Abbildungen der Seite
PDF

stehendes Tauwerk, bei Eisenbahnen zum Betriebe geneigter Ebenen, zu Telegraphenkabeln, bei Hebevorrichtungen und Erahnen, in neuerer Zeit auch statt der Ketten zum Betriebe von Schlepp» dnmpfern (Bd. XIII, S. 737) und Fähren, endlich beim Maschinen« betriebe zu Transmissionen auf weitere Entfernung. Zu letzterem Zwecke benutzt man Seile von 5 Zoll (6°°) bis l Zoll (26"") Stärke, und rührt diese Verwendung der Drahtseile von Hirn her, welcher sie im Jahre 1850 einführte.

Ich will im Nachfolgenben einige praktische Regeln für die Anlage von Drahtfciltransmissionen und dabei erzielte Resultate vorlegen.

Die DrahtseiltranSmissionen bieten das billigste Mittel, Betliebskräfte auf größere wie kleinere Entfernungen ohne erheblichen Kraftvcrlust zu übertragen. Letzterer beträgt höchstens ^ pCt. auf je 100 Fuß (31°) Entfernung der Seilscheiben. Die Kosten der maschinellen Einrichtung, Seilscheiben, Lagerstühle, Drahtseile ic., kann man auf? bis 12 Sgr. pro Fuß (22'bis 38 Sgr. pro Meter) Entfernung der Seilscheiben veranschlagen. Der Seilscheibendurchmcsser und die Umdrehungszahl der Triebwcllc müssen so gewählt werden, daß bei der Uebertragung geringer Kräfte das Drahtseil eine Geschwindigkeit von 20 bis 30 Fuß (6°> bis 9°» pro Secunde erhält; bei größeren Kräften kann man bis zu 80 Fuß (25") pro Secunde gehen.

Der Seilscheibendurchmcsser soll mindestens 150 Mal die Scildicke betragen; je größer derselbe gewählt wird, desto besser arbeitet die Transmission und desto länger hält das Seil.

Die Seilscheiben müssen so montirt sein, daß sie genau in einer Verticalebene liegen, also nicht windschief gegen einander stehen, oder sogar Schlag haben. Von der richtigen Stellung und guten Beschaffenheit der Seilscheiben hängen lediglich die gute Betriebsfähigteit und der ruhige Gang der Drahtseiltransmission ab.

Die Seilscheibenrinne braucht nur die doppelte Tiefe der Seildickc zu besitzen, wodurch ein leichtes Auflege» des Drahtseiles ermöglicht wird. Bei richtiger Montirung der Seilscheiben findet ein Abspringen des Seiles von der Seilscheibe nie Statt.

Die Seilscheiben bedürfen keiner Ausfüttcrung, jedoch muß aie Seilrinne der Rundung des Drahtseiles genau entsprechend dusgcdreht sein. Will man durchaus eine Ausfüttcrung der Seilrinne anwenden, so nehme man Pappel« oder Wcidenholz, jedoch nur die Hirnftücke, und tränke es mit Leinöl.

Die Verbindung der Seilenden geschieht in ähnlicher Weise, wie bei Hanfseilen. Zur Herstellung des Seilsplisses wird jedes Ende auf ca. 3 Fuß (1") Länge aufgeflochten und die Hanfftele auf diese Länge ausgeschnitten. Die aufgeflochtenen Seillitzen werden wechselseitig ineinander gesteckt, so daß die Litzen des einen Seilendes über das andere Seilende zu liegen kommen. Nun löst man an einem Seilende eine Litze auf ca. 3 Fuß (1°) weiter auf und flicht die entsprechende Scillitze des anderen Seilendes an Stelle der, aufgeflochtenen Seillitze auf 3 Fuß (1") Länge in das Seil ein. Die beiden Litzenenden werden einmal umschlungen, in einzelne Drähte aufgeflochten und diese in das Seil hinein» gesteckt. Als Werkzeug bedient man sich hierzu eines Stecheiscns, ca. 4 Zoll (13°°) breit und 6 Zoll (155°°) lang in Form einer Lanzette mit etwas abgerundeten Kanten. Die zweite Litze wird auf 2 Fuß (0",«), die dritte auf 1 Fuß (0°» Länge in derselben Weise eingeflochten und verbunden. Alsdann wird dieselbe Manipulation nach dem anderen Seilende hin mit den übrigen Seil» litzen vorgenommen.

Die Anspannung der Drahtseile darf im Maiimum betragen: Seilbicke in Zoll preuß. 4 ^, H 4 /«- 5 5 Millimeter .... 6 8 10 13 l5 18 20 Pfund gollgewicht . 150 200 300 400 600 800 1000.

In der Regel nimmt man jedoch nur ^ bis j der oben angegebenen Anspannung.

Die Minimalcntfernung der Übertragungen beim Draht» seilbetricbe ist nach den bisherigen Erfahrungen zu 50 Fuß (16") Seilscheibcnabftand anzunehmen.

Kleinere Kräfte lassen sich bei großem Rollendurchmcsscr auch noch auf 40 Fuß (12",°) Seilscheibenabstand übertragen. Bei Uebertragungen auf mehrere 1000 Fuß Entfernung ist es zweck» mäßig, anstatt der Leitrollen doppelte Seilscheiben rcsp. Seil» scheiden mit zwei Rinnen je auf 300 bis 400 Fuß (04 bis 125") Entfernung zu setzen, so daß die einzelnen Seillängcn nur 600 bis 800 Fuß (188 bis 250") betragen.

Die Durchscnkung des Drahtseiles betrage im treibenden

Seilstücke ca. 14 Fuß, im geführten Stilstücke ca. 3 Fuß pro 100 Fust Scilscheibenabstanb.

Die Dauer des Drahtseiles kann man nach den bisherigen Erfahrungen durchschnittlich auf zwei bis drei Jahre bei fortwährendem Betriebe annehmen. Erweisen die Seile eine geringere Dauer, so ist der Grund hierfür lediglich in der Mangel» haften Einrichtung zu suchen. Bei genauer Befolgung der oben angegebenen Grundsätze bei der Anlage darf man mit Sicherheit auf die gute Vetriebsfähigkeit und Dauerhaftigkeit der Drahtseil» transmissioncn rechnen. Es ist zweckmäßig, die Drahtseile von Zeit zu Zeit mit gekochtem Leinöl zu schmieren, um das Rosten derselben zu verhüten.

Die Preise von Transmissionsdrahtscilen aus der Fabrik von Fclten H Guilleaumc in Cöln am Rhein stellen sich für Seile von

4^54 ^ 5 5 Zoll !Durchmesser, 6 8 IN 13 15 18 20 Millimtr.! aus 0,3 0,3 1,1 1,1 1,z 1,8 1,« Millimtr. dicken Drähten, 1 1^ 2 25 25 3 3j Sgr. pro Fuß preuß., 3,13 4,78 6,2» 7,17 8,7? 9,l? 11,3» » » Meter.

Zum Schlüsse noch einige Angaben über ausgeführte Draht» seiltransmissionen.

In Emmendingen werden durch eine solche mittelst eines 13"" Seiles 12 Pferde auf eine Entfernung von 56" übertragen. Die Seilscheiben haben 3",?« Durchmesser und also bei 78 Umdrehungen pro Minute eine Umfangsgeschwindigkeit von 15" in der Secunde. Die Haltbarkeit des Seiles ist 2^ Jahr. Die gleiche Dauer zeigt ein dort aufgelegtes Drahtseil von IN"" Stärke, welches zur Fort» leitung von 6 Pfrbst. auf 25" dient. Die mit Guttaperchafutter versehenen Scheiben haben 1",z? Durchmesser und machen 150 Um» drehungen, woraus eine Scilgeschwinbigkeit von 12" pro Secunde resultirt.

Die.Drahtseiltransmission in Oberursal erstreckt sich auf 1000" in acht Abthcilungcn zu je 125". Bei dem Betriebe beträgt die Durchsenkung des 1?"" starten Seiles im treibenden Seilende N",3 bis 1°,«, im gezogenen 3",z. Die Seilscheiben haben 3",?5 Durchmesser und wiegen mit der Achse pro Stück 1264 Kilogrm. Das Seil selbst besteht aus 36 Drähte» von Nr. 16 der englischen Lehre und hat bei 114 Umdrehungen der Scheiben eine Geschwindigkeit von 22". Von den übertragenen 100 Pfrdst. gehen durch die Transmisston 8 Pfrdst. verloren.

In Schasshausen werden von der durch drei Turbinen her» vorgebrachten cffcctiven Leistung von 600 Pfrdst. 480 durch Draht« seilbetrieb übertragen. Das Seil von 27"" Durchmesser besteht aus 8 Litzen zu je 10 Drähten von Nr. 16 der englischen Lehre. Die Seilscheiben haben 4",7i Durchmesser bei 80 bis 100 Um» drehunge» pro Minute, so daß das Seil eine Geschwindigkeit von ca. 27" erhält. Die Entfernungen der Scheiben betragen 119", 141" und 118", wobei die Durchbiegung des Seiles' sich auf 1°,8» bis 2°.z stellt. F. C. Guilleaume.

Ueber Schornsteinaufsätze.

(Hieizu Figur 4 bis 6, Blatt t.)

Im Octobcrhcfte des Jahrganges 1869 b. Z., S. 645 vcr» öffentliche Hr. E. I. Nocggcrath eine vergleichende Beurtheilung seines Schorustcinaufsatzes und meines Rauch« und Luftsaugers, wonach es als Thatsachc erscheinen könnte, daß mein Luftsaugcr, wenigstens unter gewissen Umständen, dem Nocggcrath'schen Aufsatze an Zweckmäßigkeit nachstehe.

Ich glaube deshalb einigen in jenem Artikel kundgegebenen Ansichten hier entgegentreten zu müssen, obgleich demnächst in der „Zeitschrift des bayerischen Architekten- und Ingcnicurvcreineö" eine längere Abhandlung erscheint, worin die Wirkungsweise meines Luftsaugers unter den verschiedensten Umständen dargestellt wird.

Nach Noeggerath Hütte mein Luftsaugcr folgende Nachtheile:

1) die auf die Deckplatte treffenden Windstöße würden nicht zur Verstärkung der Aspiration verwendet;

2) der bei ruhigem Wetter aufsteigende Rauch fände einen beträchtlichen Vewegungswiderstand an der horizontale» Deckplatte;

3) die Vorrichtung wäre complicirl, dadurch der Zerstörung leichter ausgesetzt und theurer, als der Noeggerath'schr 'Aufsatz.

Um sich erstens zu überzeugen, daß die auf die Deckplatte treffenden Windstöße keineswegs neutralisirt werden, sondern ein energisches Saugen bewirken, kann man folgendes sehr einfache Erpcrimcnt anstellen:

Wie Fig. 5, Blatt 1 veranschaulicht, halte man einen kleinen Latcrnensauger meiner Construction, etwa von 21 oder 30""° Rohrweite, mit der Rohröffnung an eine Flamme und blase mit einem Röhrchen, etwa mit einer Fedcrspuhle, oder auch geradezu mit dein Munde aus geringerer oder größerer Entfernung gegen die Platte. Man wird finden, daß die Flamme um so stärker in den Apparat gezogen wird, je stärker man in der Richtung gegen dieselbe auf die Platte bläst. Offenbar veranlaßt also die von der Platte aufgefangene und nach den Seiten abgelenkte Luftströmung eine bedeutende Luftverdünnung jenseits der Platte, dann im Saugekessel, Rohre u. s. w.

Ein ähnliches, der Construction meines Lustsaugers mit zu Grunde liegendes Erpcrimcnt, welches ebenso überzeugend sein dürfte, habe ich bereits in meinen „Principicn der Ventilation und Luftheizung" (Vraunschwcig 186V) S. 105 angegeben. Hält man nämlich (Fig. 6) hinter eine Flamme eine kleine Scheibe, etwa ein Geldstück, und bläst auf dieses in der Richtung gegen die Flamme, so richtet sich die Flamme auf die ihr zugekehrte Schcibcnstächc, offenbar in Folge der zwischen der Scheibe und der Flamme durch das Blasen erzeugten Luftvcrdünnung.

Hiermit möchte der vorthcilhafte Zweck der Deckplatte meines Luftsaugcrs genügend bewiesen sein.

Daß zweitens der bei ruhigem Wetter aufsteigende Rauch an der horizontalen Deckplatte einen beträchtlichen Bcwcgungswidcr<» stand finde, kann mit Grund nicht angenommen werden, da der Ausstußqucrschnitt zwischen der Deckplatte und dem Saugckessel bedeutend größer ist, als- der Querschnitt des Schornsteinrohres. So ist z. B. bei einem Sauger von 20 Cntmtr. Rohrdurchmcsscr, also von 314 Qdrtcntmtr. Rohraucrschnitt, der Umfang des oberen Saugckcssclrandcs !57 Cntmtr., der 'Abstand der Platte vom Saugckessel 4 Cntmtr., folglich der Ausflußqucrschnitt zwischen der Platte und dem Saugekcssel 628 Qdrtcntmtr., also das Doppelte des Rohrgucrschnittcs. Ucbcrdics findet der Rauch noch eine bedeutende Ausstußöffnung zwischen dem Rohischirmc und dem unteren Rande des Saugckesscls. Die Annahme also, daß sich der Rauch zwischen der Deckplatte und dem Saugekcssel '„hinausdrängen" müsse, ist in keiner Weise begründet.

Daß endlich die Vorrichtung eomplicirt sei, habe ich sonst noch von keiner Seite gehört; im Gcgentheil äußerte noch Jeder, wclchcm ich dcn Apparat zeigte und erklärte, derselbe sei erstaunlich einfach u. dergl. Der Zerstörung ist der Apparat fast gar nicht unterworfen, weil er, wenigstens für die häuslichen Fcuerungscmlagen, von Gußeisen ausgeführt und gut gethrert wird. El übertrifft jedenfalls dcn Nocggcrath'schen Aufsatz aus Blech an Haltbarkeit.

Wahr ist dagegen, daß mein Luftsauger thcurcr ist, als ein Nocggcrath scher Aufsatz von gleicher Rohrweite; allein das ist bei Berücksichtigung der Vorzüge nicincs Apparates eine geringfügige Nebensache. Man könnte eben so gut sagen: noch billiger ist der Schornstein, wenn man gar keinen Aufsatz anwendet.

Nachdem ich im Vorstehenden die Nocggcrath'schen Ansichten in Betreff meines Lustsaugers genügend widerlegt zu haben glaube, erlaube ich mir noch Einiges über die Wirkungsweise des No egg erat haschen Schornstcinaufsatzeö zu bemerken.

Während bei der älteren Construction desselben („Deutsche Industriczeitung", 1868, S. 143) das Rohr vollkommen cylindrisch und die obere Mantclwcite gleich dcr Rohrweite war, zeigt die neueste Construction (Bd. XIII, S. 646 b. Z.) eine „Verbesserung i» dcr Form dcr Rohrmündung und des Mantels". Es ist nämlich jetzt tic Rohrmündung, und noch mchr die obere Mantelmündung, verengt. Wenn die Zeichnung im Maßstab ^ als richtig angenommen werden darf, so wird dcr Querschnitt dcr im Rohre 346 O-drtcntmtr. einnehmenden Rauchsäule an dcr Rohrmündung auf 284 Qdrtcntmtr. und am oberen Mantelende auf 227 Qdrtcntmtr. vermindert. Ob dieses das richtige Mittel ist zur Vermeidung dcö Bcwcgungöwidcrstandcs für dcn Ausfluß dcs Rauchcs bci ruhigcr Luft, das zu bcurthcilcn kann ich dem geehrten Leser überlassen.

Wie wirb ferner diese „Verbesserung" bei den von unten »ach oben gerichteten Luftströmungen wirken? Der ringförmige Raum an der Basis dcs Mantels, woselbst der Wind rings um das Rohr cmpordringe» kann, beträgt übcr 500 Qdrtcntmtr., der obcre Ausslußraum aber nur 227 Qdrtcntmtr. Muß sich da der

von unten nach oben eindringende Wind nicht stauen und das Ausstießen des Rauches hemmen, diesen zuweilen sogar zurückdrängen? Oder geht etwa aus der Theorie des Blasrohres hervor, daß Rauch und Wind, zusammen in dcr Höhe der Mantel» basis einen Wegqucrschnitt von mehr als 850 Qdrtcntmtr. einnehmend, sich sofort ungehindert durch die enge Oeffnung von 227 Qdrtcntmtr. fortbewegen? Eine sichere Antwort hierauf giebt folgendes Erperiment:

Man stecke (Fig. 4) ein Modell des Noeggcrath'schen Aufsatzes auf eine etwas lange Röhre und halte die andere Röhrenmündung, welche zweckmäßig verengt sein kann, an eine Flamme. Bläst man ungefähr auf die Mitte dcr Röhre gegen den Aufsatz hin nahezu parallel mit der Röhrcnare oder auch mchr schräg, überhaupt so, daß die bewegte Luft die Röhrenwandung verfolgend rings um dieselbe in den Mantel eintritt, so wird die Flamme an dcr Röhrcnöffnung nicht angesaugt, sondern zurückgetrieben, eine schwache Flamme bei heftigem Blasen sogar ausgelöscht.

Daß man die gleiche Wirkung hervorbringt, wenn man in entgegengesetzter Richtung, nämlich nahezu in der Richtung der Aufsatzare gegen die obcre Mantelöffnung bläst, ist an sich klar. Um diese ungünstige Wirkung im letzteren Falle, beziehungsweise das Zurückgehen dcs Rauchcs im Schornsteine bei stark von oben nach unten geneigten oder »crtical abwärts gerichteten Windstößen zu verhüten, würde man nach Noeggcrath im Inneren des Mantels eine conischc Echutzdcckc anzubringen haben; diese würde die erwähnte Wirkung haben, aber nicht die verticalcn Windstöße in unvortheilhafter Weise neutralisiren.

Dagegen behaupte ich: es ist gar nicht möglich, im Inneren des Mantels, wenn die Hauptvcrhältnisse der Vorrichtung beibehalten werden, eine Echutzdecke anzubringen, welche die vertical von oben kommenden Windstöße am Eindringen in das Rohr hindert und nicht zugleich nachthcilig bci aufwärtsgcrichteten Wind» strömungcn wirkt. Man möge nur genau angeben, in welcher Form und Weise die Schutzdecke angebracht werben soll, und ich wcrdc sofort, wenn es gewünscht wird, theoretisch und erperimentell die nachteiligen Wirkungen jener Schutzdeckc nachweisen.

Dcn Resultaten dcr am Schlüsse dcö Nocggcrath'schen Artikels erwähnten bevorstehenden Prüfung verschiedener Schorn» stcinaufsätzc von Seiten des Berliner Architcktcnvcrcincs, sehe ich gern entgegen, da ich durch die vielseitigsten Erperimentc im Kleinen und durch Hunderte von Anwendungen im Großen die Ueberzcugung gewonnen habe, daß mein Rauch- und Luftsaugcr allen billigen Anfordcrungcn entspricht, wenn er genau nach meinen Angaben ausgeführt und angewendet wird, — was allerdings bisher nicht immer der Fall war.

Eine Anzahl Zeugnisse von Behörden und Privaten kann Näheres darüber ergeben.

Kaiserslautern, October 1869. Dr. Wolpert.

Quecksilbernianometer.

Construirt von C. Schönemann.
(Hierzu Figur 1, Blatt 1.)

Mit Bezugnahme auf die den offenen Quecksilbermanometern auf dcr Hauptversammlung zu Düsseldorf gemachten Vorwürfe, welche zu der Bd. XII, S. 723 mitgcthciltcn Resolution übcr die Unzweckmäßigkeit dcr gcsctzlichcn Bestimmung, welche diese Apparate obligatorisch macht, geführt haben, erlaube ich mir im Nachstehenben ein solches Manometer vorzulegen, welches die dort gerügten Mängel in keiner Weise zeigt und dessen Construction aus Fig. 1, Blatt 1, genauer hervorgeht.

Das schmiedeeiserne Nanomctciiohr », in welchem das Quecksilber spielt, ist «usgekolbt resp. gebohrt und auf seine Dichtheit geprüft. Es muß am unteren Ende auf die richtige Länge umgebogen sein und, soweit das Quecksilber spielt, vollständig aus einem Stück bestehen, damit dasselbe an dcn einzelnen Verbindungsstellen nicht verloren geht. Ein Rohr von Glas ist auf jeden Fall zu vermeiden. Der Hahn ä ist aus Metall mit eingeschliffencm Stahlconus gefertigt und hat drei Wege, so daß er zum Zulassen und Absperren dcs Dampfes wie zum Ablassen dcs Condcusationswasscrs dicnt.

Wenn kein Dampfdruck, sondern der atmosphärische Druck allein in dem Rohrc herrscht, so werden beide Flächen des Quecksilbers in gleicher Höhe stehen bleiben. Tritt Dampf ein, nachdem

[ocr errors][ocr errors][table][graphic][ocr errors][ocr errors][graphic]

bei Hahn ä geöffnet, so wird in dem Schenkel dicht unter dem Hahn das Quecksilber tiefer gehen, jedoch um ebenso viel in dem anderen Schenkel steigen. Die Höhenunterschiede beider Flächen geben den stattfindenden Druck und zwar für jede Atmosphäre je 14,4 Zoll (380°"°) Abstand von einander an. Um die beiden Quecksilberstände wieder auf gleiche Höhe, d. h. auf Null zu bringen, wird der Hahn geschlossen, durch dessen dritten Weg das Eonbensationswasscr abgeht. Es bleibt jedoch immer noch etwas Wasser auf dem Quecksilber und dies kann durch Abnahme des Schraubchens b vollends abgelassen werden; dann sieht man das Quecksilber durch diese Schraubcnöffnung spielen, kann sich also von dem richtigen Quccksilbcrstandc auf Null genau und sofort überzeugen. Diese Manipulation ist höchst einfach und rasch auszuführen. Damit das Quecksilber beim höchsten Stande zu 4H Atmosphären nicht herausgeworfen wird, sind noch 2 bis 3 Zoll (50 bis 75"") Rohr» länge zugegeben, steigt jedoch der Druck gegen ^ Atmosphäre höher, als die zulässige Spannung, so muß das Quecksilber aus dem Rohre geworfen werden, und dieö bildet gerade ein sicheres Mittel, den Dampfkessel gegen Ucbcrspannung zu schützen.

Die Weite des Rohres soll 6 bis 7 Linien (13 bis 15°°) sein. Die Hauptbedingung, daß „das Manomcterrohr aus einem Stück bestehen muß", crgiebt die Frage! kann man solche Manometer» röhren in der geforderten Länge beziehen? Liese Frage ist zum Theil zu bejahen, denn die Rohrlänge für ein Manometer zu 4H Atmosphären stellt sich nach den gegebenen Bedingungen auf 175 Fuß (5",z), für 5 Atmosphären auf 195 Fuß (6°), für 6 Atmosphären auf 22> Fuß (?",i«), für 7 Atmosphären auf 26z Fuß (8",2e); es liefern aber die Röhrcnfabrik von Hahn <K HuldschinSki zu Glciwitz solche Röhren bis 18 Fuß (5°,65) zu 2^ Sgr. pro Fuß (8 Sgr. pro Meter); die Röhrcnfabrik von I. Haag zu Augsburg den laufenden Fuß IN Sgr. (den Meier zu 32 Sgr.) in jeder beliebigen Länge, jedoch nicht ausgekolbt; die Röhrenfabrik von A. Ponogen in Düsseldorf fertigt solche Röhren zu gleichem Preise, jedoch nur 15H Fuß (4",8?) laug, und kostet das Ausbohren pro Fuß 1H Sgr. (4^ Sgr. pro Meter) ertra.

Das Quecksilber, von welchem bei 4^ Atmosphären Ucberdruck und 15"" Rohrweite 18 Pfd.'erforderlich sind, muß gereinigt sein, indem es durch Hirschleder in Vcutclform durchgedrückt wird.

Das Quecksilber bewegt in dem längeren Rohre den Senkel c von Nundstahl mit Plättchen versehen, oder auch aus Glas, an einer seidenen Schnur von ^ Linie (1"",5) Stärke befestigt. Dieselbe geht außerhalb über eine Rolle und trägt den Zeiger. Der Senkel muß etwas schwerer als der Zeiger sein, damit er mit dem Quecksilber zurückgeht. Die Scnkellänge beträgt 4 bis 6 Zoll (105 bis 155""). Die Schnur ist jedes Jahr einmal zu erneuern.

Die Scala zur Angabe des stattfindenden Dampfdruckes ist derartig cingctheilt, daß je eine Länge von 14,< Zoll (380"°) den Druck einer Atmosphäre darstellt. Die Einthcilung ist höchst einfach nach Pfunden pro Quadratzoll und Atmosphären. Die Scala kann beliebig, aber so gestellt werden, daß man bequem dieselbe übersehen kann. Sic ist aus blank gewalztem Messingblech mit aufgeprägten Zahlen zu fertigen, zur leichten und beständig gleichen zuverlässigen Erkennung des stattfindenden Druckes.

An dein Kopfe des Manometers ist das Auffangegefäß «, eine Flasche aus Glas, angeschraubt. Dieses Kopfstück ist auS einem rund gebogenen Mauometerrohrc gefertigt, durch welches das Quecksilber läuft und in die Glasflaschc fällt, sobald der Dampfdruck um ^ Atmosphäre überschritten ist. Auf diese Art geht das Quecksilber nicht verloren. Etwa noch fehlendes Quecksilber ist von dem Heizer zu ersetzen.

Die Aufstellung des Manometers kann so erfolgen, daß der Dreiwegchah» höchstens 1 Fuß (0°>i) Rohrhöhc über sich hat, vou wo aber dann ein Rohr dircct und horizontal in den Dampfraum des Kessels gehen muß. Das untere Ende wird in den Boden vertieft und darin durch einen umgelegten Vlcchkasten geschützt. Das Manometer selbst kann ein verschlossenes Blcchgchäuse besitzen, besonders bei freistehenden Dampfkesseln.

Was die Reparaturen betrifft, so soll jedes Jahr einmal das Manometer gereinigt werden. Anhaftender Schmutz wird durch verdünnte Schwefelsäure beseitigt und mit derselben ausgeputzt. Ein zcitweiscö Dichten des Hahncs wirb ebenfalls nöthig werden, ebenso ein jährliches Erneuern der seidenen Schnur, und ist dieselbe richtig mit ihrem Zeiger auf 0 zu stellen.

Das Quecksilber kann nicht verloren gehen, und ist nur wiederholt aus dem Gefäße einzugießen.

Die Zuverlässigkeit und Sicherheit dürfte Nichts zu wünschen übrig lassen, denn der Kesselbesitzcr kann sich in Zeit von einer Minute persönlich von der Richtigkeit des Manometers überzeuge!» und die Controlc des Normalftandcs vornehmen. Dabei ist nur zu beobachten, daß der Quccksilberstand horizontal richtig hoch steht, was eine Besichtigung nach Abnahme des Schräubchens crgiebt und daß der Zeiger dabei auf Null steht.

Ist der Kesselheizcr durch entsprechende Belehrung einiger» maßen vertraut gemacht worden, ist sein Lohnvcrhältniß richtig geregelt, so wird der Kesselbesitzcr größere Regelmäßigkeit finden und jede Sicherheit habe».

Technische Literatur.

Physik.

Das Moleculargesetz mit besonderer Anwendung auf das Wasser, den Wasserdampf und die Luft. Bon P. E. Härder. Zweite Ausgabe. 168 S. 8. Hamburg, 1869. Otto Meißner. —

Wenn der Hr. Verlagsbuchhändlcr sich veranlaßt gesehen hat, dem Publicum sein Buch dadurch in's Gedächtnis) zurückzurufen, daß er es mit einem neuen Titelblatt versieht, so ist doch für uns kein Grund vorhanden, auch unsere Besprechung desselben von Bd. XI, S. 531 hier zu wiederholen. H. B.

Chemie.

Die Gewichtszunahme der Steinkohlen »n der Luft ist von Gnst. Hinrichs, Chemiker der Oeoloßio»! 8urvs^ ol" ^ov», an allen dortigen Steinkohlen beobachtet worden. Er fand beim Trocknen behufs der Analyse, daß der während der ersten Stunde beim Erhitzen auf 105 bis 110° eingetretene Gewichtsverlust (ge» wöhulich als hygroskopische Feuchtigkeit angenommen) bei fortgesetztem Erwärmen wicbcr abnahm; in cincm Falle bei 5^stündigem Erhitzen fiel er von 3,85« auf 2,5« pCt. Dasselbe fand er an einer Probe „von Beuthcn in Schlesien", aber nicht an.pcnnsylvanischem Anthrazit oder böhmischer Braunkohle.

Den Grund der Gewichtszunahme finde» der Verf. zum Theil in einer Orydation des eingcmcngtcn Schwefelkieses und stützt diese Anficht auf die Wahrnehmung, daß die stärkste Zunahme sich bei der Probe fand, deren Asche am stärksten roth gefärbt war. (Das Eiscnoryd der Asche konnte aber auch von anderen Eisenverbin» düngen herrühren; eine Bestimmung des Schwefels würde wichtiger gewesen sein. L s.) Aber auch in Kohlen mit weißer Farbe fand Hinrichs eine beträchtliche Gewichtszunahme und kommt daher zu dem Schlüsse, daß der „Bitumengehalt" der Kohle selbst orydirt wurde.

(,6uemie»I 5lsv»«, 1869, 11. Juni.) L«.

Allgemeine Technologie.

Jahrbuch der Landwirtbschaft. Von Dr. W. Schumacher.

Erster Jahrgang. 494 S. Leipzig, 1868. Quandt <K Händel. — Wir machen auf diesen Jahresbericht auch die Ingenieure um so lieber aufmerksam, als der Herausgeber oft und gern die Technik mit in die Besprechung zieht. Die erste Abtheilung enthält Bodenkunde, die zweite Bodencultur, und in diesem Abschnitte ist die instrumcntcllc Bearbeitung des Bodens ausführlich berücksichtigt. Die allgemeine Pfianzencultur und dic spccicllc möchtcn bis auf Weniges (Karde, Flachs, Rüben) weniger interessiren, mehr aber unsere chemischen College» die Düngcrlchre. Thicrproduction und Betriebslehre und Wiesenbau liegen weiter ab, dagegen sind dic landwirth» schaftlichen Nebengewerbc und Maschinen ganz für dic Ingenieure. Das Gcsammtc ist mit großem Flrißc abgehandelt und bearbeitet und das Buch selbst trefflich ausgestattet.

. Dr. H. Grothe.

Feuerungen.

Vfen zum Verbrennen von pulversirmigem und feuchte« Brennmaterial. (Hierzu Figur 4 bis 6, Tafel III.) —

Die Verwcrthung von mehr oder weniger feuchtem Brenn» Material in feinster Form, ohne weitere Vorbereitung wie Pressen oder

« ZurückWeiter »