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Dieselbe Beobachtung Tate's ist von Gracc Calvert bei drei Versuchen gemacht worden. Er fand bei Nr. 4, 5 und 6 an den beiden ebenso wie von Täte verschieden tief eingesenkten Thermometern in der Temperatur des Abbrennens einen Unterschied von resp. 5", 4° nnd 4° ?., also etwa

2z ° c.

Obgleich wir diese Beobachtung nicht bestätigt fanden (bei wiederholten Versuchen gaben zwei gleich richtig gehende Thermometer, von denen das eine mit der Kugel nur unter die Oberfläche des Ocls tauchte, das andere aber bis fast auf den Boden hcrabreichtc, beim Abbrennen genau dieselbe Temperatur an), so wollen wir doch anführen, wie Calvert „diese eigeuthümliche und ungewöhnliche Thatsache, daß eine Flüssigkeit in der Nähe der Oberfläche eine viel Höhcrc Temperatur hat, als eiucu Zoll unterhalb des Mittelpunktes der Flüssigkeitsmasse" zu erklären gesucht hat. Sie entsteht nach feiner Meinung dadurch, daß, da Petroleum keine homogene Flüssigkeit, sondern eine Mischung von homologen Kohlcnwasscrstossen ist, in dem oberen Thcilc der Flüssigkeit die flüchtigeren Bestandteile zuerst ausgetrieben werden, und auf diese Weise die angegebene Temperaturdiffercnz hervorgebracht wird.

In der Absicht, diese praktische Schwierigkeit zn beseitigen, führte Calvert eine Reihe von Experimenten aus, bei welchen er auf die gewöhnliche Weise verfuhr, doch mit der Abweichung, daß die Flüssigkeit in fortwährender Bewegung erhalten wurde, nur nicht wenn das Flämmchen über die Flüssigkeit herübergeführt wurde; folgendes war das Ergcbniß.

Nach 15 Minuten verpuffte:

Nr. 1 noch nicht bei 102° ?. oder 40° d.

Nr. 2 . . . - 99" - - 37,2°

Nr. 3 . . . - 98° - - 36,5°

Nr. 5 . . . - 98« - - 36,ö°

Nr. 6 . . . - 104° - - 40«

Diese Erhöhung des Verpnffungspunkteö gicbt Calvert als eine Bestätigung seiner obigen Erklärung an. Er sagt: „Da die Bewegung das allmälige (AiÄllu»!) Entweichen der am meisten flüchtigen Bestaudtheile erleichtert, wird das Abbrennen nicht eintreten, bis eine hinreichende Menge der dichteren Dämpfe sich verflüchtigt und auf der Oberfläche der Flüssigkeit angesammelt hat." Nicht weniger richtig erscheint aber dem Referenten eine Folgerung, welche das entgegengesetzte Resultat liefert, nämlich daß, weil das Umrühren fortwährend neue Theile der flüchtigen Bestaudtheile an die Oberfläche bringt, die Ansammlung brennbarer Dämpfe über der Oberfläche dadurch beschleunigt, der Vcrpuffungspunkt folglich erniedrigt werden muffe. Und in der That stimmen auch unsere Beobachtungen hiermit überein. Wir fanden beispielsweise, als wir im Ucbrigen nach der Vorschrift der Petroleumacte verfuhren, das Oel jedoch dabei umrührten, den Verpussungspunkt um 24° r. oder 13« d. niedriger (statt 119^°, bei 95° ?.). Wir wollen hieraus keinen anderen Schluß ziehen, als daß es sich hier von Neuem zeigt, wie ängstlich man sich an die Vorschriften der Petroleumacte binden muß, wenn man ein Resultat erhalten will, daö mit anderen vergleichbar ist, welche nach derselben Norm ausgeführt sind.

Das Flämmchen, welches über den Draht herübergeführt werden soll, macht nähere Bestimmungen nöthig. Ein gewöhnliches Zündhölzchen darf dazu nicht benutzt werden, theils weil seine Flamme zu groß ist, theils weil oft seitliche Flammcnstrahlen herausbrechen, welche die Oberfläche des Oels unter dem Draht erreichen und entzünden könnten. Man könnte dazu eine sehr kleine Gasstamme gebrauchen, indem man an einer biegsamen Röhre einen sehr kleinen Brenner befestigte, es würde aber schwer sein, Uebereinstimmung in allen Fällen zu erreichen, selbst wenn überall Gas zu haben wäre. Außerdem giebt Gas größere Hitze als andere Flamme» und würde daher die Oberfläche des Oels auch stärker erhitzen. Die kleinste Sorte von Wachsstock entspricht dem Zwecke ziemlich gut. Am besten geeignet scheint uns, wie auch Täte vorschlägt, die dünnste Sorte von Bindfaden gnt mit Wachs zu bestreichen, wo er dann mit einer gleichmäßigen erbsengroßen Flamme brennt. Täte empfiehlt besonders, einige Asbcstfäden in eine enge Röhre zn stecken und mit etwas Petroleum zu befeuchten, welches denn je nach der Länge des hervorragenden Endes des Asbests mit größerer oder kleinerer Flamme brennt. Eine erbsengroße Flamme ist die zweckmäßigste.

Die Vorschrift, die Flamme schnell nnd in der Höhe des Drahtes über das Oel zu führen, muß, wie N. Täte bemerkt, buchstäblich befolgt werden, damit die Flamme bei längerem Verweilen oder größerer Annäherung nicht dem zunächst befindlichen Oel eine Temperatur giebt, bei welcher eine Verpuffnng oder Eutzüuduug eintreten würde, die aber verschieden ist von derjenigen, welche das Thermometer anzeigt.

B. H. Paul hat darauf aufmerksam gemacht, daß in dem offenen Apparate, welchen das englische Gesetz vorschreibt, das Petroleum unter ganz anderen Verhältnissen geprüft wird, als in welchen eö sich in dem geschlossenen Reservoir der gebräuchlichen Lampen befindet. Hier finden die entwickelten Dämpfe wenig Gelegenheit zum Austreten. Sie werden also sich leicht in so großer Menge ansammeln können, daß die bei der ersten Verpussung eutstehcnde Flamme das Oel selbst zu entzünden im Stande ist. Der Unterschied der Temperaturen, bei welchen, das erste Abbrennen eintritt und wo die Entzündung des Oels stattfindet, ist daher begreiflicher Weise in einem offenen und weiten Gefäße größer, als in einem engen mit geringer Ocffnung.

Dieser Bemerkung B. H. Paul's muß Ref. seine volle Zustimmuug gebeil. Zwar soll der verlangte „Schirm" ein Fortführen der brennbaren Gase durch die Zugluft und der „um ^ Zoll" in die Höhe gebogene Rand des Oelgefaßcs ein seitliches Abfließen der schweren Ocldampfe verhindern. Doch wird ja, wie schon bemerkt ist, von N. Täte angegeben, daß er es ohne Einfluß fand, wenn dieser Rand weggelassen wurde; noch viel weniger alm' kann der nach einer Seite hin offene Schirm den gerügten Mangel compensiren.

Um in dem englischen Apparate das Petroleum Verhältnissen auszusetzen, habe ich um den Rand des Oclbehälters einen dicht anschließenden Blechreif von 2 Zoll (50""°) Höhe gesetzt, welcher wie die Wände der Ocluase einer Petroleumlampe das Entweichen der durch die Erwärmung entwickelten Dämpfe verhindern muß. ^ Zoll (6°"°,5) von unten befindet sich darin eine kleine Oeffnung, nur eben weit genug, um den brennenden Docht hinduichschicben zu können, so daß also mit dem Apparate ganz nach der Vorschrift der Petroleumacte verfahren werden kann. Diese Abänderung übt auf die Resultate der Prüfung eiuen erheblichen Einfluß aus; wie sich erwarten ließ, wird bei ihrer Anwendung der Verpuffungspuukt bedeutend niedriger gcfuudcn. Ich brauche nur zwei Beispiele anzuführen. Bei einer Probe, welche bei genauer Befolgung der Vorschriften der Acte bei 119z° I«'. -- 48" 5. zuerst verpuffte, trat die Verpuffung bei Anwendung des Blechschirms schon bei 100° 5. -- 3?,?° 5. ein; bei einer anderen nach der Acte bei 104" l«'. - 40" <ü.; mit dem Blechschirm aber bei 85° ?. ^- 29,»° 5. Dem letzteren Beispiel lege ich noch eine weitere Wichtigkeit bei. Nach der Petrolcumacte würde diese Probe noch für gut erklärt werden müssen, während doch die Anwendung des Blcchschirms zeigt, daß sie in einer Petroleumlampe schon bei einer Erwärmung auf 29,3° (!. die Vase mit explosive» Dampfen füllen würde. Daß aber das Oel in einer Lampe durch die darüber brenueude Flamme bis zu diesem Grade erwärmt werden kann, bezweifle ich nicht mehr, seitdem ich die Temperatur des Ocls in einer gewöbnlichcu Haudlampc (mit Blcchgcfäß und Flachbrenuer) zu 32,5° c. -- 92« ?. gefunden habe. Wiederholte Bestimmungen der Temperatur in der Vase von Petroleumlampen haben mir ergeben, daß darin sich das Oel nach längerem Brennen, selbst wenn die Vase »us Glas bestand, auf 4 bis 5° <!. über die Lufttemperatur erwärmt. Frühere Mitthcilungen Allcn's stimmen hiermit überciu. Da nun in nnscren Wohnzimmern die Temperatur häufig auf 25" d. und höher steigt, die Temperatur des Petroleums in einer Lampe mit Glasvase (also im günstigsten Falle) auf 30° kommen, d. h. den Verpussungspunkt jener Oelsorte im Nlcchschirm noch übertreffen würde, so gelangen wir zu dem Schlüsse, daß wir keine Garantie für die Ungefährlichteit einer Pctroleumsorte dariu erblicke» köunen, daß sie in dem von der englischen Petrolcumacte vorgeschriebenen Probeapparat erst bei 100° 5. oder darüber eine Vcrpuffuug zeigte.

So halten wir denn für hinlänglich nachgewiesen, nicht nur, daß der Probcapparat der englischen Petrolcumacte keine Empfehlung verdient, indem bei seiner Anwenduug die Erlangung überciustimmendcr Resultate zu sehr an die ängstliche Befolgung der von der Acte willkürlich gemachten spccicllcn Vorschriften abhängt, sondern auch, daß auch die von der Petrolenmacte aufgestellte Norm, uacb welcher die Grenze zwischen Gefährlichkeit uud Gefahrlosigkeit iu einer Verpuffungstcmperatur von gerade 100° des Fabrcnbeit'schen Thermometers liegen soll, nicht genügend gerechtfertigt erscheint. —

Der geringe Beifall, welchen der Apparat der englischen Petrolcumacte selbst iu England gefunden hat, wird der Grnnd davon sein, daß er in Deutschland nur wenig in Anwendung gekommen ist. Hier haben Ad. Ernecke H Hauncmann in Berlin einen „Petrolenmprober" empfohlen, in welchem ähnlich wie in dem englischen Apparate die Petroleumprobe in einem Wasserbade erwärmt wird, doch nicht um die Temperatur zu bestimmen, bei welcher ein darüber gehaltenes Flammchen eine Verpussung der entwickelten brennbaren Dämpfe bewirkt, sondern diejenige, bei welcher das Oel selbst durch

eine mit der Oberfläche in Berührung gebrachte Flamme entzündet wird*). Die Gebrauchsanweisung lautet:

Man füllt das obere Gefäß (ein cylindrisches Wasserbad wie das englische, doch von Messingblech) zu , mit Wasser und das einhängende Glasgefäß zu ß mit dem zu probenden Petroleum, hängt dann das Thermometer an den betreffenden Halter uud stellt denselben so, daß die Quecksilberkugel des Thermometers 5 Zoll (L°"",s) vom Boden des Glasgesäßes entfernt ist; erhitzt dann das Wasser mit der im Rechaud befindliche» Tpirituslampe, und sobald das Thermometer steigt, versucht man mit einem brennenden Span, in welchem Grade das Petroleum Feuer fängt uud breunt. Entzündet sich das Petroleum unter 120° ?. oder 51Z° 6., so ist dasselbe zu leicht, also entweder schlecht rectificirt oder stark mit Naphta :c. gefälscht, entzündet es sich über 140° l?. oder 60" ll., ist es zu schwer, also auch schlecht rectificirt oder mit schwereren Oclen gefälscht.

Referent muß gestchen, daß er nach den ungünstigen Erfahrungen, die er an dem englischen Apparate gemacht hatte, die Prüfung des Berliner Apparates mit Mißtrauen uuternahm. Zwar war durch die von Hrn. Oberlehrer Hetzer mir persönlich wie auch im hiesigen technischen Verein gemachten Mittheilungen über zahlreiche von demselben mit dem Berliner Pctroleumprobcr angestellte Untersuchungen der Beweis geliefert, daß er bei gleichmäßiger Behandlung auch übereinstimmende Resultate liefert, doch war ich darauf gefaßt, bei gcriugeu Abweichungen in dem Verfahren, ähnlich verschiedene Rcsnltate wie mit dem englischen Apparate zn erhalten; ich glaubte, daß auch hier die Anwendung einer größeren oder kleineren Tpiritusflamme, einer größeren oder geringeren Menge Wasser im Wasserbadc, Eintauchen des Thermometers iu verschiedene Tiefen, von wesentlichem Einfluß auf das Ergebnis; der Probe sein würden. Die aus diesem. Gesichtspunkte angestellten Versuche haben mir aber zunächst ergeben, daß das bei der englischen Methode für den Ausfall der Probe wescutlichste Moment, die Zeitdauer, in welcher der Versuch beendet ist, bei der Prüfung mit dem Berliner Apparat von keinem Einfluß ist. Ich verfuhr zuerst mit einer Pctroleumprobe genau nach der Vorschrift von Ernecke H Hanne in an», füllte das Wasserbad nur zu ^ mit Wasser und wendete eine große Tpiritusflamme an, so daß der leuchtende Flammcnkcgel den Boden berührte. Die Temperatur des Ocls war anfangs 30z« 5. Nach 8 Minuten schon trat E»tzündung ein und zwar bei 4?« (!. Um nun als Gegensatz hiervon eine sehr langsame Erwärmung zu erziele», füllte ick den Kessel ganz mit kaltem Wasser, so daß daS Glasgcfäß fast mit dem ganzen nicht gefüllten Theile aus dem Wasserbadc hcrausragte, kühlte das Oel zuvor auf die Temperatur des Wassers (18°) ab und erwärmte durch eine kleine etwa 5"°°° hohe Flamme. Die Entzündung trat erst nach 43 Minuten ein, aber wieder genau bei 47° 6.

Diesen großen Vorthcil vor dem englischen Apparat, daß erhebliche Abweichungen in dem Verfahren selbst keinen Einfluß auf das Resultat der Prüfung haben, verdankt der Berliner Apparat unstreitig der glücklichen Wahl eines wenig

*) Die Berliner Firma liefert de» vollständigen Apparat für 6^ Thlr., er dürfte indessen mit der Hülste dieses Preise« gut bezahlt sein.

wärmeleitenden Gefäßes zum Behälter für das Oel. Zugleich ist hierdurch auch eine große Gleichmäßigkeit der Temperatur in der ganzen Oelmasse erreicht. In die erste der soeben erwähnten Proben hatte ich außer dem Thermometer mit der Kugel nahe am Boden ein anderes mit der Kugel nur bis dicht unter die Oberfläche eingesenkt; beide zeigten gleiche Temperaturen an. Aus diesem Grunde ist es denn auch überflüssig, das Oel während des Versuches durch Umrühren in Bewegung zu erhalten. Es sei indessen bemerkt, daß ich auch hier beim Umrühren die Entzündung schon bei einer niedrigeren Temperatur fand, statt bei 47° schon Hei 43° (vergl. oben S. 547). Da endlich das Glasgefäß nur zu ß gefüllt wird, so bietet der obere Theil Raum für die sich über dem Oel ansammelnden Dämpfe, leistet also dieselben Dienste wie mein Blechreif, welcher den englischen Apparat den Petroleumlampen näher bringt

Wenn wir im Vorhergehenden die Petroleumprüfung mittelst des Probeapparates von Ernecke «K Hannemann der Methode der englischen Petroleumacte gegenüber gestellt haben, um zu untersuchen, welche von beiden den Vorzug größerer Sicherheit der Ergebnisse besitzt, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß wir bei diesen zwei Methoden Antwort auf ganz verschiedene Fragen erhalten und daß es keineswegs » priori angenommen, sondern nur durch Versuche bewiesen werden kann, daß der Verpuffungspunkt der englischen Methode und die Entzündungstemperatur gleichen Schritt gehen.

Fragen wir dann weiter, welche von diesen beiden Temperaturen ein besseres, weil directercs Maß für die Güte, oder auch nur für die Gefährlichkeit des Petroleums abgiebt, so läßt sich nicht leugne», daß sich für die Bcurthcilung der Explosionsfähigkeit die englische aus dem Grunde empfiehlt, daß sie diese unmittelbar in's Auge faßt. Freilich gestattet auch die Entzündungstemperatur einen Rückscklnß auf die Ezplosionsgefährlichkcit, indem ja in den meisten Fällen die Entzündung des Oels nicht unmittelbar durch die Flamme des fremden zum Anzünden benutzten Körpers, sondern (wie schon am Eingange bemerkt wurde) durch die Flamme des auf der Oberfläche des Oels angesammelten brennbaren Gas, gemisches erfolgt. Mau erkennt dies sehr deutlich bei der Aufsuchung des Entzüudungspunktes. Anfangs erzeugt das dem Oel genäherte Flämmchen im Berliner Apparat ebenso

wie im englischen nur das Abbrennen einer niedrigen blauen Flamme; bei steigender Temperatur wird die Verpuffung immer hörbarer uud stärker, so daß durch sie gewöhnlich die Flamme des Spanes öder Dochtes ausgelöscht wird, bevor sie mit dem Oel in Berührung kommt; die Dauer der Flamme, die anfangs nur momentan war, nimmt dann immer mehr zu, bis endlich einzelne gelbleuchtende Streifen darin aufblitzen und nun das Oel selbst im Brennen bleibt. Je früher also eine Petroleumsorte beim Erwärmen Feuer fängt, um so mehr erplodirbare Dämpse vermag sie zu entwickeln, um so mehr ist also Gefahr vorhanden, daß sie auch in einer Lampe eine Explosion veranlaßt.

In der Gebrauchsanweisung von Ernecke nnd Hannemaun ist gesagt, es sei „von Fachmännern festgestellt, daß ein gutes Petroleum sich nur zwischen 120 und l40° 5. oder 51^ und 60° <2. anzünden lassen darf, daß es mithin darüber zu schwer, darunter zu leicht entzündlich ist und daß nur ein Petroleum, welches in der angegebenen Wärmetemperatur brennt, rein, sparsam, hellbrcnnend und gefahrlos ist." Vermuthlich stützt sich diese Angabc auf die Beobachtungen von Volley (Dinglcr's „Polytechn. Journal", Bd. 169, S. 123) und Allen (Wagners „Jahresbericht für 1868, T. 729). Allen sagt: „Die durchschnittliche Temperatur, bei welcher die Proben Dampf genug entwickelten, um sich entzünden zu lassen, betrug 52° <ü.; Petroleümsorten, die sich unter dieser Temperatur entzünden, sollten im Handel nicht zugelassen wcrdeu." In Bolley's Mittheilungen findet sich kein so entschiedenes Urthcil.

Die Anncibmc von 120" l?. --- 5iz° 5. als Minimum für die zulässige Entzündungstemperatur empfiehlt sich besonders auch dadurch, daß hiermit das schließliche Urtheil über die l^efälirlichkeit der mit dem Berliner Apparat untersuchten Petroleumsorte ebenso ausfallen wird, wie dasjenige, welches die Untersuchung derselben Probe nach der englischen Methode ergeben muß, die doch factisch durch ihre gesetzliche Automation große Wichtigkeit erlangt hat. Um die Resultate der beiden Mctboden zu vergleichen, habe ich in mehreren Fällen, nachdem im englischen Apparat die erste Verpnffmig eingetreten, die Erwärmung der Probe noch so lange fortgesetzt, bis das Oel selbst durch das Flämmchen entzündet wurde. Es erfolgte:

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genommenen Temperaturen hinreichend motivirt ist, können wir noch nicht für vollständig erledigt halten, da die zu einer bestimmten Antwort erforderliche experimentelle Grundlage noch nicht in genügender Ausdehnung vorhanden ist. In wie fern endlich die Beobachtung des Verpuffungs- oder Entzündungs

punktes zur Bcurtheilung der Güte des Petroleums als Beleuchtuugsmatcrial gebraucht weiden kann, ist eine Frage, deren Beantwortung nicht die Aufgabe des vorliegenden Aufsatzes sein sollte.

Hagen, Juli 1870.

Die schweizer Alpenbahn.

Die kleinen, mehr oder weniger öffentlichen Agitationen, welche in jetziger Zeit mit der Feststellung einer jeden, wenn auch noch so unbedeutenden Eisenbahnlinie unausbleiblich verbunden sind, mußten natürlich eine entsprechende Ausdehnung gewinnen, als es sich um den endgültigen Beschluß über die Richtung einer Bahn von so bedeutender Wichtigkeit, wie die, welche die schweizer Alpen durchschneidend, Italien mit Deutschland verbinden sollte, handelte, zumal nach Feststellung einer bestimmten Linie die Anlage einer Concurienzbahu durch die obwaltenden Verhältnisse wenigstens in weite Ferne gerückt, weun nicht ganz ausgeschlossen ist. Locale, cantonale und nationale Interessen setzten alle Hebel in Bewegung, um für die ihnen günstigste Linie Unterstützung zu gewiuueu, und sogar die Empfindlichkeit der großen Nation wurde durch die Cochery'sche Interpellation zu Gunsten bei Simplonlinie aufgerufen, doch ohne Erfolg, denn die französische Regierung war wol damals noch nicht zu dem Grade der Weisheit gelangt, etwa von dem König von Preußen Garantien dafür zu verlangen, daß kein Angehöriger des norddeutschen Bundes Gotthardactien zeichne, anderenfalls aber die Ehre Frankreichs für verletzt zu erklären. Nicht bessere Mittel sind wol auch von den übrigen Comics versucht wordeu.

Die Bestrebungen, die Mitte der Alpcnkette vermittelst Eisenbahn zu durchschneiden, nahmen schon vor etwa 25 Jahren ihren Anfang, und wurden viele Untersuchungen angestellt uud auf Grund derselben viele Projccte aufgestellt. Erste« hatten aber zum großen Theil den Fehler der Einseitigkeit, weil sie die Vorzüge des Alpenübergangcs darthu» sollten, der dem Privatinteresse am meisten zusagte, letztere den Fehler, auf solchen Untersuchungen basirt zu sein. Hauptsächlich couccntrirtcn sich die Agitationen auf sechs Pässe der Alpeu, den Simplon, St. Gotthard, Lukmanier, Bernhardt», Splügcu und Septimer, von welchen der vierte und letzte zuerst als nicht recht concurrenzfähig aufgegeben wurde, wogegen die Vertheidiger der übrige» Projccte ihre Agitationen um so lebhafter fortsetzten. Die unterdessen erfolgte Inangriffnahme der Brennerbahn, welche damals noch vollständig auf österreichischem Gebiete lag, vcranlaßtcn im Jahre 1864 die italienische Regierung, um sich nicht den Verkehr vollständig entziehen zu lassen, die Durchbrechung der Centralalpen näher in's Auge zu fassen, und ließ dieselbe durch eine Anzahl von Commissionen die für sie in Betracht kommenden drei Uebergangspunkte, den Gotthard, Lutmanier und Splügen in technischer und commcrciellcr Hinsicht prüfen. Die von französischer Seite sehr in Schutz genommene Simplonbahn hatte für Italien durchaus keine Wichtigkeit, weil eine Verbindung mit Frankreich bereits durch den Mont Cenis herge« gestellt wurde. Die 2z jährigen Arbeiten dieser Commissionen

gaben das Resultat, daß sowol in commercieller als auch in technischer Hinsicht der St. Gotthardliuie der Vorzug zu geben sei, während die Regierung selbst zu der Ueberzeugung gelangte, daß das Unternehmen selbst nur durch die Mitwirkung der dabei interessirten Staaten ausgeführt werden könne. Sie knüpfte daher nach Beendigung des Krieges von 1866 mit dun norddeutschen Bunde uud den süddeutschen Staaten Unterhandlungen über eine Unterstützung der Alpenlinic an, und zwar direct, weil die schweizerische Bundesregierung noch zu keinem festen Entschluß gelangen konnte, uud stellte dabei den St. Gotthard als das in erster Linie zu unterstützende Project auf. In den deutscheu Staaten, vielleicht mit Ausnahme von Bayern, konnte über die zu wählende Linie kein Zweifel sein, da der Splügen zu nahe an das Verkehrsgebiet der unterdessen in Betrieb gekommenen Brennerbahn tritt, der Lutmanier aber hauptsächlich nur damals besondere Aussichten auf Erfolg gehabt hatte, als man überhaupt noch sich von einer Ucberschienung des Passes nach Art des Mont CeniS größere Vortheile versprach, als die Betriebsergebnisse dieser letzteren Babu später verwirklicht haben. Von Seiten des norddeutschen Bundes wurde daher die Erklärung abgegeben, nur die Et. Gotthardbahn eventuell uuterstützcn zn können. Diese Erklärung wirkte auch auf die Entschließungen der schweizerischen Bundesregierung zurück, und in Folge dessen wurde am 13. Octobcr v. I. zu Bern zwischen Italien und der Schweiz ein Vortrag geschlossen, welcher in Kürze die nachfolgenden Bestimmungen enthielt:

Die deutschen und italienischen Eisenbahnnetze sollen durch eine Eisenbahn verbunden werden, welche über den St. Gotthard führt und in einer Länge von 263 Kilometer die Linien Luzern-Küßnacht-Immensee-Goldau, Zug-Tan Adiano-Goldau, Goldan-Fiora Biasca-Bellinzona, Bellinzona-Lugano-Chiasso, Bcllinzona-Mazadino und außerdem ciue Linie von Belliuzona nach der italienischen Grenze bei Luvino mit einer Zweigbahn nach Locarno in sich schließt. Die gedachte Bahn darf sich nicht über 1162",5 über den Meeresspiegel erheben, der kleinste Radius der Curvcn soll 300'° sein und die stärksten Steigungen das Verhältniß 1: 40 nicht überschreiten, nur im Nothfalle solle die Bundesregierung für die Strecke Biasca-Lavorgo eine Steigung von 1 :38,5 gestatten dürfen; der zwischen Göschenen und Airolo anzulegende Tunnel muß in gerader Linie geführt werden. Von Flüelen bis Biasca erhält die Bahn zwei Gleise, auf der übrigen Strecke Goldau-Belliuzona werden die Tunnels zweigleisig angelegt, die freie Bahn, sowie die übrigen Linien nur eingleisig.

Ferner sind die Linien von Biasca nach dem Lago mag« giore und von Lugano nach Chiasso in drei Jahren nach Eon« stituirung der Gesellschaft fertig zu stellen, in welcher Zeit auch Italien die Linie Chiasso-Camerlata in Betrieb setzt. Die Arbeiten an den übrigen Linien sind nach Bemessen zu vollenden, jedoch so, daß sie zugleich mit dem großen Tunnel zwischen Gösckencn und Airolo eröffnet werden können, welcher in 9 Jahren hergestellt sein muß. Die Schweiz hat dazu bei Basel eine Brücke über den Rhein zu bauen, um die badischcn Eisenbahnen mit der schweizerischen Centralbahn in dirccte Verbindung zu bringen. Außerdem baut Italien eine Bahn an dem linken Ufer des Lago maggiore, um die schweizerische Bahn bei Pino an eine der Stationen des italienischen Bahnnctzes anzuschließen.

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Für den Betrieb wurde festgesetzt, daß im Sommer täglich wenigstens drei Züge für Personenbeförderung in beiden Nichtungcn gehen sollen, darunter ein Exprcßzug; im Winter kann die Zahl der Züge auf zwei beschränkt werden. Das Personengcld sür de» durchgehenden Berkchr ist bestimmt zu 50 Centimen für die I., 35 für die II. nnd 25 Centimen für die III. Classe für die schweizer Meile zn 8,»9 Kilometer; für die Strecken mit I : 66^ Steigung und darüber darf ein Zuschlag von 50 Centimen erhoben werden. Der Tarif für Güter ist bei Eilgut 45 Centimen pro metrische Tonne und Kilometer ohne Zuschlag, bei gewöhnlichem Frachtgut 1",5 Centimen mit 5 Centimen Zuschlag, bei Massengütern 5 Centimen mit 3 Centimen Zuschlag. Sobald die Dividende 9 pCt. übersteigt, soll der Tarif ermäßigt werden.

Die Einleitung und Überwachung der richtigen Ausführung der in dem Vertrage festgesetzten Arbeiten fällt der Schweiz zu; dieselbe hat über den Stand derselben periodische Berichte den Mitcontrahcnten zn erstatten, welche letzteren sich auch durch Tpecialcommissare besondere Kenntniß verschaffen können.

Das Tubsidiencapital ist auf 85 Millionen Francs angenommen, von welchen ein Drittel in nenn festbestimmtcn Jahresraten, der Rest nach dem Fortschritt der Arbeiten gezahlt wird. Ucbcrstcigt die Dividende 7 pCt., so wird die Hälfte des Ucbcrschusses den beisteuernden Staaten im Verhältuiß ihres Anthciles ausgezahlt.

Bei Abschluß des Vertrages überuahm Italien von der obengenannten Summe 45 Millionen, die Schweiz 20 Millionen, so daß für die deutschen Staaten eine gleich große Summe zu übernehmen war. Diesen wnrde bis Ende April, später bis zum Juli d. I. der Beitritt zu dem Vertrage offen gehalten.

Um die Ausführung dieses Ucbereinkommens nach Möglichkeit zu hintertreiben, namentlich die Zustimmung der Centralbehörden der Schweiz zu verhindern, wurde von den Vcrtheidigern der Splügcnlinie mit großem Nachdruck darauf hingewiesen, daß für diese eine viel geringere Zinsgarautie, nämlich höchstens 48 Millionen Francs erfordert würden. Diese Zahl bezieht sich aber ans ein Project, welches allerdings nur 9,?Kilometer Länge des großen Tunnels gegen 14,8 Kilometer beim St. Gotthard aufweist, dagegen durch die Höhe desselben über dem Meere, 1652'°, starke Steigungen nnd scharfe Cnrvcn einen bedeutend höheren Betriebsanfwand erfordern würde, abgesehen davon, daß er schon durch längere Fahrzeit mit der nahe gelegenen Brenneibahn nicht würde concurrircn können; ein den für die übrigen Linien aufgestellten mehr conformes Project würde, wie die spätere Zusammenstellung ergeben würde, noch größere Anlagekostcn erfordern; der Agitationen der Simplonpartei ist schon oben gedacht worden. Unterdessen ist der Ver

trag pcrfcct geworden, indem am 25. Mai der norddeutsche Reichstag die Subvention von IN Millionen bewilligt und am 22. Juli der schweizerische Nationalratb den Vertrag, soweit er die Verpflichtungen der Schweiz betrifft, genehmigt hat. Es ist nur zu hoffen, daß ein baldiger und gesicherter Friede den Anfang dieses Unternehmens von so bedeutender Tragweite in kürzester Frist möglich mache.

Wir wollen im Folgenden noch eine kurze Ucbcrsicht über die Grundsätze nnd technischen Daten geben, welche auf die wesentlichen Punkte des nun gültig gewordenen Vertrages gegeführt haben, indem wir hauptsächlich dabei die Ergebnisse der italienischen Commissioncn von 1865 zu Grunde legen, von denen wir durch die Güte des Hrn. Ingenieur Koller in Basel in den Besitz einer französischen Übersetzung gelaugt sind.

Da die mit verschiedenen Systemen von Gbirgslocomotiven von besonderer Construction und sonstigen Betriebsmitteln für starke Steigungen angestellten Versuche zu der Erwartung Veranlassung gaben, für den in Aussicht genommenen Alpcnübcrgang die Durchbohning des Gebirges mit ihrem Aufwände an Capital nnd namentlich an Bauzeit ersparen zu könncn und die Pässe direct mit jenen Hülfsmitteln überfahren zu können, so wurde cuic besondere Commission von italienischen Ingenieuren beauftragt, die Anwendbarkeit der damals bekannten Betriebsmittel für Gebirgsbahnen in ihrer Verwendbarkeit für die Überschreitung der schweizerischen Alpen zu untersuchen. In den Bereich dieser Ermittelungen wurden außer den allgemeinen bekannte"» Systemen von Fell nnd Agu« d io (Bd. VIII, T. 563 und Bd. IX, S. 649, sowie Bd. XIII, T. 53l d. Zeitschrift) noch ein von Edwards vorgeschlagenes Project einer Eisenbahn nach Analogie der pneumatischen Brief- und Packctbefördcrung gezogen, sowie eine verbesserte atmosphärische Eisenbahn von Coletti, hauptsächlich durch die Vermeidung des laugen Ventilcs in der Betricbsröhre ausgezeichnet, eine Schraubenlocomotive von Grassi <K Tnbi, endlich eine Stclzcnlocomotivc von Tomatis, über deren genauere Coustruction übrigens der Bericht keine Angaben enthält. Die drei letzteren Systeme mußten von der Commission überhaupt als nicht praktisch bezeichnet werden, gegen die pncumalische Bahn von Edwards wurde geltend gemacht, daß der Bau der dazu erforderlichen Röhre aus Mauerwerk unter den ungünstigen klimatischen Verhältnissen viele Schwierigkeiten uud Koste» verursachen würde, auch die in Aussicht genommene Bremse, gegen die Röhrcnwand gepreßte Holzklötze, bei der wenig glatten Oberfläche des Mauerwerkes, welches sich außerdem noch setzen würde, absolnt keine Sicherheit gegen schwere Unglücksfälle gewähre. Es blieben daher nur noch die schön auf kurzen Strecken erprobten Systeme von Agudio uud von Fell zu betrachten übrig. Diese Betrachtungen winden hauptsächlich vom Gesichtspunkte eines möglichst vortheilhaftcn Betriebes augestellt und führten zn dem Ergcbniß, daß für die in Rede stehenden Alpenübergänge ein Tunnel mit gewöhnlichen Steigungen eine bedeutend kürzere Linie giebt, als die Überführung der Bahn über den Paß. Bei dem St. Gotthard stellt sich für die Tunnelbahn die wirkliche Entfernung zwischen den Stationen Andermatt und Airolo auf 12 Kilometer, eiue Überführung über den Paß mit Steigungen von 1 : 12,5 dagegen auf 22 Kilometer, bei dem Lukmanier

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