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„Durch Ortsftatut können Gesellen, Gehülfen und Lehrlinge, sosern sie das achtzehnte Lebensjahr nicht überschritten haben, oder einzelne Classcn derselben, zum Besuche einer Fortbildungsschule des Ortes, Arbeits« und Lehrherren aber zur Gewährung der für diesen Besuch erforderlichen Zeit verpflichtet werden."

Hr. Slllmbke bemerkte hierzu, daß man nach Andeutung dieser Bestimmung jetzt an verschiedenen Orten mit Errichtung solcher Schulen vorgehe. Dieselben erhalten je nach der in der Gegend vorherrschenden Industrie eine dieser entsprechende Richtung. Auch Witten habe seit kurzer Zeit eine Handwcrkerfortbildungsschulc. In dem Locale der Realschule würden die Lehrlinge und Gesellen zweimal wöchentlich Abends von 8 bis IN und Sonntags von 1 bis 3 von den tüchtigsten Kräften der Real- und Elementarschulen unterrichtet. Der Besuch sei noch nicht obligatorisch gemacht, doch würde man dazu bei schwacher Bctheiligung schreiten. Bisher hätten sich 109 junge Leute betheiligt.

Weiter folgen einige Bestimmungen, welche, wie Redner bemerkte, wol noch von den Meisten der Anwesenden nicht recht beachtet würden:

„(§. 128.) Junge Leute, welche das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben, dürfen vor vollendetem sechszehntcn Lebensjahre in Fabriken nicht über 10 Stunden täglich beschäftigt werden. Auch für diese jugendlichen Arbeiter kann durch die Eentralbchördc die zulässige Arbeitsdauer bis auf 6 Stunden täglich für den Fall eingeschränkt werden, daß dieselben nach den besonderen in einzelnen Theilen des Bundesgebietes bestehenden Schuleinrichtungen noch im schulpflichtigen Alter sich befinden.

(z. 130). Wer jugendliche Arbeiter in einer Fabrik zu einer regelmäßigen Beschäftigung annehmen will, hat davon der Ortspolizeibehörde zuvor Anzeige zu machen.

Der Arbeitgeber hat über die von ihm beschäftigten jugendlichen Arbeiter eine Liste zu führen, welche deren Namen, Alter, Wohnort, Eltern, Eintritt in die Fabrik und Entlassung aus derselben enthält, in dem Arbcitslocal auszuhängen, und den Polizei« und Schulbehörden auf Verlangen in Abschrift vorzulegen ist. Die Anzahl dieser Arbeiter hat er halbjährlich der Ortspolizeibehörde anzuzeigen.

(§. 131.) Die Annahme jugendlicher Arbeiter zu einer regelmäßigen Beschäftigung darf nicht erfolgen, bevor der Vater oder Vormund derselben dem Arbeitgeber ein Arbeitsbuch eingehän« bigt hat.

Dieses Arbeitsbuch, welchem die §z. 128 bis 133 der gegenwärtigen Gesetze vorzudrucken sind, wird auf Antrag de« Vaters oder Vormundes des jugendlichen Arbeiters von der Ortspolizeibehörde ertheilt und enthält ic. ic."

Betreffs der Dampftcssclgesctzgcbung läßt es z. 24 der Gewerbeordnung vorläufig beim Alten. Bemerkenswerth ist, daß die bestehenden Vorschriften gelten sollen „bis zum Erlaß allgemeiner Bestimmungen durch den Bundesrath." Die Ausführungsinstruction bestimmt die Art der Kesselabnahmc genauer:

„Bei Dampfkesselanlagen ist eine solche vorgängige Untersuchung nothwendig. Sie hat sich auf die vorschriftsmäßige Conftruction des Dampfkessels und die gehörige Ausführung der sonstigen für die Anlage maßgebenden allgemeinen oder besonderen Bestimmungen zu richten. Die Untersuchung des Kessels in Betreff der vorschriftsmäßigen Construction muß vor dessen Aufstellung erfolgen und kann in der Fabrik, wo derselbe verfertigt ist, oder an dem Orte geschehen, wo er aufgestellt werden soll. Zur Ausführung derselben ist jeder kömgl. Vaubcamte und Revicrbcamte,

sowie jeder königl. Eisenbahnmaschinenmeister befugt. Soweit außer dieser Untersuchung noch eine besondere Prüfung des Dampfkessels mittelst Wasserdruck vorgeschrieben ist, bleiben die darüber erlassenen Bestimmungen in Kraft."

„Die weitere Untersuchung, deren es bei Locomobilen nicht bedarf, wird nach der Aufstellung des Dampfkessels vorgenommen. Die Ausführung dieser Untersuchung liegt, soweit nicht besondere Beamte dafür berufen sind, den für den Ort der Anlage zuständigen Baubeainten, bei Dampfkesseln, welche der Genehmigung des Oberbergamtcs bedürfen, den zuständigen Revierbeamten ob. Die Untersuchung hat spätestens drei Tage nach Empfang der Anzeige zu erfolgen, daß die Dampfkcsselanlage zur Untersuchung fertig und bereit gestellt sei. Ucber ihren Ausfall ist binnen drei Tagen eine schriftliche Bescheinigung zu crtheilen."

.... „Die Untersuchung der Dampfkessel auf den für den Gebrauch der Eisenbahnen bestimmten Locomotiven erfolgt ausschließlich durch die dazu bezeichneten Beamten der Eisenbahnverwaltung und nach den dafür gegebenen besonderen Bestimmungen."

Bemerkt wurde hierzu, daß in Eassel nicht ein Vaubeamter, sondern ein Gewerbcschullchrer die Untersuchung vorzunehmen habe, und daß auch an mehrere Ingenieure hiesiger Gegend Anfrage vom Ministerium wegen Uebernahme eines solchen Postens erfolgt sei.

Die Verpflichtung der Arbeiter zum Beitritt zu einer Krankencasse anlangend, sagt die Ausführungsinftruction:

„Die durch Ortsftatut oder Anordnung der Verwaltungsbehörde begründete Verpflichtung der Gesellen, Gehülfen, Lehrlinge und Fabrikarbeiter, einer bestimmten Krankenhülfs» oder Sterbe« casse beizutreten, ist durch §. 141 der Gewerbeordnung für diejenigen aufgehoben, welche nachweise», daß sie einer anderen Krankenhülfs- oder Sterbecassc angehören. Die bezeichneten Gewerbetreibenden sind demgemäß dort, wo statutarische oder administrative Anordnungen darüber bestehen, zwar auch fernerhin noch gehalten, derartigen Lassen beizutreten, sie sind aber in der Wahl der Casse, welcher sie beitreten wollen, nicht mehr beschränkt."

„Nicht nur im Interesse der bestehenden Kranken«, Hülfsund Sterbecassen, sondern auch im Interesse der Gemeinden liegt es, auf die Erfüllung dieser Verpflichtung sorgfältig zu achten. Sowohl die Vorstände der Nassen, als auch die Gemeindebehörden find befugt, von den Bethciligtcn jederzeit den Nachweis zu verlangen, welcher Easse dieselben angehören. Sie werden deshalb nach den Verhältnissen eines jeden Ortes solche Maßregeln zu treffen haben, welche eine zuverlässige Controle in dieser Beziehung möglich machen."

Auch in den Fällen, wo die Pflege eines Arbeiters, welcher der Gewerkscasse angehöre, mehr erfordert, als die Casse statutenmäßig zu leisten verpflichtet ist, oder wo die Krankheit durch eigenes Verschulden eingetreten ist, hat nach Hrn. Stambkc die Gcmeindekrantencasse einzutreten.

Leute, welche kein Gesundheitsattest mehr erlangen können, immerhin aber noch arbeitsfähig find, werden von den Gewcrts» cassen nicht aufgenommen. Da sie, um beschäftigt werben zu können, einer Casse angehören müßten, so würden sie verarmen, wenn nicht die Gemeinde ein Interesse hätte, sie in ihre Casse aufzunehmen; denn weil sie arm oder krank der Gemeinde doch zur Last fallen würden, so müsse letzterer daran liegen, ihnen durch Aufnahme in ihre Casse Arbeit zu verschaffen.

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Abhandlungen.

Eine einfache Formel zur Berechnung der Achsen auf zusammengesetzte Inanspruchnahme.

Von H. v. Reiche, Ingenieur in Breslau.

Die „zusammengesetzte Inanspruchnahme", gerade und mindestens so wichtig wie jede andere, namentlich wegen des häufigen Vorkommens der Knrbclachsen :c. im Maschinenbau, ist bis jetzt in der Präzis nur sehr selten ermittelt worden. Zwar haben viele und gelehrte Männer die „zusammengesetzte Festigkeit" zum Gegenstand ihrer Untersuchungen gewählt, ihre Entwicklungen sind aber so umfangreich, daß sie vom Praktiker nicht gelesen, und ihre Resultate so complicirt, daß sie nicht angewendet werde».

Das gewöhnliche Verfahren der Präzis besteht vielmehr darin, daß sie die Achsen sowol auf Torsion, als auf Biegung berechnet, und dann nach dem Gefühl einen Durchmesser wählt, welcher größer ist, als der größte berechuete. Die Ingenieure, denen dies nicht genügt, helfen sich meist dadurch, daß sie sich für die am häufigsten ihnen vorkommenden Fälle eine NähcrungSformel bilden, und diese verschiedenen Näherungsformcln in den Notizbüchern vieler Ingenieure sind mir der beste Beweis, daß das Bedürfnis) der Präzis auf diesem Felde bis jetzt uicht befriedigt ist".

Ich habe daher schou oft den Versuch gemacht, eine einfache Formel zur Berechnung der zusammengesetzten Inanspruchnahme zu entwickeln, meine Arbeit aber jedesmal als uubrauchbar wieder verworfen.

In meine „Maschinenfabrication"*) nahm ich die gebräuchlichste Formel dieser Gattuug mit einer Art Resignation auf, als mich aber bei Durchsicht des Gedruckten die Weitläufigkeit des Verfahrens wiederum erschreckte, und ich zum Ueberfluß die Formeln noch durch Druckfehler entstellt fand, wiederholte ich meinen schon so oft mißglückten Versuch auf's Neue, und gelangte zu einem Resultat, welches mich vollständig befriedigte, weil dasselbe genau ist, die Berechnung der zusammengesetzten Inanspruchnahme gerade so einfach macht, wie

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In beistehender Figur sei ? die auf eine Achse wirkende Kraft, welche wir uns als normal zur Bildebene wirkend vorstellen, und X sei der gefährdetste Punkt der Achse, also der Punkt, in welchem die Spannung am größten ist. Nun lehrt die Erfahrung, daß Achsen, welche sowol aufTorfion, als auf Bruch beansprucht sind, immer in einem schrägen Querschnitt brechen, und dieser möge durch die Linie 4L dargestellt sein.

Unter den unendlich vielen möglichen, alle den gefährdetsten Punkt X schneidenden Querschnitten kann nun selbstverständlich nur der der wahre Nrnchquerschnitt sein, welcher:

1) der gefährdetste ist, für welchen also die Kraft?, angreifend an einem Hebelarm h, welchen man durch Errichtung einer Normale vom Punkte ? aus auf die Bruchebene ^L erhält, angreifend also im Punkte V, ein Minimum wird;

2) in den einzelnen Punkten einer in X parallel zur Kraftrichtuug errichteten Liuie solche durch die Biegung her,

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vorgerufene Torsionsspannungen enthält, daß dieselben, wenn rings um die Achse bestehend (was natürlich der Fall ist), dem Torstonsmoment ?.a das Gleichgewicht zu halten vermögen.

Setzen wir nun den Querschnittsmodul für Bruch:

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und den für Torston

^D'--0.-2.0;

bezeichnen wir ferner mit

r den absoluten Hebelarm, mit welchem die Kraft?

auf den gefährdetften Querschnitt einwirkt, /s den Winkel, welchen r mit der geometrischen Aze der

Welle einschließt, « denjenigen, welchen der Bruchquerschnitt mit dieser

Aze bildet,

7 den Winkel ^"^ und endlich mit

1 die absolute Inanspruchnahme des gefährdetsten Punktes X, so ist zur Erfüllung der Bedingung l) notbwendig:

p.h--^t>.D'.1,

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Dieser Weich in die Formel für ? eingeführt, giebt unmittelbar die gesuchte Festigkeitsformel:

P.rsin'^-AD'.I .... (2).

Zu untersuchen bleibt aber noch, ob die Bedingung 2) erfüllt ist.

Die Totalspannung 1 zerlegt sich in eine Bruchspannung:

^, --- ^ . cos ^,

und in eine Torsionsspannung

^ --- ^ . sin /, und da wir, durch Errichtung von zwei gleichen und entgegengerichtcten Kräften, die Kraft ? nach V verlegen dürfen, so ist durch die eingetretene Spannung dem Bruchmoment der Kraft 9 Gleichgewicht geleistet, denn es findet Statt: p . h . ens? -- 0 .1. ooz?>. Ebenso ist das halbe Torstonsmoment durch die eingetretene Bruchspannung bereits aufgehoben, denn

p > ^ -- ? . h . sin ^ --- 0 . ^ . sin ^,

da aber die Spannung ^.sin/ nach eingetretener Torsion rings um die Achse stattfindet, so widersteht die Achse einer Torsion

y,. 1. sin ^ -- 2 0 .1. sin ^ -- ? . a (3),

d. h. die Achse ist auch in Bezug auf Torsion im Gleichgewicht, und die Bedingung 2) ist erfüllt.

. Nun soll noch gezeigt werden, wie die Formel (2) einfach angewendet wild.

Anstatt den absoluten Hebelarm r mit dem Zirkel zu messen, kann man offenbar ebenso leicht die Linie ?2 messen. Die

Länge dieser Linie aber ist --s.sin'-^, und den Punkt X

erhält man, indem man vom Punkt v eine Normale auf die Linie?X fällt.

Man erhält also durch Halbirung des Winkels /s und Ziehen dreier Linien die Länge ?X, und bezeichnrn wir diese mit hi, so reducirt sich die Formel für zusammengesetzte Inanspruchnahme auf die einfache Bruchformel:

p.h,--1.0 (4).

Untersuchungen über die .Stabilität hoher Schornsteine.

Von August Schmidt.

(Hierzu Tafel XIII.)
(Schluß von Seite 374.)

10. Beispiel 2. Schornstein der chemischen Fabrik von Charles Tennant 6 Co., St. Rolloz, Glasgow. Fig. 5. („Lnßinssr«, Bd. IX, T. 138. — „Verhandl. des Vereines zur Beförd. d. Gewerbfl.", 1845. — Daraus Weisbach, „Mechanik", Bd. II, 3. Aufl., §. 390.) Dieser Schornstein, welcher sich H35Z Fuß engl. (132°°,?) über den Erdboden erhebt, war vor Vollendung seines oben beschriebenen Nachbars der höchste der Welt und ist jedenfalls weitaus der berühmteste. Er verdieut diesen Ruhm auch neben seiner Höhe durch die Kühnheit seiner Ausführung und die Zierlichkeit seiner Form. Die Wanddicke ist verhältniß«

mäßig so gering, wie es kaum bei gußeisernen Rohren vorkommt. Die äußere Begrenzung ist nicht eine gerade Linie, sondern eine gebrochene, welche dem Auge als eine etwas eingezogene Curve erscheint, so daß das Ganze etwa die Gestalt eines riesigen Baumstammes annimmt. Die in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellten Rechnungsresultate zeigen wiederum einige wenn auch geringe Abweichungen von den Nankine'schen Zahlen. Es ist daher zu vermutheu, daß Nankine für ^ einen höheren Werth angenommen hat; vielleicht liegt auch eine Verschiedenheit in dem Zollmaß der Wanddicken, welche in den Quellen nach Steinstärken ange

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