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Es wird hier eine innen sechseckig, außen quadratisch geformte Scheibe db, die Lege scheide, übei die Mutter geschoben und zwar so, daß eine der Außenflächen der quadratischen Scheibe gegen einen an der Verschraubungsplatte vorhandenen Knaggen » anschlägt. Durch dieses einfache Mittel lassen sich zwölf Feststellungen der Mutter bei einer Umdrehung erzielen; auch ist durch die Sicherungsconstruction die Höhe der Mutterstelluug auf der Schraube in keiner Weise begrenzt.

Sind die Stellungen der Mutter in der Richtung der Schraubende sehr veränderlich, so ist nur an der Schraube das stets nothwendige ausreichende Gewinde anzubringen; in dieser Beziehung hat die Legescheibe im Vereine mit den Sicherungen nach Fig. 11, 12, 17 bis 28 einen Vorzug vor deu übrigen.

Die Legescheibe ist mit etwas Spielraum so aufzupassen, daß sie durch ein selbstthätiges Lösungsbestrcben der Mutter festgeklemmt wird. Vor dem Herausfallen läßt sie sich übrigens von dem Knaggen 2 der Verschraubungsplatte aus leicht sichern, wenn dies für nöthig befunden werden sollte. > Es würde auch genügen, die Scheibe nur halb auszuführen, d. h. ihr nur drei Innenflächen und zwei Außenflächen zu geben.

Formt man die Scheibe außen nach einem regelmäßigen Achteck, so lassen sich bei einer Mutterumdrchung, wiederum ähnlich wie bei Fig. 2 und 3, 24 Feststellungen erzielen.

Zur Anwendung bei Lagerdeckelschrauben möchte sich diese Legescheibe, bei welcher übrigens die in der Zeichnung angegebene Unterlagscheibe selbstverständlich auch weggelassen werden kann, gegenüber den meist in Anwendung befindlichen Sicherungsmethodcn vorteilhaft empfehlen.

12. Ticherungstappe als Legestück. (Fig. 31 und 32.)

Diese Anordnung, ebenfalls bei Borsig'schen Locomotivfedergchangen vorkommend, möchte insofern hierher gerechnet weiden können, als bei ihr das Princip des Legeschlüsscls in umgekehrter Weise zur Anwendung kommt. Der verlängerte Tchraubenbolzen dient mittelst einer zweiten Mutter zur Befestigung des Legestückes, welches als überhängende Ticherungstappe die Flächen der Mutter und solche der entsprechend geformten Verschraubungsplatte zugleich sichernd umfaßt.

Dieses Princip, hier nur Sechsteldrehungen gestattend, läßt sich leicht auch so ändern, daß Zwölftel- und Achtzehnteldrehungen möglich werden, und allgemeiner, z. B. für Lagerdeckelschrauben verwenden. Man hat nur nöthig, auf der Verschraubungsplatte eine Erhöhung anzubringen, welche prismatisch nach Ebenenpaaren geformt ist. Die Ebenen eines solchen Paares liegen sich diametral und parallel in gleichem Abstände von der Tchraubenaze gegenüber, und ensprechen so jedem Ebenenpaare allein sechs Anzugsstellungen der Mutter, falls nur die Winkel der Ebenen gegen einander nie 60° bettagen. Die Ausführung solcher Anordnungen, welche, trotz der Frictionsbefestigung der Sicherungstappe durch die zweite Mutter, nicht zu den nur relativ sichernde» Frictionsbesestigungen unter 1. und 6. gerechnet weiden können, ist in den Fig. 33 bis 36 versucht worden. Die zweite Mutter dient übrigens zugleich als Kopfhalter.

Fig. 33 und 34 zeigen, wie durch Anwendung eines quadratisch geformten Ansatzes der Verschraubungsplatte die

Mutter in zwölf Stellungen gesichert werden kann. Zugleich ist für die zweite Mutter zum Festklemmen der Ticherungstappe das Gewinde der Schraube fortlaufend beibehalten, wodurch die Höhe der verschiedenen Stellungen der Mutter auf der Schraube wiederum unbegrenzt bleibt.

In Fig. 35 und 36 sind 18 gleich weit von einander entfernte Feststellungen bei einer Umdrehung möglich. Der Ansatz der Verschraubungsplatte ist hier nach drei Ebenenpaaren geformt, deren centrale Normalen Winkel von 40" mit einander bilden. Fast nock leichter für die Ausführung lassen sich durch Anwendung eines regelmäßigen Achteckes für den Ansatz an der Verschraubungsplatte auch 24 Feststellungen für eine Umdrehung erzielen.

'13. Verstellbares Legestück von Maudslay. (Fig. 3? und 38.)

Bei einer von Maudslay herrührenden Befestigung der Schiffsschraubenflügel an ihrer Nabe*) findet sich ein einfaches Legeftück angewendet, welches nur mit einer Fläche (die Maulinnenfiächen des Schlüssels also auf nur eine reducirt) an einer der Seitenflächen der Mutter anliegt. Dieses Legestück kann nun in verschiedenen Stellungen (hier drei) an die Verschraubungsplatte befestigt werden, indem drei Löcher in letzterer hierzu vorhanden sind. Diese Löcher, in gleichem radialen Abstände von der Schraubende, sind so vertheilt, daß iure radialen Entfernungen von Letzterer um einen Winkel von 20" von einander abstehen. Danach läßt sich die Mutter in Achtzehnteldrehungen feststellen.

Die drei Löcher in der Platte brauchen jedoch nicht in der augedeuteten Weise nahe aneinander zu liegen; sie können vielmehr, wenn Raum dazu vorhanden ist, am Umfange der Mutter so vertheilt werden, daß der Radius zum zweiten Loche mit dein zum eisten einen Winkel von (n . 60 »l- 20)° und mit dem zum dritten einen solchen von (m . 60 -»- 40)° bildet, wo n und m zwei ganze Zahlen zwischen den Grenzen 0 und 5 bezeichnen.

Daß das Maul des Legestückes dabei auf eine Innenfläche reducirt ist, ist unwesentlich und setzt dann nur genauere Arbeit voraus; das Legcstück kann auch ein Legescklüssel mit vollständigem Maule seiu, was die Sicherheit nur erhöbt. In solcher Weise möchte diese Maudslay'sche Anordnung in Bezug auf Einfachheit und Sicherheit großen Ansprüchen genügen.

In unserer Zeichnung, Fig. 38, ist indessen die Maudslay'sche Anordnung noch insofern geändert, als die Anschlußfiäche des Legestückes an die Mutter vou dem Radius, welcher vom Mittelpunkt des Loches nach der Schrauben«« gezogen ist, aus nur einseitig vorhanden ist, und zwar nur »ach der Seite hin, nach welcher beim Anziehen der Mutter die Drehung der Letzteren erfolgt. Wird dann nämlich die Schraube des Legestückes etwas gelöst, dieses also um die Aze des Lockes drehbar, so wird das Legestück bei etwaigem Nachziehen der Mutter einfach zur Seite gedreht, verhindert also nicht das Nachziehen der Mutter, wol aber stets das Löseu derselben, auch wenn es nicht fest auf der Platte verschraubt ist. Auch hier ist es ersprießlich, statt der eiufachen Anschlagfläcke ein halbes Schlüsselmaul auszuführen.

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l4. Eingeklemmter Sicherungsstift von Bouchacourt.

Dieser nur für zwei benachbarte Muttern gleichzeitig angewendete Sicherungsstift kann als eine besondere Form der in den verschiedenartigsten Ausführungen bereits vorbeschnedenen Legestücke angesehen werden. Die Anwendung des Bouchacourt'schen Systems zur Befestigung der Laschenschrauben bei Eisenbahnschienen geht aus den Fig. 39 und Hl) hervor.*)

Das Legestück bildet hier ein dünner Stift ß, ß aus Draht, welcher in eine in der Verschraubungsplatte (hier Schienenlasche) vorhandene halbkreisförmige Rinne eingelegt wird. Diese Rinne verbindet die Mittelpunkte der Tchraubenlöcher. Die beiden Muttern sind an ihren Unterflächen,ebenfalls mit halbkreisförmigen Rinnen versehen, welche radial angeordnet sind; hat man sechs solcher radialen Rinnen in der Mutterunterflache, so lassen sich sechs Feststellungen bei einer Umdrehung erzielen. Wie der Sicherungsstift in die entsprechenden Rinnen eingelegt wird, geht aus Fig. 39 hervor.

Der Stift hat vor dem Einlegen in die Rinne eine etwas gekrümmte Form (s. Zeichnung), so daß, wenn die bei

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den Muttern mit einer ihrer radialen Rinnen correspondirend zu der in der Verschraubungsplatte vorhandenen Rinne gestellt find, der Stift eingelegt und mittelst einiger Hammerschläge unter die beiden Muttern geschoben werden kann, wobei er gerade gestreckt wird. Will man die Sicherung lösen, so ist leicht mittelst eines darunter getriebenen Meißels der Stift aus den Rinnen herauszuheben.

Die Sicherungsmittel mittelst der Legestücke sind noch vielfach zu modificiren und auch in mannigfachen Abänderungen in Nnwendung. Es möge genügen, hiervon nnr noch eine anzudeuten.

Man kann die Mutter mit einer runden Scheibe versehen, gegen deren Umfang ein Legestück sich halbkreisförmig anschließt. Ein eingetriebener Keil, welcher an einem Vorsprunge der Verschraubungsplatte sein Widerlager findet, preßt das Legestück gegen die runde Mutterscheibe, so daß diese sich nicht drehen kann. Um den Schraubenbolzen nicht durch die seitlich angetriebene Mutter zu klemmen, ist die Scheibe auf der vom Legestück nicht berührten Seite gegen einen ebenfalls halbkreisförmigen Ansatz der Verschraubungsplatte gestützt. Auch hier ist jede Lage der Mutter feststellbar.*)

(Schluß folgt.)

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V ermisch tes.

Centrifugalpumpen.

Von Hrn. Ingenieur Joseph Vernays ist uns ein Schreiben, dlltirt London, den 24. Mai d. I. zugegangen, in welchem er sich gegen das in dem Aufsätze „Referate über Pumpen" auf S. 197 d. Vds. abgegebene Urtheil über den Werth seiner Verbesserung an Kreiselpumpen verwahrt.

.... nehme ich mir deshalb die Freiheit, auf besagten Ausspruch zu erwidern, daß gerade in der Vraris sich die in meinem Patente enthaltene Verbesserung noch viel vorthcilhafter und weit» greifender erwiesen hat, als selbst der eisten Idee des Patentes zu Grunde lag. Um hier nicht zu viel von Ihrem werthvollen Räume in Anspruch zu nehmen, verweise ich im Allgemeinen auf meine an die Rcdaction des „Nußineer" gerichteten und in den Ausgaben vom 27. April, 8. Juni und 10. August 1866 publicirten Briefe, in denen die Constructionstheorie meiner Pumpen ziemlich ausführlich besprochen wurde. Es genüge hier die Tatsache, daß bei einer durch langen Gebrauch entstehenden Abnutzung der äußeren Dichtung, selbst bis zu 3°"° auf jeder Seite, die Pulnpe immer noch gleich gut wirkt, was sich wol daraus erklären läßt, daß die Geschwindigkeit am äußeren Durchmesser der Scheibe genau der Hubhöhe des Wassers entspricht, und die zwischen den Dichtungsfiächen erzeugte Eentrifugalkraft dem lückdrückenden Wasser das Gleichgewicht hält. Hierdurch wird zugleich der Saugkraft der Pumpe großer Vorschub geleistet und hat sich dieselbe diesbezüglich in der Plaris ausgezeichnet bewählt, wie Ihnen unter anderen folgendes Beispiel beweisen wird. Wie Sie wissen, bedürfen alle Centlifugalpumpen behufs anfänglicher Füllung eines Fußventils, wenn die Pumpe selbst nicht unter das Niveau des zu hebenden Wassers gesetzt werden kann. Wir hatten unter solchen Umständen einmal Wasser aus einem artesischen Brunnen z« pumpen, in welchem das Niveau etwa 3 Fuß unter der Bodenfläche stand, dessen Röhre aber selbst zu eng war, um die Anwendung eincS Fußuentils am unteren Ende des Saugerohres del Pumpe zu gestatten. Ich hatte deshalb den Monteuren Auftrag gegeben, die Pumpe so tief unter die Vodenstäche zu setzen, daß

die oberste Flansche derselben im Niveau des in der artesischen Röhre befindlichen Wasserspiegels lag, wodurch die rotilende Scheibe ganz mit Wasser bedeckt und folglich zur Lieferung bereit wurde. Meine diesfallsigcn Instructionen waren aber mißverstanden worden und der Monteur hatte statt dessen die Mittellinie der Pumpenspindel in das Niveau des Wassers gelegt, so daß sich die Scheibe und Pumpe in keinem Falle mehr als zur horizontalen Hälfte füllen konnten. Nichtsdestoweniger lieferte die Pumpe das Wasser ohne die geringste Schwierigkeit 30 Fuß über die Bodenebene und saugte die artesische Röhre auf ungefähr 24 Fuß leer oder auf eine totale Lieftlungshöhe von ungefähr 54 Fuß, und der Fehler in der Aufstellung wurde erst einige Wochen später von mir selbst ganz zufällig entdeckt. Jeder, der in der Anwendung von Centrifugalpumpen praktische Erfahrung hat, wird die hier bewiesene Eigenschaft zu schätzen wissen. Daß meine Erfindung auch auf die totale Lieferungshöhc vorthcilhaft wirkt, möge die Thatsache beweisen, daß eine für die totale Höhe von 65 Fuß construirtc kleine Pumpe vor einigen Wochen ohne Anstand für eine Höhe von 85 Fuß, verbunden mit sehr langer Röhrcnlcitung, in Gang gesetzt wurde.

Ich glaube deshalb hier durch plaktische Beispiele daigcthan zu haben, daß die mcincl Pumpe ausschließlich angehölendcn und patcntilten Velbesseningen von wesentlichem Voltheil sind.

Tabelle über die Verhältnisse verschiedener Dampfkessel.

Für manchen der Leset dieser Zeitschrift dürfte die nachstehende kleine Zusammenstellung über Verhältnisse verschiedener Dampfkessel in ihrer Gestalt nicht ohne Interesse sein, wenn sie auch gerade nicht viel Neues bietet. Die Daten über die Vcrdampfungsfähigkeit der Kessel an Puddel- und Schweißöfcn basiren zum größten Theil auf eigenen Messungen und dürften um so erwünschter sein, als „Des Ingenieurs Taschenbuch" über diesen Gegenstand gar nichts, der „ Ingenicurkalendcr" sehr niedrige Angaben enthält.

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Zur Dampflesselregulativfrage.

Im Maiheft, S. 332, findet sich der Entwurf eines von der Tclcgirtcnvcrsammlung im April d. I. aufgestellten Dampftessclregulativs. Ich habe hier nicht die Abficht zu kritifircn, vielleicht ist es mir aber als einem Vereinsmitgliede gestattet, an zwei Punkte zu erinnern, welche ich in dem Entwürfe vermißt habe, trotzdem ich sie von Wichtigkeit halte.

§. L handelt von den Spcisevoriichtungcn, und sind mit Recht zwei für einen Kessel vorgeschrieben, „von denen jede für sich im Stande sein muß, dem Kessel das zur Speisung erforderliche Wajier zuzuführen". Hierzu dürfte sich der Zusatz empfehlen i

„Die Größe jeder dieser Svcisevorrichtungcn soll so bemessen sein, daß für den normalen Wasserbedarf des Kessels ei»e derselben constant im Gange sein muß."

Meine Gründe hierfür sind in Kürze folgende:

Ohne in das vielbesprochene, aber noch nicht abgeschlossene Thema der Kesseleiplosioncn einzugehen, spreche ich meine Ansicht dahin aus, daß alle die unerklärlichen Erplosionen, welche man auf die Hypothesen des Sielcverzuges, Druckvermindcrung und Etoßwirkung zurückführt, nicht stattgefunden haben würden, wenn aus dem im Kessel befindlichen Wasser nicht vorher durch Kochen die Luft ganz oder zum Theil ausgetrieben gewesen wäre. Ich denke mir, daß sich die Dampfblascn aus dem siebenden Wasser leichter entwickeln, so lange noch gleichzeitig Luft entweicht. Ich erinnere daran, daß z. V. beim Kalkofenbetricbe die Kohlensäure sich leichter austreibt, wenn die Kalksteine nicht vollständig trocken find, oder wenn man etwas Wasscrdampf einblascn läßt; ich erinnere daran, daß angefeuchtete klare Braunkohle besser brennt als trockene, indem die sich bildenden Wasserdämpfc das Entweichen der Kohlenoryde und Kohlenwasserstoffe befördern. Es sind noch andere Fälle bekannt, daß eine Luftart der zweiten nicht hinderlich, sondern förderlich ist. Warum soll nicht bei siebendem Wasser in den Dampfkesseln ein ähnlicher Vorgang möglich sein?

Wenn aber bei noch nicht ausgekochtem Wasser ein Siedeverzug nicht zu befürchten stände, so wäre es nothwcndig, daß fortwährend Wasser in den Kessel geführt wird, d. h. daß die Speisevoirichtung constant im Betriebe bleibt, während jetzt bei fast allen Kesseln wegen zu großer Pumpen Unterbrechungen in der Speisung stattfinden, welche oftmals 4 Stunde, auch noch länger dauern, und bei Kesseln, die nur Tagesarbcit haben, wird häufig ebenso lange Zeit vor Feierabend gar nicht mehr gespeist.

Ich wenigstens kann mir als möglich denken, daß solches Wasser erplosionsfähig wird, und werde meine schon früher ausgesprochene Ansicht wol nicht eher aufgeben, bis mir wenigstens drei Fälle bekannt sind, daß bei den auf unerklärliche Weise erplodirten Kesseln die Speiscvorrichtung unmittelbar vor der Erplofion resp. bis zum vorhergegangenen Feierabende im angemessenen Betriebe gewesen ist. Luflfrcies Wasser ist im Kessel zu vermeiden, wenn eine der Spciseuorrichtungen constant im Betriebe bleibt, und, da eine solche Anordnung sicher nichts schabet, dem Brenn» Materialverbrauch und gleichmäßiger Dampfspannung nur günstig sein würde, dürfte sie wol eine Berücksichtigung verdienen, besonders da ein zufällig größerer Wasserbedarf durch die Rcservcpumpe immer noch zu beschaffen bleibt.

§. 9 handelt von der Druckprobe und ordnet dieselbe an »,) bei neuen Kesseln und b) nach größeren Reparaturen. Es wäre gewiß zweckmäßig, die Druckprobe periodisch zu wiederholen, auch wenn am Kessel gar nichts passirt ist; denn auch durch innere Revisionen, welche in den Statuten der sich neubildcnden Dampftessclvcreine vorgesehen sein mögen, wird ein Fehler nicht so bestimmt aufgefunden werden, als durch die Druckprobe, und ick sollte meiiien, eine solche Bestimmung könnte ebenso gut Aufnahme in dem Regulativ finden, wie die Größe der Sicherheitsventile, oder vielleicht auch die Vlcchstärke. Obschon unter den mir bekannten Regulativen nur das für Bayern gültige die periodische Druckprobe vorschreibt, bei stationären Kesseln nach je 10,000 Arbeitsstunden ober längstens nach drei Jahren, halte ich eine solche Bestimmung für eine in jeder Hinsicht empfchlens» werthe, da sie die Sicherheit des Dampfkesselbctriebcs entschieden erhöht.

Halle a. S., Anfang Juni 1870.

Friedrich Ncumann,
Civil'Ingenieur.

Kritische Bemerkungen zu dem von der Konferenz der Delegirten der Bezirksvereine entworfenen Dampfkesselregulativ.

Von C. Kayser.

Es war mir leider nicht vergönnt, an den Ncrathungcn der Konferenz Theil zu nehmen, möge es mir daher gestattet sein, hier einige Punkte zu erörtern, in denen ich eine Acnderung des Entwurfes für wünschenswcrth und zweckmäßig halte. Möge man jedoch nicht glauben, daß ich damit in irgend eine Polemik gegen die Conferenz treten will; der Entwurf selbst soll ja als Material für die Gesetzgebung dienen, und da dürfte es denn ganz vorthcil« Haft sein, dies Material noch zu vermehren, wenn auch durch abweichende Ansichten und-wohlbegründete Vorschläge.

Der erste Punkt, welcher mir in dem aufgestellten Entwürfe zu eng gefaßt schien, ist die Bestimmung des §. 7 über die Sicherheitsventile. Es ist ganz unzweifelhaft, daß jeder Kessel ein Sicherheitsventil haben muß, und der Zweck, welchem das Sicherheitsventil dienen soll, ist ebenso über allen Zweifel erhaben; es ist aber durchaus nicht unzweifelhaft, ob Ventile, welche den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, auch den gedachten Zweck erfüllen.

Ich habe bereits Bd. XIII, S. 36 d. g. eines Falles gedacht, wo ein Sicherheitsventil, trotzdem es den gesetzlichen Bestimmungen entsprach, .doch eine Steigerung der Spannung im Kessel auf 5 Atmosphären zuließ, obgleich der höchste zulässige Druck nur 4 Atmosphären betrug, bei welcher Spannung auch das Sicherheitsventil abzublasen begann. Die Rcdaction machte zwar dazu die Bemerkung, daß das Ventil fehlerhaft construirt gewesen sein müsse, ich will aber dahingestellt sein lassen, ob die Vorzüge der Klotz'schen Construction, auf welche die Anmerkung hindeutete, die Berechtigung geben, eine andere Construction fehlerhaft zu nennen. Das Ventil war aus einer der rcnommirtcstcn Berliner Maschinenfabriken hervorgegangen und war, was die Hauptsache ist, genau nach Vorschrift des Regulativs ausgeführt.

Die angeführte Bemerkung ist aber in der That die ent« schicdcnfte Kritik der von mir angefochtenen Bestimmungen im Regulativentwurfe über die Größe der Sicherheitsventile. Wenn trotz der genauen Befolgung der gesetzlichen Vorschriften doch ein Ventil construirt werden kann, von welchem man die Meinung haben kann, daß es fehlerhaft ist, fo sind die gesetzlichen Bestimmungeu unzulänglich ober überflüssig.

Man wird mir sicherlich zugeben, daß dann mindestens auch vom Gesetz die Construction vorgeschrieben werden müßte, welche nicht mehr als fehlerhaft zu bezeichnen ist, und es müßte sich demnach das Regulativ ganz genau über die Construction des Ventils selbst, über Form und Größe der Schlußstachen, über die Art der Aufhängung des Belastungsgewichtes, über die Ein» richtung der Stütze u. s. w. aussprechen und damit eine Normalconstruction vorschreiben, ohne welche mir die Angaben des Regulativs über die erforderliche Größe des Ventils ziemlich mangelhaften Werth zu haben scheinen. Eine solche gesetzlich vorgeschriebene Nonnalform möchte manches Gute haben, verurthcilt aber in diesem Punkte den Maschinenbau zu einem starren Conservatisinus und beraubt ihn der Gelegenheit, Neues und Besseres zu schaffen. Die Sacke würde aber sich ganz anders gestalten, wenn das Re« gulativ statt die Größen des Sicherheitsventils vorzuschreiben, also eine Vorschrift zu geben, die ohne weitere Vorschriften für die anderweitige Construction doch nur mangelhaft zu nennen ist, ganz genau den Zweck präcisirte, für welchen die Anlage von Sicherheitsventilen dienen soll.

Ich würde z. V. wünschen, daß das Dampftessclrcgulativ statt des von der Conferenz vorgeschlagenen §.? etwa folgende Bestimmung enthielte:

„Jeder Dampfkessel muß mindestens ein Sicherheitsventil oder eine andere in gleichem Sinne wirkende Einrichtung haben, welche bei Gintritt der höchsten zulässigen Dampfspannung (Normalspannung) im Kessel anfängt abzublasen, und im Stande ist, so viel Dämpfe herauszulassen, daß bei fortgesetzter starker Feuerung, und wenn alle anderen Dampfabzügc geschlossen sind, die höchste im Kessel zu erzeugende Spannung die Normalspannung um höchstens 10 (oder vielleicht 2N) Procent übersteigt."*)

Nun hat der Maschinenbauer freie Hand zum Construiren, und es ist ganz gleichgültig, wie groß oder wie klein das Ventil ist, ob es durch Gewickts- oder durch Fcdcrbclastung nieder gehalten wird, ob es breite oder schmale, conische oder plane Schlußftächen hat, wenn es sonst nur der Vorschrift genügt, was sich ja in leichtester Weise durch einen allerdings von sachkundiger Hand anzustellenden Versuch bei jedem Kessel und zu jeder Zeit constatircn läßt**). Genügt es aber der Vorschrift, so ist damit ganz präcisc der Zweck erreicht, um dessen willen das Gesetz überhaupt die Anbringung des Sicherheitsventils am Kessel verlangt, und mehr ist ja nicht nöthig; es ist aber mit Sicherheit vorauszusehen, daß dadurch der Impuls zur Verbesserung unserer Sicherheitsventile gegeben ist, und man vermag nicht abzusehen, ob bei dieser Freiheit für die Constructioncn nicht endlich gar Apparate ersonnen werben, welche noch viel besser, sicherer und einfacher den Zweck erreichen, den Kessel vor einer gefahrdrohenden Dampfspannung zu schützen, als dies gegenwärtig irgend ein Sicherheitsventil vermag.

Außerdem würde ich aber noch den Bestimmungen über das Sicherheitsventil eine hinzufügen, welche festsetzt,

„daß das Sicherheitsventil, oder wenn deren mehrere vorhanden find, eines derselben für Unberufene und Unkundige unzugänglich sein muß, damit die normale Wirkung desselben nicht absichtlich oder unwillkürlich altcrirt werden kann".

*) Die« ist die Bestimmung des französischen Regulativ«. Wie aus dem Bericht über die Delegiitenversammlung, S. 328 b. Bd«., hervorgeht, war dieselbe auch dort in Vorschlag gebracht, aber au« dem Grunde abgelehnt, weil die Probe auf richtige Größe der Sicherheit«. Ventile bann nur »n einem bereits im Feuer liegenden Kessel gemacht werden l»nn. D. Red. (R. Z.)

") Man stellt sich damit auf denselben Standpunkt, welchen man rücksichtlick der Widerstandsfähigkeit der Kessel schon im gegenwärtig gültigen Regulativ eingenommen hat. Es schreibt nicht mehr die Stärke der Wandungen vor, sondern ein« genügende Wiberftandsprobe, und unzweifelhaft wird man dieses letztere Verfahren als das correctere an» sehen müssen.

Für die Nützlichkeit einer solchen Maßregel bedarf es wol nicht erst einer besonderen Begründung.

Demnächst möchte ich die Ansicht aussprechen, daß der §. 6 des Entwurfes viel zweckmäßiger in einem Lehrbuche für Dampf» Maschinenbau als in einem Regulativ für Dampffesselanlagen seinen Platz fände. Wir sind doch so weit über das ABC des Maschinenbaues hinaus, daß ich es geradezu für eine Unmöglichkeit halte, daß Jemand einen Dampfkessel ohne Speiscvorrichtung aufzustellen beabsichtigen tonnte, und selbst der Laie würde sich zu der Frage gedrängt fühlen, wie er denn das Wasser in den Kessel hineinbringen soll, welches das „verkochte" ersetzen muß; denn daß das Lcerkochen eines Kessels, selbst wenn keine Arc von Gefahr damit verbunden ist, doch zu nichts weniger als zur Conservirung eines Kessels beiträgt, weiß schon jede Hausfrau. Eine gesetzliche Bestimmung aber, welche das verordnet, was sich von selbst versteht, erscheint überflüssig und nutzlos, und sollte man wirklich annehmen, daß irgend Jemand, wenn eine solche gesetzliche Vorschrift nicht eristirt, nun auf den Gedanken kommen kann, einen Dampfkessel ohne Speiscvorrichtung anzulegen, so wäre dies nur ein Beweis von einer Dummheit, welche in jeder Hinsicht viel gefährlicher wäre, als jeder Dampfkessel, ohne daß irgend ein Gesetz uns gegen deren Wirkung genügend zu schützen vermöchte.

Man wird nun zwar einwenden, daß der Schwerpunkt der im §. 6 des Entwurfes gegebenen Bestimmung nicht darin liegt, daß der Kessel überhaupt mit einer Speiser orrichtung versehen sei, sondern daß er deren zwei habe. Fragt man aber nach dem Zwecke dieser Bestimmung und fragt die Erfahrung, ob dieser Zweck dadurch erreicht wird, so muß man entschieden mit Nein antworten. Die zweite Spcisevorrichmng soll in Gebrauch genommen werden, wenn die erste etwa den Dienst versagt, um die Speisung des Kessels nicht unterbrechen zu dürfen. Wäre sie nicht vorhanden, so müßte der Betrieb des Kessels so lange unterbrochen werden, bis die unbrauchbar gewordene wieder in Stand gesetzt ist. Daß Jemand, weil er eine zweite Speiscvorrichtung nicht hat, beim Versagen der einen vorhandenen nun den Kessel leer kochen wird, statt den Betrieb zu unterbrechen, glaube ich nicht, oder ich muß es auch für höchst zweifelhaft halten, daß er es überhaupt für nöthig erachten würde, die zweite Spcisevorrick« tung, wenn der Kessel wirklich damit versehen wäre, überhaupt in Gebrauch zu nehmen, wenn die erste dienstunfähig wird. Wer die Nothwcndigkcit nicht einsieht, den Kcsselbctricb zu unterbrechen, wenn nur eine vorhandene Epeisevorricktung unbrauchbar wird, der sieht ebenso wenig die Nothwcndigkeit ein, wenn zwei dergleichen Vorrichtungen vorhanden sind, beim Versagen der einen die andere in Gebrauch zu nehmen.

Man vergegenwärtige sich nun den thatsächlichcn Zustand dieser beiden Spcisevorrichtungen, mit denen ja jetzt schon jeder Kessel versehen sein muß. Es gicbt allerdings zahlreiche Fälle, wo der Kcsselbcsitzer das größte Interesse daran bat, seinen Betrieb nicht zur ungelegenen Zeit unterbrechen zu müssen; für diesen sind zwei Spcisevorrichtungen aus Nüßlichkeitögründcn gewissermaßen unerläßlich, und wcgcn dieses Interesses hält er darauf, daß sie stets dienstfähig sind, und um dies zu constatircn, abwechselnd in Gebrauch genommen werden. In der großen Mehrzahl der Fälle findet man aber gewöhnlich die eine der Speisevorrichtungen bequemer und bedient sich derselbe» ausschließlich, während die andere nun mit der Zeit durch Staub, Schinutz und Rost in einen Zustand gcrälh, welcher in der Regel für ihre Un° brauchborkeit nichts mehr zu wünschen übrig laßt. Die Absicht des Gesetzes ist damit vollständig paralysi«. *)

Die Unzuvcrlllsfigkcit der Wirkung der gesetzlichen Vorschrift über die Spcisevorrichtungen drückt sich übrigens dadurch aus,

*) Oft genug gesellt sich aber noch die Absicht zu dem unwilllür» lichen Zusammenwirken äußerer Umstände, um die gesetzlichen Vorschriften unwirksam zu machen. Bei einer Dampfmaschine, welche eine vier» gängige Mahlmühle betrieb, bildete eine Handpumpe die zweit« Speisevorrichtung. Diese war in einem hölzernen Kasten befestigt, welcher selbst ohne »eitere Befestigung in einem Winkel des Kesselhauses Platz gefunden hatte. Der Holzlaften war so zusammengetrocknet, baß durch die entstandenen Ritzen mehr Wasser herausgelaufen wäre, als man hineinzugießen vermocht hätte, die Pumpe war so eingerostet, daß e« bei der allergrößten Anstrengung zweier Personen nicht gelang, den Druck» Hebel zu bewegen, und als Speiseiohr diente scheinbar ein etwa finge» starke« Bleirohr. Auf mein Befremden darüber äußerte der Heizer: „das Rohr geht ja gar nicht bis »n den Kessel, sondern steckt hier blo« in der Mauer".

daß das bestehende Regulativ vom 31. August 186l sowie der vorliegende Entwurf beide gleichlautend verlangen: Jeder Dampfkessel muß mit wenigstens zwei zuverlässigen Vorrichtungen zur Speisung versehen sein u. f. w. Entweder genügen zwei dergleichen Vorrichtungen, um die ununterbrochene Speisung des Kessels für alle Fälle zu sichern, und dann ist der Ausdruck „wenigstens" überflüssig, oder sie genüge» nicht, und in diesem Falle müßte das Regulativ ganz genau angeben, wie viel deren oder was sonst noch nolhwendig ist, um dem beabsichtigten Zwecke zu genügen; und vermag dies das Gesetz nicht, so ist es entschieden besser, jede dahin einschlagende Bestimmung, so lange sie mangelhaft ist, ganz auszulassen, als etwas festzusetze», was wirkuugslos bleibt und dem entsprechend nur als eine unnütze Erschwerung angesehen wird.

Achnlich verhält es sich mit der Bestimmung über das sogenannte Tpciseucntil, welche eigentlich auch in das AVE des Dampfmaschinenbaucs gehört. Soll ich erst hervorheben, daß man ja ohne ein Speiscventil nie im Stande wäre, eine Revision der Pumpcnvcntile vorzunehmen, welche doch gerade zunächst nolhwendig wird, wenn eine Speisepumpe den Dienst versagt. Ich glaube, jede weitere Erörterung darüber ist unnütz. So wenig ich mir zu denken vermag, daß Jemand einen Kessel ohne Speise« Vorrichtung aufzustellen im Sinne hat, so wenig kann ich annehmen, daß er ei» Speiscventil anzubringen unterlassen wird. In der That ist ja der Maschinenbau über diese gesetzliche Vorschrift hinausgegangen: bei schnell arbeitenden Maschinen, welche stark vorgewärmtes Wasser in de» Kessel pressen, kommt es nicht selten vor, daß das Speiscventil seinen Dienst versagt und ölten stehen bleibt, indem der beginnende Niederschlag von Kesselstein es in seinen Führungen festhält. Um der Wirkung eines solchen Zufalles entgegenzutreten, pflegt man an dem Gehäuse des Spciseuentils noch eine Vorrichtung zum Nicderschraubcu des etwa offen gebliebenen Ventils anzubringen. Man ersieht hieraus wol am besten, daß das, was durch die vorgeschriebene Anbringung eines Speiscventils bezweckt wird, mit dem wolvcrstandenen Interesse des Kcssellicfcranten und des Kcssclbefitzers zusammenfällt, und deshalb als eine Maßregel, welche sich von selbst versteht, nicht besonders anbefohlen zu werde» brauchte.

Uebrigens möchte ich aus meiner Praiis noch des Umstandcs gedenken, daß zwar in allen den einzureichenden Kcssclbeschrcibungen die Anbringung des Speiseucntils zugesichert wird, daß auch bei jeder Kesselabnahme der rcvidirendc Beamte danach fragt und sich den Ort, wo das Speiseuenlil resp. das Vcntilgehäusc sich befindet, zeigen laßt, es ist mir aber noch nie vorgekommen, daß jemals einer derselben sich auch davon hätte Ucberzcugung verschaffen wollen, ob wirklich in dem Gehäuse ein Ventil vorbanden ist. Wenn man es also dem Maschinenbauer stillschweigend überläßt, den Kessel mit einem Speiscventil oder einer anderen denselben Zweck erfüllenden Vorrichtung zu versehen, so schenkt man ihm nicht mehr Glauben, als der revidirentc Beamte dies bisher in allen einzelnen Fällen schon immer gcthan hat.

Von all den Armalurstückcn eines Dampfkessels, so weit sie einer möglichen Gefahr vorzubeugen im Stande sind, scheint mir das Manometer das wichtigste. Wer viel mit dem praktischen Betriebe von Dampfkesseln zu thun gehabt hat, weiß am besten, in wie hohe»! Grade störend es ist, wen» je das vorhandene Manometer unbrauchbar wird, was bei den üblichen QuecksilberManometern so sehr leicht und oft eintrat. Nicht genug, daß man nun nie weiß, ob man die für den Bctricb dcr Maschine erforderliche Spannung in» Kessel hat, oder ob die Spannung vielleicht schon so weil gestiegen ist, um im nächsten Augenblicke ein Abblasen der Dämpfe durch das Sicherheitsventil erwarten zu können: ein Kcssclbetrieb ohne Manometer ist keineswegs ungefährlich. Man meine nicht, daß ja das Sicherheitsventil einer übermäßigen Steigerung der Spannung im Kessel vorbeugt; man weiß ja nicht, ob das Sicherheitsventil nicht durch irgend einen Zufall oder durch unkundige Manipulation oder durch absichtliche Bosheit am Fuuctioniren verhindert ist. Darüber gicbt aber das Manometer die sicherste Eontrolc. Tritt die höchste zulässige Spannung ein, so muß das Ventil anfangen abzublasen, und thut es dies einmal nicht, so weiß man, daß etwas daran in Unordnung ist, ohne daß eine Gefahr daraus für den Kessel entsteht, weil die Steigerung der Spannung nie so schnell erfolgt, daß man nicht durch Verminderung oder Herausziehen des Feuers einer weiteren Steigerung bis zu einer bedenklichen Höhe vorbeugen könnte. Hat man aber kein Manometer am Kessel, so kann die bedenkliche Spannung

XIV.

schon eingetreten sein, che noch eine Ahnung davon aufdämmert, daß auch das Sicherheitsventil nicht gehörig functionirt. Nun wären zwar dadurch, daß das Regulativ nicht mehr auf offene Quccksilbermanometcr besteht, die Fälle, in denen das am Kessel vorhandene Manometer unbrauchbar wird, wesentlich vermindert, allein ich habe doch auch die Erfahrung gemacht, daß, allerdings nur bei einzelnen Anlagen, wo die Beschaffenheit des Kesselwassers darauf eingewirkt haben mag, auch die Fcdcrmanometer mitunter der raschen Zerstörung resp. dem Unbrauchbarwerdcn unterworfen sind.

Diese Erwägungen würden mich wünsche» lassen, baß der Entwurf zum Regulativ die Bestimmung enlhallen hätte:

„Mit jeder Damvfkcssclanlage müssen zwei Manometer verbunden sein, von denen jedoch nur eins beim Betriebe des oder dcr Kessel in Function zu sein braucht".

Diese Einrichtung sichert, die Fälle einer uuverantwortlichen Nachlässigkeit ausgenommen, die Möglichkeit, während des Kessel« bctriebes immer in Kcnntniß über die herrschende Dampfspannung erhalten zu werden; außerdem bietet sie ja für den Kessclbesitzer selbst die nächstliegende Controle über die Richtigkeit der Manometcranzcigc». So lange beide Manometer gleicht Angaben machen, wovon man sich im Augenblick überzeugen kann, ist ihr ordnungsmäßiger Zustand eigentlich nicht in Zweifel zu ziehen.

Die Bestimmung im §, 3 des Regulativcntwurfes: „und muß die Feuerung so eingerichtet sein, daß die Luftcirculation ohne Schwierigkeit gehemmt werden kann", hat doch wol keine andere Bedeutung als die, die bezeichneten Kessel mit Rauckschicbcr zu versehe». Nun ist mir aber in meiner langen Praiis kein Fall bekannt geworden, daß ein Dampfkessel, wenn er auch gar nicht der Kategorie angehört, für welche diese besondere Anordnung durch das Regulativ vorgeschrieben ist, ohne Rauchschieber gewesen wäre, und möchte ich schon aus diesem Grunde die Anbringung eines Rauchschiebcrö oder einer ähnlich wirkenden Einrichtung nicht durch das Regulativ vorgeschrieben wünschen, da sie ja ohnehin als ein nothwcndiges Requisit an jedem Dampfkessel angebracht wird. Ich muß aber auch gestehen, daß ich de» Zweck einer solchen Anordnung von Gesetzes wegen nicht verstehe. Ob der Rauchschieber den« Kcfsclbesitzer zur Wärmccrsparniß dient, darum kümmert sich das Gesetz wol nicht, daß abcr damit eine Gefahr vermieden werden kann, vermag ich nicht einzusehen. Ist die Dampfentwickelung erheblich stärker als der Dampfverbrauch oder wird dieser toial »»lerbrochen, so hilft sich der erfahrene Heizer, um eine zu starte Steigerung der Dampfspannung zu verhüten, nie damit, daß er den Rauchschieber schließt und dadurch die Eirculatio» der Luft in den Feucrcanälen unterbricht, sondern mit dem besten Erfolge gerade durch das umgekehrte Verfahren: er öffnet den Rauchschieber so weit wie möglich und gleichzeitig die Feucrthürc», damit kalte Luft in die Fcuercanäle eintreten und auf die Kessclwändc abkühlend wirken kann. Das Verfahren, den Rauchschieber zu schließe», selbst wenn damit das Feuer erstickt wird, sichert dagegen nicht vor einer Ucberhitzung des Kessels, denn die vielleicht theilwcis glühend gewordenen gemauerten Wandungen dcr Eanälc können dcmungcachtet noch fortfahren, auf die Kcssclwandungen erhitzend zu wirken und überschüssige Dämpfe zu erzeugen.

Außerdem gicbt diese Bestimmung zu mancherlei Deutungen und Auslegungen Anlaß, welche ohne einen Nutzen für die Sicherheit eines Kessels zu gewähren, lediglich als unnütze Erschwerungen für eine Dampfkcssrlanlagc erscheinen. Das bestehende Regulativ vom 31. August 1861 hat dafür mannigfache Erfahrungen geboten, den» es enthält dieselbe Bestimmung, allerdings noch mit dem Zusätze, daß die Wirkung des Feuers auf den Kessel und die Eirculation dcr Luft in den Feuerzügcn ohne Schwierig« kcit gehemmt werden kann. Obgleich der hier hervorgehobene Zusatz sicherlich eben nichts weiter bezweckt, als was durch den übrigen Theil des Satzes gesagt ist, so hat doch diese Bestimmung den rcvidircnden Beamten fast jedesmal Anlaß zu Bemängelungen gegeben, wenn man derselben durch Anbringung eines Rauchsckicbers zu genügen gedachte. Mir liegt augenblicklich die Beschreibung eines kleinen Field'schcn Dampfkessels vor, von 49,» Qdrtfß. (4,,8 Qdrtmtr.) fcucrbcrührtcr Fläche, dessen Feuer« räum in dcr That nicht mehr als 7^ Cbkfß. (0,« Cbkmtr.) Inhalt hat. Nun sollte man meinen, bei diesem geringen Luftvolumen müßte das Schließen des Absperrschiebers das baldige Erlöschen des Feuers veranlassen, und es ist deshalb in der Beschreibung gesagt, daß zur Genügung der betreffenden Bestimmung

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