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gleichung der lebenden Mundarten in diesen und andern Fällen bleibt Andern und mir selbst vorbehalten.

Bei seltenen, wenn auch durch Verlesung und Verschreibung entstandenen, lateinischen und deutschen Varianten ist das Vorkommen in mehreren Glossarien an sich schon wichtig für die Geschichte der Glossographie, die Wechselbeziehungen der Glossen- und Glossar-familien. Verschiedenheit der Ausgabe wird manchmal nur durch einzelne Druckfehler gekennzeichnet.

Da bekanntlich der Irrthum zahlreiche Nachkommen zu gewinnen pflegt, sind verderbte Glossen und Varianten oft als erklärende Mittelglieder wichtig. Die Verderbniss hängt großentheils von dem Bildungsgrade des Schreibers ab; außerdem wirkte seine heimische Mundart oft auf die Gestalt der lateinischen und latinisierten Formen cin. Anderseits haben von den ältesten Zeiten an die lateinischen Wörter deutsche Neubildungen angeregt. Diese bezeugen immerhin mit der Willkůr der Bildner auch die biß in spåte Zeit fortdauernde Kraft und Freiheit der Sprachbildung, die sich der Vermehrung und Verfeinerung der Begriffe anschmiegt. Dieselbe zeigt sich sogar in den lateinischen Neubildungen, die nicht immer Missbildungen sind. Zu den Kennzeichen des lebendigen Sprachgefühls in 15. Jahrhundert rechnen wir auch die Trennung mehrerer Wortbestandtheile, darunter auch der Präfixe, in der Schrift; dagegen wurden Präpositionen (wie deutsch und lat. in, lat. a) oft mit den zubehörigen Wörtern in Schrift und Drucke verschmolzen.

Glossarien von der Gattung der meinen sollen Hilfswörterbücher für alle Glossenleser bilden. Diese wißen aus eigener Erfahrung, welche Thåtigkeit die - oft scheinbar leichte, ja selbstverständliche - Vereinigung des Zusammengehörigen, die Trennung des Scheinverwandten kostet. Die alphabetische Anordnung ist für jenen Zweck die geeigneteste. Jedoch verwischt sie den Charakter und damit manche Vorzüge der Sachwörterbücher (Vocabularii rerum), ohne durch Verweisungen völligen Ersatz zu gewähren. Indessen beruhen ganze Abtheilungen der Sachwörterbücher auf alphabetischen Vorlagen.

Ueber den vielseitigen Werth der alten Glossarien für die gesammte Kunde ihrer Zeiträume habe ich mich bereits in der Einleitung zu meinem alten Glossare geäußert. Sie spiegeln, wenn auch nicht in zusammenhangendem Bilde, das ganze Leben der Vorzeit ab, sowol das äußere in Haus-, Staats-, Gewerbs-, Kriegs-wesen u. s. w., wie den Umfang und die Beschaffenheit der damaligen Bildung in Kunst und Wißenschaft. In dieser Eigenschaft übertreffen nicht selten die von vornehmen Forschern übersehenen Vocabularien vom 14-16. Jahrhundert die früheren, deren sprachlicher Werth dagegen mit ihrem Alter wächst. Doch lohnen auch die ärmsten und verderbtesten Vocabularien jener späteren Zeit bis ins 17. Jahrhundert die aufmerksame Durchsicht durch sprachliches SonderEinleitung.

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eigenthum. Dies gilt in Bezug auf den Wechsel der örtlichen und zeitlichen Sprachformen denn auch für die verschiedenen Ausgaben der Druckwerke.

Für die Menge der erst durch die Vocabularien des 15-17. Jahrhunderts und eben auch durch meine Sammlungen den Lexikographen bekannt gewordenen Wörter zeugt jeder Bogen der von den Gebr. Grimm und von Benecke gegründeten Wörterbücher. Und doch hat letzteres mein erstes Glossarium noch bei weitem nicht genug ausgebeutet, indem es viele wichtige Wörter gar nicht verzeichnete, und bei solchen, die es aus andern Quellen als unica aufnahm, die zahlreichen Belege und Varianten in meinem Buche übersah. Einige Artikel des mhd. Wörterbuches fallen durch die in meinem vorliegenden Glossare enthaltenen Aufklårungen über die Bedeutung der mlt. Wörter ganz weg, wogegen ich den Fortsetzungen dieses Wörterbuches vielfachen Dank schulde und durch Citate bezeuge.

Ueberhaupt müßen die Germanisten die lateinischen Theile der Glossen nicht weniger verstehen, als die deutschen, wenn sie letztere nicht öfters missdeuten wollen. In vielen Fällen sind auch alte lateinische Bestandtheile der Glossen als deutsche aufgefaßt worden, selbst bereits von den älteren Abschreibern, wofür ich mehrere Beispiele gebe. Mir steht allerdings in meiner neuen wie in der älteren Arbeit das Deutsche nur råumlich in zweiter Linie; dennoch gilt mir auch das Lateinische darinn als Selbstzweck, so Viel ich dabei auch Kundigeren zur Beleuchtung übrig ließ.

Arbeiten dieser Art schließen sich überhaupt noch lange nicht ab. Noch ist die Zahl der unbenutzten Glossarien unbekannt und unübersehlich. Ihrer viele liegen noch in Klostern verborgen oder gehn dort verloren, sei es durch die Schuld der Mönche oder unverständiger Secularisierer. Ein Mone sollte seine einst so fruchtbaren Streifzüge wieder beginnen! Nachher in unserem Quellenverzeichnisse wird sich manche Aufforderung zur Veröffentlichung merkwürdiger Handschriften von selbst ergeben.

Eine Nachlese aus bekannteren und früher benutzten Quellen habe ich hier nur gegeben, wo die Vergleichung mit dem Neuen sie erheischte, oder wo sie selbst einer neuen Beleuchtung bedurfte. Dieß war öfters U. a. bei dem lat.-franz. Voc. 122. der Fall, welches Scheler mit kritischen Anmerkungen begleitet hat. In einer måßigen Auswahl bloß lateinischer Glossen gab mir namentlich die Hs. 37. in Verbindung mit dem schon früher benutzten Voc. 76. Anlaß. Jene gehört zu den Donaueschinger Handschriften, deren Benutzung ich der Güte des Herrn Dr. Barak verdanke. Zu den hochdeutschen, resp. alemannischen Vocabularien aus Donaueschingen gesellten sich die für die fürstliche Bibliothek daselbst neugewonnenen niederdeutschen aus dem v. Geissels'schen Nachlaße zu Köln, sowie die hs. Glossen und Vocabularien aus Frankfurter und Würzburger Bibliotheken. Die niederländische Gemme habe ich um so reichlicher ausgeschrieben, als sie die späteren niederrheinischen und hochdeutschen Gemmen sehr

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håufig erklårt und berichtigt. Die Herren Peters, Schroer und Rieger werden mir die ausgedehnte Benutzung ihrer werthvollen Sammlungen nicht als Plagiat anrechnen. Im übrigen verweise ich auf die Bemerkungen bei meinem Quellenverzeichnisse.

Auffallende Abkürzungen (ausser den Quellencitaten) und Zeichen suchte ich zu vermeiden. „sim.besagt: das Aehnliches in andern Glossarien vorkommt, womit bei den Donaueschinger Vocc. 27-34. nur sie selbst gemeint sind, wenn nicht ausdrücklich andere bezeichnet werden. Die Abkürzungen der Sprachennamen (mlt., ahd., ags. u. dgl.) setze ich als bekannt voraus. Von den mathematischen Zeichen kommt håufig das der Multiplication (W) vor, das hier der Vermischung gilt; selten die des Mehr (+), der allgemeinen Beziehung :) und der Gleichung (=). Den alten Vocabularien entliehen wurden wiederum ,, (vel, oder) und „,.“ für Erklärungen und Synonymen. Die Schreibweise der Quellen wurde möglichst beibehalten, namentlich die diakritischen Vokalzeichen, die mannigfaltigsten bei u, um der kritischen Lesung nicht vorzugreifen; einzelne Bemerkungen gibt das Folgende. Bei den Quellenzeichen bezeichnet die stehende (Antiqua-) Ziffer die Handschriften, wie die fette im vorigen Glossar, dessen Numern hier fortgesetzt werden, und dessen Quellen ich hier nochmals kurz aufzähle, weil viele derselben in dem neuen citiert werden. Die liegende (Cursiv-) Ziffer bezeichnet die gedruckten Quellen.

Quellen.

1. Handschriften.

1-26. des alten Glossars, 5-23. aus der Mainzer Stadtbibliothek, die

meisten aus dem 1. Drittheil des 15. Jh. Die Nrr. 11. 16. 22ab. 23. 24. sind niederdeutsch, die meisten Mainzer Hss, in rheinländischen,

zum Niederdeutschen neigenden Mundarten. 27-38. Hss. aus der fürstl. Bibliothek zu Donaueschingen; 27 - 34. latei

nisch - hochdeutsch, aus den dort mit 54-58 numerierten Bänden; 35-38. niederdeutsch, war zur Zeit noch nicht numeriert, aus einem

0. erwalınten Bande der früher v. Geisselschen Bibliothek zu Köln. 27. (Bibl.-nr. 54). Alphabetisches Wörterbuch vom J. 1421; mit 33.

verwandt. Von Columbinus an beginnt neue Hand und Mundart, vielleicht auch eine andere Vorlage, da eine Reihe von Glossen Co-Cr hier noch einmal und zwar theilweise mit neuen deutschen Bestandtheilen vorkommt. Randglossen von gleicher Hand und Dinte mit

28., die mit 65. verwandt sind, habe ich nur selten ausgeschrieben, 28. (Bbl.-nr. 54 f. 184"-7) gehört zu K. v. Megenbergs Buch der

Natur und enthält einige von Pfeiffer nicht gekannte oder nicht

genannte) Wortformen. 29. (Bbl.-nr. 55). Vocabularius. rerum a. 1466 von Nic. Liebinger

zu Landau, welcher viele Interjectionen und Rufe der Jäger und Hirten an die Thiere wegläßt, weil entsprechende lat. Ausdrücke „nun

quam vel raro reperiuntur.“ Ziemlich nahe vrw. mit 30., weniger mit · 34., obwol die Rubriken ähnlich lauten; stimmt oft zu 50., auch zu 1. 30. (Bbl.-nr. 56, 1. Abth.) V. rerum, „aureum Vocabularium,“ a. 1486.

Im allgemeinen schlecht geschrieben und abgefaßt, jedoch wiederum nicht ohne werthvolle Eigenheiten. Sein, auch bei lat. Wörtern vorkommendes ű ist (wie ü in andern Hss.) = u; bisweilen hat er i,

das (wie anderswo ú) = nhd. ů, í sein mag. 31. (Ebds. 2. Abth.) Nach einer neueren Bemerkung am Bodensee ge

schriebene Hs. von Bracks V. rerum (64.), dessen erster Druck

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ebenfalls im letzten Viertel des 15. Jh. erschien, und dessen kleinerer Ausgabe cin hier gegebenes alphabetisches deutsch-lateinisches Wörterbuch (nach Isidorus 1. X) mangelt. Ich habe nur auffallende Va

rianten von 64. ausgeschrieben. 32. (Bibl.-nr. 57). V. rerum ohne Jahrzahl. Die 1. Abtheilung enthält

bloß lateinische „Synonyma reuerendi magistri tulij nominum et verborum,“ von Michael Schiesser geschrieben. Stimmt öfters mit K. V., 40. und 93., weicht aber sonst in Anordnung, hd. Glossierung und oft auch in lat. Wörtern von allen mir bekannten Vocc. rerum ab, oft auf alte Urschrift deutend, mitunter auf niederdeutsche oder (s. v. Eutra pelia) niederländische. Ilat schwäbisch au aus â, selbst

öfters in lat. Wörtern; bisweilen deutsch ë. 33. (Bbl.-nr. 58, 1. Abth.). Alph. Wörterbuch a. 1502, geschloßen

von Matheus Kranhey bel de Praw; stammt aus der „liberaria in Millestatuis“ (Kloster Milstat). Mit f. 87 beginnt anderartige und kürzere Abfaßung, minder reich an seltenen lat. und deutschen Wörtern, durch welche die Hs. bis dahin mit dem merkwürdigen hd. Voc. 6. und mit den nd. 22. 23., demnächst mit 75. 76. und (in ausschließlichen,' jedoch bekannten Glossen) mit den Gemmen übereiustimmt. (Das unverstandene nd.nl. wretheit feritas deutete der Schreiber in frechait um.) Ferner stimmt es in der Mundart zu 34. und (oft auch in deutschen Glossen) zu P. V.; in deutschen Glossen öfters

zu 5., auch zu 91. 34. (Ebds. 2. Abth.). V. rerum olme Jahrzahl. Stimmt – auch in der

mit 33. gemeinsamen streng hd. oder alemannischen Mundart (mit oft gehäuften, auf rauhe Aussprache deutenden Consonanten und Diphthongen) – zu 1., demnächst zu 2. Die sehr deutliche und schöne Schrift hat er mit 33. f. 1-18! (von da an wird dort die Schrift enger) gemein; aber der Schreiber verlas häufig die Ur

schrift, besonders die lat. Wörter. 27-33. sind in Baraks musterhaftem Kataloge nåler beschrieben. Auffallend

ist der bei 33., mitunter auch den übrigen Hss., mit Ausnahme etwa von 31., bemerkbare Anschluß an die Glossen der nd. Vocabularien meines alten Glossars und der (ursprünglich nl.) Gemmen, wo diese von den andern niederrheinischen abweichen. 29. 30. 32. lieben, wie auch 93., die schöne einfache Bildung der (besonders abstrakten) Substantive durch das Suffix i (nhd. e) mit erhaltenem klingendem Vocale, selten in vollerer Form in 33. 34., und schieben, ähnlich wie das Alul., oft Vokale ein; ein in Schlussilben vor mund n eingeschobenes e (ě) wird gewöhnlich durch einen Bogenstrich über beiden Schlußkonsonanten ersetzt (z. B. arm); aus Im wird oft lbě m (z. B. Halbm), um das, gleichwohl aus m erwachsene, b leichter weich aussprechen zu laßen. Besonders, nicht ausschließlich, in 33. 34. steht über a,

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