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D„ ersten Platz in dieser Sammlung von Anek, . doten verdienen mit Recht zwey bis itzt noch nicht bekannt gemachte Briefe des großen Königs selbst, an seine geliebte Schwester die verwittwete Herzoginn von Braunschweig. Ihro König. Hoheit haben die Gnade gehabt, sie mir, in Dero eigenhändigen Abschrift, mitzutheilen, mit der Erlaubniß, davon Gebrauch zu machen. Der erste Brief ist kurz nach dem Tode des verewigten Menschenfreundes, des Prinzen Leopold, geschrieben, um die Herzoginn über den Tod dieses von ihr innig geliebten Sohnes zu trösten. Der zweite Brief ist der letzte, den der König an seine verehrungswert the Schwester nur sechs Tage vor seinem Tode schrieb, wodurch er höchst merkwürdig wird. Ich liefere beide sowohl im Original als in einer Uebersetzung, in welcher ich nicht sowohl auf die bloßen Worte gesehen, als den Sinn zu erreichen getracht tet habe. - A 2 I.

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„Es sind über siebenzig Jahre, seit ich auf der „Welt bin, und während dieser ganzen Zeit habe „ ich nichts als sonderbare Spiele des Glücksgefe„hen, welches zu einigen angenehmen Vorfällen, „ die uns begegnen, nicht wenig widrige mischet. „Wir schweben beständig zwischen vielem Kummer „und einigen vergnügten Augenblicken. Dieß „ ist, meine liebe Schwester, das gewöhnliche „Schicksal aller Meuschen. Jungen Leuten muß , der Verlust ihrer Verwandten und Freunde em„pfindlicher seyn, als den Alten. Die ersteren „vermissen lange die Freunde, die ihnen der Tod „entzogen hat; dagegen Leute von unserm Alter „wiffen, daß sie ihnen bald folgen werden. Die „Abgeschiedenen sind nun vor allen Unglücksfällen „gesichert; wir die wir am Leben bleiben, find „denselben beständig ausgesetzt. Alle diese Be„trachtungen, meine liebe Schwester, find nicht „sehr tröstend; ich gestehe es gern. Glücklicher „weise giebt Ihnen Ihre Weisheit und Ihr Geist „die Stärke, dem Schmerz zu widerstehen, den „eine zärtliche Mutter beym Verluste eines Ihrer „herzlich geliebten Kinder fühlen muß. Möge „der Himmel fortfahren Ihnen beizustehen und „mir eine Schwester erhalten, die das Glück mei„nes Lebens ist. Glauben Sie, meine liebe SchweA 3 „ster,

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„Le Medecin d'Hannovre +) a voulufe faire „valoir chez Vous, ma bonne foeur; mais la ve,,rité elt, qu'il m'a été inutile. Les vieux doi„vent faire place aux jeunes gens, pour que cha», que génération trouve fà piace; et à bien exa„miner ce que c'est que la vie, c'est voir mourir et , naitre fes compatriotes. En attendant je me „, trouve un peu foulagé depuis quelques jours. -, Mon coeur Vous reiste inviolablement attaché, mabonnefoeur. Avecla plus haute consideration." Mom adorable Soeur Votre fidele frere et feryiteur Féderic.

†) Man kann sich leicht vorstellen, daß dieser bei rühmte Arzt einsah, des Königs Krankheit fey tödlich, daß er aber der geliebten Schwester des Königs, als Sie ihn um defen Zustand mündlich befragte, die ganze Größe der Gefahr nicht habe entdecken können und wollen, sondern Ihr noch

einige Hoffnung übrig gelassen habe. Diese hatte

die Herzoginn dem Könige, den Sie so zärtlich liebte, vermuthlich mittheilen wollen. Aber der König, der sechs Tage vor seinem Tode wohl fühlte, daß alle Hülfe vergeblich feyn müßte, wollte es selbst Ihr ankündigen.

„ster, daß ich mit der zärtlichsten Zuneigung und „mit der vollkommensten Hochachtung bin“ „Meine verehrungswerthe Schwester“ „Ihr treuer Bruder und Diener „Friedrich.“

2.
, den 10. August 1736“
„Meine verehrungswerthe Schwester“

„Der Hannöversche Arzt +) hat Ihnen nur v, sagen wollen, er habe das Aeußerste gethan was „er konnte, meine liebe Schwester; die Wahr„heit aber ist, daß er mir nicht helfen konnte. Die „Alten müffen den jungen Leuten Raum machen, „damit jedes Menschenalter seinen Platz finde; „und wenn man recht überlegt, was das Leben ist, „fo ists nichts, als daß man seine Mitbürger ster„ben und geboren werden fiehet. Indessen befinde „ ich mich seit einigen Tagen ein wenig erleichtert. „Mein Herz bleibt Ihnen unveränderlich ergeben, „meine liebe Schwester. Mit der vollkommensten „Hochachtung“

„Meine verehrungswerthe Schwester“
„Ihr treuer Bruder und Diener

„Friedrich.“

Wer kann diese Briefe lesen, ohne äußerst das don gerührt zu werden? Man denke bey dem A 4 ersten

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