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Theorie der Dampfkessel mit Gegenströmung.

Vom Professor R. R. Werner.

(Hinzu Fig. 1 bis 3, Blatt 3.)
(Schluß von Seite 233.)

Bevor wir zur Berechnung eines Beispiels übergehen, müssen wir zuerst den Werth von u ermitteln und wollen dies auf Grund der Erfahrung thun, welche man unter gewöhnlichen Umständen mit guten Steinkohlen an Dampfkesseln ohne Gegenströmung macht.

Ein solcher Dampfkessel muß für jedes pro Tecunde zu verbrennende Kilogramm Kohlen 1440 Quadratmeter Heizfläche haben, wenn die abziehenden Gase bis auf 300° abgekühlt sein sollen.

Nach Gl. (1) ist

^^ und wird man wegen unvollständiger Verbrennung, Verlust durch Ausstrahlung der Wärme aus dem Feuerraum u. s. w. K nicht viel über 6000 Calorien annehmen können, während q wenigstens -- 23 ist. Daher

60NN

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Es möge auch sein
t -- 150 (bei nahezu 5 Atmosphären Dampfspannung).

Man kann nun Anwendung von der Gl. (4) machen, falls man nur 1^ durch die angenommene Schornsteintemperatur 300° ersetzt, und den Werth für w aus Gl. (3) resubstituirt. Während L —1 und </,---1440 ist, nehme

man auch noch an

<» -- 0,8ö,

so ist

0,8» . 24 , 0,24 . 1N8? - IbU „ ^^

"^ 144°^ ' '"^WUT^Ü- - «,««594,

dafür abgerundet

^ --- 0,ooe.

Um nun beispielsweise für «--0,i die Heizflächen y, und I? zu bestimmen, nehme man wieder an

l- 150 und I,-- 1087, ferner

l, --- 10 und I, -- 150.

Eine Erniedrigung der Schornsteintemperatur bis gegen 100° würde, von allem Andern abgesehen, schon den Nachtheil haben, daß sich die in den Verbrennungsproducten enthaltenen Wasserdämpfe an dem Mauerwerk niederschlagen.

Es berechnet sich ferner

O -- 606,5 ^- 0,305. 150 — 10 ^ 642,25 und

5 - 606,5 — 104,25 --- 502,25;

9> - 11,423 X 1,52346 - 17,404;
? — y) -- 36,314 X 0,47113 -- l?,11,

also

r -- 34,514.

Nach Gl. (18) ist:

6,8454; 8 - 0,0146 und V - 0,06854.

Angenommen nun, der Hauptkessel in Fig. 2 hätte 14,514

Quadratmeter Heizstäche, nnd jeder der beiden Tieder 10 Quadratmeter*), so würde sich die Dampfbildung in dem so eben berechneten Fall noch um 1?,ii— l4,5i4->°-2,5W Quadratmeter auf deu oberen Theil des zweiten Sieders erstrecken und die geneigte Lage desselben rechtfertigen.

Diese Dampfgrenze gebt alsdann aber noch weiter zurück und kann sogar in deu ersten Sieder verlegt werden, wenn man entweder stärker feuert, oder bei demselben Kohleuverbrauch weniger speist. Oekonomisch ist dieses nicht, da in beiden Fällen die Temperatur der Abzngsgase I, steigt. Auch wird in beiden Fällen mehr Wasser verdampft, als zugeführt, und der Wasserstand sinkt.

Das Gesagte erklärt sich leicht, wie folgt: Es sei 3 das secundlich verdampfte, «7 das gespeiste Wasser und I? die Schornsteintemperatur. Anstatt der Gl. (l6) kann man alsdann setzen:

8K^-<7(l —t,)--a,8q«(I, —!„) (22).

Es ist hieraus leicht ersichtlich, daß I«? mit zunehmendem 8 oder auch mit abnehmendem «7 wächst. Auch zeigt diese Gleichung, daß je weniger man speist, die Dampfbildung um so stärker wird. Für das größere 8 gilt aber immer noch die Gl. (8), und aus ihr geht endlich hervor, daß auch <zp zunimmt.

Umgekehrt wird durch vermehrten Wasserzufluß die Temperatur I? erniedrigt und die Verdampfungsgrenze dem Haupttcsscl genähert. Sollte sie denselben etwa erreicht habe», so würde von einer weiteren Verschiebung derselben nicht mehr die Rede sein können, vielmehr würde dann das Wasser in den Hauptkcssel mit einer geringeren als die Dampftemperatur eintreten.

In der Berechnung ist alsdann der bisherige Werth von sdnrch 606,5-5-0,805t — ?, der von ^ durch f nnd namentlich die Gl. (22) durch

8 (606,5 -4- 0,305 l — r) -4. <l(r — t») - «0 8 q 0 (I, — IV)

. . . (23) zu ersetzen.

Würde der Werth von ^ den von l nie überschreiten, so würde man von einer Neigung des Vorwärmers Abstand nehmen können. Tritt, wie unter gewöhnlichen Verhältnissen, die Dampfgrenzc nie bis in den zweiten Tieder zurück, Fig. 2, so kann wenigstens dieser horizontal gelegt weiden.

Bevor wir die Bewegung der Dampfgrenze näher bestimmen, läßt sich schon erkennen, daß, je größer die Schwankungen von «7 über oder unter dem mittleren Dampfverbrauch 8 uud von je längerer Dauer sie sind, um so weiter die Dampfgrenzc zurück- und die Temperatur 7- heruntergeht. Letzteres

*) Die vom Feuer berührte Fläche bei Siedei darf man nur zu H als Heizfläche rechnen, d» dieselben auf ihrem Scheitel immer mit Alche beleg! sind. Bei amtlichen Berechnungen aber muß die Heizstäche für voll gerechnet werden.

hat, wie hei den gewöhnlichen Dampfkesseln, eine Verminderung der Dampfproduction oder der Temperatur des Kesselwassers und der Dampfspannung im Gefolge. So namentlich bei dem «blichen periodischen Speisen, durch welches «? von 0 bis zu 3« wechselt. Man sollte daher entweder stetig, oder doch so kurz periodisch speisen, daß die Schwankungen auf die Regelmäßigkeit und Oekonomie des Dampfbetriebes nicht nachtheilig wirken. Freilich ist dabei ein gleichmäßiges Feuern oder doch ein normal bleibendes Verhältuiß zwischen Dampferzcuguug und Kohleuverbrauch vorausgesetzt. Wo ein solches nicht zu halten ist, kann unter Umständen ein periodisches Speisen bei umsichtiger Handhabung ciueu günstigen Ausgleich bewirken.

Die Geschwindigkeit der Schwankung der Dampfgrenze bei periodischer Speisung läßt sich zwar berechnen, doch ziehen wir hier eine graphische Darstellung ihrer unmittelbaren Faßlichkeit wegen vor.

Es sei in Fig. 3 l in Metern die Länge der Vorwärmefläche 5 — P bei normaler Tpeisuug von 8 Kilogrm. Wasser pro Tecunde; » sei der Querschnitt in Quadratmetern. Man

denke l in eine große Anzahl (n) gleicher Theile ^—) gctheilt. Die Wärmemenge, welche irgend ein solcher Tbeil, etwa der um ^ vom Nullpunkt 6 entfernte enthält, ist -- x . » —, unter x die Wassertemperatur an jener Stelle verstanden. Betrachtet man t^ und 60 als Coordinatenazen und x» —

im Allgemeinen als Coordinate zn ^,, so schließt die durch den Endpunkt der Coordinaten gelegte Curve H L mit deu Seiten H C, <ü v und D L eine Fläche ein, deren Inhalt gleich der in dem Wasserquautum gl enthaltenen Wärme ist. Von dieser ist aber nur die dem Dreieck ^Lü entsprechende durch die Heizung zugeführt; die durch das Rechteck L6DL ausgedrückte war schon im Tpeisewasser vorhanden, insofern als Ü«2--LI)

-- l^ s — ist. Wird nun die Speisung beispielsweise ganz

eingestellt, so hört die fortschreitende Bewegung des Wassers im Vorwärmer auf, wogegen sich die Dampfgrenze allmälig zurückbewegt, und zwar in der ersten Secnnde etwa von H nach ? hin, so daß also äl? das zu suchende Maß der Geschwindigkeit ist. Gleichzeitig hat sich aber auch auf die Lauge! hin eine Wärmemenge aufgehäuft, welche gleich dem Inhalt des Dreieckes äL? ist. Der Inhalt desselben ist aber genau genug

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Sonach bewegt sich die bei unterbrochener Speisung die Dampfgrenze mit dem Doppelten derjenigen Geschwindigkeit zurück, mit welcher das Wasser bei normaler Speisung vorwärts schreitet.

Wird dagegen z. B. doppelt so viel, als in normaler Weise gespeist (<?--28), so hält, was sich nach Obigem leicht schließen läßt, die Dampfgrenze mit dem Wasser gleichen Schritt nach dem Hauptkessel hin.

Eigentlich haben wir nur die anfängliche Geschwindigkeit der Dampfgrenze ermittelt, doch kann die geringe Verzögerung, welche sie weiterhin erleidet, umsomebr vernachlässigt werden, als die praktische Annahme einer gleichförmigen Geschwindigkeit der Sicherheit des Betriebes zu Gunsten ist.

In dem vorstehenden Beispiel möge die Länge des zweiten Tieders auf ?'",» angenommen werden. Dann muß dessen Umfang - ß. l,Z? -- 1",82 und sein Qnerschnitt gleich 0,2«5 Qdrtmtr. sein.

Die Dampfbildung erstreckt sich bei normaler Speisung auf eine Länge von

0,2596 x ?,»-- 1,9 und das Vorwärmen auf

5,4 Meter.

Die normale Wassergeschwindigkeit v^^ ist dann gleich

. Meter. Es muß daher die Speisung

132? Tecunden

28

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unterbrochen sein, ehe die Dampfgrenze um einen Meter zurücktritt, und erst nach 7166 Secunden würde sie in den ersten Sieder übergehen.

Von der normalen Dampfgrenze mit doppelter Speisung ausgehend, würde die Dampfgrenze erst nach 2521 Secunden den Haupttessel erreichen, und erst danach würde das Vorwärmen nicht mehr vollständig sein.

Dieses Beispiel zeigt cinestheils, wie sehr wesentlich ein verhältuißmäßig großer Wasserinhalt für die Zulässigkcil langer Speiseperiodeu ist; anderntheils, wie leicht es zu ermöglickeu ist, daß die Dampfgrenze immer in nahem Anschluß an den Haupttessel bleibt; dadurch, daß mau s-^ construirt, und stetig oder in kurzen Zeiträumen speist.

Wie bedeutend die Kohleuersparnih an diesem Gegenstromkessel im Vergleich mit einem gewöhnlichen Dampfkessel ist, der dasselbe leisten soll, ist jetzt leicht nachzuweisen.

Wir müssen bei diesem Vergleich die Temperaturdifferenz zwischen Kesselwasser aus Heizgasen am Ende der Züge in beiden Fällen gleich groß gelten lassen. In jenem Fall war sie 150 — 10 -- 140 Grad, in diesem Falle hat das Wasser durchweg die Temperatur l-« 150 Grad, uud die Temperatur der Abgangsgase wird daher 1^ -- 290 sein müssen. Diesen Welth für I, in Gl. (18) eingesetzt, liefert

^ -- 5,8226,

«l -- 0,«8<>z8.

Die Kohlenersparniß des GegenstromkesselS beläuft sich dem gegenüber auf 18pCt.

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In wie weit dieses durch Popper's Kesseleinlagen erreicht wurde, dürften folgende der praktischen Erfahrung entlehnte Beispiele und die mit Umsicht geleiteten Versuche darthun.

n) In der Eisenmöbelfabrik und Metallgießerei von August Kitschelt in Wien war das Ergebniß des mit den Kesseleinlagen an einem Doppellessel von 3 Fuß (0°°,9«) Durchmesser und 9 Fuß (2",8ö) Länge angestellten Versuches ein äußerst günstiges.

Die dem directen Feuer ausgesetzten Stellen des Kessels über der Feuerbrücke, sowie die Feuerplatten waren von Kesselstein und Schlamm vollständig frei; an den kälteren Kesselstellen waren dort, wo leine vollkommene Entfernung der Speisewasserniederschläge stattfand, diese so gering, daß sie kaum in Betracht gezogen zu werden verdienen.

Die Gangdauer des Kessels betrug 11 Wochen.

Während sonst die Heizer lH Tage zur Reinigung des Kessels brauchten, nahm diesfalls das Reinigen des Kessels mit Ginschluß der Wiedereinsetzung des Apparates kaum zwei Stunden in Anspruch.

b) In den dem Hrn. Heinrich Dräsche gehörigen Bergwerken zu Grünbach-Klaus.

Der daselbst befindliche Rauchrohrkessel erlitt in Folge der bedeutenden Schlammablagerungen häufig Beschädigungen und hatte auch zu der Zeit, als der Popper'sche Apparat eingesetzt worden und seine Probe daselbst bestehen sollte, einen Blechsprung, welcher vor der Inbetriebsetzung einfach verstemmt und während des Ganges beobachtet wurde.

Der Kessel hielt während der mehrwöchentlichen Gangdauer vollkommen Stand, die Schlammablagerung war gänzlich beseitigt und die heißesten Stellen des Kessels waren von jeder Incrustation frei erhalten.

An den kälteren Kesselstellen war die Kesselsteinlruste auf ^ Linie (0°"',45) herabgedrückt, welche sich überdies mit größerer Leichtigkeit, als bei den bisher angewendeten chemischen Mitteln, von den Kesselwandungen loslösen ließ.

Ferner bewirkte der genannte Apparat eine so lebhafte Emulation und so bedeutende Hebung des Wassers über die Feuerlinie hinaus, daß selbst bei sehr bedeutendem Herabfinken des Wasserstandes unter das vorgeschriebene Niveau, unabhängig von jeder weiteren Aufmerksamkeit des Heizers oder sonstiger Apparate, keine Gefahr des Glühens oder ein Anbrennen des Kessels zu befürchten stand.

In Folge dieser günstigen Resultate wurden sämmtliche Kessel des Bergwerkes mit den Einlagen ausgerüstet.

o) In der Kammgarnspinnerei von C. L. Falk zu

Vöslau ist der Bouilleurdampfkessel 35 Fuß (11") lang und hat einen Durchmesser von 4 Fuß (1",2e). Derselbe ist relativ neu, denn er ist kaum ein Jahr in Benutzung. Das Speisewasser ist durch Farbstoffe stark verunreinigt und überdies gypöhaltig.

Ziemlich regelmäßig gegen Ende einer sechs Wochen andauernden Gangperiode bildete sich an der Feuerplatte eine Blase von mehreren Zollen Durchmesser, welcher Uebelstand selbstverständlich das Einziehen neuer Feuerplatten zur Folge hatte.

Nachdem sich dies oftmals wiederholte, versuchte man, als sich abermals eine Blase gebildet hatte, statt das Kesselblech auszuwechseln, die Popper'schen Einlagen als Gegenmittel in Anwendung zu bringen.

Die Ursache der sich stets erneuernden Calamität war allerdings keine andere als die Schlammablagerung und die Ansammlung von Kesselsteinstücken; es handelte sich also darum, das Mittel und die Kraft zu finden, welche während des Kesselbetriebes nicht nur das neuerliche Anhäufen von Schlamm und abspringende!! Kesselsteinsplittern und das darauf folgende Blasenbilden verhindern sollte, sondern auch darum, aus der bereits vorhandenen Blase die sich einlagernden Niederschläge, Schlamm und Kesselstein herauszutreiben.

Das Mittel zur Erreichung des besagten Zweckes bot der Popper'sche Apparat.

Die Wasserströmung, durch die aufschießenden Dampfblasen erzeugt, war eine so lebhafte, daß nicht nur keinerlei Erweiterung der Blase während des mehrwöchentlichen Betriebes sich zeigte, sondern daß auch dieselbe bei der darauf folgenden Reinigung des Kessels, vollkommen rein vorgefunden wurde. Ueberdies waren sämmtlicher Schlamm und die ganze Masse der während der Gangperiode von selbst abspringenden Kesselsteinstücke, welche sich sonst handhoch auf den vorderen Feuerplatteu anzusammeln pflegten, gänzlich vom Kesselblech entfernt in das Innere des Apparates dirigirt und dort abgelagert.

Die Kesselsteinkruste war durchgehend, namentlich aber an den Feuerplatteu so weit reducirt, als es die Präzis nur immer beanspruchen kann. Da sich die besagte äußerst dünne Kruste, wie die Versuche zeigten, auch bei weitem leichter als sonst von den Kesselblcche» ablöste, so kann auch aus diesem Umstände mit Zuversicht auf eine bessere Conservirung des Kessels geschlossen werden.

Der Gnmd der leichttreu Ablööbarkcit der Kesselsteinkruste dürfte in Folgendem zu suche» sein:

1) Wird die Kristallbildung (namentlich des Gipses) wegen der sehr heftigen Wasserströmung verhindert.

2) Wird, da aller Schlamm in die Mulde der Einlage dirigirt wird und sich daselbst ansammelt, der Kesselstein dichter, spröder und springt daher leichter vom Kesselbleche ab. Auch ist diese größere Dichtheit des Kesselsteines deswegen nicht zu unterschätzen, weil derselbe als dichter Körper kein so schlechter Wärmeleiter als der poröse und mit Schlamm geschwängerte Wasserstcin ist.

In Berücksichtigung der oben angeführten Ergebnisse und der erzielten Kohleuersparniß wurden nach Beendigung des Versuches auch alle übrige» Kessel des Etablissements mit den Einlage» versehen.

cl) Versuch mit einem Doppelkessel von je 3z Fuß (l^ii) Durchmesser und 20 Fuß (6^,3) Länge in der Färberei und Appretur von Salcs So hm zu Gaudenzdorf bei Wie».

Die Kessel leiden weniger an Wasserstein, zeigen aber namentlich auf den Feuerplatten zollhohen Schlamm und . Klumpe» von Kesselstcinstücken. Eine natürliche Folge dieser Ansammlung von Kesselsteinsplittern und Schlamm ist die häufige Blasenbildung und das Entstehen von Blechrissen, und zwar so, daß jeder Kessel in jedem Jahre mindestens ein« bis zweimal einer entsprechenden Reparatur unterzogen werden nmßte.

Nach mehrwöchentlicher Gangdauer mit den Popper'schen Einlagen wurden die Kessel geöffnet und gefunden, daß dieselben nicht nur keinen Schaden litte», sondern daß auch die inneren Wandungen der Bleche, von einer uuschädlichen, äußerst dünnen Wassersteinschicht abgesehen, von den bisherigen liebeln befreit, förmlich blank waren.

Der sich sonst namentlich an den Feuerplatten ablagernde Schlamm und die stets vorgefundenen Wassersteinstücke lagen lose in den Einlagen, welche ohne besondere Mühe herausgenommen und abgeschüttelt werden konnte», um vo» den. Feinde des Kesselbetriebes befreit zu werden.

Die unteren Blechtafeln (Bauch des Kessels) zeigten sich während des Betriebes stets mit Flugasche bedeckt, was bekanntlich darauf hindeutet, daß dieselben kühl erhalten wurde» und da dies vordem nicht beinerkt wurde, ebenso sehr der Entfernung des Schlammes von den Kcsselblechen, als auch der lcbbaftc» Wasscrcirculation zuzuschreiben ist.

e) Versuch mit einem Doppelkessel von 3,?» Fuß (l",l8) Durchmesser uud 33 Fuß (10^,4) Länge in der Baum- und Schafwollwaren-Maschinendruckerei von Charles Gl ozin in Maidliug bei Wie».

Das daselbst zur Kcsselspeisuug benutzte Waffe/ gehört zu der anerkannt schlechtesten, indem es außerordentlich viel Gysis enthält.

In diesem Etablissement konnten die Kessel kaum über drei Wochen, den Tag zu 12 Stunden gerechnet, in Betrieb erhalten werden, da in der vierten Woche wegen massenhafter Anhäufung von Kesselsteinsplittern uud Schlamm, namentlich an den Feuerplatten, nickt mehr der zum Betriebe erforderliche Dampf erzeugt werden konnte und überdies die Gefahr eines Durchbrennens der Kcsselbleche vorhanden war.

Die hier mit Poppcr'schen Kcffeleinlagen erzielten Resultate waren wahrhaft überraschend.

Die ganzen großen Haufen von Schlamm und abge

sprungenen Kcssclsteinstücke, welche sonst großcntbcils an den Feuerplatten zusammengeschoben und aneinander gebacken sich vorfanden, waren in das Innere des Apparates geführt und dort als unschädlich abgelagert.

Der gewöhnliche Kesselstein, welcher die Blechwände deckte nnd das Eindringen der Hitze verhinderte, war auf, bis z der sonstigen Dicke reducirt. An den kälteren Stellen war der Kesselstein fast gänzlich verschwunden.

Merkwürdig spröde und äußerst leicht ablösbar war auch dicsesmal der Kesselstein. Behufs Rei»igu»g des Kessels »nd des Apparates, welcher nur theilwcise (oberhalb der Feuerplatte») ausgehoben werden mußte, reichte eiu Zeitraum von nahezu 4 Stunde» hin. Ohne daß es für nothwendig befunden wurde, den übrige» Thcil der Eixlagen von der Stelle zn rücken, wurden die Kessel wieder geschloffen und von neuem augehcizt.

Dieses höchst günstige Resultat stand uach den Versuchen in der Apollokerzenfabrik zu Peuzing (Bd. XIII, T. 42?) nicht zu erwarten, und dürfte bei diesen außerordentlich schleckten Tpciscwässcrn auch nicht unter allen Umständen vo» vomherein erwartet werden.

s) Anwendung der Patentkcffclcinlagcn bei Cornwallkeffeln mit zwei Flammrohren in der Fabrik für chemische Producte von L. v. Rüsa in Pest.

Der Kessel hat einen Durchmesser von 5 Fuß (1",ä8), jedes der beiden Feuerrohre einen Durchmesser vo» 2 Fuß (0°» und eine Länge von 20 Fuß (6°».

Zur Speisung wird Donauwasscr benutzt, welches daselbst, sowie in den anderen nahegelegenen Fabriken, sehr schlammrcich ist. In Folge dieses UmNandes mußte der Kessel trotz einer nur vicrwöchcntlichen Gangdauer öfters ausgeblasen werden, da sich sehr bedeutende Schlammansammluugen, namentlich zwischen und unter den beiden Feuerrohren, bildeten.

Nach Einbringung der Einlagen wurde durch vier Wochen unuuterbiochen geheizt, ohne wie bisher den Kessel ansblasen zu müssen. Das Wasser im Wasserstandsglas war während dieser Zeit rein geblieben und das Spiel desselben ein ruhiges. Während der vierwöchentlichen Gangdauer wurde, wie selbst der Kcssclheizer zugestand, eine keincswegcs nnbcdeuteude Kohleuersparniß erzielt.

Nach dem Oeffuen des Kessel« fand man den sonst massenhaften Niederschlag durch die Eiulagsbleche, thcils als Schlamm, theils als festen Stein aufgefangen. An den Feuerrohr- uud Kessclwäuden war eine ganz düuue Stcinhaut (Kesselstcinkruste) im Mar.imum in ^ der früheren Dicke vorhanden und war dieselbe so außerordentlich leicht von den Wandungen ablösbar, daß nicht nur das früher notbwcndige Abmeißeln gänzlich wegfiel, sondern Stücke der dünnen Kruste theils durch die bloße Hand ohue Weiteres losgelöst, theils durch leichte Hammerschläge von den Kcsselwandungcn getrennt weiden konnten.

Während des Betriebes wurden überdies Beobachtungen über die Reinheit und Trockenheit des Dampfes angestellt, , welche zu dem höchst befriedigende» Resultate führten, daß derselbe reiner nnd trockener als vor Anwendung der Einlagen sei.

Diese durch Versuche erhärtete Behauptung fand auch ihre Bestätigung bei der Destillation und dem directen Kochen mit Dampf.

Hiermit wäre also auch die Wirksamkeit der Kesseleinlagen bei Kesseln mit innerer Feuerung erprobt und es wäre nur noch hinzuzufügen, daß, wenn vielleicht auch nicht unter allen Umständen ein so glänzender Erfolg der Einlagen von vornherein verbürgt werden könnte, wie er sich hier herausstellte, doch immerhin die erprobten Leistungen deutlich für die höchst günstige Wirksamkeit derselben sprechen.

ß) Versucht in der Troppauer Zuckerraffinerie und in der Oedenburger Zuckerfabrik führten zu den gleich günstigen Resultaten und bestätigen vollkommen die im vorher besprochenen Versuche aufgestellten Behauptungen.

In der Troppauer Zuckerfabrik ist der mit den Einlagen versehene Kessel ein Bouilleurkessel von 4 Fuß (l°>e) Durchmesser und 35 Fuß (11") Länge. Das Ergebniß dieses Versuches war, daß die Gangdauer des mit Einlagen versehenen Kessels auf das Doppelte der vordem üblichen Gangperiode ausgedehnt werden konnte. Während in obengenannter Fabrik stets längstens nach vier Wochen die Reinigung des Kessels veranlaßt werden mußte, wurde bei dem vorstehenden Versuche der Kessel durch acht Wochen ununterbrochen in Betrieb erhalten, und während sonst die Incrustation sehr bedeutend war und mit eisernen Hämmern losgelöst und abgemeißelt werden mußte, war diese nun ganz unbedeutend und in so geringem Maße an den Wandungen haftend, daß die vorgefundenen Niederschläge abgewaschen werden konnten.

b) Schließlich sei noch der mit den Popper'schen Einlagen angestellten, jedoch noch nicht zu Ende geführten Versuche in den Kohlen- und Eisenwerken zu Kladno in Böhmen und in dem k. k. österr. Salzbergwerke Wieliczka Erwähnung gethan.

In Kladno leiden die Kessel namentlich an starken Schlammanhäufungen und an während des Betriebes sich loslösendem Kesselstein. Nach dem erstmaligen Oeffnen des Kessels waren alle Kesselsteinabfälle und der Schlamm im Innern des Apparates, daher der Versuch als sehr befriedigend bezeichnet werden muß; doch werden die Proben fortgesetzt, um sich die Ueberzeugung vor der unter allen Umständen sich gleichbleibenden Wirkung des Apvarates zu verschaffen.

In Wieliczka wird zum Speisen der Kessel Grubenwasser verwendet, welches sehr kochsalz- und gvpshaltig ist. In Folge

dieser Tpeisewässer mußte die längste Gangdauer eines Kessels bisher auf zehn Tage beschränkt weiden.

Die Einlagen sollten vor Allem auf die gleiche Betriebszeit von zehn Tagen erprobt werden. Nach Ablauf dieser Frist wurde der Kessel (Bouilleurkessel) geöffnet und es fand sich, daß aller Schlamm und nahezu drei Viertel der abgesprungenen Kesselsteinstücke im Innern des Apparates lose angehäuft waren.

Daß ein Theil der während des Kesselbetriebes von den Kesselwandungeu losgelösten Wassersteiusplittcr im Kessel selbst zurückgeblieben wären und trotz der Heftigkeit der Wasserströmung von denselben nicht mit fortgerissen worden sein sollten, schien allerdings auf Grund der bisher vielfältig angestellten Versuche unwahrscheinlich, doch mußte es, in so lange nicht eine bestimmte, sichergestellte Erklärung über das Zurückbleiben dieser im Kessel lose neben- und übereinander liegenden Kesselsteinplättchen gefunden war, als richtig angenommen werden, so nachtheilig es auch für die verbürgte Wirksamkeit der Einlage» gesprochen hätte.

Nach wiederholten Proben, welche von dem Salinen-Ingenieur Ianosa mit vieler Umsicht geleitet und noch immer mit nunmehr etwas modiflcirten Apparaten fortgesetzt werden, zeigte sich jedoch bald, daß die nach dem Oeffnen und Abkühlen entdeckten Kesselsteinstücke nicht während des Kesselbetriebes im Kessel zurückblieben, sondern sich erst nach dem Erkalten des Kesselbleches successive von demselben ablösten und lose zerstreut liegen blieben.

Diese Beobachtung fand auch in dem Umstände ihre Bestätigung, als selbst Stücke von der Größe eines z Papier« bogeils mit der bloßen Hand von den Kessclwandungen leicht losgetrennt werden konnten und durch einen schwachen Schlag mit einem Hammer auf eine Blechtafel die ganze die Tafel deckende Kesselsteinschicht losgesprengt wurde.

Unter der dünnen sehr leicht zu beseitigenden Kruste zeigte sich das vollkommen blanke Eisenblech. Auf diese Weise würde in Folge der Verwendung von Popper's Apparat auch das gewaltsame Hämmern am Kessel und das Abmeißeln des Kesselsteines gänzlich erspart uud hierdurch zur Schonung der Dampfkessel nicht unwesentlich beigetragen werden.

Diese Andeutungen uud die aufgezählten Versuchsresultate mögen einstweilen genügen, um die Wirksamkeit der Patentkesseleinlagen richtig zu beleuchten.

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