Abbildungen der Seite
PDF

Holzhändlcr, Vaugewcrke, Ingenieure und Fabriksdirigenten ?c. vonMaiNobcrtPrcßlcr, Professor der mathcm.-forstlichen ,c. Wissenschaft an der Akademie Tharand. Tritte, mehrfach verbesserte und vervollständigte Auflage. Nebst 3 Supplementen. NU, 39. 48 und 44 S. (Preis 2 Xhlr. 8 Gr.) Dresden, 1869. Wold. Türk. —

Der Verf. bringt in dieser dritten Auflage des Wertes eine ungemein reiche Anzahl von Tabellen zur Berechnung nach Maß und Gewicht von Hölzern in allen Formen, im Forst, geschlagen und beschlagen, dazu aber noch Preistabellcn für verschiedene Münzsortcn, nicht zu vergessen die unvermeidlichen Kreis-, Productcn» und Quoticntentabellcn, welche alle einen großen Theil der sonst nothwcndigcn Rechnungen ersparen, und daher auch dem Ingenieur in viele» Fällen willkommen sein dürften. Das unter dem Titel „Forst- und bauwissenschaftlichc Supplement» tafeln" uns besonders vorliegende dritte Ergänzungsheft behandelt ausschließlich die Bauhölzer in einer nicht gering«, Anzahl von Tabellen. Der Einführung des neue» Maßsystcmcs ist in der neuen Auflage durch die nöthigcn Reductionstabcllcn Rechnung getragen. R. Z.

Allgemeine Technologie.

Kalk, Gyps und Cement. Handbuch für Anlage und Betrieb von Kalkwerken, Gypsmühlcn und Eemcntsabrikcn. Mit Rücksicht auf die Anwe»dung dieser Materialien i» der Praris nebst Literaturnachweis und Tabellen, bearbeitet von Emil Böhmer, dirigircndem Chemiker in Trotha und Friedrich Neumann, Eivil-Ingenicur in Halle a. d. S. Vierte Auflage von A. W. Hertels „Lehre vom Kalk und Gvps le." in gänzlicher Umarbeitung. Nebst einen« Atlas von 13 Tafeln. 316 S. 8. (Preis 2^ Thlr.) Weimar, 1870. B. F. Voigt. —

Was über die im Titel genannten drei Stoffe in der technischen Literatur, Büchern wie Zeitschriften, seit Jahren verstreut veröffentlicht ist, haben die Verfasser mit einer lobcnswcrthcn Uebersichtlichtcit und, ohne gerade in Wiederholungen zu verfallen, mit einer gewissen Vollständigkeit zusammengetragen. Einiges möchten wir schon für zu viel ansehen, z. B. die Bcarbcitnng der Marmorblöcke, auch die eigentliche Mörtelbereitung gehört wol in ein anderes Fach. Daß das Buch mit den Regeln der Dccimalbruchrcchnung, der Lehre von den chemischen Verbindungen :c. beginnt, ist von den Verf. wenigstens motivirt worden, und man kann es daher hinnehmen. Von jedem der behandelten Stoffe werben zuerst das natürliche Vorkommen, Eigenschaften u. s. w. aufgeführt, dann seine technische Behandlung dargestellt und schließlich seine Anwendung in der Landwirthschaft und Industrie betrachtet. Wenn auch der Wortlaut der Quellen zuweilen etwas anklingt, so ist doch eine gründliche Durcharbeitung des Stoffes nicht zu verkennen und namentlich hervorzuheben, daß ein Maß« und Gewichtssystcm, das metrische, für alle Angaben streng durch« geführt ist.

Die in dem Atlas enthaltenen Tafeln find in einem genügende Deutlichkeit bietenden Maßstabe sauber ausgeführt.

R. Z.

Feuerungen und Dampfkessel.

Pyrometer von Lamy. — In den Kreis der Principicn, auf welchen die Construction zur Messung hoher Temperaturen bisher bastrt wurde, ist durch Lamy ein neues gezogen worden, welcher, wie die „OomptsZ rsnäus", Bd. 69, Nr. 5, mittheilen, die Erscheinungen der Dissociation, einer Entdeckung von Dcville, dazu benutzen will. Nach Untersuchungen von Debray hat sich ergeben, daß bei der Dissociation des kohlensaure» Kalkes im leeren Räume bei cincr Temperatur von 860° 0. sich eine Kohlcnsäurcatmosphärc von 85°"° Druck, bei 1040' eine solche von 520"" Druck bildet, und daß die Manmalspannung de« entwickelten Gases überhaupt allein von der Temperatur abhängig ist, wie in ähnlicher Weise die Marimalspannung des Wasser» dampfe« von der Temperatur abhängt.

Das Pyrometer von Lamy besteht demnach aus cincr innen und außen glafinen Porzcllanröhrc, deren eines Ende verschlossen ist, während das andere mit einer langschenkligen U förmigen Glasröhre mit Quecksilber, welche als Manometer dient, in Ver« bindung steht. Der zu erhitzende Theil der Röhre enthält reinen kohlensauren Kalk (isländischen Kalkspath oder weißen Marmor).

Man erhitzt zuerst den Kalk in der Röhrc zum lebhaften Roth» glühen, um durch die entwickelte Kohlensäure die Luft auszutreiben; nach dem Wicdcrcrkalten ist das Rohr luftleer, weil die Kohlensäure bei gewöhnlicher Temperatur wieder vollkommen ab« sorbirl wird. Beim Gebrauche des Instrumentes wird man dann nur die Spannung der Kohlensaure abzulesen haben, um die Temperatur zu erfahren. Die dazu erforderliche Tabelle der Spannungen wird von Lam? erst aufgestellt.

R. g.

Bauwesen.

A. W. Hertels modeine Bautischlerei für Tischler und

Zimmerleule, enthaltend die in der Praris vorkommenden nöthigcn geometrischen Eonstruclionen, die Architektur in Bezug auf die Säulcnordnungcn und alle beim inneren Ausbau vorkommenden Arbeiten des Bautischlers, als Thüreu, Thore, Fcnslcr, Vorbaue, Treppe», Garten- und Vogelhäuser, Fußböden, Kirchenarbeitcn, Brunncnhäuöchcn, Säulen, Trägcr, Eolonnadc», Verzierungen, Gesimse :c. Nebst Anwcisuug zur Bcrcitung von Firnissen und Lacken, Beizen, Leim- und Oelfarbcnanstrichen, cincr Beschreibung der in» und ausländischen Hölzer, welche der Tischler verarbeitet, u»d einer Anleitung zum Veranschlagen der Tischlerarbeiten. Sechste gänzlich umgearbeitete uud sehr verbesserte Auslage von August Graef, Zeichenlehrer und Herausgeber des „praktischen Journals für Bau- und Möbeltischler" in Erfurt. -Mit einem Atlas, enthaltend 78 Qnarttafcln und 30 in den Teil eingedruckten Holzschnitten. 246 S. 8. (Preis 2 Thlr. 25 Sgr.) Weimar, 1869. V. F. Voigt. —

Der Verfasser übcrgiebt in dem Hauptthcilc obigen Werkes, dem 78 Quarttafcln umfasscndcn Atlas dcm praktischen Bautischler eine außerordentlich reiche Auswahl von Musterbeispielen der verschiedensten Art, alle Zweige der Bautischler« umfassend. Abgesehen von den ersten Tafeln, welche der Auseinandersetzung einiger geometrischer Figuren gewidmet sind, beginnt das Wert mit der Darstellung der Säulcnordnungen nach Vignola, welche, wenn auch vielfach abweichend von den Musterbeispielen des classischcn Allerthums, ihrer einfachen Bildung und Zeichnung wegen indessen für den besonderen Zweck des Studiums des praktischen Handwerkers vollkommen geeignet erscheint, diese» mit den Hauptformc» bekannt, und mit den Verhältnissen der Glieder vertraut zu machen. Die folgende Sammlung von Zeichnungen erstreckt sich auf alle Gebiete der Bauschreincrci, bringt Fcnstcr, Hhürcn, Thorc, Ladeneinrichtungen, Vertäfelungen, spccicllc Holzconstructionen mit ihrcn Details, Trcpprnanlagcn :c., und verdient »ach allen Richtungen hin, in Zeichnung, Construction und Ausstattung volle Anerkennung. Der begleitende Tcrt gicbt die nöthigen Erläuterungen. Wir mißvcrkenncn durchaus uicht die Schwierigkeit, welche eine derartige Bearbeitung in mancherlei Hinsicht bietet; es dürfte unmöglich sein, einem Laien die praktische Ausführung von Fenstern und Thürcn, das Zusammenarbeiten der einzelnen Constructionstheile, die praktischen Handgriffe »c. schwarz ans weiß zu lehren, und wir halten deswegen den solchen Auseinandersetzungen gewidmeten Theil für weniger Nutzen bringend, schätzen aber die dritte und vierte Abtheilung um so höher, von denen die crstere das Ucberziehcn der fertigen Arbeiten mit den verschiedenen Beizen, Farben und Polituren zur Hebung der Erscheinung, und die für die Eonscrvirung des Materials angc» wendeten Mittel behandelt, während die vierte Abthcilung eine Matcrialienlchrc der Hölzer enthält. Der fünfte Abschnitt handelt von den Veranschlagungen der Tischlerarbeiten, und gicbt, wcnn es auf das Eingehen in Einzelheiten ankommt, für die Beurtheilung des Weiches der Arbeiten ausführlichen Ausschluß.

D m.

Wilhelmshaven. (Hierzu Figur 1, Tafel IX.) — Der am 17. Juni v. I. eingeweihte und mit dcm obigcn Namen belegte erste deutsche Kriegshasen an der Ausmündung der Jade bietet abgesehen von seiner nationale» Wichtigkeit eine reiche Anzahl von großartigen Werken, und ist durch die mannigfachen der Ausführung sich entgegenstellenden localen Schwierigkeiten, welche die ganze Energie der mit dcm Vau beauftragten Ingenieure herausforderten, ein Werk von höchstem technischen Interesse gc« worden, so daß einige Mitthcilungcn über denselben den Lcscrn unserer Zeitschrift nicht unerwünscht sein werden. Wir müssen uns hier auf einige kürzere Notizen, welche wir einer Beschreibung der Hafenanlage in den „Militärischen Blättern", 1869, September entnehme», unter Hinzufügung einiger uns von anderer Seile mitgclheilten Notizen, beschränken, hoffen aber, daß dieselben bald von mehr damit vertrauten Vercinsmitgliedern durch dctaillirterc Angaben vervollständigt werden.

Der Vertrag zwischen Preußen und Oldenburg vom 20. Juli 1853, durck welchen auf dem westlichen Ufer der Jade 303 Hektaren, auf dem östlichen 2 Hektaren in den Besitz des erstercn Staates übergingen, enthielt einige Bestimmungen, welche eine sofortige Inangriffnahme der Bauten erforderlich macktcn, ehe selbst über die Wahl des Platzes znr Erbauung des Vorhafens und der Hafeneinfahrt, wozu es vorher zahlreicher, mühsamer und zeitraubender hydrotechnischer Untersuchungen bedurfte, endgültig Beschluß gefaßt werden tonnte. In der Thai war auch die erste dreijährige Baupcriode fast fchon abgelaufen, als im Frühjahr 1356 der allgemeine Plan zur Anlage des Krirgshafens feststand. Vis dahin hatte man sich auf Vorarbeiten und solche Bauten beschränken müssen, welche den Schutz des Gebietes gegen die Fluthcn der See im Auge hatten. Die Oldenburgische Regierung hatte mit den Vescstigungsbanten des Ufers sofort nach Publikation des Vertrages aufgehört, und Preußen mußte bereits im Jahre 1854 diese Bauten, welche für die ganze Küste eine Ganzes bilden, aufnehmen uud namentlich die Zicgclböscknngcn von der preußischen Grenze an bis zum Heppenser Licht vollenden. Hier schließt sich ein steinerner Echutzdamm an, welcher im Jahre l855 in Angriff genommen wurde und vom Heppenser Licht bis zur Hafeneinfahrt und vom südlichen Molenkopf bis zum Bautcr Grodcn reicht. Der ganze Damm, welcher nicht vollständig zur ordinären Fluthhöhc reicht, hat eine Länge von 3390" nnd soll hauptsächlich das Vcrschlicken des zwischen dem Hauptdeich und dem Damme gelegenen Watts begünstigen und befördern.

Der Hafen ist ein Fluthhafen, es können also Schiffe nur während der Fluthzeit in denselben einlaufen. Zu dem Ende muffen die eigentlichen Hafcnbassins von der Hafeneinfahrt durch Schleusen abgesperrt sein, um in ihnen auch in der Ebbezeit immer eine gleichmäßige Wasscrticfc erhalten zu können und die im Hafen liegenden Schiffe den Schwankungen von Ebbe und Fluth zu entziehen.

Erst vom Jahre 1857 an konnten die auf den eigentlichen Hafenbau bezüglichen Arbeiten definitiv in Angriff genommen werden, und zwar wurde zunächst mit der Eindeichung des Daucnsfclder Grodcns begonnen, um das Vorhafcnterrain dem Angriffe der Fluthcn zu entziehen. Es wurden zu dem Ende zwei Flügcldeiche aufgeführt, welche ein jeder 79l)" lang, die Schenkel eines Dreiecks bilden, dessen Basis von 753" Länge in dem vorhandenen Hauptsccdcichc liegt. Die Krone dieser Flügcldcichc mußte, ebenso wie die des Hauptscedeichcs, 8",?9 über die mittlere Ebbe des Iadepcgels gelegt werden, um auch gegen die höchsten Mccrcsfiuthen Deckung zu gewähren. Die Dcichköpfc wurden mit den Dämmen der Hafeneinfahrt bogenförmig verbunden, so daß hierdurch der Raum zur Anlage von zwei Hafenforts gewonnen wurde. Der nordöstliche Hafendeich wurde später noch mit dem steinernen Schutzdamm durch einen Qucrdamm verbunden; bei dem südwestlichen soll dies noch geschehen, dock ist auch hier das Terrain dazu ausgefüllt und abgepftastcrt, um die Angriffe der Fluthen unwirksam zu machen. Um aber für die eigentlichen Hafenarbeiter» überhaupt einen gegen die Fluthcn geschützten Bau» grund zu gewinnen, mußte noch vor der Vollendung der Flügcldcichc ein an diese anschließender F<lngcdamm erbaut werden, welcher in der Zeichnung durch eine punktirte Linie markirt ist. Derselbe ragt 5",« über' die Ebbe hinaus, ist 602".« lang und besteht aus drei je 2",5 im Lichten von einander entfernten Pfahlwänden, welche gegen einander verstrebt und mit Erde ausgefüllt sind. Dieser Fangcdamm wurde viermal durch ganz außergewöhnliche Eturmfiuthcn beschädigt, so daß seine Erbauung und Unterhaltung einschließlich der Wicderhcrstcllungsarbcitcn einen nicht unbedeutenden Kostenaufwand erforderten.

Da der flache Strand im Iadcbusen den Transportfahrzcugen, dem Dampfbaggcr und Vugsirbootc, den Prähmen und Booten des Hafcnbaues kcincn Schutz gcgcn Sturm uud Fluthen gewährt, auch die Schiffe mit Materialien nicht ohne Gefahr, Zeit und Koftcnveilust die Materialien löschen konnten, so mußte neben dem Wcfterstügeldeich im Watt eiu kleiner Strandhafen ausgebaggert und mit Löschbrücken versehen werden, welcher später an seiner Nord« und Südseite mit massiven Schutzdeichen eingefaßt wurde.

Die Molcnköpfc der Hafeneinfahrt wurden 5",«5 unter dem Nullpunkt des Pcgcls gegründet, die Fundamcntsohle der ersten Schleuse 9",«« untcr diesen Punkt gelegt, um bei einer der Panzerschiffe wegcn erforderlichen lichten Weite von 20"? zwischen den Thorsäulcn den Drcmpel 4"? unter Null legen zu können. Die Molen und Kaimauern der Hafeneinfahrt haben ausschließlich der Molcnköpfc in dcn Fundamcntcn eine Länge von 226".

Aus der Hafcncinfahrt gelangen die Schiffe, sobald die Fluth die Höhe des Wasserstandes des Vorhafens erreicht hat, durch die erste Schleuse in diesen letzteren, und aus dem Vorhafen durch die zweite Schleuse in dcn Canal, welcher nach dem Binnenhafen führt. Im Vorhafen soll stcts ein Wasserstand von 3",?« über dem Pegel erhalten werden, welcher der mittleren Fluthhöhc entspricht. Er hat cinc Längc von 188" bei einer Breite von 125". Die Mauern sind aus Klinkern und Traßmörtcl aufgeführt und mit Granit» und Sandstcinwcrtstückcn verblendet. Sie liegen mit ihren Kronen an dcn beiden Langsciten 1",«5, und an dcn kurzen, in welchen die Schleusenhäupter liegen, 2",5 über der mittleren Fluthhöhc. Dic Schirmen find zwischen dcn Stirnmaucrn 44",? lang, und eine jede derselben hat ein Paar in Eisen construirte Fluth- und ein Paar Ebbcthorc. Dic Scilcnmauern der Schleusen sind im Mittel 6",L5 stark, davo» die vordere» 1",25, die Einfassung der Baugrube, in Beton, der Rest in Ziegclmaucnvcrk. Tcr Vcrbindnngscanal hat eine Länge von 1167" und ci»c Breite von 6?",8 in der Wasserlinie und 22",e an der Sohle. Von der Länge desselben sind 9U8" nur über der Wasserlinie mit einer einfachen Steindosfirung versehen, während der Rest, welcher innerhalb des Marinc-Etablissements liegt, mit massiven Kaimauer» von Klinkern mit Ouadcisantstcinverblendung versehen ist. Die Ufer des Eanalcs liegen -l- 16 Fuß f5") des Pcgcls. Der an seinen Ufern mit sechs Krahnen versehene Binnenhafen hat eine Länge von 377" und eine Breite von 220". Um eine spätere Erweiterung des Bassins nach Süden zu ermöglichen, ist dic eine lange Seite desselben nur, wie dic Ufcr des Eanalcs, mit einer Stcindossirung über Wasser vcrschcn und crst dcr Rcst mit massiven Kaimauer» eingefaßt.

Dic 'Ausschachtung sämmtlichcr Bassins ic. geschah überall bis zu einer Tiefe von ?",» unter Null, fo daß, da Vorhafen, Canal und Binnenhafen stets -I- 3",?« voll Wasser gehalten werden sollen, durchweg eine Tiefe von II",« vorhanden sein wird. Dic Ausschachtung selbst und dic Fundamcntirung dcr Kaimauern waren mit großen Schwierigkeiten verknüpft, da dcr Baugrund aus feinem Tricbsande besteht, welcher im Wasser äußerst beweglich ist. Dic Erdc wurde zunächst so weit als irgend möglich mit dem Spate» ausgehoben nnd dann wurden Hanbbagger verwendet, bis die gewonnene Wasscrticfc cö erlaubte, cincn Dampfbaggcr zu benutzen. Die gewonnene Erde wurde thcils zur Erhöhung des anliegenden, untcr den» künftigen Wasserspiegel befindlichen Terrains verwendet, thcils abcr auf sehr bedeutende Enisernungen hin ver» karrt und dort planirt. In« Binncnlandc liegt unter einer etwa 1",z mächtigen Schicht von Klaibodcn cinc Torfschicht von circa 0",s Mächtigkeit, welche letztere das Wasser durchläßt, so daß das v",4? bis l>",«3 untcr dcm Wasserspiegel des Eanalcs liegende Binnenland von dem Eindringen des Wassers zu leiden haben würde. Es mußte deshalb zu beiden Seiten des Eanales und um den Binnenhafen, etwa 2",?5 vom Ufer entfernt, ein 1",»» breiter nnd 2",5 bis 3",?s ticfcr Graben ausgehoben uud mit fettem Klaibodcn wieder gefüllt werden, um das Wasser vom Binnenlande abzusperren.

An dcr westlichen Seite des Binnenhafens befindet sich der für den Schiffsbau bestimmte Thcil dcr königl. Wcrft, für wclchc zwei Hellinge für dcn Bau von Schiffen und drei massive Trockendocks erbaut oder im Bau begriffen sind. Zur Aufnahme von Schiffen wie dic Panzcrfrcgattc „König Wilhelm" mit ihrer Bordlängc von 138" ist das noch unvollendete Dock auf 139",5 angelegt.

Das Terrain rings um das Bassin des Binnenhafens und zn beiden Seiten eines Thciles des Eanalcs ist für das MarineEtablissement bestimmt und bereits abgesteckt; dic Straßcn sind als Klinkcrchaussccn angelegt und die Gebäude zu einem kleinen Thcil bereits aufgeführt. Der Rest des Terrains soll zur Anlage von Privatleuten überlassen werden.

Große Schwierigkeiten bcreitctc das Herbeischaffen von Trinkwasser, da das Graben gewöhnlicher Brunnen ein solches nicht lieferte. Dic Bohrversuche, auf welche bis zum Schluß des Jahres 1868 die Summe von 98,700 Thlr. verausgabt wurde, ergaben Jahre long kein Resultat, bis es endlich der unermüocten Ausdauer sselang, aus einer Tieft von mehr als 250" ein gutes und reichliches Trinkwasser heraufzuholen. Gegenwärtig sind zwei Brunnen fertig, von denen der erste bei ca. 188" Tiefe wegen der zu engen Röhrentour aber nur 0,2«, Cbkmtr. Wasser pro Minute liefert.

Die Befestigung wird sich im Wesentlichen auf die Erbauung der erforderlichen Secforts beschränken, um die Hafcnanlagcn gegen jeden Angriff von der Scescitc her sicherzustellen. Auf der Landfeite dagegen werden die Anlagen nebst der künftigen Stadt nur durch eine einfache Enceintc im Caponieicsystcm umschlossen, welche von dem nördlichsten Seefort bis zum Banter Tief reichen und Schutz gegen den Versuch eines Bombardements von der Landscitc her gewähren soll.

Der gcsammte Vau, mit Ausschluß der Befestigungen, war zu 10,900,000 Thlr. veranschlagt, von denen aber bis zum Schlüsse des Jahres 1868 bereits 9,632,000 Thlr. verausgabt waren. Nach den jüngsten Verhandlungen im Reichstage war Ende 1869 der angegebene Anschlag um 1,091,000 Thlr. überschritten, und sind für 1870 weitere 600,000 Thlr. gefordert worden. R. Z.

Neue Entwässerung von Tunnelmauerwerk. — Die Schwierigkeit, ein Tunnelmauerwerk vollständig zu einwässern, ist an einer Stelle des Ippcnscr Tunnels durch den berühmten Tunnel-Ingenieur F. Rziha in ganz neuer Weise gehoben worden. Er benutzt, wie die „Zeitschrift für Bauwesen", 1869, S. 315 angiebt, Drainröhren, welche zwischen dem Mauerwerk und der Gcbirgs» wand eingelegt werden, und zwar in Hauplsträngen, welche in gewissen Abständen rings um die cylindrischcn Maucrtörpcr liegen, und in Ncbcnsträngen, welche die dadurch entstandenen Zonen nach Vedürfniß noch weiter thcilen, und im Allgemeinen steil ansteigend gelegt sind. Jeder Hauptstrang geht am Fuß der Widerlager schräg durch das Mauerwerk auf die Tunnclsohlc und mündet endlich in den Hauptdohlen nach der Tunnelaie. In wasserreichem Gebirge schlägt Rziha vor, die Hauptstränge in horizontalen Abständen von 6 zu 6 Fuß (1°>8), die Ncbcnsträngc in senkrechten Abständen von ebenfalls 6 zu 6 Fuß (1°',»8) einzubauen, so daß pro laufenden Fuß Drainrohr etwa 3 Qdrtfß. (0,z Qdrtmtr.) Wandftäche repartircn. Die Verbindungen der Röhren müssen sorgfältig behandelt werden, so daß weder ein Verschieben noch ein Verschlammen staltfinden kann, die Nebenröhre wird durch die Wandung der Hauptröhre hineingesteckt. Die Röhren werden in ausgesparten Rinnen in rasch bindenden Mörtel gebettet, weiter herum abgeschlemmtcs Gestein trocken aufgeschüttet und nötigenfalls durch plattenförmige Steine Schutz gegen den Gebirgsdruck geschaffen. Der lichte Durchmesser der Röhren darf nicht unter 'iz Zoll (40""), und sollte bei den Hauplsträngen etwa 3 Zoll (80°°) betragen.

Das vorgeschlagene Mittel ist zwar erst in einer Tunnelpartie erprobt worden, hat sich aber hier so vortrefflich bewährt, daß weitere Versuche dringend empfohlen werden können. Rziha zählt insbesondere folgende Anforderungen an eine gute Entwässerung auf, welche durch die bisher angewendeten Methoden noch niemals vollständig erfüllt wurden.

1) Das Entwässerungsmittel muß billig sein,

2) Die Ausführung der Entwässerungsanlage muß während des Tunnelbaues vorgenommen werben können und darf in dem dunklen und vielfach beengten Räume keine Schwierigkeiten bereiten.

3) Das Entwässcrungsmittel muß mit einer nassen Hintermauerung vereinbar sein, weil trockene Hintcrmauerung in schädlicher Weise comprimirbar ist.

4) Die in der Plans unvermeidlichen Unebenheiten der Gesteinswände des Tunnels sowol, wie der Hinterwand selbst des sorgfältigst ausgeführten Gewölbes, dürfen die Erfolge des Entwässerungsmittcls nicht beeinträchtigen.

5) Weder der Gebirgsdruck, noch die Ausrüstung und das Setzen des Gewölbes darf da« Entwässerungsmittel zerstören oder dessen Wirkung beeinträchtigen.

6) Das Wasser muß rasch abgeführt werden, so daß es keine Zeit findet, in die Fugen und Poren der Wölbung einzudringen, resp. dieselben auszuspülen, und daß die Ablagerung von Schlemmmaterial verhindert wird.

7) Das Entwässerungsmittel muß die Heransaugung des Wassers und die Austrocknung feuchter Wölbefteine veranlassen.

8) Der gcsammte Wirkungsgrad der Entwässerungsanlage muß ein solcher sein, daß das Tropft» und Fließen des Wassers durch die Poren und Fugen der Wölbesteine aufhört, resp. gar nicht eintritt, daß das Wasser vielmehr durch die hergestellten Abfiußcanälc rinnt. B.

Bergwesen.

Neuerungen beim Abbau von Kohlenflotzen. — Der Bergwertsdirectcr Chansscllc liefert im Bd. XIV des „Lull. 6e I» 8oe. äe 1'Inä. mmsrkle" S. 5 eine Abhandlung über die auf der letzten Pariser Ausstellung den Abbau von Kohlenflotzen betreffenden Ausstellungsgegenstände. Im Ganzen erkennt der Verf. in diesen Sachen Neues nicht, wohl aber Verbesserungen im Detail des Abbaue«.

Er behandelt den Abbau sehr mächtiger Lagerstätten, namentlich der zu Leoben, zu Ercusot, in Obcrschlesten, des Schachtes bei Eparrc, dcr Gruben bei Firmiuy, der schmalen Flötzc in Belgien, im nördlichen Frankreich, England, zu Saarbrücken, namentlich der Grube „Gerhard", „Kronprinz Friedrich Wilhelm", macht auf die Gintheilung dcr Bauabthcilungcn mit Rücksicht auf etwa entstehende Grubcnbrändc bei der obcrschlesischcn, Saarbrücker, Ercusot'schen Methode, auf den Gebrauch dcr eisernen Zimmerung, auf die Einrichtung der Füllörter einiger englischer Schächte, die unterirdische Strcckenförderung in England aufmerksam.

Im Großen und Ganzen ist dcr Aufsatz, obwohl nicht viel Neues bietend, sehr lesenswerth und füllt einige Lücken dcr deutschen Literatur aus. Namentlich wird die Notiz über den in Saarbrücken versuchten Strebbau intcresfircil, auf welchen wir vor Allem unsere westphälischen Landsleutc verweisen möchten.

Wir möchten nicht unterlassen, einige kleine Auszüge zu geben.

Die Abbaumcthode sehr mächtiger Lagerstätten hat, ohne Gegenrede, in den letzten beiden Jahrzehnten die größte» Fortschritte gemacht, und es ist namentlich unsere Quelle sehr thätig für die Aufstellung richtiger Grundsätze bei ihrer Anwendung gewesen. Sie hat durch zahlreiche Beispiele festgestellt, daß der Abbau mächtiger Lagerstätten nur mit vollständigem Vcrgcversatz erfolgen kann. Wie auch die mächtigen Flötze vorgerichtet werden mögen, durch söhlige Qucrschläge, Qucrbau (p»r tranene» dori««ntlll«« en travers), ober streichende Strecken, oder durch Ueberbrechcn und Gesenke (p»r ti-Huenes vertieale«), es steht die Notwendigkeit eines vollständigen Bcrgcuersatzcs fest.

Den Grubcnbrändcn widmet der Verf. seine besondere Aufmerksamkeit und nachdem er bei jeder Abbaumethode die Gefahr des Eintretens, die Gelegenheit zum Abschlüsse der brennenden Abtheilungcn betrachtet hat und dabei dcr Saarbrücker und oberschlcstschen Vorrichtungsmethodc neben anderen Vorzüge zuerkennt, sagt er über diesen Gegenstand am Schlüsse seiner Abhandlung Folgendes:

„Die Natur der Saarbrücker Kohlen veranlaßt häufig Grubenbrände, obgleich die Flötzc schmal sind. In mehreren Gruben dieses Bezirkes, z. B. aus „Gerhard", ist man darauf aus, sie vollständig zu verhüten. Das Mittel besteht in einem sehr lebhaften und großen Wctterstrome, so heftig, daß er zuweilen die Arbeiter belästigt. Auf dieser Grube sind seit zwei Jahren mehrere Guibal'sche Wetterräder zur Erreichung des in Rede stehenden Zweckes aufgestellt; dem Beispiele sind die benachbarten Gruben gefolgt.

Wenn eine gewisse Kohlenmenge sich unter solchen Bedingungen findet, daß eine Zersetzung und Erwärmung derselben erfolgen kann, so wird in dcr That die Zersetzung durch Zuleitung von Luft, welche sich nicht bewegt, sich erhöhen, die Destillation derselben veranlassen, die Wärme sich steigern, und ein Brand bald ausbrechen. Zwei Mittel giebt es, das Fortschreiten dieses Ucbels zu mäßigen: vollständiger Abschluß der Luft auf eine genügende Zeit, dcr nicht leicht herzustellen ist und die Eiuftcllung der Arbeiten veranlaßt, oder starke Abkühlung durch einen heftigen Wettcrzug; durch einen kalten starken Wetterstrom fortwährend bestrichene Kohle erwärmt sich nicht.

Dieses Mittel ist seit zwei Jahren auf Gcrhardgrube erfolgreich gewesen."

Notizen über die Kosten dcr Gewinnung enthält der Aussatz verschiedene, hier einige über Schachtförderungen in England.

Dcr Californien-Pit, nächst Wigan (Lancashirc) baut in 282" Tieft das Flötz Allel)-minc, welches mit 2» fällt und 1",«o wichtig ist und ausgezeichnetes Liegendes und Hangendes besitzt, mit Pfeilerbau ab. Die tägliche Förderung beträgt 630 Tonnen Kohlen, die mittlere Hauerleistung 4,-> Tonnen und die Leistung eine« Mannes der Belegschaft unter Tage 2,» Tonnen.

Auf der Kohlengrube Epplcton-Colliery zu Hetton bei Durham wird das 2",4 mächtige, mit 4' fallende Flötz High-Main-Coal auf dem Schachte „Caroline" in 313" Teuft mittelst p^nnel-vrirli» gebaut. Die tägliche Förderung ist 590 Tonnen, die durchschnittliche Leistung eines Hauers 4,» Tonnen und eines Mannes unter Tage 2,8 Tonnen.

Auf der Grube Rosebridgc bei Wigan baut man auf einem 535" tiefen Schachte durch Strebbau (1<,r>ß«v»!I°.) die beiden benachbarten Flötze King-Coal und Kannel-Coal, welche mit 8' fallen, und von denen King-Coal in zwei Bänken und mit einer Mächtigkeit von I°> abgelagert und daß andere 0",» mächtig ist. Die tägliche Förderung beträgt 610 Tonnen, die Häuerleistung 3,«, die eines Mannes unter Tage 1,» Tonnen.

I. H. S.

Hüttenwesen.

Hohofenconstrucrion von Gebrüder Büttgenbach. (Hierzu

Figur I bis 3, Tafel XV.) —

Die Gebrüder Büttgenbach in Neuß hatten 1867 in Paris ein neues System einer Hohoftnconstruction ausgestellt. Damals war bereits ein solcher Ofen in Neuß ausgeführt; heute trifft man bereits einen derartigen in Anzin, und werden weitere drei Oeftn in Givors nach demselben System aufgestellt.

Die Hohoftnconstruction in Neuß hat die Gigenthümlichteit einer vollkommen freien Zustellung des Oftnschachtcs. Letzterer ist von einer 800"°° starken Mauer aus feuerfesten Ziegeln begrenzt und mit 11 eisernen Bändern armirt. Das Mauerwerk des Ofenschachtes ruht auf gemauerten Pfeilern von gewöhnlichen Ziegeln, und ist jeder Pfeiler mit dem nächsten durch ein Gewölbe »er» bunden. Ucber ihnen befindet sich eine gemeinschaftliche ringförmige Platform. Die Platform der Gicht ruht nicht auf der Mauer des Oftnschachtes selbst, sondern wird durch Säulen aus Eisenblech getragen, welche sich auf die untere Platform stützen; die Säulen dienen zugleich als Leitungsrohren für die Hohofengase.

Die Rast und das Gestell sind mit Wasserkühlung versehen. Durch die freie Construction deS Schachtes ist aber der ganze Hohofen gekühlt. Man hat von mehreren Seiten die Befürchtung ausgesprochen, daß durch die große Abkühlung des Ofens ein unverhältnißmäßig großer relativer Coksverbrauch bedingt sein müsse. Thatsächlich ist es jedoch nach den Beobachtungen, welche Jordan in Neuß angestellt hatte, nicht der Fall, im Gcgentheil will derselbe einen geringeren relativen Coksverbrauch gefunden haben, als unter gleichen Verhältnissen bei einem Ofen mit massiv zugestellten Schachte. Diese Thatsachc läßt sich daraus erklären, daß eine in dem Oftnschachtc herrschende hohe Temperatur empfindlich aus einen größeren Coksverbrauch hinwirkt, indem dann durch die bei der Rcduction der Erze sich bildende und aufwärts« steigende Kohlensäure ein Theil der Coks durch die Bildung von Kohlcnoryd absorbirt wird, welcher für den eigentlichen Hohofenproceß verloren geht. Die Gicht des Hohoftns zu Neuß ist teilweise offen, in Rücksicht auf die zu verhüttende mulmige und sehr feuchte Beschickung.

Einer der wesentlichsten Vorthcile der vollkommen freien Zustellung besteht in dem leichten Zutritt zu sämmtlichc» Stellen des Ofens, von der Sohle bis zur Gicht. Es läßt sich jede Beschädigung des Ofens leicht und schnell wahrnehmen, durch Auswechselung der schadhaften Stellen beseitige», und es ist jederzeit bei vorkommenden Unregelmäßigkeiten der Bcschickungsiaule möglich, nöthigcnfalls in das Oftninnere zu gelangen, oder die Temperatur» differenzcn der einzelnen Ofenzonen zu beobachten.

Die HHrn. Büttgenbach hatten an verschiedenen Punkten der, Peripherie des Oftnschachtcs und in verschiedener Höhe Ocffnungen gebohrt, welche bis auf 20 bis 30"" an die Innenseite des Ofcnmaucrwcrks reichten. Nach drei Jahren des Betriebes waren diese schwachen Stellen nicht zerstört. In Neuß werden Nassauer Roth- und Brauneisensteine, ferner Limonite von Limburg und Brabant und der Umgebung von Alfeld mit 30 bis 5V pCt. Kalkzuschlag, bei einem durchschnittlichen Ausbringen der Beschickung von 2? pCt. verhüttet, die tägliche Production beträgt 80,000 Ctr. und der relative Coksverbrauch 1350 bei grauem XIV.

und 950 bei weißftrahligem Roheisen. Die Kosten der Aufstellung in den Jahren 1865 und 1866 werden mit 50,000 Thlr. einschließlich der Röhrenleitungcn und der Gichtbrücke angegeben, („rorteiyuille seonomi^ue", 1869, October.)

Dk.

Whitwells WinderhitzungSapparat. (Hierzu Figur 4 bis 7,

Tafel XV.) —

Bei den bisher gebräuchlichen Winderhitzungsapparaten hat man entweder Gußeisen oder feuerfestes Ziegelmaterial zur Transmission der Wärme der verbrannten Hohofengase auf den Gebläsewind benutzt. (Vcrgl. Bd. XII. S. 394. 526 und 589.) Alle Systeme der Apparate mit gußeisernen Röhren leiden an der leichten Zerstörbarkeit des Gußeisens durch längeren Betrieb, auch ist mit 400° <ü. die Grenze der Winderhitzung bei einer Heizfläche von 3 Qdrtmtr. pro Cubikmeter Wind in der Minute so ziemlich erreicht. Es haben sich daher die Verbesserungen an diesen Apparaten bei sonst richtigen Conftructionsverhältnissen hauptsächlich auf die bequeme Auswechselung zerstörter Theile beschränkt, welche letztere wol bei den Winderhitzungsapparaten mit hängenden Röhren der Georg»Maricnhütte bei Osnabrück bisher am besten erzielt wurde.

Was die Siemens»Cowper'schen Winderhitzungsapparate (Bd. V, S. 141) anlangt, kann man mit denselben zwar eine höhere Winderhitzung erzielen, nach Henry Cochrane auf den Ormesbywcrken im Mittel 490° 0. bei 532» 0. Marimum und 424' Minimum, allein es treten Verstopfungen der Regcneratorkammern durch den Gichtstaub der Hohofengase ein, welche sehr schwer ohne gänzliche Demolirung des Apparates zu beseitigen sind. Um nun sowol die Vorzüge des feuerfesten Materials als Transmissionsmittel für die Wärme, als auch die Vortheile einer leichten Reinigung des Apparates von dem Gichtstaube mit einander zu vereinigen, conftruirtc Whitwell auf den Thornaby« werken vor 2^ Jahren einen eigenen Winderhitzungsapparat, welcher in Fig. 4 bis 7, Taf. XV in verschiedenen Schnitten und Ansichten, nach der „Itevue universelle", 1869, Lfrg. 5 und 6, dargestellt ist. Derselbe besteht in einem cylinderförmigen Räume, welcher aus feuerfesten Ziegeln gemauert und mit einem Blrchmantel umkleidet ist. Dieser Raum ist durch eine durchgehende Mauer N, II in zwei Theile getheilt, von denen der eine, in der Zeichnung der obere, durch vier Wände (3,0 in fünf, der andere durch drei Wände in vier Kammern geschieden ist. Dieselben sind oben durch Gewölbe abgeschlossen und enthalten der Länge nach eine Zunge 6,0,..., welche jedesmal die Fortsetzung der Scheidewand der gegenüberliegenden Kammern bildet. Die Zungen reichen von dem Boden der Kammern etwa bis zur Höhe der Gcwölbeanfänge. Die Zwischenmauer N ist in den mittleren Abtheilungen unten mit einem Fuchs, in den beiden äußersten Nbtheiluna.cn 1 und 14 noch mit mehreren Durchbrechungen versehen, so daß eine Com« munication nach der Reihenfolge der in die Fig. 6 eingeschriebenen Ziffern, resp. in umgekehrter Ordnung stattfinden kann. Die einzelnen «ertical»n Kammern sind ungleich weit und zwar nehmen sie von dem Windcintritt 0 nach dessen Austritt ^ hin an Größe zu. Vor der Sohle der ersten Kammer treten die Hohofengase bei L durch eine Art Argand'schen Brenner mit nur wenig Verbrennungsluft in die Kammer ein, und durchziehe» die einzelnen Räume nach der Reihenfolge der eingeschriebenen Zahlen, bis sie endlich an der Sohle der letzten Kammer durch die Umfassungsmauer de« Apparates bei I) zum Schornstein abströmen. Der größte Theil der Verbrennungsluft tritt durch an einer Seite der Zungen angebrachte Schlitze ein, welche mit der äußeren Luft communiciren. In Fig. 4 und 6 sind zwei dieser Schlitze angedeutet. Diese Anordnung hat den Vorthcil, daß die Hitze nicht an einem Punkte concentrirt ist, sondern sich gleichmäßig auf alle Kammern ucrthcilt. Der kalte Gebläsewind tritt bei C an der der Gascinströmungsröhrc diametral entgegengesetzten Seile an dcr Sohle in die schmälste Kammer dicht ncbc» der Gas» ausströmungsröhrc ein, strömt in der entgegengesetzten Richtung, welcher früher die Gase durch den Apparat folgten, und tritt aus dcr weitesten Kammer bei ^ dicht neben der Gaseinströmungsröhre in die heiße Windleitung.

Dcr Apparat wird, wie bei den Ticmens'schen Kammern, zuerst von heißen Gasen erhitzt; hierauf werden die Gasvmiüc geschlossen und der Wind in den Apparat zugelassen. Die Zeit, während welcher in dem Apparat Wind oder Gas strömen,

26

»arlirt. In den Consett'schen Werken arbeiten vier dieser Apparate zu einem Hohofen. Die Oefen werden paarweise gewechselt, um Unregelmäßigkeiten der Temperatur auszugleichen.

Zur bequemen Reinigung von dem Gichtstaube sind zwei Reihen Reinigungsventile angebracht. Eine Reihe L,N befindet sich an jedem Gewölbe der Kammern, eine zweite Reihe 5,5 befindet sich seitwärts an der Sohle jeder Hammer.

In den Consett'schtl, Werken werden die Apparat« jeden dritten Monat gereinigt, ohne daß man in den Apparat steigen muß ober daß derselbe beträchtlich abgekühlt wird. Der erste Versuchsofen in Thornaby war seit fast 2^ Jahren im Betriebe, ohne daß die Wände schadhaft geworden wären.

Für die Wände der ersten zwei weitesten Kammern verwendet Whitwcll nur Ganister, oder er füttert sie wenigstens mit solchem aus; ebenso leisten Stourbridgeziegcln gute Dienste. Das übrige Mauerwerk ist aus gewöhnlichen 'feuerfesten Ziegeln her» gestellt, welche eine Stärke von 2 4 Zoll (63"") haben und bei 12 Zoll (305°°) Länge 7 Zoll (180°°) breit sind.

Die mit diesen Apparaten erzielte Windtemperatur ist 540» 0., so daß die Düsen rothglühend werden i unter diese Temperatur läßt man den Wind nicht sinken. Derselbe wird jedesmal eine Stunde durch die Kammern geleitet.

In den Consett'schen Werken schmilzt man eine Gattirung von 48 pCt. Eisengehalt. Der Coksverbrauch ist 17^ Ctr. auf 20 Ctr. graues Roheisen, bei einer wöchentlichen Production von 80,00« Ctr. Die Windmenge pro Minute ist 3000 Cbkfß. (84 Cbkmtr.).

Außer diesen Apparaten in Consett wird jetzt eine zweite größere Reihe mit 46,000 Qdrtfß. (4500 Qdrtmtr.) Heizfläche daselbst aufgestellt zu einem neuen Hohofen, welcher in diesem Jahre angelassen wird. Ebenso sollen dem Vernehmen nach die Hüttenwerke von Schneider H Co. zu Crcuzot zwei dieser Systeme aufstellen, und De Wendel in Hahange das System adoptirt haben.

Dk.

Angelegenheiten des Vereines.

[ocr errors]

Nachdem es uns in diesem Jahre bereits zweimal vergönnt gewesen, an dieser Stelle von der Gründung neuer Bezirksvcrcine zu berichten, liegt uns heut wiederum die angenehme Pflicht ob, die geehrten Vcreinsmitglieder von der Constituirung des nunmehr 18. „Siegcner Vczirksvcreines" zu benachrichtigen.

Indem wir uns dem Schlußpassus de« weiter unten folgenden Protokolle« anschließen, ersuchen wir die in jenem Districte domi» cllirenden Mitglieder, auch diesen Verein durch den Beitritt und Theilnahme an seinen Versammlungen nach Kräften zu beleben.

Der Vorstand.
I. A. i L. Duskc.

Aenberungen zum Verzeichniß der Mitglieder.

Gust. Defontaine, Dircctor der Zinkhütte und ginkwcißfabrit

zu Ougröe bei Lüttich (1856). H,. Kanty, Maschinenfabricant, Firma: Köbner H Kanty, in

Breslau (656). Lr.
Gottl. Behrcnd, Maschinenfabricant, Firma: A. Mün«

nich H Co. in Chemnitz (1159).
C. Geys, Malzfabricant in Würzburg (1405).
Carl Neuhaus, Ingenieur der Essener Maschinenbau»

Acticn.Gesellschaft in Essen (889).
Schaltenbrand, Ingenieur der Cöln-Mindcner Eisen-
bahn in Wesel (1043).
Schiffner, Ingenieur der rheinischen Eisenbahn ins

Bonn (855).
Schleh, Eivil-Ingenieur in Cöln (1313).
Otto Mattncr, Civil-Ingenieur, Firma: A. Schleifenbaum

H O. Mattner in Siegen (367). K.
R. Jansen, technischer Dircctor des Gaswerkes in Debreczin

(1611). Mb.
Baeumler, Königl. Ober-Bergrath in Breslau (1011).
Emil Haldy, Cotsanstaltsbesitzcr in Saarbrück (272). )
Ed. Hüster, Eisenbahntcchniker in St. Johann-Saar»

brück (504).
E. Vethge, Eivil-Ingenieur in Dortmund (742).
R. Daelen, Fabrikbesitzer, Firma: Daelen <K Burg, s

in Hccrdt bei Neuß (281). l

Gust. Schulz, Ingenieur in Hattingen (392).

[ocr errors]

0.8.

[ocr errors]
[ocr errors]

W. Holdinghauscn, Ciuil-Ingcnieur in Unna (647).

A. Hollenbcrg, Ober-Ingenieur der Essener Maschinenbau-Acticngcsellschaft in Essen (758).

C. Kölling, Ingenieur der Maschinenfabrik von Hen-^ schcl H Sohn in Cassel (1518).

Lichthardt, Maschinenmeister der Cöln-Mindcner Eisen-) ^. bahn in Dortmund (233).

Hcinr. Nennstiel, Ingenieur der Cöln-Mindener Eisen-^ bahn in Duisburg (261).

V. Witt mann, Maschinenmeister der bcrgisch-märki» schen Eisenbahn in Elbcrfcld (399).

Andre, Ingenieur in Salzgittcr (1145).

Vlanckcnhorn, Bauinspcctor in Cassel (1239).

F. Burg, Fabrikbesitzer, Firma: Daelen K Burg,!

in Hecrdt bei Neuß (973). > N.

G. Wcyland, Gcrant in Siegen (1245).
W. Wittenberg, Hüttendircctor der Gesellschaft Con-

cordia in Ichcnberg bei Eschweiler (>149>. A. Behnisch, Ober-Ingenieur und Procurist der Eisengießerei

und Maschinenfabrik von C. Schiebt in Görlitz (650). Carl Benemann, Eivil-Ingenieur in Posen (1193). Bork, Ingenieur in Gera (1501). I. Dcllmann, Hüttendirector in Neusatz a. d. O. (847). Victor Drcßler, Ingenieur der Königl. Eisengießerei bei Gleiwitz

(947).' Bertholb Fritsch, Maschinist des Poftdampsschiffes „Bremen" in

Bremerhaven (1436). Th. Gebauer, Ingenieur und zweiter Lehrer an der Strumpf»

wirlcrschulc in Limbach (1319). Anton Girardoni, Director der ersten österr. Jute-Spinnerei

und Weberei in Wien (1038). Carl Grauhan, Techniker der Actiengesellschaft Phönir in La«

bei Ruhrort (1626).

F. Grohmann, Ingenieur der Maschinenfabrik von Schmoor

<K Rabius in Hildeshcim (1169). H. Hammer, gewerkschaftlicher Maschinenmeister der Saigerhütte

bei Hettstaedt (153). Fr. Heischkcil, Ingenieur der Actien-Maschinenbauanftalt Vulcan

in Brebow bei Stettin (<616).

G. Hcrrmann, Lehrer am Polytechnicum in Aachen (190). Georg Klopsch, Ingenieur der Königl. hessischen Nordbahn in

Cassel (1003).

« ZurückWeiter »