, welcher durch eine kleine Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wird, und zwar auf solche Weise, daß ein Rührei von der Rechten zur Linken sich bewegt, der andere die umgekehrte Bewegung vollbringt. Die Abkühlung des geschmolzenen Bleies findet auf dieselbe Weise wie bei der Handkrystallisation Statt; haben sich genügend Krystalle ausgeschieden, so läßt man durch die Ausgußöffnungen die Mutterlaugen ablaufen und die Krystalle bleiben im Kessel zurück; diese werden durch flüssiges Blei aus dem oberen Kessel, welches denselben Silbergchalt wie die Krystalle besitzt, wieder in Fluß gebracht und die Operation beginnt von Neuem, bis dieselben Resultate wie bei der Handkrystallisation erzielt sind.

Bei der Handkrystallisation betragen die Kosten für 100 Pfd. Kaufblei 9 bis 12 Sgl., bei der mechanischen Krystallisation 6 bis 8 Sgr., bei dem directen Treiben des Werkblcics 28 bis 32 Sgr. mit Einrechnung der Rcduction der Glätte.

Im Jahre 1842 constatirtc Karsten, daß kleine Quantitäten Zink mit silberhaltigem Wcrkblei vermischt, sich mit dem Silber des Wertbleies velbinden und als schlammige Masse auf der Oberfläche des Bleies schwimmen. In England hat man alsdann auf diese Beobachtungen basircnd in der Hütte des Hrn. Parkes Wcrkblei entsilbert; 1852 wurden die Versuche in Deutschland erneuert, doch erst in den letzten Jahren gelangte man so weit, daß das Verfahren als metallurgischer Proceß in den Bleihütten eingeführt wurde.

Die erste Anwendung wurde in der Hütte des Hrn. Herbst in der Eifel aus dessen Aufforderung durch Hrn. Flach gemacht; in der Ausführung wurden später Verbesserungen eingeführt, von welchen die Benutzung des Wasserdampfcs durch Hrn. Cordurie in Frankreich wol die bedeutendste ist.

In einem gußeisernen Kessel wird das silberhaltige Werkblci,

ca. 24,000 Pfd. eingeschmolzen, das Gekrätze, eine Mischung von Blci und Bleioryden, abgehoben; man erhöht dann die Temperatur des geschmolzenen Bleies, und wenn diese zu dem Punkte gelangt ist, daß Zink darin zum Schmelzen gelangen kann, so gicbt man, je nach dem Silbergehalt des Bleies, 0,6 bis 0,9 pCt. metallisches Zink in das Blci. Ist dieses eingeschmolzen, so wird es mit einem stäche» Löffel 20 Minuten lang in das Blei cingcrühlt; man deckt dann das Feuer unter dem Kessel ab. Wenn nun die Temperatur unter den Schmelzpunkt des Zinks gesunken ist, setzt sich eine schwammige Masse, bestehend aus Blci, Zink und Silber, auf das Vleibad; sind Gold, Kupfer und Antimon in dem Werkblci enthalten, so gehen Gold und Kupfer ganz, Antimon nur thcilwcise in diesen Schaum.

Dieser Schaum wird mit durchlöcherten Löffeln von dem Blci abgehoben und in einen nebenanstchenden Kessel gebracht; man heizt alsdann das zurückgebliebene Blei wieder zum Schmelzpunkt des Zinks und setzt wieder Zink zu, der sich bildende Schaum wird abgehoben und dieselbe Operation wird zum dritten, oft auch zum vierten Male wiederholt. Im Ganzen wendet man 1,« bis 1,e pCt. Zink für Blei mit 300 bis 1000 Gramm Silber pro 100 Kilo Blei an, alsdann ist das zurückbleibende Blei bis zu 5 bis IN Gramm Silber pro 100 Kilo Blci cntsilbert.

Man erhält durch diese Arbeit in dem ursprünglichen Füllkessel ca. 15,000 bis 16,000 Pfd. entsilbertes Blei; in dem nebenanstchenden Kessel 6000 bis 8000 Pfd. silberhaltigen Schaum.

In dem entsilberten Blci bleiben noch 0,5 bis 0,« pCt. Zink zurück, welche sich nicht durch Abkühlen und Schäumen von dem Blei trennen lassen. Man hat verschiedene Methoden, dieses Zint zu entfernen. Flach schmolz das entsilberte Blei zur Entfernung des Zinks mit Eisenschlacken in einem Halbhcchofen ein; Herbst brachte auf das Blci in dem ursprünglichen Kcssel Chlorblei, wobei sich Chlorzink bildete; in anderen Hütten wurde das Blci mit Salz und schwcfelsaulem Blcioryd behandelt oder im Flammofen einer starken orydirendcn Hitze unterworfen. Alle diese Systeme sind oder werden wol dem einfachen Velfahlen Colduriä's weichen müssen. Das cntsilbcrte, noch zinkhaltige Blei wird in dem ursprünglichen Kcssel (Harz) zur Dunkclrothgluth crhitzt, alsdann wird übcr den Kcssel eine Blcchhaube gestellt, die Fugen werden mit Lehm velschmien, um das Einströmen der Luft zu verhindern; durch eine an der Haube befindliche Oeffnung führt man ein Rohr in das Blci bis beinahe auf den Boden des Kessels; durch dieses Rohr leitet man überhitzen Wasscrdampf in das Blei. Der Wasserdampf wird durch das Zink in Sauerstoff und Wasserstoff zersetzt; der Wasserstoff entweicht durch ein Abzugsrohr; der Sauerstoff verbindet sich mit dem Zink und bildet Zinkoryd vermischt mit Vleioryd. Diese Mischung von Orydcn bildet ein feines Pulver und wird von dem Blei abgeschöpft. Da in den meisten Blcicn etwas Antimon enthalten ist und dasselbe nur theilweise mit dem Zink in den reichen Schaum geht, so ist das entsilberte Blei oft noch durch dieses Metall verunreinigt. Um das Antimon m entfernen, öffnet man die an der Haube angebrachten Oeffnungcn, damit die Luft einströmen kann und führt von Neuem Wasserdampf in das glühende Blei. Hierbei wirkt der Wasserdampf wol nur mechanisch, indem er die Oberfläche des Bleibades durch Auf» wallen erneuert. Die einströmende Luft orydirt das Antimon und einen Thcil dcs Bleies, es bildet sich eine schwarze Schlacke von Blcioryd und Antimonoryd, wclchc vom Blei entfernt wird. Nach dieser Operation ist das Blei rein, es kann in Blöcke ausgclellt werden und als reine Handelsware zum Verkauf gelangen.

Andererseits wird der erhaltene silberhaltige Schaum eingc« schmolzen und ein großer Theil dcs Bleies ousgesaigert, wodurch der Schaum selbst conccntrirt wird, dcrsclbc schwimmt auf dem ausgesaigcrtc» Blci und wird mit durchlöcherten Löffeln abgehoben; cr enthält alsdann gewöhnlich 70 bis 75 pEt. Blei, 18 bis 20pCt. Zink, 2 pEt. Silber, mehr oder weniger Kupfer und Antimon, je nach den Bleien, die man behandelte; alle diese Metalle finden sich thcils als solche, thcils orydirt in dem Schaum.

Die Behandlung dieses Schaumes bildet bis jetzt noch die größte Schwierigkeit bei der Entfilberung mit Zink.

Nach Flach wird dieser reiche Schaum in einem kleinen Ofen bei schwacher Windpressung mit Eisenschlacken eingeschmolzen -, man erhält Reichblei, das Zink verbrennt oder geht in die Schlacke. Bei Hrn. Herbst wurde der Schaum mit Salzsäure behandelt; hierbei bildet sich leicht Arsenwasserstoff. Nach Cordurie wird der Schaum eingeschmolzen und mit Wasserdampf behandelt, aber auch dieses Verfahren hat seine Nachthcile. Der conccntrirte Schaum ist nämlich schwer schmelzbar, besonders wenn Kupfer und Antimon in demselben enthalten sind; der Kessel, in dem sich der Schaum befindet, muß glühend geheizt werden, und ist es in einigen Hütten vorgekommen, daß der ganze Boden des Kessels » ausfiel und der wcrthvolle Inhalt in das Feuer lief. Außerdem entwickelt sich durch den starten Zintgchalt viel Wasserstoffgas, welches leicht zu Erplofionen Veranlassung gicbt. Gelingt nach Ucberwindung aller dieser Schwierigkeiten die Operation, so erhält man ungefähr ^ oder mehr des Schaumes als pulveriges Zinkbleioiyd, welches noch H bis ^ des ganzen Silbers enthält, und die Behandlung dieses Orydes bietet wieder von Neuem große Schwierigkeit.

In allen Hütten werden Versuche gemacht, diesen reichen Schaum vortheilhaftcr zu behandeln. So lange jedoch dafür keine bessere Methoden gefunden, als die bis jetzt angewendeten, dürften die Hütten, welche dieses System der Entfilberung und die mechanische Pattinsonage zugleich anwenden, der letzteren den Vorzug geben.

Man erspart bei der Entfilberung durch Zink wol an Kohlen und Arbeitslöhnen, da aber das angewendete Zint bis jetzt verloren geht, wird der Gewinn durch die hieraus erwachsenden Kosten wieder aufgewogen.

Die Kosten der mechanischen Krystallisation find bis jetzt 1 bis 2 Sgr. pro ION Pfd. Kaufblci niederer, als die des Verfahrens der Entfilberung mit Zink.

Berliner Bezirksuerein.

(Fortsetzung von Seite 489.)

Sitzung vom 20. Mai 1870 —Vorsitzender: Hr. Petzold. Anwesend 7 Mitglieder und 2 Gäste.

Die Tagesordnung, auf welche ein Vortrag des Vorsitzenden über gewaltsame Formveränderungcn metallener Körper stand, mußte der großen Hitze wegen aufgegeben werden, und wurde aus demselben Grunde beschlossen, während des Sommers in den Sitzungen nur gesellige Unterhaltung stattfinden zu lassen.

Sitzung vom l.Iuli 1870. — Vorsitzender: Hr. Pctzold. Protokollführer: Hr. E. Schneider. Anwesend IN Mitglieder.

In der in Folge der eingegangenen Berufung auf der Tagesordnung stehenden Besprechung über etwaige bei der diesjährigen Hauptversammlung zu stellende Anträge machte Hr. Schneider den Vorschlag, zu beantragen, der Verein deutscher Ingenieure möge eine festere Organisation dadurch erstreben, daß die Beschlüsse auf den Hauptversammlungen fortan nur durch Dclegirtc gefaßt würden, welche von den einzelnen Bezirken nach Maßgabe ihrer Mitglieder;«!)! gewählt werden. Jedes Mitglied müßte dann einem Bezirke angehören, und habe der Hauptverein die Kosten der Delegirtenversammlungen zu tragen. Im Laufe einer lebhaften Debatte erkannte die Versammlung wol die Richtigkeit des Principes

an, bekundete aber wegen der Schwierigkeiten in dessen Durchführung und wegen der geringen Sympathien, welcher ähnliche frühere Vorschläge bei den anderen Vczirksvcrcincn gesunden hatten, keine Neigung den Schneider'schen Vorschlag anzunehmen. In Folge dessen bchie!t Hr. Schneider sich vor, auf der Hauptversammlung einen selbftständigen Antrag in diesem Sinne zu stellen. Hierauf wurde die Frage der Gründung eines allgemeinen deutschen Technikervcreincs aufgenommen, deren Dcbattirung von Hrn. Schneider durch eine Darstellung der Grashof'schen Auseinandersetzungen eingeleitet wurde; nach längerer Bcrathung nahm die Versammlung folgenden, von dem Redner gestellten Antrag an:

Der Berliner Bezirksvercin verspricht sich von der Gründung eines allgemeinen deutschen Technikcrvereincs keine Vortheile und schließt sich hinsichtlich der Motivirung der Ablehnung den darauf bezüglichen Ausführungen des Architettenvercincs zu Berlin an.

Es folgten nun kleinere technische Mitteilungen, aus denen hervorzuheben, daß mehrseitig behauptet wurde, man habe die ältere Construction der Schäffcr H Budenbcrg'schen Apparate zur Ableitung des Eondenfttionswassers in der Praris weit besser befunden als die neuere.

Westphälischer Bezirksuerein.

(Fortsetzung von Seite 4t4.)

XXIX. Versammlung vom 20. Februar 1870 in Dortmund. — Vorsitzender: Hr. Sudhaus.

Nach Erledigung einiger Mitthcilungcn wurde der zunächst auf der Tagesordnung stehende Antrag des Hrn. Vlanck: „den westphälischcn Bezirksvercin in zwei Gruppen, beispielsweise Essen und Witten zu thcilen", von dem Antragsteller dahin erläutert, daß beide Gruppen einen gemeinsamen Vorstand haben und im Sommer auch gemeinsame Sitzungen halten sollten. Die Theilung motivirc sich durch die zu große räumliche Ausdehnung und Mitglieberzahl des jetzigen Vereines. Nachdem jedoch der Vorfitzende mitgctheilt, daß nach einer Nachricht des Hrn. Lueg ein Bezirksvercin Oberhausen in Bildung begriffen sei, dcm fich voraussichtlich Mülheim, Essen ic. anschließen würden, zog Hr. Blanck seinen Antrag bis nach Erledigung der schwebenden Verhandlungen zurück.

Nun folgten Eassenbericht und Neuwahl des Vorstandes für 1870 und darauf der vierte Punkt der Tagesordnung, der Bericht der Commission, betreffs Bildung eines allgemeinen deutschen Technikervercines. Hr. Grahn bemerkte zunächst, daß er nicht im Namen der Commission, sondern nur für zwei Mitglieder derselben sprechen könne, doch erklärte die Versammlung ihn hören zu wollen. Der nun folgende Vortrag, sowie die nach längerer Debatte, in welcher die verschiedenen Ansichten Gelegenheit fanden, fich zu klären, angenommene Resolution, werden nach Beschluß der Versammlung demnächst im Separatabdruck den Mitgliedern zugehen, können also hier übergangen werden.

Zum nächsten Punkt, Mittheilungen von Gifahiungsresuttaten über Fieldsche Kessel, übergehend, bedauerte Hr. Grahn, daß auf ein von ihm im Namen des Vereines versandtes Frageformular nur wenig Material zur Frage eingegangen sei. Dasselbe wird, wie die Versammlung beschloß, demnächst in der Zeitschrift veröffentlicht werden.

Hr. Stuckcnholz machte in der Discusston einige Mitthcilungen über ConstructionSvcrhältnisse der Röhren. Field habe zuerst, wie auch aus der Patcntbeschreibung hervorgehe, die Querschnitte des Tauchrohres, des äußeren Ringes und denjenigen zwischen Tauchrohr und Boden gleich gemacht. Dabei seien zuerst

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